Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
I. Das tayloristisch-fordistische Paradigma. 5
II. Das Umkippen des tayloristischen-fordistischen Paradigmas 8
1.) Die Veränderung der Arbeitsbedingungen unter
dem Einfluss komplexer Produktionsanforderungen 8
2.) Der Einfluss neuer Produktionskonzepte 10
3.) Der Paradigmenwechsel als Folge
kapitalistischer Rationalisierung in den
industriellen Arbeitsbeziehungen 16
III. Schlussbetrachtung. 19
Literatur. 24
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Einleitung
Mit der industriellen Revolution erreichte das Verhältnis von Mensch und Arbeit ein neues Niveau und erlangte eine Bedeutung für die Gesellschaft, wie noch nie zuvor. Dieses Verhältnis war deswegen schon immer ein starkes Thema in der Soziologie, die später die Teilgebiete Arbeits-, Industrie-, und Organisationssoziologie ausdifferenzierte. Der Fokus liegt in dieser Arbeit bei der Industriesoziologie. Zunächst interessierte an diesem Verhältnis das Phänomen der menschlichen Arbeitsteilung. Aber mit der zunehmenden Industrialisierung gewann das Element der Technik immer mehr Bedeutung in den menschlichen Arbeitsbeziehungen. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Einsatzes moderner Techniken in der Industrie sieht sich die Industriesoziologie der Frage gegenübergestellt, welche langfristigen Auswirkungen die Umgestaltung der Produktionsmechanismen auf die Produktionsarbeit hat. Es geht nicht mehr nur um Arbeitsteilung, sondern vielmehr um das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit in Verbindung mit dieser neuen, sehr technisierten Produktionsweise.
In der Industriesoziologie geht es formal gesehen um menschliche Arbeit, und zwar um Lohnarbeit. Und diese ist aufgrund der Industrialisierung seit Ende des 19. Jahrhunderts immer weiter verbreitet worden. Daher setzte sich in der Soziologie bald der Begriff industrielle Arbeitsbeziehungen durch. Im Arbeitsmarkt reichen ökonomische Mittel alleine nicht mehr zur Erklärung des Verhältnisses von Mensch und Arbeit aus. Die menschliche Arbeitsleistung muss in den Betrieben und Organisationen erst abgerufen werden, wozu Arrangements benötigt werden, die den Arbeitsprozess kontrollieren. Diese „Arrangements“ gewannen mit der zunehmenden Technisierung immer mehr Bedeutung. Die Entwicklung und Anwendung von Modellen über Arbeitsarrangements steht im Mittelpunkt der Industriesoziologie. Allerdings sind Grenzen der Verallgemeinerung dieser Modelle vorhanden, sie kommen eher als Theorien mittlerer Reichweite im Sinne Mertons zur Anwendung. In den industriellen Arbeitsbeziehungen stellt sich die Frage, wie die Beziehungen zwischen Arbeiter und Kapitalisten im Hinblick auf die aktuellen
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Marktanforderungen ausgestaltet sind und nach welchen Prinzipien sie organisiert sind. Daher sind die industriellen Arbeitsbeziehungen heute ein sehr wichtiges Feld der Soziologie, denn die Veränderungen von Arbeitsbeziehungen stellen ja auch Veränderungen von menschlichen Beziehungen und damit nicht zuletzt von gesellschaftlichen Beziehungen dar. Als ein solches Gestaltungsprinzip menschlicher Arbeitsbeziehungen setzte sich in den 1920er und 1930er Jahren das tayloristisch-fordistische Paradigma durch. Zuerst in den USA und nach dem ersten Weltkrieg auch in Deutschland. Solche paradigmatischen Gestaltungsprinzipien entstehen aufgrund der kapitalistischen Produktionsweise, denn sie zielen darauf ab die Produktivität der Arbeit und den Gewinn zu erhöhen. Das tayloristisch-fordistische Paradigma hatte lange Zeit Bestand und beeinflusste die industriellen Arbeitsbeziehungen maßgebend; und somit auch die Lebensweise vieler Menschen.
In dieser Arbeit geht es um eben dieses Paradigma industrieller Arbeitsbeziehungen. Es soll aber nicht nur der Frage nachgegangen werden, wie es sich durchsetzte und wie die Arbeitsplatzgestaltung unter diesem Paradigma aussah, sondern es sollen auch diese Fragen beantwortet werden: „Wie kam es zum Niedergang des tayloristisch-fordistischen Paradigmas?“ „Und welche Auswirkungen hatte dies auf das Verhältnis von Mensch und Arbeit und die industriellen Produktionskonzepte?“
Dazu wird zunächst das tayloristisch-fordistische Paradigma kurz vorgestellt. In einem zweiten Schritt werden die Befunde von Kern und Schuman erläutert. Sie stellten sich Ende der 1960er Jahre die Frage, ob die, in den 1920er und 1930er Jahren angenommenen, Prinzipien des tayloristisch-fordistischen Paradigmas in den industriellen Arbeitsbeziehungen überhaupt noch Bestand hatten. Des Weiteren soll ein Blick auf die Veränderungen der industriellen Arbeitsbeziehungen geworfen werden, z. T. mit Hilfe eines Vergleichs mit
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Gestaltungsprinzipien industrieller Produktionsweise in anderen Ländern (Der Kontext dieser Arbeit ist die BRD. Z. T. wird auf die USA und Japan eingegangen, um Unterschiede zu verdeutlichen). Abschließend werden die Ergebnisse und deren Gründe zusammengefasst. Dabei kommen auch „externe Faktoren“, wie die Wünsche der Konsumenten ins Spiel; also nicht nur die in dem Verhältnis von Arbeit und Produktionsweise immanent enthaltenen Bedingungen.
I. Das tayloristisch-fordistische Paradigma
Die industriellen Produktionsweisen wurden auch in der Bundesrepublik Deutschland nachhaltig vom so genannten Taylorismus, der von Frederic Taylor (USA) entwickelt wurde, beeinflusst. Frederic Taylor ist der Begründer des „Scientific Management“, welche die Vorteile der (schon bekannten) Arbeitsteilung optimieren sollte. Die Vorteile der Arbeitsteilung sind eine bessere Ausnutzung von Arbeit und Kapital, die Erhöhung der Arbeitsproduktivität und die Schaffung günstiger Voraussetzungen zur Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens.
Unter „Scientific Management“ kann eine planmäßige Untersuchung der Arbeit verstanden werden. Taylors Innovation hierbei war der Ersatz universeller Organisationsprinzipien durch das „wissenschaftliche Experiment“. Er führte Zeit- und Bewegungsstudien von Arbeitsabläufen durch und setzte die dabei ermittelten wissenschaftlichen Werte an die Stelle althergebrachter Faustregeln. Taylor war der Auffassung, dass sich fast alle Aspekte der betrieblichen Tätigkeit, z. B. bestimmte Bewegungsabläufe oder das Entlohnungssystem, mittels eines kontrollierten empirischen Experimentes bestimmen lassen. Für jeden Arbeitsschritt gibt es nach Taylor einen „One Best Way“ diesen
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auszuführen. Dieses Prinzip wurde später auch „Best Practice“ genannt. Die wichtigste Innovation Taylors aber war die Trennung von Hand- und Kopfarbeit. Die Arbeiter werden von aller geistigen Arbeit befreit und haben sich nur noch um die Ausführung der Arbeit zu kümmern. Leitungs- und Überlegungsarbeit findet nun in den so genannten „Arbeitsbüros“ statt. Ihre Aufgabe besteht darin traditionelles Wissen systematisch zu sammeln und auf bestimmte Gesetze und Formeln zu reduzieren, sowie diese Gesetze, Formeln und Regeln auf die tägliche Arbeit eines Betriebes zu übertragen. Dies alles sollte der Erhöhung und qualitativen Verbesserung der Ausbeute der Arbeiter dienen, und stellt somit nichts anderes als eine Art Rationalisierung kapitalistischer Produktionsweise dar.
Obwohl der Taylorismus in den USA entstand, wurde ihm in Deutschland spätestens nach Ende des ersten Weltkrieges mehr Beachtung zuteil. Dies begründet sich darin, dass in der BRD nach dem ersten Weltkrieg die Phase der industriellen Massenproduktion begann und durch die Orientierung an den tayloristischen Arbeitsprinzipien eine viel höhere Produktivität erreicht werden konnte. Dies führte in der Folge zum Durchsetzen und Verhärten des tayloristisch-fordistischen Paradigmas in der Industrie. In den USA wurden für die Rationalisierung der industriellen Produktion die Gestaltungsprinzipien des Fordismus 1 bedeutsamer als der Taylorismus. Als Begründer des Fordismus gilt Henry Ford, der durch seine Ideen den Fertigungsprozess in der Automobilindustrie soweit rationalisierte, dass ihm die Produktion eines „Automobils für Jedermann“ gelang. Beim Fordismus wird die Produktion entlang des Fertigungsflusses organisiert, d.h. die zu bearbeitenden Produkte werden am Arbeiter bzw. an den Maschinen und Werkzeugen
1 Das Schlagwort Fordismus prägte vor allem die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Entstanden war der
Fordismus in den 20er-Jahren innerhalb der Diskussion um mechanisierte Produktion. Er bezeichnete die
technische Utopie, d.h. die Vorstellung, dass der gesamte Arbeitsprozess vollautomatisiert werden könnte
und in diesem Zuge unbegrenztes Wachstum, ständige Produktivitätssteigerungen und eine Verringerung
der Arbeitszeit bei gleichzeitig steigendem Lebensstandard entstehen würde. Die Industriesoziologie
befasste sich in diesem Kontext unter dem Stichwort „Human-Relations-Lehre“ mit der Suche nach
Wegen zur optimalen Einbindung der menschlichen Arbeitskraft in den technischen Prozess.
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vorbeigeführt, die Geschwindigkeit des Bandes bestimmt dabei die Arbeitsintensität. Weitere Merkmale des Fordismus sind die Typisierung des Produkts, eine hohe Technisierung der Produktion (Automatisierung), die Austauschbarkeit der Teile und eine präzise Fertigung möglichst ohne handwerkliches Nacharbeiten.
Gemeinsames Hauptmerkmal beider Rationalisierungsprinzipien ist die Zerlegung der Arbeitsprozesse in kleinere Einheiten um möglichst ökonomisch zu produzieren. Dieses Ziel versucht der Fordismus mit technischen Mitteln zu erreichen, indem dem Arbeiter beispielsweise alle Werkzeuge griffbereit zu Verfügung stehen und ihm die Arbeitsgegenstände zugeführt werden, er sie also nicht zu holen braucht.
Der Taylorismus versucht diese Ziele hingegen durch organisatorische Mittel zu erreichen z. B. durch die Trennung von geistiger und körperlicher Arbeit. Das Ziel beider Prinzipien ist also das gleiche, lediglich die Mittel um es zu erreichen variieren. Bei beiden Systemen geht es also um die Analyse des Arbeitsprozesses und um das Prinzip der höchsten Effizienz. Im Taylorismus werden die angestrebten Ziele mit Hilfe von organisatorischen Mitteln erreicht und im Fordismus geschieht dies mit Hilfe von technischen Mitteln. Und die Kombination aus Elementen beider Prinzipien kann als das tayloristisch-fordistische Paradigma, welches die industriellen Arbeitsbeziehungen lange Zeit bestimmte, verstanden werden.
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Arbeit zitieren:
Mag. Dominic Vaas, 2004, Das Umkippen des tayloristischen-fordistischen Paradigmas, München, GRIN Verlag GmbH
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