INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 3
1. Begriffsklärung 5
2. Ausprägungen der häuslichen Gewalt 7
2.1 Physische Gewalt 7
2.2 Psychische Gewalt 7
2.3 Sexuelle Gewalt 7
2.4 Verbale Gewalt 8
2.5 Ökonomische Gewalt 8
3. Ursachen 9
3.1 Feministische Perspektive 9
3.2 Biologische Theorien 10
3.3 Lerntheorien 10
3.4 Kontrolltheorien 11
3.5 Austauschtheorien 12
3.6 Stress 12
4. Gewaltbetroffenheit 13
4.1 Männergewalt - Frauengewalt 13
4.2 Gewalt gegen Kinder 16
5. Auswirkungen der häuslichen Gewalt 18
5.1 Körperliche Folgen auf die Betroffenen 18
5.2 Soziale Folgen 18
5.2.1 Folgen für Erwachsene 18
5.2.2 Folgen für Kinder 19
5.3 Wirtschaftliche Folgen für die Gesellschaft 20
a) Ärztliche Versorgung 21
b) Spitalpflege 21
c) Medikamente 21
1
d) Polizei 21
e) Gerichte und Strafvollzug 21
f) Sozialhilfe und Opferhilfe 21
g) Unterstützung und Beratung 22
6. Juristische Situation 23
7. Massnahmen gegen häusliche Gewalt 24 7.1 Ein Langzeitprojekt gegen Gewalt in Ehe und Partnerschaft: Halt-Gewalt 25
8. Empirische Forschung 27 8.1 Probleme der empirischen Forschung im Bereich der Gewalt 27 8.2 Eine kleine Umfrage im Hörsaal 28
SCHLUSSWORT 31
LITERATURVERZEICHNIS 32
ANHANG 34
2
EINLEITUNG
Ich schreibe die vorliegende Oberseminararbeit im Rahmen der im Wintersemester 2005/06 besuchten Veranstaltung „Gewalt in der Moderne. Perspektiven der Konflikt-und Kooperationsforschung“ von Prof. Dr. Ueli Mäder. Im Seminar wurde unter anderem auf die Themen Soziale Disziplinierung, die Psychoanalyse von Siegmund Freud, die Kritische Theorie, Interkulturelle Konflikte, auf Glasls’ Eskalationsmodell und auch auf die Genderperspektive eingegangen.
Ich möchte eine Arbeit über häusliche Gewalt schreiben, da mich dieses Thema immer wieder sehr berührt hat und ich persönlich Leute kenne, die davon betroffen waren.
In meinem Vortrag vom 19. Dezember 2005 ging ich einleitend auf Definitionen und Ausprägungen der häuslichen Gewalt ein, auf die Ausrichtung der Gewalt auf Männer, Frauen und Kinder und Auswirkungen sowie kurz auf die juristische Situation und zum Schluss kurz auf das Projekt „Halt-Gewalt“.
Es ging mir im Referat vor allem darum, Definitionen zu präsentieren und eine Übersicht zu geben, um eine Grundlage für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema zu schaffen.
Ich werde in dieser Arbeit die Themen des Referates vertiefen und ausserdem auch auf die Ursachen, die zu häuslicher Gewalt führen können, sowie auf die Forschung eingehen. Der Schwerpunkt soll auf der Begrifflichkeit und den Ausprägungen der häuslichen Gewalt wie auch auf den Folgen liegen.
Im empirischen und letzten Teil der Arbeit gehe ich schliesslich auf die zwei Fragen ein, welche ich den Mitstudenten/-innen nach meinem Referat gestellt habe.
Auf folgende Fragestellungen gehe ich in dieser Arbeit unter anderem ein:
- Welche Parallelen/Unterschiede gibt es bei der Gewaltausrichtung gegen Männer, Frauen und Kinder?
- Welche Ursachen und Folgen hat häusliche Gewalt?
- Wie sehen aktuelle Massnahmen gegen häusliche Gewalt aus?
- Vor welche Probleme wird die empirische Forschung auf dem Gebiet der häuslichen Gewalt gestellt?
3
Gewalt in Partnerschaft und Familie gab es schon immer, es ist also kein Merkmal der Moderne oder der heutigen Zeit. Schon im 19. Jahrhundert thematisierte die Für-sorge Brutalität gegen Frauen und Kinder.
Aber trotzdem galt dieses Problem lange Zeit als Tabuthema. Was in den eigenen vier Wänden geschah, ging niemanden was an. Der Staat mischte sich nur ungern in die Angelegenheiten von Familien ein und auch die Polizei verhielt sich sehr zurückhaltend.
„Es gab eine Zeit, die 70er, da lernten die Frauen kämpfen und die Männer weinen. Heute sind kämpfende Frauen noch immer peinlich, weinende Männer schick.“ 1 Etwa seit den siebziger Jahren gelangt das Thema der häuslichen Gewalt immer mehr an die Öffentlichkeit, auch durch die Medien. Das gesellschaftliche Denken hat sich zusehends verändert. Frauenhäuser haben wesentlich dazu beigetragen, dass Gewalt, die innerhalb der eigenen vier Wände geschieht, dokumentiert und nicht mehr als persönliches Problem zwischen zwei Menschen angesehen wird. Sie gilt heute als öffentliche Angelegenheit und wird nicht länger toleriert. Auch Beratungsstellen zeigen auf, dass Gewalt in vielen Familien alltäglich ist.
In der Schweiz gibt es überdurchschnittlich oft häusliche Gewalt. Vielleicht mangelt es hier an einem sozialen Netz, welches die Betroffenen auffängt.
Merkmale der heutigen Gewalt sind: 2
• Vor allem für bestimmte Gruppen und Organisationen gehört Gewaltausübung zu den normalen Aktivitäten.
• Menschen, die sich hilflos fühlen, ziehen sich stärker aus dem öffentlichen Raum zurück.
• Die Bereitschaft zur Hilfe gegen Gewalt nimmt ab, die Menschen neigen dazu, eine passive Zuschauerrolle einzunehmen, jeder denkt zuerst an sich selbst.
• Es entsteht eine übertriebene Bereitschaft zur Gegengewalt.
• Es werden „gewaltfreie“ geschützte Zonen geschaffen, ausserhalb deren es unsicher ist.
1 Schwarzer 1992: 7
2 Ein paar Punkte, zitiert nach Von Cranach, in: Besozzi u.a. 2002: 31
4
1. Begriffsklärung
Die grössten Schwierigkeiten im Bereich der häuslichen Gewalt basieren auf dem Problem, sich auf eine klare Definition zu einigen, da es keine allgemeine oder gesetzliche Definition der häuslichen Gewalt gibt. Ich habe verschiedene Definitionen zusammengetragen um einen ersten Einblick zu bekommen, was alles darunter ver-standen wird. Unter den Begriffen `verhäuslichte Gewalt`, `familiäre Gewalt`, `Partnergewalt`, `Familienstreit` sowie `Gewalt im sozialen Nahraum` versteht man dasselbe wie unter häuslicher Gewalt.
Die Definition von Eggenberger u.a. lautet zum Beispiel: „Häusliche Gewalt liegt vor, wenn Personen innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten familiären oder partnerschaftlichen Beziehung physische, psychische oder sexuelle Gewalt ausüben oder androhen.“ 3
Godenzi definiert das wie folgt:
„`Gewalt im sozialen Nahraum` umfasst schädigende interpersonale Verhaltensweisen, intendiert oder ausgeübt in sozialen Situationen, die bezüglich der beteiligten Individuen durch Intimität und Verhäuslichung gekennzeichnet sind. Die Definition impliziert, dass weder Blutsverwandtschaft noch der Zivilstand der Beteiligten begriffsrelevant ist.“ 4
Das Internet-Lexikon Wikipedia weist folgende Definition vor: „Häusliche Gewalt bezeichnet Gewalttaten zwischen Menschen, die in einem Haushalt zusammen leben. Unter den Oberbegriff der häuslichen Gewalt fallen deshalb nicht nur Gewalt in Paarbeziehungen (vor, während und nach einer Trennung), sondern auch Gewalt gegen Kinder, Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern, Gewalt zwischen Geschwistern und Gewalt gegen im Haushalt lebende ältere Menschen.“ 5
3 Eggenberger, Kranich Schneiter, Lindauer 2004: 23
4 Godenzi, Alberto; Gewalt im sozialen Nahraum, 1993: 27. In: Gloor u.a. 2000: 22
5 http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4usliche_Gewalt.
Auf die Formen der Gewalt gegen ältere Menschen, Gewalt der Kinder gegenüber den Eltern und
die Gewalt zwischen Geschwistern werde ich aus Mangel an Untersuchungen und Daten nicht ein-
gehen.
5
In der Zeitschrift „Stopp! - Häusliche Gewalt“ wird das ähnlich definiert: „Delikte fallen unter den Begriff „Häusliche Gewalt“, wenn sie zwischen Personen geschehen, die sich nahe stehen.“ 6
Das heisst also, dass häusliche Gewalt in einem Haushalt, zum Beispiel in einer Beziehung oder Familie entsteht, wo Konflikte durch das enge Zusammenleben schneller eskalieren und durch Gewalt zum Ausdruck kommen können.
„(…) absichtliche oder als absichtlich wahrgenommener Gebrauch körperlicher Kraft, um Schmerz zuzufügen. Sie unterscheiden sich in der Gefährlichkeit für die Gesundheit der betroffenen Person: dem Unterscheidungskriterium von `normal` und `abusive violence`“. 10
6 Zeitschrift „Stopp! - Häusliche Gewalt“, Schweizerische Koordinationsstelle für Verbrechenspräven-
tion 2003: 7
7 Andrea Büchler: Gewalt in Ehe und Partnerschaft - Polizei-, straf- und zivilrechtliche Interventionen
am Beispiel des Kantons Basel-Stadt. Basilea/Ginevra/München, 1998. Aus: www.wikipedia.ch
8 Dies kommt auch in meiner kleinen Studie am Ende der Arbeit zum Ausdruck.
9 Alle drei Zitate aus Honig 1992: 77
10 Ebd.: 78
6
2. Ausprägungen der häuslichen Gewalt
Es gibt verschiedene Formen der häuslichen Gewalt. Man kann sie wie folgt unterteilen, wobei verschiedene Formen oft auch gleichzeitig auftreten. 11
2.1 Physische Gewalt
Die physische Gewalt verletzt die körperliche Integrität. Sie beinhaltet tätliche Angriffe, zum Beispiel schlagen mit und ohne Gegenstände, stossen, schütteln, beissen, würgen, einsperren oder sogar Mordversuch.
Wenn körperliche Gewalt im Spiel ist, ist es auch gefährlich. Die Polizei wird oft erst dann gerufen, wenn das Opfer schwere Schäden erlitten hat, da viele Zeugen befürchten, dass sie in Unannehmlichkeiten geraten könnten. In fast allen Fällen von körperlicher Gewalt kommt auch psychische Gewalt vor. 12
2.2 Psychische Gewalt
Psychische Gewalt hat das Ziel, zu erniedrigen. Darunter fallen zum Beispiel konstantes unverhältnismässiges Kontrollieren, Belästigung, Erpressung, Drohungen, Bevormundung, emotionale Manipulation, Beschimpfung, Verbote oder auch wenn man einen Menschen isoliert, zum Beispiel wenn man ihm Kontakte verbietet.
2.3 Sexuelle Gewalt
Unter sexueller Gewalt wird sexuelle Belästigung, Nötigung, Vergewaltigung oder auch der Zwang zur Prostitution verstanden.
Sie ist die schlimmste Form der Gewalt, weil sie „moralisch inakzeptabel, erniedrigend, oft gefährlich für die Opfer und auch in einer aufgeklärten Zeit vom Schatten der Geheimhaltung umgeben“ 13 ist. Die Dunkelziffer scheint daher in diesem Bereich besonders hoch und schwierig schätzbar zu sein.
Bei einer anonymen Rekrutenbefragung gaben 14 Prozent der jungen Männer an, im vergangenen Jahr sexuelle Gewalt ausgeübt zu haben.
11 Unterteilung übernommen von http://www.frauenhaus-schweiz.ch/d_gewalt.html
12 http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4usliche_Gewalt
13 Von Cranach, in: Besozzi u.a. 2002: 57
7
Arbeit zitieren:
Eva Scheller-Bötschi, 2006, Häusliche Gewalt - Übersicht und Präventionsmassnahmen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Fremdenfeindlichkeit in Deutschland
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Hausarbeit, 32 Seiten
Psychische und physische Auswirkungen der Arbeitslosigkeit: Macht Arbe...
Hausarbeit, 34 Seiten
Interventionsmöglichkeiten bei Gewalt gegen Frauen in der Familie
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 31 Seiten
Deutsch als Fremdsprache in Norwegen
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Seminararbeit, 13 Seiten
Frauen als Täterinnen - Unterscheiden sie sich zu Tätern?
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 14 Seiten
Die Transkulturalität auf dem Prüfstand
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit, 19 Seiten
Gewaltdarstellungen in Medien - ein pädagogisches Problem?
Vordiplomarbeit, 23 Seiten
Systemische Konzepte und interkulturelle Beratung - Interkulturelle Be...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 132 Seiten
Schuld und Scham in Hans-Ulrich Treichels "Der Verlorene" un...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 29 Seiten
Eva Bötschi's Text Häusliche Gewalt - Übersicht und Präventionsmassnahmen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Eva Bötschi hat den Text Häusliche Gewalt - Übersicht und Präventionsmassnahmen veröffentlicht
Eva Bötschi hat einen neuen Text hochgeladen
Häusliche Gewalt und Tötung des Intimpartners
Prävention und Fallmanagement
Jens Hoffmann, Isabel Wondrak
Häusliche Gewalt und die strafjustizielle Erledigungspraxis
Eine Justizaktenanalyse
Ulrike Mönig
0 Kommentare