2
INHAlTSvErzEICHNIS
1. vorbemerkung 3
2. Biographie 4
2.1 Aneignung des Akzeptierten und Historischen 4
2.2 Phase des Suchens und Experimentierens 5
2.3 zeit der beruflichen Entwicklung und der breiten Anerkennung 5
2.4 revision in Tschicholds Denken 6
3. Was ist die Neue Typographie? 7
4. revision zu radikaler Forderungen 11
4.1 Die Grotesk: Brot- oder Kleinkinderschrift? 13
4.2 Asymmetrie oder zentrierter Satz? 15
4.3 zusammenfassung 16
5. Einfluss Tschicholds auf die gegenwärtige Typographie 17
6. Schlussbemerkung 20
7. Abbildungsverzeichnis 21
8. literaturverzeichnis 22
8.1 Primärliteratur 22
8.2 Sekundärliteratur S 24
1. vorBEmErKUNG
„Der scharfsinnige Theoretiker und hervorragende Praktiker Jan Tschichold war während viereinhalb Jahrzehnten eine maßgebende Instanz in Fragen der Typographie.“ 1
So beschreibt max Caflisch den Typographen und Schriftkünstler Jan Tschichold. In diesen viereinhalb Jahrzehnten durchlebte Tschichold einzelne stark unterschiedliche Perioden seines lebens und Arbeitens. Als vorkämpfer der Neuen Typographie ebenso wie als Anwender und vertreter traditioneller Buchtypographie ist sein Einfluss bis in die Typographie unserer Tage unbestritten. Diese Arbeit will versuchen, das scheinbare Paradoxon zwischen radikalem Erneuerer und traditionsliebendem Künstler zu erhellen. Dazu ist es zunächst notwendig, einen Blick auf Jan Tschicholds bewegtes leben zu werfen, um die verschiedenen Einflüsse, die auf ihn in den verschiedenen Phasen seines lebens einwirkten, aufzuzeigen. Im Anschluss werden die Forderungen der Neuen oder Expressionistischen Typographie erläutert, an deren Entstehung und Publikation Tschichold den größten Anteil hatte.
In einem dritten Teil wird sich die Arbeit mit den zunächst paradox wirkenden revisionen auseinandersetzen, die Tschichold in Theorie und Praxis an seinen Forderungen vornahm, wobei besonders auf die strittige Frage der Schriftwahl und die Auseinandersetzungen über symmetrischen oder unsymmetrischen Satz eingegangen werden wird.
Ein abschließender Teil widmet sich dem bleibenden Einfluss, der Tschicholds Wirken und Arbeiten für den modernen Typographen so aktuell und zeitgemäß bleiben lässt.
1 Caflisch 1991, S. 26.
4 Biographie
2. BIoGrAPHIE 2
2.1 ANEIGNUNG DES AKzEPTIErTEN UND HISTorISCHEN
Jan Tschichold (* 1902, † 1974) durchlebte im laufe seiner Karriere einzelne stark unterschiedliche Perioden seines lebens und Arbeitens. In seiner Kindheit und Jugend stand er unter dem Einfluss seines vaters, der Schriftenmaler war. Die mithilfe im väterlichen Betrieb machte ihn mit den Techniken des Schriftenmalens bekannt. Nach seiner Schulzeit besuchte er für drei Jahre das lehrerseminar in Grimma bei leipzig, weil er den Beruf eines zeichenlehrers anstrebte. Diese Ausbildung brach er nach 3 Jahren ab. Erst mit 17 Jahren begann er ein Studium an der Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in leipzig unter Hermann Delitsch und Walter Tiemann. Hier lernte er nebenher auch Gravieren, Kupferstich, Holzschnitt, Holzstich und Buchbinden, erwarb sich also eine fundierte handwerkliche Grundlage, die er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen bei seiner Arbeit immer im Hinterkopf behielt. Seine freie zeit nutzte er, um in der Bibliothek des Börsenvereins der deutschen Buchhändler die große Sammlung der Einzelblätter, Schriftproben und Schreibmeisterbücher aus der vergangenheit zu studieren. Daraus folgerte er:
„Dauernd wurde seit 1890 das Studium der Inkunabeln empfohlen. Was wir aus diesen Drucken lernen können, [...] ist das unbefangen funktionelle Gestalten eines Buchs: seine optische organisation durch verschiedene Grade von Schriften und große Form- und Farbkontraste (die damals die Gestalt von Initialen und zierleisten hatten); die unveränderlich feste Gestalt der Wörter (ohne Sperren), zeilen und Seiten; der unbefangenere Umbruch von Seiten (verkürzen der Seitenhöhe statt Austreiben und Einbringen).“ 3
„Schrift ist etwas historisch Gewordenes. man muß sie studieren, wenn man sie beherrschen will. Niemand kann selbst eine Schrift erfinden. Wir können unsere Buchstaben höchstens abwandeln. Nur der ist aber berechtigt, sie abzuwandeln, der ihre Formen mindestens ebensogut wie die besten alten gestalten könnte. Das lernt man im besten Falle in einem halben leben.“ 4
Im Alter von 19 Jahren entwarf und schrieb er Hunderte von Anzeigen kalligraphisch für die leipziger mustermessen. 1923 begann er den vorher unbekannten Beruf eines typographischen Entwerfers auszuüben und arbeitete als solcher für die große leipziger Buchdruckerei Fischer & Wittig. In jungen Jahren schon wurde er ständiger mitarbeiter des Insel-verlags. Seine Setzerkenntnisse holte er sich bei Poeschel & Trepte in leipzig.
2 nach Tschichold (1), Klemke 1998, lechner 1981.
3 Tschichold (9), S. 22. 4 Tschichold (19), S. 10.
5 Biographie
Seine Entwürfe aus dieser zeit weisen folgende merkmale auf: gezeichnete oder sorgfältig geschriebene Schriften überwiegen, die künstlerische Ausgestaltung steht im vordergrund, Experimente finden nur im rahmen der vorgegebenen regeln statt.
2.2 PHASE DES SUCHENS UND ExPErImENTIErENS
Das entscheidende Erlebnis dieser zeit war für Tschichold der Besuch der ersten Ausstellung des Bauhaus in Weimar, 1923.
Davon war er so begeistert, dass er sich nun der revolutionären Ästhethik widmete:
„weg von Handschrift und Symmetrie, hin zu den möglichkeiten der asymmetrischen Anordnung von serifenlosen Schriften auf der Fläche.“ 5 [Diese] „Hinwendung zur neuen Ästhetik gipfelte im oktober 1925 in der Herausgabe des Sonderheftes der zeitschrift Typographische Mitteilungen unter dem Titel Elementare Typographie.“ 6
Die wesentlichen Thesen Tschicholds, die er in diesem Heft darlegt, werden in Kapitel 3 behandelt. Grundsätzlich ging es ihm um Klarheit und Einfachheit. Der Einfluß dieser Abhandlung war bemerkenswert: Schon nach wenigen Jahren waren das ornament und die altmodischen Schriften aus den Druckwerken verschwunden, die Alleinherrschaft des zentrierten Satzes begann zu wanken.
2.3 zEIT DEr BErUFlICHEN ENTWICKlUNG UND DEr BrEITEN ANErKENNUNG
Paul renner, dessen
Futura
als erste neuge-
schaffene Schrift den Grundsätzen der neuen Typographie entsprach, holte Tschichold 1926 als lehrer an die münchner meisterschule für Deutschlands Buchdrucker, um Berufsschüler in Kalligrafie und Typographie zu unterrichten. 1928 erschien Tschicholds lehrbuch Die neue Typographie, das der ganzen richtung den Namen gab und zu einer Art lehrbuch für die jungen Typographen der zeit wurde. In münchen erstellte er auch eine reihe von Filmplakaten für den Phoebus-Palast, ein münchner Kino. Diese Blätter enthalten alle Elemente der neuen Typographie, auch die Fotomontage wurde sehr geschickt eingesetzt.
5 Tschichold (1), S. 3.
6 ebenda.
6 Biographie
2.4 rEvISIoN IN TSCHICHolDS DENKEN
1932 meinte Tschichold, dass an einigen zu radikalen Forderungen jener Jahre revisionen zugunsten der handwerklichen Wirklichkeit nötig wären, dass die ausschließliche Anwendung der Grotesk-Schriften zu tödlicher langeweile führe und dass serifenlose Schriften allein noch keine gute Gestaltung ergäben. 7 Darauf wird im Kapitel 4 noch näher eingegangen.
1933 wurde Tschichold ohne Grund von den Nationalsozialisten verhaftet und aus seinem lehrerberuf entlassen und musste in die Schweiz emigrieren. Ungefähr 1938 verschrieb er sich ausschließlich der Buchtypographie. Nun überließ er die asymmetrische Anordnungsweise der Werbetypographie und setzte alles auf mitte und nach den regeln der traditionellen Typographie. von 1946 bis 1949 verbesserte er die Typographie des verlages Penguin Books in london. Das am weitesten verbreitete Werk Tschicholds ist die 1962 erstmalig publizierte Schrift Willkürfreie Maßverhältnisse der Buchseite und des Satzspiegels.
7 vgl. Tschichold (1), S. 4.
Arbeit zitieren:
Astrid Schaumberger, 2002, Jan Tschichold als radikaler Erneuerer und traditionsliebender Künstler - ein Widerspruch?, München, GRIN Verlag GmbH
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