Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Grundlagen der Analyse 3
2. Berlin meets Wien Ein deutsch-österreichisches Projekt 6
3. 1983 Kommerzieller Höhepunkt und Ende der Neuen Deutschen Welle 8
4. Im Sauseschritt in die Charts Der Nr 1-Hit Codo 10
4.1. Kommerzielle Aspekte 13
4.2. Kulturelle Aspekte und gesellschaftlicher Hintergrund 14
4.3. Ästhetische Aspekte 15
4.3.1. Klangliche und visuelle Besonderheiten 15
4.3.2. Inhaltliche und sprachliche Beschreibung 16
4.3.3. Wirkung und Charakter der klanglich-visuellen Präsentation 17
5. NDW oder neuer deutscher Schlager Versuch einer Kategorisierung 18
6. Abschließende Bemerkungen 19
7. Literaturverzeichnis 21
7.1. Verwendete Literatur 21
7.2. Internetquellen 22
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1. Einleitung und Grundlagen der Analyse
Die Band mit Namen „DÖF“ ist sicher nur noch wenigen Musikhörern ein Begriff und
auch die Bezeichnung „Codo“ lässt nicht gerade auf einen bekannten Musiktitel oder
sogar Nr.1- Hit aus den frühen 80er Jahren schließen. Spielt man diesen Song jedoch an,
wird es eine eindeutige Mehrheit an Hörern geben, die sich, aufgrund der auffälligen
Repetitionen im Chorus und der Textzeile „düse im Sauseschritt“, an dieses Lied erin-
nert. Wer hätte gedacht, dass ein Wiener „Szene-Freak“ namens Georg Januszewski der
Band zur Entstehung des Songs mit anschließenden Charterfolg verhalf, indem er den
Musikern einmal im betrunkenen Zustand die Zeile „...und ich düse, düse, düse“ vor-
sang. Januszewski bildete sich ein der Außerirdische Codo zu sein 1 und prägte mit sei- nen Äußerungen die Thematik und Titelbezeichnung dieses Musikstücks.
Der oben aufgeführte Popsong soll im Folgenden analytisch betrachtet und dem histori-
schen Kontext nach eingeordnet werden mit anschließender Herausstellung der Beson-
derheiten unter kommerziellen, kulturellen und ästhetischen Gesichtspunkten.
Bedingung bei der Auswahl des Titels ist die Notwendigkeit der Chartplatzierung in den
TOP 10, d.h. die Plätze 1-10 der offiziellen Charts in Deutschland ermittelt durch Media
Control im Auftrag des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft e.V. 2 und zusätzlich, wie es bei dem zu untersuchenden Titel der Fall ist, die offiziellen Charts aus
Österreich und der Schweiz 3 . Gerade diese Bedingung ist von Wichtigkeit, denn die Analyse soll Aufschluss darüber geben, welche strukturellen und gestalterischen Merk-
male, wie auch gesellschaftliche Hintergründe diesen Song zu einem „Hit“ werden lie-
ßen.
Eine Definition für den Begriff Hit im musikalischen Sinne zu finden, ist dabei nicht
einfach. Zunächst ist die Bindung an den Tonträgerverkauf von Bedeutung, denn ein Hit
ist ein kommerzielles Produkt der Pop-/Rockmusik oder U-Musik und als Massenware
für
1 Österreich aktuell, in: Der Musikmarkt, 01. August 1983, Nr. 15, S. 34
2 Vgl. media control GmbH & Co. KG, Baden-Baden, URL: http://www.media-control.de/musik- charts.html (Stand: 10.01.07)
3 Vgl. hitparade.ch-Gruppe, Dietikon (Schweiz), URL: http://www.austriancharts.at und http://hitparade.ch (Stand: 10.01.07)
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jeden zugänglich. Die verkauften Einheiten werden in Relation zu anderen verkauften Musiktiteln wöchentlich in den Charts abgebildet. Die Charts fungieren als Marketing- instrument der Musikindustrie und Vermittler zwischen Verkaufspotentialen und Ton- trägermarketing. Dabei spielt in diesem kommerziellen Prozess die Quantität eine große Rolle und äußert sich in der Anzahl verkaufter Titel mit dem Ziel, den Umsatz von Ton- trägern zu steigern und eine größtmögliche Konsumentengruppe zu erreichen. Die Qua- lität eines Popsongs lässt sich nicht allein über die Quantität oder Chartplatzierung beur- teilen, denn der Konsum der Masse repräsentiert und orientiert sich nicht immer an qua- litativen Bestleistungen.
Geht man von der englischen Sprache aus, so findet man für „Hit“ die Übersetzung „Treffer/ Schlag/ Schlager“. Das betreffende Lied zeichnet sich durch einen überra- schenden, schnellen Chart-Einstieg in den höheren Positionen aus und „schlägt“, um es bildlich zu sagen, ein, wie eine Bombe. Die Redewendung „einen Treffer landen“ signalisiert das gleiche, nämlich das Ziel, die ersten Plätze der Charts erfolgreich zu erreichen. Dem Musik-Hit liegen, wie auch der Pop-/Rockmusik allgemein, Eingängigkeit, „Ohr- wurmcharakter“, „Singbarkeit“, Wiederholungen, „Hook-Line“, Redundanz sowie Ein- prägsamkeit zugrunde. Spricht man vom „Ohrwurm“ setzt sich in einer Art kognitiver Prozess z.B. der melodische Part eines Popsongs im Gedächtnis über Stunden oder so- gar einen gesamten Tag lang fest und bewusste Kontrolle darüber scheint unmöglich. Ein Phänomen, welches aus dem Alltag allgemein bekannt ist und bei einem Großteil von Musikhörern auftritt.
Wiederkennungs- und Überraschungseffekt sollten auf jeden Fall zutreffen, um von einem Hit sprechen zu können. Ebenso scheint die sofortige Speicherung bestimmter musikalischen Merkmale im Gedächtnis eine Voraussetzung dafür, dass ein Song zu einem Hit wird oder werden kann. Über das Erinnerungsvermögen gerät dieser Song nicht in Vergessenheit, denn ein Hit ist oft umschrieben als „unvergessener“ Song. Es muss dabei nicht immer die zugehörige Band in Erinnerung bleiben, gerade dann, wenn nur ein bekannter Song existiert, den die Mehrheit der Hörer kennt. In dem Fall werden Song und Künstler von Medien und Plattenindustrie in die Kategorie „One-Hit- Wonder“ eingestuft, was bedeutet, dass kein weiterer bemerkenswerter Charterfolg ge- lang.
Eine hohe Chartplatzierung kann auch durch die Plattenfirma oder Management geför- dert, wenn nicht sogar forciert werden, z.B. durch Arrangement eines erfolgreichen
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Produzenten oder über Pressemitteilungen, positive Beiträge oder Aufmerksamkeitslen-
kung in Print-, Onlinemedien sowie TV und Rundfunk. Dies sei jedoch nur spekulativ
erwähnt und müsste noch genauer verifiziert werden.
Aufgrund der wachsenden Fangemeinde kann ein Song ebenfalls zu einem Hit avancie-
ren, schlichtweg über die mündliche Verbreitung. Dabei spielen soziale Mechanismen
innerhalb dieses kulturellen Prozesses eine wichtige Rolle, wie die Orientierung an der
Gemeinschaft bzw. Suche nach Gemeinsamkeit und Bildung von neuen Subkulturen
innerhalb der Musikszene, wie z.B. Punks, Popper, Mods, Heavy Metal Fans etc.
Zu den ästhetischen Aspekten zählen die visuellen, klanglichen, sprachlichen bzw. in-
haltlichen Umsetzungen des Songs und deren Wirkungen. Dies sind gestalterische und
ganzheitliche Prozesse, die dem Popsong seine Struktur und Form geben.
Zuletzt sei noch erwähnt, warum gerade dieser Titel einer eher unbekannten, deutsch-
sprachigen Band als Grundlage der Analyse ausgewählt wurde. Zum ersten zeichnet
sich der Song besonders beim erstmaligen Hören durch eine Einzigartigkeit, Abwechs-
lung und Mischung verschiedener Stilelemente und Genre aus, die es gilt näher zu
bestimmen. Zweitens war die Recherche und Neugierde bezüglich des Bandnamens und
der Combo, die dahinter steckt motivierend. Und drittens wird der Titel noch heute,
mehr als 20 Jahre nach dem Chart-Erfolg, von Radiostationen, wie z.B. dem Berliner
Rundfunk 4 mehrmals in der Woche gespielt und scheint nicht in Vergessenheit zu gera- ten.
(Stand: 18.01.07)
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2. „Berlin meets Wien“ – Ein deutsch-österreichisches Projekt
Der Bandname DÖF ist ein Kürzel und steht ausgeschrieben für „Deutsch- Österreichisches Feingefühl“. Um rechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen, wurde im Bandnamen die Bezeichnung „Freundschaft“ durch „Feingefühl“ ersetzt, da zu dem gleichen Zeitpunkt die bekannte und erfolgreiche Band der NDW (Neue Deutsche Wel- le) mit Namen D.A.F (Deutsch-Amerikanische Freundschaft) existierte, und dies bereits seit 1978. Die deutsch-österreichische Combo wählte ihren Namen in Anlehnung an diese NDW-Band, wobei D.A.F. als Ironisierung zu verstehen ist mit Bezug auf den Einfluss von amerikanischen Hörverständnis und Musikpräferenzen auf deutsche Musi- ker und Medien. DÖF befürwortet und fördert hingegen die Zusammenarbeit und den Austausch von Musikern und bezeichnet den beabsichtigten, gegenseitigen Einfluss von Teilnehmern der Musikszene Deutschlands und Österreichs Ende der 70er bzw. zu Be- ginn der 80er Jahre.
Die einzelnen Bandmitglieder sollen nun kurz vorgestellt werden:
Annette Humpe war kurzzeitig ein Bandmitglied der Neonbabies 1979 in Berlin und Sängerin sowie Keyboarderin bei Ideal, der einflussreichsten Formation der NDW ab April 1980. Sie hat sich bis heute als erfolgreiche Produzentin bewiesen, u.a. für DÖF, Rio Reiser, Die Prinzen und Lucilectric. In den 90er Jahren gründete sie mit ihrer jünge- ren Schwester Inga Humpe das Projekt Humpe&Humpe und komponierte englische Popsongs. Ihre Begabung ist auf ihre musikalische Ausbildung zurück zu führen, sie nahm als 6-jährige Klavierunterricht und studierte später 6 Semester Klavier und Kom- position an der Musikhochschule Köln. Die mittlerweile 56-jährige Sängerin ist auch heute noch erfolgreich mit der Band Ich+Ich in den deutschen Charts vertreten. Inga Humpe tritt bei DÖF als Sängerin auf und wurde über ihre Schwester in die Band geholt. Vorher übernahm sie den Part als Sängerin und Keyboarderin bei den Neonba- bies. Heute ist sie bekannt durch ihre charismatische, laszive Stimme, die auch zum Erfolg ihrer derzeitigen Berliner Band Zweiraumwohnung beiträgt.
Als Ideal im Herbst 1982 in Wien ein Album produzierte, entstand der Kontakt zwi- schen Annette und dem österreichischen Kabarettistenduo Manfred O. Tauchen und Joesi/ Josef Prokopetz. Daraufhin wurde Anfang 1983 das Projekt DÖF ins Leben geru- fen. Die beiden
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Kristin Peukert, 2007, DÖF – „Codo (...düse im Sauseschritt)“: Eine ironische Anlehnung an den neuen deutschen Schlager, Munich, GRIN Publishing GmbH
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K. Peukert's text DÖF – „Codo (...düse im Sauseschritt)“: Eine ironische Anlehnung an den neuen deutschen Schlager is now available as a printed book
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