Universität Regensburg
Wintersemester 2005/2006
HS Kulturraum USA
Die Amish People
von
Juliane Sikora
Inhaltsverzeichnis
1. Die Amish People als Bestandteil des US amerikanischen Kulturraumes 2
2. Historische Entwicklung 2
2.1 Ursprünge der Reformation 2
2.2 Bestrebungen Ulrich Zwinglis und die Entstehung des Wiedertäufertums 3
2.3 Weitere Entwicklung der Wiedertäufer 3
2.4 Entstehung der Amischen 4
2.5 Auswanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika 4
3. Religiöses Leben der Amischen Glaubensgemeinschaft 6
3.1 Glaubensgrundlagen 6
3.2 Geographische und Kulturelle Segregation 7
3.3 Organisation innerhalb der Glaubensgemeinschaft 9
3.4 Abspaltungen während den letzten 250 Jahren 10
4. Der Alltag der Amish People 12
4.1 Bekleidung 12
4.2 Sprache 15
4.3 Transportmittel und andere Innovationen 15
4.4 The Home – Das Haus als multifunktionaler Begegnungsort 17
4.5 Integration in die amerikanische Kultur 18
4.6 Freizeitgestaltung 18
5. Die verschiedenen Lebensphasen und ihre Bedeutung 19
5.1 Schulische Bildung 19
5.2 Die Adoleszenzphase 20
5.3 Erwachsene und die Familie 20
6. Siedlungsgebiet der Amish People 21
6.1 Bedeutung des Siedlungsraumes und Bevölkerungszahlen 21
6.2 Siedlungsstruktur bei den Older Order Amish 22
7. Wirtschaftsraum und Wirtschaftsweisen der Amish People 23
7.1 Grundlegendes 23
7.2 Tourismus 23
7.3 Tiefgreifender Existenzwandel: Vom Bauern zum Unternehmer 24
8. Ausblick 25
9. Literaturverzeichnis 27
10. Abbildungsverzeichnis 28
1. Die Amish People als Bestandteil des US amerikanischen Kulturraumes
Die Gruppe der heute in den USA ansässigen Amish People fand ihren Ursprung im Europa der Reformationszeit. Die Wurzel Ihrer Glaubensgemeinschaft bilden die so genannten Wiedertäufer, welche sich um 1693 gründeten. Im Laufe der letzten drei Jahrhunderte emigrierten die Amischen nach Amerika, wo sie sich in Form von religiösen Enklaven ansiedelten. Auf deren Lage und Verteilung, sowie die historischen Hintergründe wird in den nachfolgenden Kapiteln näher eingegangen werden. Entscheidend bei der Entwicklung der Amish ist die Tatsache, dass sie sich bis zum heutigen Tag nicht an den angloamerikanischen Main Stream angepasst haben. Nach wie vor gestalten die Amish People, welche mit über 100.000 Personen in den USA vertreten sind, ihren Kulturraum gemäß ihrer religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Traditionen. Wie sich im Folgenden zeigen wird, weichen diese in teilweise gravierendem Maße von der in den Vereinigten Staaten vorherrschenden Kultur ab (vgl. Vossen, 1992, S. 8). Ziel dieser Arbeit ist es, die Andersartigkeit einer Gruppe, die auf moderne Kommoditäten wie Elektrizität, Fernsehen, PKWs und vieles mehr verzichtet, und ihre Relevanz für die geographische Kulturraumforschung darzustellen.
2. Historische Entwicklung
2.1 Ursprünge der Reformation
Wie bereits eingangs erwähnt entwickelten sich die Amish People oder Amischen aus dem Wiedertäufertum. Hierbei handelt es sich um eine radikale Glaubensgemeinschaft, die sich im Anschluss an die Reformation bildete. Ausschlaggebend hierfür war die „Unzufriedenheit fast aller Gesellschaftsschichten mit den religiösen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen“ (Vossen, 1992, S. 32). Man wandte sich vom Papst als geistigem Führer und dem ausschweifenden Leben der katholischen Würdenträger ab und forderte sittliche Reinheit. Es entstand eine Art Antiklerikalismus. Zudem kam es zur damaligen Zeit zu einer Erstarkung der Städte und Territorialfürsten, zur Schwächung des Kaisers und somit zu einer sozialen und finanziellen Benachteiligung schwächerer Bevölkerungsschichten und insbesondere der Landbevölkerung (vgl. Vossen, 1992, S. 32f.). Die Reformationsbestrebungen Martin Luthers in Deutschland, sowie Ulrich Zwinglis in der Schweiz fielen somit auf fruchtbaren Boden.
2.2 Bestrebungen Ulrich Zwinglis und die Entstehung des Wiedertäufertums
Zwingli kritisierte den Sittenverfall, den verwerflichen Lebenswandel vieler Mönche, das Zölibat und die Einforderung des Zehnten, einer Steuerabgabe von 10% des Einkommens an die Kirche. In einer Vielzahl von Schriften und Aktionen wider die weltliche, kirchliche Autorität gewann Zwingli immer mehr Ansehen (vgl. Vossen, 1992, 33f.). Trotzdem kam es im Jahr 1523 schließlich zu einer Spaltung innerhalb der Gefolgschaft Zwinglis. Aus der eher gemäßigten, langsam voranschreitenden Reformationsbewegung unter Zwingli, ging ein radikaler linker Flügel unter der Leitung von Conrad Gebel hervor, welcher die Abschaffung der Messe, sowie der Verehrung von Bildern forderte. 1525 entschied man sich zudem zur Abschaffung der Säuglingstaufe und zur Bekräftigung des Glaubensgelübdes in Form einer Erwachsenentaufe- oder Wiedertaufe. Der Zürcher Rat jedoch belegte diese Widertaufe mit der Todesstrafe, was zur Verfolgung und Hinrichtung vieler Anhänger des Wiedertäufertums führte (vgl. Vossen, 1992, S. 35f.).
2.3 Weitere Entwicklung der Wiedertäufer
Aufgrund der lebensbedrohlichen Verhältnisse in der Schweiz, entschieden sich viele Wiedertäufer zur Flucht. Dies führte zu einer Verbreitung dieser Glaubensrichtung in Süddeutschland, Tirol, Österreich und Mähren. Die Verfolgung jedoch nahm kein Ende. Neben diesen äußeren gab es auch innere Diskrepanzen, welche sich in der Frage nach dem Obrigkeitsglauben, dem Einsatz von Waffen, aber auch in verschiedenen Ansichten im Bezug auf die Spiritualität äußerten. Um dieser inneren Krise Einhalt zu gewähren wurde in der Gegend um Schaffhausen im so genannten „Schleitheimer Glaubensbekenntnis“ Grundsatzartikel über Taufe, Kirchenzucht, Abendmahl, Absonderung, Prediger, Schwert und Eid festgelegt. Man wendete sich damit ausdrücklich gegen eine volkskirchliche Etablierung der Wiedertäufer und grenzte diese vom Rest der Welt ab (vgl. Vossen, 1992, Ss.36f.).
Parallel dazu entwickelte sich die mächtigere Markgrafschaft Mähren zu einem sicheren Zufluchtsort für viele Täufer. Unter Jakob Huter wurden gemeinschaftlich genutzte Höfe gegründet und das religiöse und wirtschaftliche Selbstbewusstsein gefördert. Man sah sich als das auserwählte, das wahre Volk (vgl. Vossen, 1992, S. 37). Genauso wie in Mähren und Schaffhausen gab es in verschieden Regionen unterschiedliche Ausprägungen des Täufertums. Von einer einheitlichen Entwicklung kann also nicht ausgegangen werden.
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Arbeit zitieren:
Juliane Sikora, 2006, Die Amish People, München, GRIN Verlag GmbH
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