Inhalt
1. Einleitung 3
2. Der Einfluss der Romantik. 3
3. Die eigentlichen Stammväter der Tiefenpsychologie 7
3.1 Wille und Vorstellung im ES und ICH. 7
3.2 Der Einfluss Nietzsches Gedankenguts auf Freuds Denkweise 9
4. Freud als Kind einer Zeit von Größe und Begrenztheit. 11
5. Literaturverzeichnis 13
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1. Einleitung
Sigmund Freud (1856-1939), Begründer der Psychoanalyse, setzte durch seine Entdeckungen eine geistige Revolution in Bewegung, welche die Denkweise der Menschen unwiderruflich veränderte. Seine Erkenntnisse sind nicht nur von unentbehrlicher Bedeutung für Psychologie und psychiatrische Forschung, sondern haben darüber hinaus auch Einfluss auf alle anderen Kulturwissenschaften. Wie Darwin, Marx, Nietzsche und Schopenhauer gehört er zu jenen resümierenden großen Denkern der Weltgeschichte, welche Kultur- und Denkweise eines ganzen Jahrhunderts revolutionierten, indem sie alte Denkformen zerbrachen und traditionelle Vorurteile entlarvten. In den Arbeiten Freuds, einem „Kind seiner Zeit“, einer Zeit des Umbruchs, spiegeln sich verschiedene Strömungen und Ereignisse wider, die ihn beeinflussten: Wissenschaftsglaube und Evolutionismus, Industrialisierung, Krieg, seine Angehörigkeit zu gehobenen Wiener Kreisen, seine Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben sowie die Lektüre der Arbeiten vieler großer Denker. Es würde den Rahmen sprengen, alle Einflüsse im Einzelnen aufzugreifen und näher auf diese einzugehen. Der vorliegende Text beschränkt sich deshalb auf den Einfluss der Epoche der Romantik, welche viele große Denker hervorgebracht hat, die wichtige Ideen Freuds bereits angedacht hatten. Basierend auf Ellenbergers Werk „Die Entdeckung des Unbewußten“ soll gezeigt werden, dass Sigmund Freud Erbe einer bestimmten geistigen Tradition war, ohne die er seine Ideen nicht hätte derart entwickeln und durchsetzen können, und es ihm dadurch ermöglicht wurde, selber zum Urheber einer eigenen, bis dahin nie so formulierten, Geistesströmung zu werden. Im Besonderen wird Freuds Werk auf die Einflüsse der Arbeiten Schopenhauers und Nietzsches untersucht, welche beide als wichtige Vorreiter der Tiefenpsychologie gelten.
2. Der Einfluss der Romantik
Die Romantik (1800-1830) hatte ihren Ursprung in Deutschland. Der Kult des Irrationalen und des Individuums, welcher diese Epoche auszeichnet, ist als kulturelle Reaktion auf die Epoche der Aufklärung, welche im Gegensatz dazu die Vernunft und die Werte der bürgerlichen Gesellschaft hoch pries, zu verstehen. Das vorherrschende Gefühl für die Natur, Empathie, Einfühlung in verschiedene Geschichtsperioden, Traditionen, Mythen, Weltanschauungen, das Interesse für Träume und die Faszination für Geisteskranke, stellten das Gemüt über den Intellekt. Diese Epoche inspirierte viele Dichter und Künstler zu großen Werken, auf welche Freud sich in seinem auf 1900 datierten Werk „Die Traumdeutung“ explizit berief. Tho-
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mas Mann formulierte zu Freuds 81. Geburtstag in seinem Aufsatz „Freud und die Zukunft“: „Das mythische Interesse ist der Psychoanalyse genauso eingeboren, wie allem Dichtertum das psychologische Interesse eingeboren ist. Ihr Zurückdringen in die Kindheit der Einzelseele ist zugleich auch schon das Zurückdringen in die Kindheit des Menschen, ins Primitive und in die Mythik.“ 1 […] Er beschrieb damit eben jene Parallele zwischen dem Geist der Romantik und der Psychoanalyse. Durch die Konzentration auf die innersten Eigenschaften fand man Zugang zum Unbewussten, und so konnte aus der Grundvorstellung der romantischen Philosophie von Urphänomenen und Metamorphosen, die aus diesen hervorgingen, die Fallgeschichte psychisch Erkrankter mit ihrer Lebensgeschichte in Beziehung gesetzt werden. Im Gegensatz zu der klinischen Medizin seiner Zeit, die Psyche und Somatik strikt trennte, entwickelte Freud unter anderem die Theorie, dass Hysterie nicht in Hirnanomalien, sondern in der Lebensgeschichte ihre Ursache hätte. Anknüpfend an die Denker der Romantik stellt sich in seiner Trieblehre der „Ödipuskomplex“, als Urphänomen, als der Kernkomplex der Neurose dar. Freuds Interesse für Mythen war nicht nur von großer Bedeutung für die Traumdeutung sondern auch für die Entwicklung der Trieblehre, wobei er Triebe als große mythische Wesen darstellte. Um 1830 wurde die Romantik als Epoche des Irrationalen von dem Glauben an das wissenschaftlich Machbare, unter dem Einfluss der Industrialisierung abgelöst, aber später von den Denkern wiederentdeckt. Gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts gab es drei klare Strömungen in der Erforschung des Unbewussten, welche Freuds Denk- und Arbeitsweise beeinflusst haben. Dieses war zum einen die Strömung der Dichter wie Goethe und Novalis, zum anderen die der Naturphilosophen wie Schelling und die, der medizinisch, philosophisch Interessierten, wie C.G. Carus, Schopenhauer und Nietzsche. Letztere formulierten psychologische Hypothesen und erdachten Modelle für die menschliche Persönlichkeit, auf die Freud später zurückgreifen konnte .Im Jahre 1885 bildete sich jene intellektuelle Richtung aus, die auf den Realismus und Wissenschaftsglauben antwortete, indem sie eine neue Interpretation des romantischen Gedankenguts etablierte und weiterentwickelte, welches damals so abrupt zugunsten der aufklärerischen Tendenzen aufgegeben wurde, die „Neuromantik“. Die Romantik kehrte in einer solchen Weise zurück, dass sie als Reaktion gegen den Naturalismus und den Positivismus, somit den Kult der Fakten und des Wissenschaftsglaubens, welche die Epoche der Romantik beendet hatten, zu verstehen war. Anders als in der Romantik wurde nicht Wachsen und Werden, sondern der Verfall, nicht das Einfühlen in Geschichtsperioden, sondern Dekadenz glorifiziert. Der Kult des Individuums wurde bis zum Narzissmus betrieben. Das allgemein vorherrschende Gefühl war Pessimis-
1 Mann,Thomas: Freud und die Zukunft (S. 30)
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Arbeit zitieren:
Dominika Wosnitza, 2002, Der Einfluss der Romantik auf Freuds Denk- und Arbeitsweise unter besonderer Berücksichtigung der Werke von Schopenhauer und Nietzsche, München, GRIN Verlag GmbH
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