E BE RHARD-KARLS -UNIVERSITÄT TÜBINGEN
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a. Vorindustrielle Zeit & Jahrhundertwende 6
b. Erster Weltkrieg, Weimarer Republik und Zweiter Weltkrieg 7
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a. BRD 10 b. DDR 13
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a. Demographische Daten: 15 b. Die Gesellschaft 16
c. Gesellschaftliche Stellung der Frau 18
d. Osten nach Wiedervereinigung 23
e. Vereintes Deutschland Aktuell 24
f. Ein neuer Ansatz: Gender Mainstreaming 27
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Die Entwicklung (nicht nur) in den letzten 150 Jahren zeigt, dass die Lebensumstände und Entfaltungsmöglichkeiten von Frauen eng mit der jeweils von der Gesellschaft vorherrschenden Sicht des Geschlechterverhältnisses und daraus resultierenden Rollenzuweisungen zusammenhängen. Die Dominanz von Männern in Politik und Wirtschaft konnte - trotz vollzogener Rechts- und propagierter Chancengleichheit - bislang nicht überwunden werden. Von wirklich gleichen Möglichkeiten für Männer und Frauen ist die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland noch weit entfernt. Zwar haben sich die Lebensplanungen von beiden in Bezug auf Beruf und Bildung aneinander angenähert, aber geschlechtsspezifische Unterschiede spielen nach wie vor eine große Rolle. 1 Das 20. Jahrhundert kann man nach Eric Hobsbawn 2 als das „kurze Jahrhundert“ bezeichnen: Das 19. Jahrhundert hat gesellschaftlich eigentlich noch bis ins Jahr 1914 angedauert, erst dann, mit dem Ersten Weltkrieg, begann das 20. Jahrhundert, das Jahrhundert der Kriege: Zwei Weltkriege und der Kalte Krieg, der 1990 offiziell beendet wurde. Und damit fing schon zehn Jahre vor dem eigentlichen Kalenderdatum ein neues Jahrhundert, sogar ein neues Jahrtausend an.
Für Deutschland bedeutete das 20. Jahrhundert einen drastischen Wandel und eine beispiellose Verbesserung der Lebensbedingungen, eine Vervielfältigung der Lebensformen bei gleichzeitigem Bedeutungsrückgang der Familie. Gleichzeitig entstand eine soziale Differenzierung und Pluralisierung der Lebensstile. 3 Das folgende 21. Jahrhundert erscheint vielversprechend. Technische und wissenschaftliche Neuerungen katapultieren uns nach vorne und bringen rasante gesellschaftliche Änderungen mit sich. Alles anders, alles neu„anything goes“? Informations-, Kommunikations- oder Mediengesellschaft - eine neue Gesellschaft ist entstanden. Die dritte industrielle Revolution wird gefeiert. Die Rolle der Frau gestern und heute - wie hat sie sich im Laufe des 20. Jahrhunderts verändert und wo stehen die Frauen heute, im beginnenden 21. Jahrhundert? Hat die schöne neue Medienwelt, die Umwälzungen aller Art zu versprechen scheint, auch das Geschlechterverhältnis umgewälzt? Am Beispiel der Erwerbstätigkeit von Frauen möchte ich untersuchen, in wie weit sich der gesellschaftliche Stand für die Frau geändert hat.
1 Helwig, Giesela: Frauen in Deutschland. Auf dem Weg zur Gleichstellung (Information zur politischen
Bildung, 254), München 1997, , S. 39
2 Hobsbawm, Eric: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, München / Wien 1995
3 Schäfers, Bernhard / Zapf, Wolfgang (Hg.): Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands, Bonn 2 2001,
Bundeszentrale für politische Bildung, S. 428
4
Hierbei ist der Zusammenhang von Familien- und Arbeitsmarktpolitik zu betrachten: Durch Familien- und Sozialpolitik sollten schon in der Vergangenheit einerseits soziale Schäden, die aus der industriellen Produktion resultierten, aufgefangen werden, andererseits der Erhalt der Familie gesichert werden. 4 Auch in der BRD soll sie einerseits die Stabilität der Familie sichern, andererseits wirtschaftliche Prozesse stützen und fördern. 5 Die Frau bestimmt die Familien- und Arbeitsmarkt-Politik zweifach: Einerseits durch den ökonomischen: Bedarf beziehungsweise Nichtbedarf, andererseits durch die Bedeutung, die der Familie von Seiten des Staates in der jeweiligen Zeitphase zugemessen wird.
Dabei ist im Lauf der Geschichte eine primäre Konzentration auf den Reproduktionsbereich und sekundäre Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt festzustellen. 6 Gilt das auch für die 90er Jahre? Für das angehende 21. Jahrhundert?
Beginnen werde ich meine Arbeit mit einer Übersicht über die Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit im 20. Jahrhundert. Mit dem Zeitraum von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Zeitraum der BRD bis in die Achtziger Jahre werde ich mich im zweiten Kapitel beschäftigen. Anschließend betrachte ich die Entwicklung der Achtziger Jahre bis zum Jahrtausendwechsel. Hier werden demographische Daten eine Rolle spielen, die Untersuchung der gesellschaftlichen Stellung der Frau, die Lage in Ostdeutschland und der neue Forschungsansatz des Gender Mainstreaming. Nach dem Literaturverzeichnis folgen im Anhang eine Übersicht über verschiedene Theorien zu den Arbeitsmarktchancen der Frau und eine ausführlichere Beschreibung des Gender Mainstreaming.
4 Priemel, Isabel /Schuster, Annette: Frauen zwischen Erwerbstätigkeit und Familie. Historische und aktuelle
Entwicklungen (Frauen in Geschichte und Gesellschaft, Band 18), Pfaffenweiler, 1990, S. 12
5 Priemel / Schuster, S. 13
6 Priemel / Schuster, S. 20
5
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Ab dem 18. Jahrhundert bildete sich das Ideal der „ bürgerlichen Ehe und Familie“ heraus. Kennzeichen waren die Trennung von Wohn- und Arbeitsstätte und eine nicht erwerbstätige Ehefrau oder Mutter. Die überwiegende Mehrzahl der Frauen war jedoch im 19. wie im 20. Jahrhundert gezwungen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Familienideal und Familienrealität klafften auseinander. Nur kleine Gruppe bürgerlicher Ehefrauen hatten das Privileg, allein Hausfrau und Mutter zu sein. 7
Etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde von Staats Seiten die Notwendigkeit erkannt, die Lohnarbeiter und Lohnarbeiter durch Maßnahmen vor schweren gesundheitlichen Schädigungen zu schützen. 8 Diese Beschränkungen des sich ohne Rücksicht auf Verluste entfaltenden Kapitalismus hatte auch wehrpolitische Gründe: Man fürchtete, im damaligen Preußen nicht genügend gesunde Jugendliche für den Heeresdienst heranziehen zu können. 9 Nach der vorherrschenden Meinung war die Mutterschaft die vornehmste Pflicht der Frau als Bürgerin und damit zugleich ihr Recht gegenüber dem Staat, der diese zu schützen habe. Daraus resultierte der Frauenarbeitsschutz. 10 Der Frauenarbeitsschutz wurde Schritt für Schritt ausgebaut. 11 So wurde die Reproduktion gesichert.
Um die Jahrhundertwende jedoch sanken die Geburtenziffern. Dies wurde als „ Bedrohung der Nation“ und „ nationaler Selbstmord“ interpretiert. Das Ergebnis war ein stark restriktives Abtreibungsverbot: Auf Abtreibung standen hohe Gefängnisstrafen. Erörtert, aber nicht durchgesetzt wurden bevölkerungspolitische Instrumentarien, zum Beispiel die Zahlung eines Familien- anstelle eines Leistungslohns, damit weniger Frauen arbeiten müssen, die Erhebung einer Junggesellensteuer sowie günstigere Mieten für größere Familien mit mehreren Kindern. 12
Viele bürgerliche Frauen wollten gleiche Rechte. Durch moderne Arbeitsteilung waren viele Tätigkeitsfelder verloren gegangen, so dass der Rahmen des Hauses einem Großteil von ihnen
7 Handwörterbuch, S. 208-209
8 Priemel / Schuster, S. 8
9 Priemel / Schuster, S. 9
10 Handwörterbuch, S. 218-219
11 Priemel / Schuster, S. 10
12 Priemel / Schuster, S. 12
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keine ausreichende Bewährung ihrer Kräfte ermöglichte. Um so schmerzlicher mussten sie die Abhängigkeit von ihren Familien oder Ehemännern erfahren. So mancher Arbeiterin wiederum würde dieses wie auch immer beschränkte Haus ein Segen bedeutet haben, hätte sie sich den Rückzug au dem Erwerb dorthin nur leisten können. Sie hatten nicht einmal für die wenigen verbliebenen Hausarbeiten oder die Betreuung der Kinder Zeit und Geld. Die Bedingungen, unter denen Frauen ihre Arbeit in Fabrik, Manufaktur oder Heimindustrie verrichten mussten, gefährdeten ihre Gesundheit und die der Kinder. Für sie stellte der Frauenarbeitsschutz, der ihren Arbeitseinsatz zeitlich und inhaltlich regelte, bereits einen Fortschritt dar. Die Zielsetzung der bürgerlichen und der proletarischen Frauenbewegung unterschieden sich dementsprechend.
Doch es gab auch einen gemeinsamen Ursprung der Bewegung: Dass die objektiven Verhältnisse schneller vorangeschritten waren, als die Entwicklung der Individuen. Die Beschränkung der bürgerlichen Frauen auf das Haus widersprach seiner Entleerung; die uneingeschränkte Verwertung weiblicher Arbeitskraft den Erfordernissen individueller wie gesellschaftlicher Reproduktion. 13
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Erster Weltkrieg
In Folge des Ersten Weltkriegs wurden Frauen ab 1916 massiv in den Produktionsprozess einbezogen. Im Jahr 1918 arbeiteten 75 Prozent aller Frauen im erwerbsfähigen Alter. Zunehmend wurden Frauen auch in „ Männerindustrien“ eingesetzt. Eine
geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes galt demzufolge für die Dauer des Krieges nicht. 14
1919-1923
Der Beschluss des 1. Rätekongresses in Berlin sowie die durch die Novemberrevolution erreichten für die Frauen viele Verbesserungen, so beispielsweise aktives und passives Wahlrecht, freie Berufswahl und den Achtstunden-Tag. An der Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung wenige Monate später beteiligten sich 82Prozent der weiblichen Stimmberechtigten. 15 In der Weimarer Reichsverfassung war die staatsbürgerliche Gleichstellung von Mann und Frau gesetzlich verankert. Formale Gleichheit nach dem Gesetz
13 Handwörterbuch, S. 218-219
14 Priemel / Schuster, S. 57-59
15 Helwig, S. 11
7
war aber nicht gleichzusetzen mit sozialer Gleichheit. Kennzeichnendes Merkmal der Nachkriegsjahre war die Verdrängung von Frauen von den Arbeitsplätzen, die sie während des Krieges eingenommen hatten. Die Wirtschaft war zerrüttet, es herrschten Not und Hunger, vorrübergehend kam es zu hohen Arbeitslosenquoten durch die Demobilmachung der Armee, dazu kam eine starke inflationäre Entwicklung. Familienpolitik und Arbeitsmarktpolitik hatten also übereinstimmende Ziele: Die Frau zum Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu motivieren. 16
1924-1928
Ab 1924 begann der Aufschwung und eine Stabilisierung mit Hilfe des Dawes-Plan, der amerikanisches Leihkapital und niedrigere Reparationszahlungen brachte und so einen Rationalisierungs- und Modernisierungsprozess auslöste. 17 Damit wurden aus qualifizierten Arbeitsplätzen unqualifizierte. Die Notwendigkeit zur Frauenerwerbstätigkeit wurde von der Wirtschaft zunehmend erkannt. Löhne und Gehälter der Frauen lagen aber unter dem der Männer, deshalb war für viele Mädchen nicht die Arbeit, sondern die später folgende Ehe das Lebensziel. 18
1929-1932
Während der Weltwirtschaftkrise 1929 kam es abermals zu einer Verelendung weiter Bevölkerungskreise. Die Arbeitslosenquote 1932 betrug 44,4 Prozent. Diese Jahre waren dadurch gekennzeichnet, dass erwerbstätige Ehefrauen in zunehmendem Maße als „ Doppelverdienerinnen“ diffamiert und diskriminiert wurden - sie wurden für die Massenarbeitslosigkeit der Männer mit verantwortlich gemacht. Frauen sollten sich lieber wieder ihrer primären Rolle als Hausfrau und Mutter zuwenden. Entsprechend gab es auch politische Vorstöße, um Frauen aus dem Arbeitsleben und ins Familienleben zu drängen: 19 Der Männerlohn reiche aus, Frauenarbeit raube „ einem Familienvater Brot und Lebenshoffnung“ , verkündete der Reichsminister. 20
Nationalsozialismus
Die Ansichten zur Stellung der Frau zwischen Erwerb und Familie im Nationalsozialismus gehen auseinander.
16 Priemel / Schuster, S. 59-63
17 Priemel / Schuster, S. 51-56
18 Priemel / Schuster, S. 63-65
19 Priemel / Schuster, S. 75 ff
20 Helwig, S. 12
8
Arbeit zitieren:
Sabine Schneider, 2002, Schöne neue Medienwelt: Frauen gestern und heute am Beispiel Erwerbstätigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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