Inhaltsverzeichnis......................................................................................................................I
Abbildungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Materialwirtschaft. 1
2.1 Begriffsabgrenzung 1
2.2 Aufgaben der Materialwirtschaft 2
3. Lagerhaltung. 3
3.1 Lagerarten. 4
3.2 Lagerhaltungspolitiken. 5
3.2.1 Bedarfsorientierte Bestandsergänzung. 5
3.2.2 Verbrauchsorientierte Bestandsergänzung. 6
3.3 Bestandsmanagement 7
3.3.1 Voraussetzungen für ein erfolgreiches Bestandsmanagement 7
3.3.2 Charakteristik von Beständen. 7
3.3.3 Bestandsarten 9
3.3.4 Instrumente zur Analyse der Bestände. 10
3.3.5 Maßnahmen zur Bestandssenkung 12
3.3.6 Zusammenfassung. 13
4. Ansätze zur Bestimmung des Sicherheitsbestandes. 13
4.1 Der Faktor Unsicherheit 13
4.1.1 Arten der Unsicherheit 13
4.1.2 Methoden zur Kompensation der Unsicherheit. 15
4.2 Sicherheitsbestand. 17
4.2.1 Vorteilhaftigkeit des Sicherheitsbestandes. 17
4.2.2 Servicegrad als Instrument zur Berechnung des Sicherheitsbestandes 18
4.2.3 Ansätze zur Bestimmung des Sicherheitsbestandes in der Literatur. 20
5. Zusammenfassung. 29
Literaturverzeichnis III
I
Abbildungsverzeichnis
Abb. 2-1 Kostenauswirkungen bei Unter- bzw. Überschätzung der Bestimmungsfaktoren
Abb. 3-1 Nach Funktionserfüllung differenzierte Lagertypen.
Abb. 3-2 Zusammenhang zwischen den Bestandsarten
Abb. 4-1 Servicefunktion nach BICHLER
Abb. 4-2 Normalverteilter Prognosefehler.
Abb. 4-3 Nach Unsicherheitsfaktoren differenzierter Sicherheitsbestand
II
1. Einleitung
Da die Materialkosten, die Kosten für Bestände an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie die des gebundenen Kapitals in Halb- und Fertigfabrikaten zu den wichtigsten Ansatzpunkten zur Verbesserung der Liquidität und des Unternehmensergebnisses zählen, muss der Materialwirtschaft, besonders den Maßnahmen zur Bestandssenkung, eine große Bedeutung zugewiesen werden. Die Liquidität und die Reaktionsfähigkeit des Unternehmens werden besonders durch totes, verlorenes Kapital, welches aus zu hohen Lagerkosten bzw. Beständen, schlechtem Materialumschlag und Ladenhütern bzw. Lagerhütern resultiert, beeinträchtigt. Auf der anderen Seite kann durch Nachfrageschwankungen, die Erfüllung von Sonderwünschen sowie durch lange Durchlaufzeiten ein zu niedriger Lagerbestand schnell bestraft werden, indem durch fehlendes Material die Fertigung stockt. Die daraus resultierenden Fehlmengenkosten, z.B. ein entgangener Gewinn oder Rüstkosten, können dann um einiges höher sein als die eingesparten Lagerhaltungskosten. In dieser Arbeit sollen zuerst die Aufgaben und Bedeutung der Materialwirtschaft kurz dargestellt werden, bevor dann im Einzelnen die Lagerhaltung und speziell Verfahren zur Bestimmung des Sicherheitsbestandes erläutert werden.
2. Materialwirtschaft
In der Literatur und Praxis wird häufig die Versorgung der Unternehmen mit benötigten Erzeugnis-und Betriebsstoffen, Anlagen sowie Dienstleistungen je nach Quelle unter den Begriffen Einkauf, Beschaffung, Logistik oder Materialwirtschaft gefasst. Bevor auf die Aufgaben und Ziele der Materialwirtschaft eingegangen wird, erfolgt somit eine fachliche Abgrenzung dieser Begriffe.
2.1 Begriffsabgrenzung
Auf Grund der verschiedenen Sichtweisen, aus denen der Versorgungs-, aber auch der Entsorgungsprozess betrachtet werden kann, resultiert eine große Begriffsvielfalt. 1 So steht beim Einkauf der Bestellvorgang mit seinen vielfältigen abwicklungstechnischen operativen Aufgaben im Vordergrund.
Hingegen geht man bei der Beschaffung eher auf die ständigen, strategischen Wechselbeziehungen zwischen den Beschaffungsmärkten und der Versorgungsfunktion ein. Es besteht zwar eine enge Beziehung zum Einkauf, da auch hier eine sichere und kostengünstige Versorgung eines Unternehmens mit Erzeugnis- und Betriebsstoffen sowie Betriebsmitteln im Fokus steht, aber spielen bei der Beschaffung eher die langfristigen Entscheidungen eine große Rolle. In der Literatur wird weiterhin zwischen Beschaffung im engeren und im weiteren Sinne unterschieden. Unter dem Begriff der Beschaffung im engeren Sinne wird dabei die Übernahme der Erzeugnis- und Betriebsstoffe vom Markt in das Unternehmen verstanden. Die Beschaffung im weiteren Sinne impliziert zusätzlich die Bereitstellung von Betriebsmitteln, Arbeitskräften und Kapital. Diese Abgrenzung findet man jedoch in der Praxis eher selten.
Der rege Güteraustausch zwischen dem Unternehmen und den Beschaffungsmärkten ist charakteristisch für die Materialwirtschaft. Besonders eine reibungslose, sichere und dazu kostengünstige Gestaltung dieses Prozesses wird bei der Materialwirtschaft, aber auch bei der Logistik angestrebt.
1 Vgl. Arnolds / Heege / Tussing: Materialwirtschaft und Einkauf, S.21ff.
1
Im Gegensatz zum Einkauf, bei dem die Ausführung der Prozesse und Maßnahmen für deren Optimierung wichtig sind, hebt die Materialwirtschaft den Managementcharakter der Versorgungsfunktion hervor. Dadurch wird das Augenmerk auf die Gestaltung der Prozesse und die Entscheidungen der Verantwortlichen gelegt. So ergeben sich die beiden Hauptziele. Zum einen wird durch eine betriebsübergreifende Betrachtung sowie der Vermeidung von innerbetrieblichen Kostenverlagerungen eine Optimierung der Gesamtkosten der Materialversorgung angestrebt. Zum anderen wird durch Mitsprache bei der qualitativen Festlegung des Betriebsbedarfs in wertanalytischer Sicht die Stärkung der eigenen Position vor der Einkaufstätigkeit (durch Forcierung des Wettbewerbs) angestrebt.
Im Vergleich zur Materialwirtschaft steht die Logistik im Zusammenhang mit der physischen Ver-sorgungsfunktion. Hierbei sind besonders die Transport-, Lager- und Umschlagsvorgänge sowie die Verpackungsproblematik zu nennen. Somit ist die Logistik mit allen materialflussbezogenen Fragen der Versorgungsaufgabe gleichzusetzen.
2.2 Aufgaben der Materialwirtschaft
Zu den Aufgaben der Materialwirtschaft zählt neben der Kostenoptimierung bzw. der Optimierung des Preis-Leistungs-Verhältnisses für die Produktionsfaktoren auch die Versorgungssicherung, d.h. eine bedarfsgerechte körperliche Verfügbarkeit der Produktionsfaktoren sowie die Unterstützung anderer Unternehmensbereiche. 2
Bei der kostengünstigen Versorgung des Unternehmens mit Materialien ist neben den preislichen Gesichtspunkten auch die terminliche, qualitätsmäßige sowie einkaufspolitische Dimension zu berücksichtigen. Zur Verdeutlichung kann ein einfaches Beispiel herangezogen werden. So hat ein Lieferant, der unter preislichen Gesichtspunkten (z.B. geringster Materialeinkaufpreis) das beste Angebot abgibt, nicht gleichzeitig das kostengünstigste Angebot, da hier auch Variablen wie Lieferpünktlichkeit (terminlich), Fehlerrate (qualitätsmäßig) oder Mindestabsatzmenge (einkaufspolitisch) von Bedeutung sind und diese zusätzlich Kosten, z.B. durch Sicherheitsbestände, zur Absicherung der Unsicherheit bzgl. der Liefertreue (da entsprechende Materialien nicht pünktlich angeliefert worden) zur Folge haben können. Aus den Komponenten einer kostengünstigen Versorgung ergeben sich Zielkonflikte, wie eine hohe Qualität der Materialien und ein geringer Einkaufspreis. Diese Konflikte gilt es in entsprechenden Modellen gegenüberzustellen und zu optimieren bzw. gute Näherungen zu finden. Ein Problem hierbei stellen die benötigten Werte dar. So beruhen die meisten (außer evtl. der Einstandspreis) auf mehr oder weniger guten Schätzungen. Die Folgen einer Über- bzw. Unterschätzung der Bestimmungsfaktoren und deren Kostenauswirkungen sind in Abb. 2-1 dargestellt.
2 Vgl. Arnolds / Heege / Tussing: Materialwirtschaft und Einkauf, S.25ff.; Vry: Beschaffung und Lagerhaltung, S.21ff.
2
Abb. 2-1 Kostenauswirkungen bei Unter- bzw. Überschätzung der Bestimmungsfaktoren 3 Die zweite Aufgabe besteht darin, die Materialzufuhr langfristig zu sichern. Hierbei wird vermehrt von dem Gedanken Abstand genommen, das gesamte Beschaffungsprogramm, z.B. in Form von Sicherheitsbeständen, abzusichern. Vielmehr wird sich auf diejenigen Erzeugnisstoffe konzentriert, bei denen Versorgungsstörungen oder starke Preissteigerungen die Wettbewerbskraft der eigenen Fertigerzeugnisse erheblich beeinträchtigen können. Dabei müssen entsprechende Signale wie Monopolisierung ganzer Zulieferbranchen, Anzeichen von Versorgungsengpässen durch Erschöpfung der Rohstoffquellen, aber auch politische Entwicklungen frühzeitig wahrgenommen und geeignete Maßnahmen eingeleitet werden. Mögliche Konsequenzen sind z.B. langfristige Verträge mit dem Lieferanten, der Übergang von Fremdbezug zu Eigenfertigung oder die Verwendung von Alternativmaterial.
Neben den beiden Versorgungsaufgaben hat die Materialwirtschaft ebenso eine Informationsfunktion, d.h. sie soll Informationen, beispielsweise über Veränderungen auf dem Beschaffungsmarkt, für andere Unternehmensbereiche zur Verfügung stellen, um diese zu unterstützen.
3. Lagerhaltung
Ein wichtiges Instrument zur Verbesserung der Prozesse der Materialwirtschaft ist die Lagerhaltung. Es wird primär das Ziel verfolgt, mit Hilfe von Läger die Bewegungsunstimmigkeiten zwischen den einzelnen Abschnitten des Materialflusses auszugleichen. Hierbei spielen zwei Aspekte eine besonders wichtige Rolle, die zugleich die beiden Hauptziele der Lagerhaltung darstellen. Einerseits ist dies der zeitliche Ausgleich zwischen nicht synchronisierten Prozessen und somit eine Gewährleistung von Sicherheit und Stetigkeit. Andererseits wird eine hohe Flexibilität angestrebt, um z.B. auf Kundenwünsche oder kurzfristige Nachfragen reagieren zu können. 4 Mit beiden Zielen wird somit eine Verbesserung der Kundenbeziehungen bzw. Optimierung der Prozesse verfolgt, welche durch Lagerbestände erreicht werden kann. Diesen Forderungen steht aber die Minimierung der Lagerhaltungskosten gegenüber. Somit muss ein Ausgleich zwischen diesen Kosten und den Fehlmengenkosten getroffen werden. Unter Fehlmengenkosten sind dabei alle Kosten, die bei einer nachträglichen Lieferung entstehen, bzw. Opportunitätskosten für den entgangenen Gewinn zu fassen. 5
3 Angelehnt an Arnolds / Heege / Tussing: Materialwirtschaft und Einkauf, S.26.
4 Vgl. Vahrenkamp: Logistikmanagement, S.217ff.
5 Vgl. Vahrenkamp: Logistikmanagement, S.218.
3
3.1 Lagerarten
Es existiert eine Vielzahl von Ursachen, warum ein Lager benötigt wird. Im Folgenden soll ein grober Überblick über die verschiedenen Lagertypen, abgegrenzt nach ihrer Funktionserfüllung, gegeben werden. 6
Aus den oben genannten Zielen ergeben sich die drei wichtigsten Lagerformen Ausgleichslager, Vorsichtslager und Spekulationslager. Sie werden in manchen Büchern durch Manipulationslager, Umschlagslager und/oder Normallager ergänzt. 7
Ein Ausgleichslager bzw. Sammellager dient dem Zweck, große Mengen aufzunehmen, um starke Beschaffungs- und Bedarfsschwankungen auszugleichen. Ein Beispiel hierfür stellen Getreidesilos eines landwirtschaftlichen Betriebs dar, welches Getreide in der Erntezeit, d.h. zu dem Zeitpunkt an dem große Mengen anfallen, aufnimmt und speichert. Ein Normallager dient zwar auch dem Ausgleich von Beschaffungs- und Absatzschwankungen, hier werden aber nur die „üblichen“ geringen (nicht saisonbedingten) Schwankungen gedeckt.
Zur Überbrückung von Störungen in den Abläufen oder zur Erfüllung von kurzfristigen, nicht eingeplanten Kundenwünschen werden Vorsichtslager bzw. Reservelager eingerichtet. Diesen Lagertyp findet man besonders im Einzelhandel vor, welcher daraus sein Ladengeschäft beschickt, um den Kundenwünschen bis zur nächsten Lieferung nachkommen zu können. Aber auch im Großhandel sind Vorsichtslager nützlich, besonders wenn eine hohe Unsicherheit bzgl. der Lieferzeitpunkte besteht.
Wenn die Ursache für die Lagerung ein rein spekulativer Anreiz ist, weil z.B. eine Preissteigerung für diese Materialien erwartet wird, wird dieser Lagertyp als Spekulationslager bezeichnet. Um ein Produkt zu verbessern, d.h. seine Verkaufsfähigkeit zu erhöhen bzw. herzustellen, wird das Erzeugnis in einem sog. Manipulationslager bis zum Beginn des nächsten Produktionsschritts bzw. dem Verkauf gelagert. Der Zweck eines Umschlagslagers hingegen ist es, die Zeit zwischen Fertigstellung und Versand bzw. Abholung zu überbrücken.
Eine Übersicht der Lagertypen und deren Funktion ist noch einmal in Abb. 3-1 erfasst.
6 Die Funktionserfüllung ist ein Kriterium, nach dem die Lager unterschieden werden können. Eine ausführliche Darstellung aller Lagertypen gegliedert nach weiteren Gesichtspunkten ist in Kopsidis: Materialwirtschaft, S.116-132 zu
finden.
7 Vgl. Käschel: Produktionswirtschaft, S.72f.; Vry: Beschaffung und Lagerhaltung, S.102-108;
Arnolds / Heege / Tussing: Materialwirtschaft und Einkauf, S.237-248;
Kopsidis: Materialwirtschaft, S.113-167.
8 Angelehnt an Kopsidis: Materialwirtschaft, S.114.
4
3.2 Lagerhaltungspolitiken
Unter Lagerhaltungspolitik sind vielseitige Aufgaben zu verstehen. Die Bestimmung der Anzahl notwendiger Läger, die innerbetriebliche Standortplanung dieser und deren bauliche Gestaltung sowie innere Einrichtung bilden einen Teil davon. Diese Aufgaben sind vor der Nutzung des Lagers festzulegen, da sie im Nachhinein nicht oder nur unter hohen Kosten änderbar sind (z.B. die Festlegung eines neuen Standortes des Lagers). Eine andere Aufgabe, die während der Nutzung von Bedeutung ist, ist die Entscheidung über den Umfang der Bestände an Materialien und die damit verbundenen Bestellverfahren. Da es in dieser Arbeit vordergründig um die Verbesserung der Lagerbestände geht, sollen die unterschiedlichen Bestellverfahren den Schwerpunkt dieses Abschnittes bilden. 9
Grundsätzlich ist zu sagen, dass nicht für jedes Material die gleiche Bestellpolitik die beste ist. Es bedarf im Vorhinein einer genauen Prüfung der Bedeutung der Teile für das Unternehmen, z.B. in Form einer ABC-Analyse 10 . In der Literatur wird prinzipiell in zwei Kategorien unterschieden. Auf der einen Seite stehen die bedarfsorientierten (deterministischen) Bestandsergänzungen, die für hochwertige Materialien (A-Güter) angewendet werden. Auf der anderen Seite werden die verbrauchsorientierten (stochastischen) Bestandsergänzungen für weniger wertvolle Materialien (C-Güter, Ersatzteile) genutzt. 11
3.2.1 Bedarfsorientierte Bestandsergänzung Charakteristik: 12
Die bedarfsorientierte Bestandsergänzung geht von bekannten Raten des Lagerabgangs aus. In einem ersten Schritt wird der Primärbedarf, anhand von Kunden- und Lageraufträgen ermittelt. Aus den Strukturen der Fertigerzeugnisse wird der Bruttosekundärbedarf der einzelnen Materialien abgeleitet. Diese können aus unterschiedlichen Quellen entnommen werden. So unterscheidet KOPSIDIS zwischen analytischer (Materialbedarfsplanung durch Stücklisten) und synthetischer Bedarfsermittlung (Materialbedarfsplanung durch Auflösung von Teileverwendungsnachweisen) sowie Materialbedarfsplanung nach dem Gozintoverfahren. Um den Nettobedarf (Einkaufsbedarf bzw. selbst herzustellende Zwischenprodukte) für jedes Material berechnen zu können, wird in einem letzten Schritt der Bruttosekundärbedarf um die vorhandenen Bestände reduziert. Verfahren: 13
Die zwei bekanntesten Verfahren zur Bestimmung der Bestellmenge sind die ANDLER’sche Los-größenformel und dynamische Optimierung nach WAGNER/WHITIN.
9 Vgl. Arnolds / Heege / Tussing: Materialwirtschaft und Einkauf, S.295-298.
10 Auf die ABC-Analyse wird noch einmal in Kapitel 3.3.4 genauer eingegangen.
11 Vgl. Tempelmeier: Materiallogistik, S.390ff.
12 Vgl. Kopsidis: Materialwirtschaft, S. 45-60.
13 Vgl. Vahrenkamp: Logistikmanagement, S.217-249.
5
3.2.2 Verbrauchsorientierte Bestandsergänzung Charakteristik: 14
Bei der stochastischen Lagerhaltungspolitik werden die vorhandenen Input-Output-Beziehungen zwischen den Produkten vernachlässigt. Der Materialverbrauch der Planperioden wird anhand des Materialverbrauchs der Vergangenheit ermittelt. Dies wird besonders bei C-Teilen eingesetzt. Die Grundlage für eine genaue Bestimmung des Planbedarfs sind viele Vergangenheitswerte. Diese werden in ein Diagramm eingezeichnet (Abszisse = Zeit; Ordinate = Verbrauchsmenge) und ein entsprechendes Bedarfsmodell, z.B. horizontaler, trendmäßiger, saisonal schwankender oder unregelmäßiger Bedarf, abgeleitet. Basierend auf dem Bedarfsmodell werden die Vergangenheitswerte durch (dem Bedarfsmodell angepasste) Bedarfsprognosemethoden fortgesetzt und daraus der Bedarf für die nächsten Perioden ermittelt. Die bekanntesten Bedarfsprognosemethoden sind Verfahren der Mittelwertbildung (arithmetischer, gewogener oder gleitender Mittelwert), exponentielle Glättung 1. und 2. Ordnung sowie Trendrechnung. 15 Verfahren: 16
Die Verfahren der stochastischen Lagerhaltungspolitik lassen sich in zwei Gruppen einordnen. Zum einen die Bestellrhythmusverfahren, bei denen der Lagerbestand nach einer bestimmten Zeit auf ein vorgegebenes Niveau erhöht wird. Zum anderen gibt es Bestellpunktverfahren, die in Abhängigkeit vom aktuellen Lagerbestand eine Bestellung auslösen.
Die drei bekanntesten und in der Literatur am häufigsten in diesem Zusammenhang erwähnten sind die s,q-Poltik, r,S-Politik und s,S-Politik. 17
Bei der s,q-Politik wird der Zeitpunkt der Bestellung durch den Bestellpunkt s (Meldebestand) beeinflusst und die Bestellmenge q bleibt konstant. Um die Unterschreitung des Meldebestandes nicht zu spät zu bemerken ist eine kontinuierliche Bestandsüberwachung notwendig. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die Bestellmenge im Zeitablauf konstant bleibt und somit ein einfacheres Einkaufs- und Logistikmanagement ermöglicht. So können z.B. Einflüsse wie Mengenrabatte, Beschränkungen der Transportmenge und Verpackungseinheiten besser gehandhabt und auf deren Basis Optimierungen durchgeführt werden.
Die r,S-Politik wird durch das Überwachungsintervall (Bestellintervall) r bestimmt. Am Ende eines Überwachungsintervalls wird immer eine Bestellung, unabhängig von der Höhe des Lagerbe-standes, ausgelöst und das Lager bis zu einer Lagermenge von S aufgefüllt. Somit ist der Bestellpunkt unabhängig vom aktuellen Lagerbestand, aber dafür bestimmt dieser die Bestellmenge (= Saktueller Lagerbestand). Auf Grund der periodischen Prüfung und Bestellung wird dieses Verfahren auch als periodische Bestandsüberwachung bezeichnet. Die Vorteile gegenüber der s,q-Politik liegen bei diesem Verfahren darin, dass die Beschaffungszeitpunkte für mehrere Erzeugnisse, die vom selben Lieferanten bezogen bzw. gemeinsam produziert werden, aufeinander abgestimmt werden können, z.B. in Form einer gemeinsamen Bestellung und Anlieferung. Weiterhin kann bei der s,q-Politik durch die Bestimmung der Zeitintervalle, in denen geprüft werden soll, genau dann ein Defizit auftreten, wenn der Meldebestand innerhalb des Überwachungsintervalls erreicht wird. Dies ist bei der r,s-Politik nicht möglich, da die bestellauslösende Menge immer jene ist, die nach
14 Vgl. Kopsidis: Materialwirtschaft, S. 61-84.
15 Ausführliche Erläuterungen zu diesen Verfahren finden Sie in Kopsidis: Materialwirtschaft, S.61-84.
16 Vgl. Tempelmeier: Materiallogistik, S.390ff.
17 Oeldorf und Olfert ergänzen die Verfahren in ihrem Buch: „Materialwirtschaft“ noch durch r,s,S- und r,s,q-Politik (hier als s,S,T- und s,q,T-Politik bezeichnet)
6
Arbeit zitieren:
Enrico Ebert, 2005, Ansätze zur Festlegung der Menge des Sicherheitsbestandes, München, GRIN Verlag GmbH
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