-I-
Inhaltsverzeichnis
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. VII
TABELLENVERZEICHNIS. VIII
FORMELVERZEICHNIS IX
1 EINLEITUNG. 1
2 DER MITTELSTAND ALS UNTERSUCHUNGSOBJEKT. 4
2.1 DEFINITION MITTELSTAND 4
2.1.1 Begriff 4
2.1.2 Quantitative Begriffsdefinition 4
2.1.3 Qualitative Begriffsdefinition 5
2.2 BESONDERHEITEN DES DEUTSCHEN MITTELSTANDES 7
2.2.1 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung 7
2.2.2 Rechtsformen 9
2.2.3 Insolvenzen 10
2.2.4 Aktuelle finanzwirtschaftliche Lage 14
2.2.4.1 Nutzung der Finanzierungsquellen durch den Mittelstand 14
2.2.4.2 Eigenkapitalproblematik 20
2.2.4.3 Entwicklungstendenzen in der Finanzierung 21
2.3 ZWISCHENFAZIT. 22
3 ENTWICKLUNGEN UND INHALTE DER NEUEN BASLER
EIGENKAPITALVERORDNUNG 23
3.1 EINFÜHRUNG 23
3.1.1 Kunde-Bank-Beziehung im Wandel 23
3.1.2 Veränderungen in der Bankenlandschaft 24
3.2 DIE BASLER EIGENKAPITALVERORDNUNG 25
-II-
3.2.1 Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht 25
3.2.2 Entwicklung von Basel I zu Basel II. 26
3.2.3 Die Neue Baseler Eigenkapitalverordnung 28
3.3 DAS RATING IM RAHMEN VON BASEL II 31
3.3.1 Kreditrisiko 31
3.3.2 Einführung in das Rating 31
3.3.3 Arten des Ratings. 32
3.3.3.1 Externes Rating - Standardansatz. 33
3.3.3.2 Internes Rating - IRB-Ansatz 35
3.3.3.3 Retail-Segment und Größenanpassung 36
3.3.3.4 Internes vs. externes Rating 37
3.3.4 Ratingkriterien 40
3.4 ZWISCHENFAZIT. 44
4 HERAUSFORDERUNGEN AN DAS MITTELSTANDSCONTROLLING. 46
4.1 RESSOURCENBASIERTER ANSATZ 46
4.2 BEDEUTUNG DES CONTROLLINGS FÜR DEN MITTELSTAND 47
4.2.1 Grundlagen. 47
4.2.2 Mittelstandscontrolling in der Theorie. 49
4.2.3 Ist-Situation des Mittelstandscontrollings. 51
4.3 SOLL-SITUATION DES CONTROLLINGS IM RAHMEN VON BASEL II. 54
4.3.1 Anforderungen an das Controlling. 54
4.3.2 Nutzenbeitrag mittels des ressourcenbasierten Ansatzes 57
4.4 EINSATZ EINES BASEL II KONFORMEN CONTROLLINGS 59
4.4.1 Stufenprozess 59
4.4.2 Erforderliche Komponenten. 59
4.4.2.1 Rechnungswesen. 60
4.4.2.2 Kennzahlen 62
4.4.2.3 Liquiditätsrechnung 63
4.4.2.4 Investitionsrechnung 64
4.4.2.5 Informationsversorgung. 65
4.4.2.6 Planung und Kontrolle 66
-III-
4.4.2.7 Risikoorientierung 69
4.4.2.8 Bankenreporting. 70
4.5 ZWISCHENFAZIT. 72
5 SCHLUSSBETRACHTUNG 73
LITERATURVERZEICHNIS 75
ANHANG 96
Abkürzungsverzeichnis
Abbildung Abb.
Aktiengesellschaft AG
Bank für internationalen Zahlungsausgleich BIZ
beispielsweise bspw.
Betriebswirtschaftliche Auswertung BWA
beziehungsweise bzw.
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BAFin
circa ca.
das heißt d. h.
Deutscher Sparkassen- und Giroverband DSGV
Exposure at default EAD
external credit assessment institution ECAI
Eigenkapital EK
et cetera etc.
Europäische Union EU
folgende Seite f.
Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ
folgende Seiten ff.
gemäß gem.
Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH
Herausgeber Hrsg.
in der Regel i. d. R.
Institut für Mittelstandsforschung IfM
Internal ratings-based approach IRB
Kommanditgesellschaft KG
Kommanditgesellschaft auf Aktien KGaA
kleine und mittlere Unternehmen KMU
Kostenrechnungspraxis krp
Loss given default LGD
Effective Maturity M
Mittelstand in Deutschland MIND
Millionen Mio.
Organisation for Economic Cooperation and Development OECD
Offene Handelsgesellschaft OHG
ohne Jahr o. J.
ohne Seite o. S.
Probability of default PD
PriceWaterhouseCoopers PWC
Ressourcenbasierter Ansatz RBA
Seite S.
so genannte sog.
Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherheit SCHUFA
unter anderem u. a.
Vor allem v. a.
Westdeutsche Genossenschafts-Zentralbank WGZ
Wirtschaftswoche WIWO
zum Beispiel z. B.
Zeitschrift für Betriebswirtschaft ZfB
Zeitschrift für Controlling & Management ZfCM
Zentrum für Insolvenz und Sanierung ZIS
-VII-
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Aufbau der Arbeit.
Abbildung 2: Mittelstand in Deutschland.
Abbildung 3: Rechtsform der KM.U
Abbildung 4: Unternehmensinsolvenzen in Deutschland.
Abbildung 5: Entwicklung der relativen Insolvenzhäufigkeit.
Abbildung 6: Finanzierungsquellen.
Abbildung 7: Chronologie Basel II.
Abbildung 8: Die drei Säulen von Basel II.
Abbildung 9: Ratingnotation der Creditreform.
Abbildung 10: Risikogewichte beim Standardansatz.
Abbildung 11: Drei-Säulen-Ansatz.
Abbildung 12: Kreditzins in Abhängigkeit vom Rating-Ergebnis.
Abbildung 13: Anwendungsintensität der zehn dominierenden Controllinginstrumente in KM.U
Abbildung 14: Einflussfaktoren einer erfolgreichen Kommunikation.
Abbildung 15: Beziehung zwischen Rating und Unternehmenscontrolling.
Abbildung 16: Fragen zur Kostenrechnung im Ratingprozess.
Abbildung 17: Fragen zur Liquiditätsrechnung im Ratingprozess.
Abbildung 18: Fragen zur Informationsversorgung im Ratingprozess.
Abbildung 19: Fragen bezüglich Planung und Kontrolle im Ratingprozess.
Abbildung 20: Fragen zum Risikomanagement im Ratingprozess
-VIII-
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Definition KMU nach dem IfM. 5
Tabelle 2: Kriterienkatalog eines internen Ratings 42
Formelverzeichnis
Formel 1: Berechnung der Eigenkapitalunterlegung nach Basel I....................................................27 Formel 2: Eigenkapitalberechnung nach Basel II. ...........................................................................29 Formel 3: Eigenkapitalberechnung im IRB-Ansatz..........................................................................35
Einleitung -1-
1Einleitung
Gegenwärtig befindet sich die Finanzierungslandschaft in einem grundlegenden Wandel. 1 Der Begriff Basel II hat hierbei in den letzten Jahren eine intensive öffentliche Diskussion
ausgelöst. 2 Grund dafür ist, dass weit reichende Veränderungsprozesse in der Kreditvergabepraxis der Banken, Konsequenzen für Unternehmen mit sich bringen. Diese zwingen Kreditnehmer ihre internen Strukturen und Prozesse zu hinterfragen, um sich so den geänderten Bedingungen anzupassen. Viele mittelständische Unternehmen befürchten, dass sich die Bedingungen im Bereich der Unternehmensfinanzierung für sie
verschlechtern. 3
Ausgangspunkt von Basel II ist eine stärkere Differenzierung des Kreditrisikos in Abhängigkeit von der Bonität des Kreditnehmers. Hintergrund dieser erhöhten Risikoorientierung ist ein zunehmender Konsolidierungsdruck des Finanzsektors, der sich im Zuge eines steigenden Globalisierungsprozesses der Märkte erhöhten Ausfallrisiken und steigenden Insolvenzzahlen stellen musste. Um dieser bedrohlichen Entwicklung entgegenzuwirken sieht Basel II eine Eigenkapitalunterlegung für Banken vor, die sich an
der Bonität des Schuldners bemisst. 4
Durch die Einbeziehung eines Ratings in die Begrenzung von Ausfallrisiken stehen insbesondere mittelständische Unternehmen vor großen Herausforderungen. Im Zuge der geänderten Kreditvergabepolitik ist auch der Bedarf der Kreditinstitute an Informationen und Unterlagen mit Basel II beträchtlich gestiegen. Im Rahmen des Ratingverfahrens werden quantitative Faktoren, insbesondere aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung, sowie qualitative Faktoren, wie z. B. die Analyse des Controllings oder der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens, zu einer Kennzahl verdichtet. Anhand dieser Kennzahl, bemisst sich der Risikogehalt eines Kreditantrages und darauf aufbauend die
Gestaltung und Höhe der Kreditkonditionen. 5 Profitieren von dieser Regelung können diejenigen Unternehmen, die der Herausforderung von erhöhten Transparenz- und Offenlegungsvorschriften der Banken gewachsen sind. Informationsaufbereitung und
1 Vgl. Keiner (2001), S. 9; Gänßlen/ Meissner (2002a), S. 275.
2 Vgl. Wambach/ Rödl (2001), S. 13; Fischer/ Holzkämper/ Mendel (2003), S. 301.
3 Vgl. Grunert/ Norden/ Weber/ Kleff (2002), S. 15.
4 Vgl. Fischer/ Holzkämper/ Mendel (2003), 312.
5 Vgl. Buba (2006), S. 8; Maser (2005), S. 512 f..
Einleitung -2-
Kennzahlenanalyse gehören zu den Kernkriterien für eine Kreditvergabe nach Basel II. 6 Damit verbunden ist insbesondere ein Basel II konformes Controlling, das die ratingrelevanten Daten, z. B. in Form von unterjährigen Soll-Ist-Abweichanalysen, zur Verfügung stellen kann. Ein leistungsfähiges Controlling ist gleichzeitig Voraussetzung dafür, Risiken frühzeitig zu erkennen, um im Bedarfsfall gegensteuern zu können.
Hierin liegt das Problem für den Mittelstand. Dieser verfügt oft über kein bzw. nur ein schlecht organisiertes Controlling. So ergab eine Untersuchung der PWC Deutsche Revision, dass nur 50% der befragten Betriebe eine Berichterstattung nach Segmenten erstellen können und eine aussagefähige Analyse der Ertragslage bezüglich zentraler
Erfolgs- und Risikofaktoren besitzen. 7 Diese Defizite zu beheben und geeignete Controllinginstrumente zu implementieren, bildet einen zentralen Erfolgsfaktor im
Ratingprozess für den Mittelstand. 8
Zielsetzung dieser Arbeit ist es, erforderliche Komponenten für das Mittelstandscontrolling zu entwickeln, um den Anforderungen Basel II orientierter Ratingprozesse gerecht zu werden. Unternehmen können hinsichtlich der Kreditvergabe im günstigsten Fall einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz erlangen. Mit der Einführung eines Basel II gerechten Controllings können Unternehmen zielorientierter gesteuert werden. Diejenigen Unternehmen, die in der Lage sind, diese Empfehlungen erfolgreich umzusetzen, können für die Nutzung potenzieller Chancen und Risiken besser aufgestellt sein.
Die Vorgehensweise wird wie folgt festgelegt. 9 Das Bezugsobjekt dieser Arbeit stellen mittelständische Unternehmen dar, welche in Kapitel zwei genau untersucht werden. Was kennzeichnet diese Unternehmen? Worin liegt ihre wesentliche Bedeutung als Untersuchungsobjekt dieser Arbeit? Welche Finanzierungsstruktur kennzeichnet den Mittelstand und welche Auswirkungen hat diese im Zusammenhang mit Basel II und der geänderten Kreditvergabepraktiken?
Mit Beantwortung dieser Fragen werden Kapitel zwei und drei miteinander verknüpft. Kapitel drei beschäftigt sich im Zuge dessen mit den Neuregelungen durch Basel II. Was
6 Vgl. Bölscher (2006), o. S..
7 Vgl. Paul/ Stein/ Kaltofen (2002), S. 538.
8 Vgl. Maser (2005), S. 516 f..
9 Siehe hierzu Abbildung 1.
Einleitung -3-
sind die wesentlichen Inhalte und Entwicklungen dieser Verordnung? Das Thema Rating, als Schnittstelle zum Kreditnehmer, steht dabei im Mittelpunkt der Betrachtung. Es wird dargestellt, welche Faktoren für ein Rating entscheidend sind und wodurch der Ratingprozess gekennzeichnet ist. Dabei konzentriert sich die Betrachtung auf Besonderheiten für mittelständische Unternehmen.
Kapitel vier bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit und beschäftigt sich mit den Herausforderungen des Mittelstandes bezüglich eines Basel II konformen Controllings. Im Rahmen der Untersuchung wird die aktuelle Controllingsituation des deutschen Mittelstandes dargestellt. Wie ist das derzeitige Controlling umgesetzt und wo liegen die Defizite? Unter Bezugnahme der Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln erfolgt die Ableitung der Soll-Situation in der Controllingumsetzung. Darauf aufbauend werden Komponenten aufgezeigt, die ratingrelevante und praktikable Bestandteile eines Mittelstandscontrollings umfassen. Den zentralen Ausgangspunkt der
Controllingumsetzung bildet der ressourcenbasierte Ansatz, vor dessen Hintergrund eine Beurteilung der abgeleiteten Controllingkonzeption erfolgt. Im letzten Kapitel werden die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst und kritisch gewürdigt.
In der nachfolgenden Abbildung wird der Aufbau dieser Arbeit grafisch dargestellt.
Abbildung 1: Aufbau der Arbeit. 10
10 Eigene Darstellung.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -4-
2Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt
Der deutsche Mittelstand stellt in dieser Arbeit das Bezugsobjekt der Untersuchung dar. Zunächst wird in diesem Abschnitt der Begriff des Mittelstandes definiert. Darauf folgt eine genaue Darstellung der Besonderheiten des Mittelstandes und dessen Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Im Fokus stehen hierbei seine finanzwirtschaftliche Lage sowie die Möglichkeiten und Probleme der Mittelstandsfinanzierung. Abschließend werden zukünftige Entwicklungstendenzen aufgezeigt.
2.1 Definition Mittelstand
2.1.1 Begriff
Der Begriff des Mittelstandes ist historisch gewachsen und wird ausschließlich im
deutschen Sprachraum benutzt. 11 Synonyme Verwendung zum Begriff Mittelstand findet die Bezeichnung kleine und mittlere Unternehmen (KMU). 12 Die Heterogenität der KMU führt dazu, dass sich bislang keine einheitliche Definition in Wissenschaft und Praxis durchgesetzt hat. Jedoch können ähnliche bis gleiche Abgrenzungskriterien quantitativer
oder qualitativer Art gefunden werden, die KMU von Großunternehmen abgrenzen. 13
2.1.2 Quantitative Begriffsdefinition
Für eine quantitative Abgrenzung mittelständischer Unternehmen können unterschiedliche Kriterien herangezogen werden. Akzeptiert werden hier sowohl Einsatzgrößen wie Anzahl der Beschäftigten, Bilanzsumme, Materialkosten als auch Ausbringungsmengen wie z. B.
Umsatz, Absatzmenge oder Wertschöpfung. 14 In der Literatur hat sich weitestgehend die Bestimmung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) durchgesetzt und liegt somit
dieser Arbeit zu Grunde. 15 Die verwendete Definition des Basler Ausschusses in Bezug auf KMU stützt sich ausschließlich auf die hier gewählte Umsatzabgrenzung. 16
11 Vgl. Eicken/ Malcher (2002), S. 5.
12 Vgl. Zimmermann (2001), S. 24; Paul/ Stein (2002), S. 7.
13 Vgl. Lehr (1996), S. 6; Pfohl (1997), S. 19.
14 Vgl. Zimmermann (2001), S. 26; Bussiek (1996), S. 17; Pfohl (1997), S. 4.
15 Vgl. Ossadnik, Barklage, van Lengerich (2003), S. 3; Bussiek (1996), S. 17; Paul/ Stein (2002), S. 8; Buba (2006), S. 11 f.; Kosmider (1991), S. 34 f..
16 Vgl. Basel Committee on Banking Supervision (2006), S. 64.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -5-
Die vorwiegende Anwendung dieses Ansatzes liegt in einer einfachen und genauen
Erfassungsmöglichkeit der Maßgrößen. 17
Tabelle 1: Definition KMU nach dem IfM. 18
Demnach sind die Unternehmen dem Mittelstand zuzurechnen, welche maximal 499 Mitarbeiter beschäftigen oder einen Jahresumsatz von 50 Mio. EUR nicht übersteigen. Es
handelt sich folglich um eine eindimensionale Abgrenzung 19 . 20
2.1.3 Qualitative Begriffsdefinition
Die bereits nach statistisch-mathematischen Kriterien abgegrenzten Unternehmen lassen sich weiterhin durch qualitative Wesensmerkmale unterscheiden.
Die für diese Untersuchung bedeutsamen Kriterien lassen sich aus den Besonderheiten der Unternehmensführung von KMU ableiten. Der zentrale Aspekt liegt hierbei in der Einheit von Eigentum und Leitung, wobei der Inhaber zugleich vollverantwortlicher
Entscheidungsträger 21 ist und in allen relevanten unternehmenspolitischen Bestimmungen mitwirkt. 22 Daher sind seine persönlichen Verhaltensweisen maßgeblich für alle Unternehmensabläufe und folglich auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor des
Unternehmens. 23 Im Rahmen einer Studie des IfM wurde festgestellt, dass in 94,8% der Fälle (Grundgesamtheit mehr als 3 Mio. deutscher Unternehmen) die Führung durch einen
Eigentümerunternehmer getragen wird. 24 Gleichzeitig wird ein quantitativer Anteil von
17 Vgl. Zimmermann (2001), S. 26.
18 In Anlehnung an Icks, Institut für Mittelstandsforschung (2006), S. 2.
19 Der Vollständigkeit halber ist hier zu erwähnen, dass auch die Definition der Europäischen Union mitunter Anwendung findet, welche vorwiegend eine internationale Vergleichbarkeit anstrebt und u. a. für die Inanspruchnahme von EU-Förderprogrammen von Bedeutung ist. Diese Definition ist jedoch aufgrund der internationalen Ausrichtung für diese Arbeit nicht von Relevanz, kann aber dem Anhang 1 entnommen werden.
20 Vgl. Icks, Institut für Mittelstandsforschung (2006), S. 1.
21 Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass es sich nicht immer nur um eine Person handelt, sondern auch ein eng begrenzten Personenkreis gemeint sein kann.
22 Vgl. Kosmider (1991), S. 38 f.; Lehr (1996), S. 7; Zimmermann (2001), S. 28.
23 Vgl. Kosmider (1991), S. 31; Zimmermann (2001), S. 28.
24 Vgl. Wolter/ Hauser (2001), S. 71.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -6-
99,6% KMU gemessen. 25 Demzufolge kann diese Eigenart als repräsentativ angesehen werden. Dem Eigentümerunternehmer wird hierbei ein egozentrisches und patriarchalisches Führungsverhalten bescheinigt, d. h., Gruppenentscheidungen stehen
im Hintergrund und es besteht nur eine geringe Bereitschaft zur Delegation. 26 Des Weiteren sind in KMU handwerklich-technische Qualifikationen vorherrschend. Qualifizierte Führungskräfte, die über generelle betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen, befinden sich hier in der Minderheit. Die Konsequenz daraus ist, dass das
Streben nach handwerklich-technischer Perfektion den Unternehmensalltag bestimmt 27 . 28
Die vergleichsweise geringe Größe des Unternehmens hält die betrieblichen Prozesse
überschaubar. 29 Hieraus resultieren flache Hierarchien, eine schwach ausgeprägte Spezialisierung und eine hohe Führungsbreite. Demzufolge lässt sich eine interpersonale
sowie funktionale Koordination interner Abläufe kaum beobachten. 30 Zugunsten der Wahrung von Flexibilität und der Vermeidung von Bürokratisierung werden
Entscheidungen erfahrungsgemäß intuitiv und improvisierend getroffen. 31
Die Ressourcenknappheit ist ein weiteres zentrales Merkmal der KMU, das sich auf mehrere Bereiche wie z. B. finanzielle Mittel, Personal, Managementfähigkeiten, Know-how oder den Bestand führungsrelevanter Informationen erstreckt. 32
Dem zentralen Entscheidungsträger wird eine hohe kognitive Belastbarkeit abverlangt, da eine geringe finanzielle Substanz vorhanden ist und seine Entscheidungen eine
existenzielle Bedeutung erlangen. 33 Der konzentrierten Verfügungsgewalt kann ein hohes Risikopotenzial zugesprochen werden. Darüber hinaus resultiert aus dem stark von persönlichen Motiven geprägten Zielsystem des Unternehmens in Verbindung mit der
25 Vgl. Institut für Mittelstandsfragen Osnabrück (o. J.), S. 2.
26 Vgl. Zimmermann (2001), S. 44; Kosmider (1991), S. 41.
27 Dieser Sachverhalt wird durch eine aktuelle Studie belegt. Für die Mehrheit mittelständischer Unternehmer wird eine fachspezifische Ausbildung oder Lehre nachgewiesen. Im Vergleich dazu sinkt der Akademiker-Anteil, was sich unter anderem über eine unangemessene Entlohnung erklären lässt. Vgl. hierzu Sparkassenorganisation/ Magazin Impulse/ IfM (2004),S. 48 f. und Bussiek (1996), S. 49.
28 Vgl. Zimmermann (2001), S. 43-46; Kosmider (1991), S. 42-45.
29 Vgl. Zimmermann (2001), S. 49.
30 Vgl. Zimmermann (2001), S. 46-55.
31 Vgl. Klett/ Pivernetz/ Hauke (1996), S. 20; Horvath/ Weber (1997), S. 352; Bussiek (1996), S. 4; Zimmermann (2001), S. 43; Ramthun (2005), S. 52.
32 Vgl. Zimmermann (2001), S. 29; Bussiek (1996), S. 19 f..
33 Vgl. Kosmider (1991), S. 40-42; Bussiek (1996), S. 20.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -7-
Ressourcenknappheit die primär kurzfristige Erfolgssicherung zulasten einer strategisch
ausgerichteten Schaffung und Sicherung von Erfolgspotenzialen 34 . 35
Diese als typisch angesehenen Eigenschaften sind mehrheitlich aber nicht ausnahmslos in
vorzufinden. 36 KMU Deshalb herrschen in der Literatur erhebliche
Auffassungsunterschiede in der Wahl der Dimensionen und ihrer Präzisierung. Ferner lässt sich die umstrittene Abgrenzung auf Schwierigkeiten in der Operationalisierung dieser
Merkmale zurückführen. 37
Es wurde eine Auswahl von Merkmalen getroffen, die unter dem Gesichtspunkt der
Zweckmäßigkeit 38 ihre Berechtigung innerhalb dieser Arbeit erlangen. 39 Im Sinne einer problemorientierten Betrachtungsweise wurden Kriterien herausgestellt, die von grundlegender Bedeutung bei der Klärung mittelstandsspezifischer Probleme sind. Dieser Kriterien- und Merkmalskatalog erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine auf beiden Definitionsansätzen gestützte Mittelstandsbestimmung die Forderungen der Zweckmäßigkeit erfüllt. Die quantitativen Strukturmerkmale werden als Folge von qualitativen Ursachen angesehen,
aus denen Anhaltspunkte für die weitere Analyse gewonnen werden. 40 Vor diesem Hintergrund wird das Bezugsobjekt als ein inhabergeführtes Unternehmen definiert, das zugleich die Mitarbeiterzahl von 500 Personen oder einen maximalen Jahresumsatz von 50 Mio. EUR nicht überschreitet.
2.2 Besonderheiten des deutschen Mittelstandes
2.2.1 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung
Die KMU sind für die deutsche Volkswirtschaft von herausragender Bedeutung. Mit einem Unternehmensbestand von über 3 Mio. repräsentieren sie mehr als 99% aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen. Gleichzeitig beschäftigen sie rund 70% aller
34 Erfolgspotenziale sind langfristige Vorteile eines Unternehmens gegenüber der Konkurrenz (Produkte, Ressourcen, etc.). Vgl. hierzu Grunwald/ Grunwald (2001), S. 63.
35 Vgl. Zimmermann (2001), S. 87.
36 Vgl. Ossadnik, Barklage, van Lengerich (2003), S. 4.
37 Vgl. Kosmider (1991), S. 30-33.
38 Die Forderung nach Zweckmäßigkeit ist erfüllt bei Vorliegen eines sachlich begründbaren Zusammenhangs zwischen den ausgewählten Merkmalen, die angemessen erfassbar sind, und dem untersuchten Problembereich.
39 Vgl. Pfohl (1997), S. 5-15.
40 Vgl. Kosmider (1991), S. 30.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -8-
Arbeitnehmer und bieten mehr als 80% der Ausbildungsplätze an. Hinzu kommt, dass sie ca. die Hälfte der Gesamtinvestitionen tätigen und dabei ca. 40% aller Umsätze
erwirtschaften. Damit tragen sie mit knapp 50% zur Bruttowertschöpfung bei. 41
Abbildung 2: Mittelstand in Deutschland. 42
In Anbetracht dieser Kennzahlen ist die oft gewählte Bezeichnung der KMU als „Rückgrat
der deutschen Wirtschaft“ begründet. 43 Arbeitsmarktpolitisch ist ihnen eine große Bedeutung zuzusprechen. Während die großen Konzernbetriebe einen jährlichen Arbeitsplatzabbau von ca. 0,3 Mio. Stellen verursachen, sorgt der Mittelstand dafür, dass
Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden. 44 Die Steuerstatistik zeigt, dass die Belastungsquoten der Unternehmen mit Zunahme der Mitarbeiter oder des Gewerbekapitals tendenziell sinken. Dies lässt sich u. a. mit Steuervermeidungs- und
Steuerverlagerungsmöglichkeiten der Großunternehmen erklären. 45 Eine Studie des Mittelstandsinstituts Niedersachsen belegt, dass 69,9% aller Unternehmenssteuern und 62,2% aller Sozialabgaben, bedingt durch die hohe Zahl der Arbeitnehmer, von
mittelständischen Unternehmen getragen werden. 46
Des Weiteren fördert die Existenz zahlreicher und vielfältiger Betriebe nicht nur den Leistungswettbewerb der Marktwirtschaft, sondern vermeidet Monopolisierungstendenzen
41 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2005), S. 14.
42 In Anlehnung an Icks, Institut für Mittelstandsforschung (2006), S. 6.
43 Vgl. Wildemann (2005), S. 233.
44 Vgl. Hamer (1997), S. 33-35.
45 Belastungen: Großunternehmen 9,1%, mittlere Unternehmen 17,8%, kleine Unternehmen 40,8%, vgl. hierzu Hamer (1997), S. 37 f..
46 Vgl. Hamer (1982), S. 95.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -9-
von Staat und Konzernen. Nicht verwunderlich ist in diesem Zusammenhang der seit den 60er Jahren verzeichnete Rückgang von Beschäftigung, Wachstum und Volkseinkommen, der auf die Abnahme von mittelständischen Betrieben, um mehr als das Doppelte
zurückgeführt wird. 47
Unbestritten kann den KMU eine tragende Bedeutung für die gesamten öffentlichen Finanzen zugesprochen werden. Sie können somit als tragende Säule der deutschen Volkswirtschaft angesehen werden.
2.2.2 Rechtsformen
Die Rechtsform hat einen entscheidenden Einfluss auf die Finanzierungsmöglichkeiten und
somit auch auf Sicherung mittelständischer Unternehmen. 48 Daher ist es im Rahmen dieser Analyse von Relevanz die Rechtspersönlichkeiten im Mittelstand herauszustellen.
Abbildung 3: Rechtsform der KMU. 49
Im deutschen Mittelstand dominiert gem. Abbildung 3 die Rechtsform der Einzelunternehmung. Ihr Anteil beträgt 55,9%. Danach folgt die Kapitalgesellschaft in Form einer GmbH mit 28,4% und mit insgesamt 14,5% spielen Personengesellschafen
47 Vgl. Hamer (1997), S. 32 f..
48 Vgl. Übelhör/ Warns (2004a), S. 15.
49 In Anlehnung an Dresdner Bank, Magazin Impulse, IfM (2002), S. 15.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -10-
eine eher geringere Rolle. Die Aktiengesellschaft gilt dagegen als typische Rechtsform der
Großunternehmen. 50
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Verlagerung von Einzelunternehmen hin zu Kapitalgesellschaften (GmbH). Dieser Trend wurde bereits in einer Untersuchung von
1989 deutlich und bestätigt sich bis heute. 51 Die Verbreitung der Einzelunternehmer in der Gruppe der KMU ist zum einen darauf zurückzuführen, dass die Gründung kein Mindestkapital erfordert und zum anderen stehen dem Inhaber als einzigem
Eigenkapitalgeber sämtliche Gewinne und Kontrollrechte zu. 52 Die Tendenz zur Kapitalgesellschaft muss jedoch nicht zwangsläufig den persönlichen Einfluss des
Unternehmers beeinträchtigen. Trotz des Rückgangs von Einzelunternehmungen 53 steigt der Anteil der Firmen, die durch einen Inhaber oder einen geschäftsführenden
Gesellschafter allein geleitet werden, an. 54 Hierbei ist auf die Möglichkeit der Gründung einer Ein-Mann-GmbH zu verweisen. 55 Die Einheit von Eigentum und Leitung, als zentrales Wesensmerkmal der KMU, wird durch diese Verlagerung somit nicht zwangsläufig beeinträchtigt. Der sich vollziehende Trend kann durch die begrenzte
Haftung mit dem Gesellschaftsvermögen begründet werden. 56 Das zunehmende Bestreben der KMU, ihr Privatvermögen der betrieblichen Haftung fernzuhalten, lässt auf Unternehmensrisiken schließen. Hierauf wird im Folgenden näher eingegangen.
2.2.3 Insolvenzen
Seit 1990 nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stetig zu, mit Ausnahme des Jahres 1999. Erst mit Beginn des Jahres 2004 wird diese Entwicklung unterbrochen, wie in der
folgenden Grafik ersichtlich ist. 57
50 Vgl. IHK Region Stuttgart (2007), o. S.
51 Vgl. Dresdner Bank, Magazin Impulse, IfM (2002), S.14; Bussiek (1996), S.27 f..
52 Vgl. Übelhör/ Warns (2004a), S. 18.
53 Diese gehen von 60,2% (1999) auf 55,9% (2001) zurück. Vgl. hierzu Dresdner Bank, Magazin Impulse, IfM (2002), S. 14.
54 Dieser Anteil steigt von 59,7% (1999) auf 66,6% (2001). Vgl. hierzu Dresdner Bank, Magazin Impulse, IfM (2002), S. 14.
55 Vgl. Bussiek (1996), S. 24.
56 Vgl. Übelhör/ Warns (2004a), S. 18; Wolter/ Hauser (2001), S. 66.
57 Jedoch ist nach herrschender Meinung ein langfristig positiver Trend eher unwahrscheinlich, da Deutschland seit Jahren eine Wachstums- und Strukturschwäche aufweist. Vgl. hierzu Euler Hermes Kreditversicherung (2006a), S. 18.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -11-
Anzahlinsolventer Firmen
35000
30000
25000
20000
15000
10000
5000
0
Abbildung 4: Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. 58
Aus Abbildung 5 geht hervor, dass sich seit Anfang der siebziger Jahre ein deutlich zunehmender Trend abzeichnet.
Abbildung 5: Entwicklung der relativen Insolvenzhäufigkeit. 59
58 In Anlehnung an Gallinge (2003), S 1097; Statistisches Bundesamt (2004), o. S.; Universität Mannheim (o. J.), S. 3; Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2005), S. 14.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -12-
Die ansteigende Linie verdeutlicht den Verlauf der relativen Insolvenzquoten 60 , die einen kontinuierlichen Anstieg von 0,2% (Anfang der siebziger) auf ca. 1,1% (2006) zeigen. Dementsprechend ist die Aussage einer derzeitigen Entspannung der
Unternehmenszusammenbrüche zu relativieren. 61
Wie bereits für das Jahr 2004 gezeigt wurde, zählen 99,7% der Unternehmen zum Mittelstand (3,36 Mio. Betriebe) und lediglich 0,3% der Firmen fallen in die Kategorie
Großunternehmen (entspricht ca. 10.000). 62 Anhand aktueller Daten beträgt die Zahl insolventer Firmen 39.213. Aus der Überzahl mittelständischer Betriebe am Markt lässt sich hier eine erhöhte Insolvenzbetroffenheit vermuten. Doch welche Ursachen sind dafür verantwortlich?
Um diese Frage zu beantworten, werden Erkenntnisse der bisherigen Insolvenzforschung betrachtet. Besonders hohes Risikopotenzial wird hierbei den Management- und
zugesprochen. 63 Qualifikationsproblemen Durch die Bündelung von
Entscheidungskompetenzen auf nur wenige kaum kontrollierbare Führungspersonen bei einem gleichzeitigen Mangel an betriebswirtschaftlichen Führungskenntnissen und ebenfalls unzureichend verfügbarer entscheidungsrelevanter Informationen wird das
Fehlen einer ausreichend fundierten Entscheidungsfindung deutlich. 64 Dabei ist gerade bei kleineren Einheiten die Wahrscheinlichkeit größer aufgrund ihrer Ressourcenknappheit
in stärkerem Maße vom Markt- und Wettbewerbsdruck erfasst zu werden. 65 Ihnen stehen vergleichsweise weniger personelle und finanzielle Mittel zur Verfügung, um Einbrüche zu
überwinden oder Anpassungsmaßnahmen vorzunehmen. 66 Daher kann der Schluss gezogen werden, dass bei gegebener Ausprägung der Unternehmensführung und der betriebsgrößenunabhängigen Problemvielfalt bei Führungsentscheidungen ein
sachbezogener und informationsorientierter Koordinationsbedarf unerlässlich ist. 67 In diesem Zusammenhang ist auf eine mehrheitlich unzureichende Führungsunterstützung durch ein angemessenes Controllinginstrumentarium zu verweisen, auf das im Rahmen
59 In Anlehnung an Euler Hermes Kreditversicherung (2006a), S. 17.
60 Das ist das Verhältnis zwischen insolventen Firmen und bestehenden Unternehmen.
61 Vgl. Euler Hermes Kreditversicherung (2006a), S. 17.
62 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2005), S. 14.
63 Vgl. Gallinge (2003), S. 1102; Wildemann (2005), S. 235 f..
64 Vgl. Wildemann (2005), S. 237; Kellerwessel (1984), S. 63; Legenhausen (1998), S. 34; Paul/ Stein (2002), S. 25; Zimmermann (2001), S. 63.
65 Vgl. Kosmider (1991), S. 49.
66 Vgl. Zimmermann (2001), S. 29.
67 Vgl. Kellerwessel (1984), S. 77.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -13-
dieser Arbeit noch genauer eingegangen wird. Die bislang umfassendste Studie zu den
Insolvenzursachen 68 bestätigt, dass mit einem Spitzenanteil von 79% gerade dieser Aspekt eine langfristige Zahlungsunfähigkeit herbeiführt. Konkret verfügten 81% der insolventen Betreibe nicht über ein Planungssystem und in 77% der Fälle fehlte es sogar an einem
grundlegenden internen Rechnungswesen. 69
Eine weitere Gefahrenquelle stellen die leistungswirtschaftlichen Risiken dar, wie z. B. Lieferengpässe, mangelnde Anpassungsfähigkeiten der Kapazitäten, ausbleibende Qualitätskontrollen oder Schwächen im Fakturierungsprozess, die aus den Prozessen entlang der Wertschöpfungskette resultieren. Vertriebsrisikopotentiale werden hierbei am
höchsten eingeschätzt. 70 Diese Beobachtung deutet auf eins der Hauptprobleme der KMU hin und zwar die Forderungsausfälle. 71 Kritisch wird es, wenn diese Ausfälle mehr als ein Prozent vom Umsatz ausmachen, was ein Anteil von 24,5% der über 4000 befragten
Unternehmen in einer Studie beklagte. 72 Es bestehen Abhängigkeiten von einem begrenzten Abnehmerkreis, bei dem sich eine verschlechternde Zahlungsmoral feststellen lässt. Hinzu kommen geringe Rücklagen in Verbindung mit einem fehlenden Mahnwesen, das letzten Endes zur Aufzehrung finanzieller Reserven und schließlich zur
Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens führt. 73
Die Welle andauernder Insolvenzen liegt insbesondere in einer mangelnden Liquidität begründet. Diese kann durch eine angemessene Finanzierung mittelständischer Betriebe nicht sichergestellt werden. Eine Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung hat auf Basis eines multikausalen Erklärungsansatzes diagnostiziert, dass
Finanzierungsprobleme zu einem Anteil von 80,3% für Insolvenzen verantwortlich sind. 74 Dieses Ergebnis wird durch die bislang umfassendste Studie des ZIS im Jahr 2006 bestätigt, in der mit durchschnittlich 76% die Finanzierungslücken als tragende
Insolvenzursache erkannt werden 75 . 76
68 Studie vom Zentrum für Insolvenz und Sanierung an der Universität Mannheim (ZIS) aus dem Jahr 2006.
69 Vgl. Euler Hermes Kreditversicherung (2006b), S. 20.
70 Vgl. Wildemann (2005), S. 235-238.
71 Vgl. Gallinge (2003), S. 1101.
72 Vgl. Creditreform (2004), S. 24.
73 Vgl. Euler Hermes Kreditversicherung (2005), S. 2.
74 Vgl. Paul/ Stein (2002), S. 25 f..
75 Es ist darauf hinzuweisen, dass ungenügendes Eigenkapital mit 96%, mangelnde Kreditwürdigkeit mit 81%, überhöhte Zinslasten mit
72%, unzureichende Rückstellungen mit 65% und falsche Einschätzungen halbfertiger Arbeiten mit 65% dazu beitragen. Des weiteren liegt die Ursache „Fehlen eines Controllings“ mit 79% knapp drüber. Vgl. hierzu Euler Hermes Kreditversicherung (2006), S. 20 f..
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -14-
Die hier dargestellten Insolvenzursachen verdeutlichen, dass ein Zusammenhang zwischen den qualitativen Wesensmerkmalen mittelständischer Betriebe und ihrer
Zahlungsunfähigkeit besteht. Einen Überblick über die im Mittelstand vorherrschenden
Insolvenzursachen fasst eine Abbildung im Anhang zusammen. 77
Obgleich auch bei Großunternehmen Insolvenzen zu verzeichnen sind, haben diese aufgrund der politischen Brisanz und wirtschaftlichen Verflechtung bessere Aussichten auf Hilfeleistungen. Mit finanzieller Unterstützung des Staates ist zu rechnen und das Interesse
der Anteilseigner, u. a. der Großbanken, am Fortbestand des Unternehmens ist groß. 78 Ein Vergleich der Unternehmensinsolvenzen zeigt, dass KMU mit 89% und die
Großunternehmen 79 lediglich zu 8% am Konkursgeschehen beteiligt sind. 80 Dieses Verhältnis lässt sich auch in anderen Jahren beobachten. 81
2.2.4 Aktuelle finanzwirtschaftliche Lage
Es wurde gezeigt, dass Finanzierungsprobleme Insolvenzursachen von KMU darstellen. Daher ist es im Hinblick auf die Problemstellung dieser Arbeit erforderlich, die wesentlichen Aspekte des Finanzierungsprozesses bei KMU herauszustellen.
2.2.4.1 Nutzung der Finanzierungsquellen durch den Mittelstand
Einem Unternehmen sind unterschiedliche Möglichkeiten gegeben, seine Investitionen und anderweitige Ausgaben zu finanzieren. Diese Finanzierungsarten werden, wie in Abbildung 6 ersichtlich, in Innen- und Außenfinanzierung untergliedert.
76 Vgl. Euler Hermes Kreditversicherung (2006b), S. 20 f..
77 Siehe hierzu Anhang 2.
78 Vgl. Gallinge (2003), S. 1101.
79 In der Studie zählen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Mio. EUR zu den Großunternehmen.
80 Dies geht aus einer umfassenden Untersuchung des ZIS im Jahr 2006 hervor. 125 Insolvenzverwalter wurden hierzu befragt, die insgesamt 19.000 Unternehmensinsolvenzen abwickeln. Vgl. hierzu Euler Hermes Kreditversicherung (2006b), S. 15.
81 Keiner (2001), S. 53; Paul/ Stein (2002), S. 24; DSGV (2004), S. 14 f..
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -15-
Abbildung6: Finanzierungsquellen. 82
Die Innenfinanzierung ist eine Refinanzierung aus eigenen Mitteln. Hierzu zählen
Desinvestitionen, Abschreibungen, Rückstellungen 83 und die Selbstfinanzierung (Gewinnthesaurierung).
Sind Güter des Anlagevermögens vorhanden, so können Abschreibungen als Rückflussfinanzierungen genutzt werden. Die Grundvoraussetzung einer
Kapitalfreisetzung ist, dass die Abnutzung ohne entsprechende Aufwandsbuchung in die am Markt geforderten Preise eingerechnet und über Umsatzerlöse vereinnahmt wird. Dadurch kann zum einen die Steuerbemessungsgrundlage und zum anderen
Ausschüttungsansprüche reduziert werden 84 . 85 Bei den Desinvestitionen erfolgt die Kapitalfreisetzung durch den Verkauf bereits vorhandener Vermögenswerte (Einsatzfaktoren, Beteiligungen, etc.). Es handelt sich somit um zurückfließende
Gegenwerte bereits getätigter Anschaffungsauszahlungen. 86 Die Finanzmittelbeschaffung in Form der Rückflussbindung, also durch Bildung von Abschreibungen oder Durchführung von Desinvestitionen, erweist sich im Bereich der KMU als schwierig. Zum
82 In Anlehnung an Übelhör/ Warns (2004a), S. 34-67; Wossidlo (1997), S. 313-327.
83 Diese sind jedoch von den anderen Arten zu unterscheiden, da diese fremdfinanziert werden.
84 Abschreibungen können auch in Form von Kapazitätserweiterungseffekten genutzt werden (=Lohmann-Ruchti-Effekt). Werden aus Abschreibungen freigesetzte Finanzmittel in homogenes Anlagevermögen investiert, kann eine Ausweitung der Kapazitäten erreicht werden.
85 Vgl. Übelhör/ Warns (2004a), S. 52-57; Wossidlo (1997), S. 314-316; Paul/ Stein (2002), S. 22; Bussiek (1996), S. 115 f..
86 Vgl. Wossidlo (1997), S. 314-316.
Der Mittelstand als Untersuchungsobjekt -16-
einen sind regelmäßige Kontrollen auf Desinvestitionsmöglichkeiten nicht üblich und statistisch nicht hinreichend erfasst. Zum anderen können KMU aufgrund ihrer Größe auf
nicht so hohe Abschreibungsfonds zugreifen. 87 Dennoch gibt in einer Umfrage von fast 2.500 mittelständischen Unternehmen die Hälfte an, sich regelmäßig aus verdienten Abschreibungen zu finanzieren und stellt im Rahmen dieser Analyse das am häufigsten
genutzte Finanzierungsinstrument dar. 88 In einer anderen Untersuchung liegt dieser Wert mit 40,6% nach der Finanzierung durch Gewinnthesaurierung an zweiter Stelle. 89
Rückstellungen werden für ungewisse Verbindlichkeiten und drohende Verluste aus
schwebenden Geschäften gebildet 90 , deren Höhe und Fälligkeitszeitpunkt ungewiss ist. Sie werden wie Aufwandsvorverrechnungen behandelt. Der Finanzierungseffekt ähnelt dem der Abschreibung, da auch hierdurch die steuerliche Bemessungsgrundlage sowie die Gewinnausschüttung verringert werden können. Finanzierungseffekte resultieren aus der Tatsache, dass Bildung und Auflösung von Rückstellungen zeitlich auseinander fallen. Je nach Abstand wird zwischen kurzfristigen (z. B. Steuerrückstellungen), mittelfristigen (z. B. Garantieverpflichtungen) und langfristigen (z. B. Pensionsrückstellungen) Rückstellungen unterschieden. Einen ausreichenden Finanzierungseffekt besitzen
langfristige Rückstellungen. 91 Diese Art der Finanzierung korreliert jedoch positiv mit der Unternehmensgröße, so dass KMU den Effekt von Rückstellung kaum nutzen können 92 . 93
Unter der Voraussetzung der Erwirtschaftung von Cash-Flows bietet die Selbstfinanzierung durch Gewinneinthesaurierung einem Unternehmen die Möglichkeit, seine finanzielle Unabhängigkeit zu wahren und deshalb genießt diese Art der
Kapitalbedarfsdeckung bei KMU die höchste Priorität. 94 Eine Studie aus dem Jahr 2000 stützt diese Aussage, dessen Ergebnis eine klare Überlegenheit dieser Finanzierungsform
in 58,5% 95 der Fälle bestätigt. 96 Zudem entfallen hierbei zusätzliche Kapitalkosten und
87 Vgl. Wossidlo (1997), S. 315 f..
88 Vgl. DZ Bank (2004), S. 20.
89 Vgl. Paul/ Stein (2002), S. 21.
90 Vgl. HGB § 249 (2005), S. 56.
91 Vgl. Übelhör/ Warns (2004a), S. 58 f.; Wossidlo (1997), S. 318.
92 Vgl. Wossidlo (1997), S. 318.
93 Eine Untersuchung zeigte, dass insbesondere Pensionsrückstellungen bei Einzelunternehmungen lediglich 0,4% und bei den Kapitalgesellschaften 10,8% der Bilanzsumme ausmachen. Die langfristigen Rückstellungen sind bei KMU kaum von Relevanz,
94 Paul/ Stein (2002), S. 20 f.; KfW-Bankengruppe (2005a), S. 1.
95 Solche Ergebnisse sind jedoch kritisch zu betrachten, da sich die stillen Reserven nicht in den ausgewiesenen Rücklagen niederschlagen. Durch den gewährten Ermessungsspielraum in den Rechnungslegungsvorschriften wird zwischen ausgewiesenen und tatsächlichen Gewinnen unterschieden. Der ausgewiesene Gewinn in der Bilanz erfasst lediglich die offene Selbstfinanzierung in Form von Rücklagen und dient als Grundlage für die Steuerbemessung und Gewinnausschüttung. Dagegen umfasst der tatsächliche
Arbeit zitieren:
Iwona Pawlowska, 2007, Basel II: Eine Herausforderung an das Mittelstandscontrolling, München, GRIN Verlag GmbH
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