Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Sport als Arbeit. 4
2.1 Das Verhältnis von Sport und Arbeit 4
2.1.1 Zwei grundsätzliche Hypothesen 4
2.1.2 Leistung in Sport und Arbeit 5
2.2 Verberuflichung des Sports. 6
2.2.1 Abgrenzung des Sports vom „Normalarbeitsverhältnis“ 6
2.2.2 Die Rolle der Medien beim Prozess der Verberuflichung
des Sports. 7
3 Lebensläufe von Hochleistungssportlern 8
3.1 Theoretischer Bezugsrahmen. 8
3.1.1 Ganzheitliches Analysemodell zu Lebensläufen von
Hochleistungssportlern 8
3.1.2 Exkurs: Etappen der Berufskarrieren. 8
3.2 Ergebnisse der Lebenslaufanalysen von Hochleistungssportlern9
3.2.1 Analyse der Berufskarrieren 9
3.2.2 Auswirkungen des Hochleistungssports auf die
Berufskarrieren. 10
3.2.3 Einordnung der Ergebnisse ins Analysemodell. 11
4 Die Persönlichkeit von Hochleistungssportlern. 12
4.1 Modelle zum Zusammenhang von Sport und Persönlichkeit 12
4.1.1 Überblick über die Modelle 12
4.1.2 Selektions- und Sozialisationshypothese 13
4.1.3 Ergebnisse nach trait-orientiertem Ansatz. 13
4.1.4 Ergebnisse nach interaktionistischem Ansatz 14
4.2 Kritische Lebensereignisse von Hochleistungssportlern 15
4.2.1 Definition „Kritisches Lebensereignis“ 15
4.2.2 Lebensziele von Hochleistungssportlern 16
4.1.3 Beispiel I: Olympiasieg als kritisches Lebensereignis 17
4.2.4 Beispiel II: Karriereende als kritisches Lebensereignis 19
5 Resümee 21
6 Literaturverzeichnis. 23
2
1 Einleitung
„Sport ist eine Erscheinung aus dem großen Lebensbereich des Spiels. Spiel ist ein zweckfreies Tun um seiner selbst willen, also im Gegensatz zur Arbeit.“ 1
„Wir verstehen Sport als Spiel und sehen ihn im Gegensatz zur Arbeit; deshalb unterscheidet sich sportliche Leistung grundsätzlich von der Leistung in der Arbeitswelt. Sport würde nach unserer Auffassung sein Wesen verlieren, wenn er des beispielhaften Mutterbodens verlustig ginge und zur reinen Arbeit würde, die sich in der Welt der Zwecke erschöpft.“ 2
Carl Diem hat sich noch vor über 40 Jahren mit diesen Ansichten einer Sportideologie verschrieben, die heute längst keine Gültigkeit mehr besitzt und trotzdem noch von einigen Sportideologen vertreten wird. Im modernen System des Hochleis-tungssports werden Athleten zu Arbeitnehmern der besonderen Art. Parallel zu ihren Berufskarrieren, oder als mehrjährige Unterbrechung dieser, verfolgen sie eine Sportkarriere als Angestellter in einem Sportverein. Mit dem Schritt, ihr sportliches Hobby zeitintensiv zum Beruf zu machen entscheiden sie sich für eine Lebensgestaltung, in dem Berufs- und Privatleben eine Einheit bilden, also eine Form der beruflichen Entgrenzung. 3
In folgendem Aufsatz soll also das Zitat von Diem widerlegt und die These diskutiert werden, dass Hochleistungssportler eine besondere Art von Arbeitnehmern sind. Neben den formalen Merkmalen dafür soll untersucht werden, ob sich auch in einer Analyse ihrer Lebensläufe und ihrer Persönlichkeitsmerkmale Besonderheiten bemerkbar machen, die sie vom „Normalarbeitnehmer“ unterscheiden. Im ersten Schritt soll bewiesen werden, anhand welcher Merkmale man Hoch-leistungssportler als Arbeitnehmer manifestieren kann. Dabei wird ein besonderer Fokus auf das Leistungsprinzip in Sport und Arbeit gelegt. Um ihre Besonderheiten
1 Diem 1960, S. 3
2 Diem 1957, S. 6f.
3 Definition zur Entgrenzung z. B. in Dettmer, Susanne u. a.: Individuelle Formen der Lebensgestal-
tung: Segmentation, Integration, Entgrenzung. Ergebnisse qualitativer Analysen aus dem Projekt
„PROFIL“. In: Hoff, Ernst-H./Hohner, H.-U. (Hrsg.) Bericht aus dem Bereich Arbeits-, Berufs- und Or-
ganisationspsychologie an der FU Berlin. Nr. 2. Berlin 2003, S. 62-65.
3
herauszuarbeiten wird danach untersucht, welche Unterschiede sie zum „Normalarbeitnehmer“ aufweisen. Hier wird auch auf die besondere Rolle der Medien hingewiesen.
Im zweiten Schritt folgt eine Analyse der Lebensverläufe von Hochleistungs-sportlern, um festzustellen, ob man dafür Muster entwickeln kann. Dazu wird eine Studie von ehemaligen Olympiateilnehmern ausgewertet und im ganzheitlichen Analysemodell zu Lebensläufen von Hochleistungssportlern dargestellt. Laut entwicklungstheoretischen Ansätzen spielen dabei auch psychologische Aspekte eine Rolle. Deshalb soll im dritten Schritt untersucht werden, ob es einen Zusammenhang zwischen Sport und Persönlichkeitsentwicklung gibt. Außer wird auch aus psychologischer gezeigt, wie Athleten mit kritischen Lebensereignissen wie Siegen und dem Ende der sportlichen Karriere umgehen. Am Ende soll diese Arbeit Aufschluss darüber geben, ob sich Theorien zum Sportler als Arbeitnehmer entwickeln lassen und ob es kausale Zusammenhänge zwischen den Beziehungen Sport und Arbeit und Sport und Persönlichkeit gibt.
2 Sport als Arbeit 2.1 Das Verhältnis von Sport und Arbeit
2.1.1 Zwei grundsätzliche Hypothesen
Um Sport als Arbeit definieren zu können und Unterschiede, und wichtiger noch, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, muss das Verhältnis beider Lebensbereiche zueinander geklärt werden. Dazu gibt es in der Sportwissenschaft zwei gegensätzliche Meinungslager.
Vertreter der einen Theorie plädieren dafür, Sport und Arbeit strikt in konträr strukturierte Handlungsspielräume zu unterscheiden. 4 Sport wird in diesem Fall als reines Spiel verstanden, welches den einzigen Zweck der Freude am Tun erfüllt und wo kein Zwang dahinter steht. Sport sei das absolute Gegenteil von Arbeit, welche stets dem hauptsächlichen Zweck und Zwang unterliegt, das Leben zu finanzieren. Der Sport verliere seine eigentliche Bedeutung, wenn er nicht mehr Rückzugsort aus der Arbeit wäre.
4 siehe auch Zitate oben von Diem
4
Die gegensätzliche Meinung dazu vertraten auch schon Philosophen wie Horkheimer und Adorno. Sie verwiesen auf die Strukturähnlichkeit beider Handlungssysteme. Im Sport, vor allem im Kollektivsport, und im Beruf muss man sich an Regeln halten und Disziplin üben. Das sportliche Training muss gezielt geplant werden, um angestrebte Erfolge zu erreichen. Ebenso wird in der Fabrik oder Firma geplant, mit welchen Maßnahmen das Jahresziel verfolgt wird. Es werden im Sport und Beruf also Ziele definiert und Maßnahmen, wie diese erreicht werden sollen. In beiden Handlungssystemen kann man außerdem eine fortschreitende Spezialisierung beobachten. Weiterhin brauchen Sportler und Arbeiter nach ihrer ausgeübten Tätigkeit Erholung im Lebensbereich Freizeit. 5
2.1.2 Leistung in Sport und Arbeit
Die wichtigste Parallele in den Bereichen Sport und Arbeit ist jedoch das Leistungsprinzip. Dieses ist durch unterschiedliche Merkmale und Zielsetzungen gekennzeichnet. Das hervorstechende Merkmal ist der Wunsch nach ständiger und vollkommener Leistungssteigerung durch planmäßige Umsetzung der Arbeit bzw. des Trainings. Schon der Arbeitswissenschaftler Taylor untermauerte seine These über die Bemühung eines jeden Arbeiters, seine gesamten Fähigkeiten und Möglichkeiten in seinem Beruf umzusetzen mit einem Beispiel aus dem Mannschaftssport: Nur wenn sich im Mannschaftssport ein Mitglied zu 100 Prozent anstrengt, erhält er die Anerkennung seiner Teammitglieder. Leistungssport und Arbeit sind also gekennzeichnet durch das Streben nach der höchsten Leistungsfähigkeit und Rekorden, um anerkannt zu werden.
Rekorde in Sport und Arbeit sind demnach Ergebnisse von Teamarbeit. Im Bereich Sport gilt das nicht nur für Mannschaftssport. Am Erfolg beteiligen sich neben dem Athleten selber unter anderem auch die Mitglieder des Sportvereins, Ärzte und Trainer. Fortschreitende Spezialisierung die zu Leistungssteigerung führt, ist in beiden Bereichen nur durch Unterstützung eines Teams möglich. Nur durch Zusammenhalt und Rückhalt ist eine Ausarbeitung der Spezialisierung möglich, und damit auch eine Leistungssteigerung, die letztlich nicht nur dem Spezialisten angerechnet wir d.
5 Rigauer 1969, S. 10ff.
5
Eine adäquate Leistung kann außerdem nur erreicht werden, wenn der Lebensbereich Freizeit auf den Bereich Beruf abgestimmt wird. Sportler und Arbeiter müssen in der Freizeit zu einem Lebensstil finden, der sie nicht in ihrer Leistung einschränkt. Das bedeutet, dass sie sich Zwängen unterwerfen müssen, um Zielvorgaben zu erfüllen.
Messen lässt sich die Leistung von Sportlern und Arbeitern durch einen Vergleich mit der Konkurrenz. Im sportlichen und beruflichen Wettbewerb zeichnet sich der erfolgreichste Teilnehmer durch die höchste soziale und meist auch finanzielle Anerkennung aus. Allerdings kann man jeweils innerhalb der beiden Bereiche unterschiedliche Rangordnungen erkennen. So gibt es sozial höher angesehene und besser honorierte Sportarten und eine Rangordnung der Berufe. 6
2.2 Verberuflichung des Sports
2.2.1 Abgrenzung des Sports vom „Normalarbeitsverhältnis“
Es scheint also eine logische Konsequenz zu sein, dass sich aus dem Sport als Spiel der Sport als Beruf entwickelte. Historisch gesehen war Sport eine Passion, die keinen rationalen Zweck hatte. Der Beruf hat zwar den rationalen Zweck, das Leben zu finanzieren, sollte aber im besten Fall mit Leidenschaft ausgeübt werden. Wird Sport nun zum Beruf, wird daraus eine zweckgebundene Leidenschaft. Dies ist nur ein Merkmal dafür, wie sich der Berufssportler vom „Normalarbeitnehmer“ unterscheidet. So unterliegt zum einen ein Sportunternehmen anderen Finanzierungsweisen als ein Produktions- oder Dienstleistungsbetrieb. Industrie, Medien und Sportkonsumenten finanzieren den Sport, der deren unterschiedliche Interessen und Absichten erfüllen muss.
Eine weitere Besonderheit in der Verberuflichung des Sports liegt in seiner Historie. Der Sportler selber war die letzte Instanz im Sportunternehmen, der verberuflicht wurde. In anderen Worten: bevor es den Beruf Profisportler gab, kamen zuerst Berufe auf wie Trainer, Sportlehrer, Sportwissenschaftler oder Sportmanager. Diese Berufsbilder sind in einem „normalen“ Ausbildungsweg erlernbar. Zum Sportler gibt es keine Ausbildung. Er muss sich auf Grund seiner Leidenschaft für den Sport, seines Ehrgeizes und seinen Erfolgen und seinem Erfolgssinn für den Beruf qualifi-
6 Rigauer1969, S. 16-28
6
Arbeit zitieren:
Nicole Lau, 2006, Hochleistungssportler als Arbeitnehmer der besonderen Art, München, GRIN Verlag GmbH
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