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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Theoretisch-historischer Hintergrund 4
2.1 Zum Kulturverständnis in der Kritischen Theorie und den Cultural
Studies 4
2.1.1 Hauptelemente der Kulturindustriethese. 4
2.1.2 Kritik an der Kulturindustriethese 7
2.1.3 Kulturverständnis in den Cultural Studies 8
2.1.4 Unterschiede der Kulturauffassung der Cultural Studies bezüglich
der Kritischen Theorie 9
2.2 Entwicklung der Cultural Studies 10
2.2.1 Entstehungskontext und Grundlagentexte. 10
2.2.2 Akademisierung und Ausweitung 12
2.2.3 Das Encoding/Decoding-Modell von Stuart Hall 12
2.2.4 Offenheit und Polysemie medialer Texte nach John Fiske 14
3 Rezeption der Cultural Studies in Deutschland 15
3.1 Einbettung in die deutsche Forschungslandschaft 15
3.1.1 Entwicklung der Cultural Studies in Deutschland. 15
3.1.2 Cultural Studies in der Medienwissenschaft. 17
3.2 Schwerpunkt der Populärkulturanalyse 18
3.2.1 Populärkultur: ein Definitionsversuch. 18
3.2.2 Populärkultur als Hochkultur 20
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3.2.3 Vergnügen an der Populärkultur. 21
3.3 Exemplarische Studien deutscher Vertreter der Cultural Studies. 23
3.3.1 Friedrich Krotz: Vergnügen an interaktiven Medien 23
3.3.2 Trierer Forschungsgruppe: Auf digitalen Pfaden. 25
4 Zusammenfassung und Ausblick. 28
5 Literaturverzeichnis 30
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1 Einleitung
„It is often said that television has altered our world. […] we have got so used to statements of this general kind, in our most ordinary discussions, that we can fail to realise their specific meanings.” (Williams 1974, S. 9) Raymond Williams verweist in dieser Aussage darauf, dass die Bedeutung der Massenmedien für jeden Einzelnen und die Kultur einer Gesellschaft allgemein einen komplexen Einfluss hat. Aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit und Veralltäglichung sind Kritiken nicht mehr haltbar, die allein auf die Gefahren der Medien verweisen. Mit fortgeschrittener und fortschreitender Technologisierung der Gesellschaft ist auch eine Weiterentwicklung der Medien nicht aufzuhalten. Um den Überblick zu behalten und den Alltag zu strukturieren wird dem Rezipienten ein hohes Maß an Entscheidungsfähigkeit abverlangt, was ihn, möglicherweise unbewusst, zu einem aktiven und reflexiven Zuschauer macht. Die bisherige negative und pessimistische Auffassung der Frankfurter Schule zur Medienkultur ist auf die heutige Gesellschaft nicht mehr in allen Facetten übertragbar. Vor dem Hintergrund der Flucht aus dem faschistischen Deutschland in das amerikanische Exil liefern die Vertreter Horkheimer und Adorno eine nachvollziehbare Argumentation zum Manipulationscharakter der Medien, die ihren Pessimismus begründet. Da diese aber nicht auf alle Gesellschaften übertragbar ist, musste eine Neukonzeption der Kulturauffassung stattfinden. Aus einem anderen historisch-politischen Hintergrund erörtert die „Schule“ der Cultural Studies die Rolle der Medien für die Entwicklung einer Kultur und eines Individuums neu. Das gab auch Forschern verschiedenster Disziplinen in Deutschland den Anlass, dieses Konzept aufzugreifen und zu empirisch zu begründen.
Im folgenden Aufsatz soll es darum gehen, diese Neukonzeption zu begründen. Zunächst werden die Hauptelemente der Kulturindustriethese erörtert um zu zeigen, dass diese Kritik nicht ohne weiteres auf verschiedene Gesellschaften übertragbar ist. Eine Neukonzeption des Kulturverständnisses liefern die Cultural Studies, die damit als Gegenbewegung zur Frankfurter Schule ver-handelt werden. Hier soll in einem Kapitel genauer betrachtet werden, vor wel- chem historisch-politischen Hintergrund diese neue Kulturauffassung entstand.
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Besonders Augenmerk wird auf Konzepte von Stuart Hall und John Fiske gelegt, auf die immer wieder Bezug genommen wird. In beiden Modellen wird die Einbeziehung des Alltags und des sozialen Umfelds in die Bedeutungsgebung von Medientexten gerechtfertigt.
Auch deutsche Vertreter der Cultural Studies greifen in ihren Studien immer wieder auf die Konzepte von Hall und Fiske zurück. Sie unterstützen die Aufwertung der Populärkultur. Die Frage in diesem Zusammenhang lautet, ob die Kulturindustrie zur Populärkultur wurde, die nicht mehr von der Hochkultur degradiert wird. Exemplarisch werden abschließend zwei empirische Studien aus der deutschen Forscherlandschaft der Cultural Studies beschrieben, in denen der kulturelle Wert des Umgangs mit dem Computer im Alltag begründet werden soll.
2 Theoretisch-historischer Hintergrund
2.1 Zum Kulturverständnis in der Kritischen Theorie und den Cultural Studies
2.1.1 Hauptelemente der Kulturindustriethese
Udo Göttlich nimmt in seinem Buch Kritik der Medien einen Vergleich der Kulturindustriethese der Frankfurter Schule mit dem Kulturverständnis der Vertreter der Cultural Studies vor. Zwar bezieht er sich hauptsächlich auf die zwei Vertreter Leo Löwenthal, einem Mitarbeiter Horkheimers, und Raymond Williams, einem der Gründerväter der Cultural Studies, und deren Beitrag zur jeweiligen Schule. Aber er stellt auch einen grundsätzlichen Vergleich der beiden Kulturtheorien an. Göttlich widmet sich sehr ausführlich der Herausarbeitung der Kernaussagen. Dazu stellt er Horkheimers und Adornos Kulturindustriethese als die bekannteste These der Kritischen Theorie dar und schildert die darin beschriebene Kritik an der Kulturindustrie.
Göttlich arbeitet heraus, dass für Horkheimer und Adorno die Entwicklung der Massenmedien in der Weimarer Republik noch das Ziel der demokratischen Entfaltung hatte. Diese demokratische Phase wurde jedoch durch einen totalitären und monopolkapitalistischen Einsatz der Kommunikationsmedien abgelöst. Im Kapitel „Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug“ in Dialektik der Auf- klärung von Horkheimer und Adorno heißt es:
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„Der Schritt vom Telephon zum Radio hat die Rollen klar geschieden. Libe-ral ließ jenes den Teilnehmer noch die des Subjekts spielen. Demokratisch
macht dieses alle gleichermaßen zu Hörern, um sie autoritär den unter sich
gleichen Programmen der Stationen auszuliefern. Keine Apparatur der
Replik hat sich entfaltet, und die privaten Sendungen werden zur Unfreiheit
verhalten.“ (DdA, S. 129f.)
Wie Göttlich erkennt, entlarven Horkheimer und Adorno hier die Medien als das Herrschaftsmittel in einem totalitären Staat. Mit dieser Rolle der Medien wurden beide in ihrem Exil in Amerika konfrontiert. Dort kritisieren sie die monopolkapitalistische Konsumsphäre als das totalitäre Instrument, welches Kontrolle über die Mitglieder der Gesellschaft ausübt. Göttlich fasst die Grundannahme zum gesellschaftlichen System in solch einer Kulturindustrie wie folgt zusammen: „Die Interpretation und Kritik der Kulturindustrie geht zentral von der An-
nahme einer Logik des gesellschaftlichen Systems aus, die sich im Vor-
herrschen eines “ökonomischen Selektionsmechanismus“ und dem davon
geprägten “Stil und Schema der Kulturindustrie“ ausdrückt. Die Vorstellung
des ökonomischen Selektionsmechanismus bildet für die Bestimmung der
Entwicklungstendenzen der Kulturindustrie wie für die Einbindung der Rati-onalitätskritik den entscheidenden Ausgangspunkt der Kritik.“ (Göttlich
1996, S. 52f.)
Rationalitätskritik bedeutet vornehmlich die Rationalisierung der Technik, welche Göttlich für ein Hauptelement der Kulturindustrie hält. Er zeigt auf, dass technischer Fortschritt gleichsam Fortschritt in der Naturbeherrschung und damit im dialektisch aufklärerischen Sinne Macht bedeutet. Denn in der Kulturindustriethese heißt es, „daß der Boden, auf dem die Technik Macht über die Gesellschaft gewinnt, die Macht der ökonomisch Stärksten über die Gesellschaft ist.“ (DdA, S. 129). Zwar ist das technische Medium selbst neutral, aber durch seine Rationalisierung wird es zum Mittel des Massenbetrugs. Es werden also die kritisiert, die die Technik zur Ausübung von Herrschaft und Manipulation nutzen, und nicht die Technik selbst. Besonders die technische Eigenschaft der einseitigen Kommunikation verhilft der Machtausübung (vgl. Göttlich 1996, S. 51-58).
Göttlich erklärt weiter, dass die rationalisierten Technologien Folgen der wirtschaftlichen Systems des Kapitalismus sind. Sie sind gekennzeichnet durch die immer gleichen Reproduktionsmuster Wiederholung, Standardisierung und Stereotypisierung in der Kulturindustrie. Nur durch diese Merkmale ist Massen- produktion von Kulturwaren überhaupt möglich. Damit beeinflusst die Technik
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die formalen und inhaltlichen Merkmale der Kulturprodukte und organisiert und institutionalisiert somit die Kultur. Diese Kritik bezieht sich ausschließlich auf die Anwendung der Technik an der Kulturwarenproduktion, und nicht an der Produktion von „echter“ Kunst. Horkheimer und Adorno erklären damit, dass echte Kunst nicht Teil der Kulturindustrie ist. Hier stellt Göttlich heraus, dass diese dichotome Auffassung von Kunst und Massenkultur heute als überholt gilt und unter anderem die Vertreter der Cultural Studies ein neues Verhältnis von Kunst und Massenkultur sehen. Bezüglich dieses Zusammenhangs gibt es also grundlegend unterschiedliche Auffassungen beider Schulen (vgl. Göttlich 1996, S. 58-63).
Göttlich stellt die Technik und die technische Rationalität als Hauptelemente der Kulturindustriethese dar. Nach ihm liegt die Kernkritik an der Kulturindustrie darin, dass der technische Fortschritt zur fortschreitenden Naturbeherrschung führt, was sich in die Beherrschung der Natur des Menschen umschlägt. Es geht vor allem um die Zusammenhänge von Reproduktionstechnologien mit der fortgeschrittenen Warenproduktion und mit der künstlerischen Produktionsweise. Die Kritik an der Kulturindustrie beschäftigt sich also mit dem Einfluss der technologischen Rationalität auf die Produktion von Massenprodukten und „echter“ Kunst. Göttlich hält dieser Kritik ihr statisches und monolithisches Konzept vor. Er verweist darauf, dass Adorno erst in einem später veröffentlichten Aufsatz den Konsumenten in der Kulturindustrie eine reflexive Konsumption zutraut.
Schlussfolgernd kann für die Schilderung der Hauptelemente der Kulturindustriethese, wie Göttlich sie vornimmt, festgehalten werden, dass er keinen inhaltlichen Zusammenhang beim Kulturverständnis von Horkheimer und Adorno und dem der Cultural Studies feststellen kann. Erst die Behandlung der Massenkultur durch Leo Löwenthal, ein seiner Meinung nach bislang unterschätzter Vertreter der Kritischen Theorie, verweist auf Berührungspunkte mit der Theorie der Massenkultur mit den Cultural Studies. Er entwickelt eine soziale Theorie der Massenkultur, in der die Rezeption der Massenmedien nicht mehr mit Manipulation gleichgesetzt wird (vgl. Göttlich 1996, S. 63-71).
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Bei dieser Betrachtung allerdings bezieht sich Göttlich auf die später entwickelte Kulturauffassung des kulturellem Materialismus von Raymond Williams als Gründervater und Vertreter der Cultural Studies. Er setzt damit Leo Löwenthal und Raymond Williams mit den Grundrichtungen der Frankfurter Schule und der Cultural Studies gleich. Problematisch dabei ist aber, dass beide die Kernaussagen ihrer Theorien nur als Grundlagen für ihre eigene Weiterentwicklung nutzten. Diese Erkenntnisse jedoch gingen nicht als Bezugspunkte für die weitere Forschung beider Schulen ein. Es wird sich immer noch auf die Grundlagentexte bezogen, welche, wie auch Udo Göttlich herausgefunden hat, unterschiedliche Auffassungen zum Kulturverständnis haben.
2.1.2 Kritik an der Kulturindustriethese
Auch Rainer Winter hält die Auffassung zur Kulturindustrie der Kritischen Theorie für überholt und plädiert in seinem Buch Der Produktive Zuschauer für eine Neukonstruktion und Aufwertung der Medienrezipienten. Ausgangspunkt sind für ihn verschiedene Theorien zur Massenkultur, die auf soziale Kontrolle und Manipulation hinweisen. Er schildert dazu unter anderem die Kulturindustriethese. Winter verweist in seiner Darstellung besonders darauf, dass diese These im liberalen Amerika des New Deal entstanden ist, auf welches Horkheimer und Adorno ihre Manipulationstheorie von Faschismus und Stalinismus übertragen. Sie sehen die kapitalistische Wirtschaft dort als Herrschaftsinstanz, die mit der Beherrschung der Natur des Menschen die menschliche Selbstverleugnung inszeniert. Winter legt diese These als pessimistische, geschichtsphilosophische Argumentation dar, die den Verfall der Kultur prophezeit. Auch er sieht den Kernpunkt der Kulturindustriethese in der Opposition der „echten“, „authentischen“ Kunst zur Kulturindustrie. Kulturgüter werden zu ökonomischen Zwecken mit rationalisierten Mittel geschaffen, was den technischen Fortschritt als Grundlage hat. Marktorientierte Kulturwaren verlieren ihren reflexiven Charakter. Sie sind durch Standardisierung, Stereotypisierung und Verallgemeinerung gekennzeichnet und würden so einen konformen Konsumenten schaffen, der unreflektiert aufnimmt was ihm geboten wird (vgl. Winter 1995, S. 16-23). Winter hält die Argumentation von Horkheimer und Adorno zwar für ein- leuchtend, aber nicht mehr für auf die heutige Gesellschaft übertragbar. Er kriti-
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siert, dass beide die Macht der Medien überbewerten und bezweifelt deren totalitäre soziale Kontrolle, denn Massenkommunikation kann durchaus zweiseitig verlaufen und auch zu erneuter Kommunikation und kulturellem Austausch führen. Außerdem ist in der heutigen Gesellschaft offensichtlich keine Standardisierung der Technik und der Medienprodukte mehr erkennbar, weswegen auch nicht mehr von der Vereinheitlichung der Konsumenten gesprochen werden kann. Weiterhin kritisiert Winter die fehlende historische Differenzierung in der Kulturindustrietheorie. Das kapitalistische Amerika kann nicht ohne weiteres mit Faschismus und Stalinismus gleichgesetzt werden. Nicht allen Gesellschaftssystemen kann bedingungslose Passivität der Rezipienten unterstellt werden. Allgemein hält Winter die Manipulationstheorie auf Grund fehlender empirischer Forschungen für thesenartig und spekulativ. Er wirft Adorno letztlich dessen persönliche Verachtung des Filmgenres vor, welches ihn zur Manipulationsthe-orie verleitet haben könnte. Was in der Kulturindustriekritik wegen der einseitigen statischen und monolithischen Argumentation grundsätzlich fehlt ist ein Modell der Dekodierung der Medienprodukte (Winter 1995, S. 23-26).
2.1.3 Kulturverständnis in den Cultural Studies
Horkheimer und Adorno gehen in ihrer Kulturindustriekritik von einem deterministischen Zusammenhang zwischen den Medien und der Gesellschaft aus. Sie vernachlässigen den Alltag und das soziale Handeln der Rezipienten als Bestandteil der Kultur. Damit ist also eine Neukonzeption des Medienpublikums nötig, die dessen kreative und produktive Seite mit einschließt. Die kulturelle Bedeutsamkeit der Medien im Alltag aus der Perspektive des Publikums muss mit erörtert werden. Mit seinem Encoding/Decoding-Modell liefert zum Beispiel Stuart Hall ein Konzept zur Massenkommunikationsforschung, welches später genauer beschrieben werden soll. Er baut damit als ein wichtiger Vertreter der Cultural Studies auf eine symbolische Konzeption von Kultur auf, wie sie der Kulturanthropologe Clifford Geertz entwickelt hat. Sein Konzept wird seit den 1970ern von den Britischen Cultural Studies angewendet und qualitativ er-forscht. Rainer Winter hält dieses Konzept also für das grundlegende Kulturverständnis der Cultural Studies. Darin besitzt die Kultur einen symbolischen bzw. semiotischen Charakter, denn der Mensch hat die Fähigkeit, Symbolen Bedeu- tung zu geben. Eine Kultur wird also danach konzipiert, welche Bedeutung die
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Nicole Lau, 2007, Debatten zur Populärkultur - Die Cultural Studies im deutschsprachigen Raum als Gegenbewegung zur Kulturindustriethese der Frankfurter Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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