Inhalt
1 Einleitung 2
2 Chancen und Grenzen des Quelleneinsatzes im Geschichtsunterricht. 3
3 Zur eigentlichen Untersuchung 5
4 Der Untersuchungsplan. 6
4.1 Die Quellenauswahl 6
4.2 Die Konstruktion des Leitfadens 7
5 Durchführung des Interviews. 11
6 Die Auswertung. 13
7 Fazit 24
Literaturangaben 27
Anhang 27
1
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit soll anhand eines Interviews versuchen, Einblick in das Geschichtsbewusstsein und das Quellenverständnis bei Schülern zu gewähren. Zu diesem Zweck wurde ein Interview mit einem 10-jährigen Schüler einer 5. Hauptschulklasse geführt. Es soll demnach die Frage geklärt werden „„Welchen Quellenzugang und Quellenverständnis haben Schüler?“ Im ersten Kapitel soll zunächst kurz auf Chancen und Möglichkeiten des Einsatzes von Quellen im Geschichtsunterricht eingegangen werden. Gerade im Hinblick auf die Forschungsfrage spielt dieser Punkt eine wichtige Rolle. Die Meinungen zum Quelleneinsatz im geschichtlichen Unterricht differieren zum Teil sehr. Während die Nutzung von Quellen auf der einen Seite grundlegend für den Geschichtsunterricht ist bzw. sein sollte, kann eine unsachgemäße oder ungenügende Auseinandersetzung mit ihnen für den Unterricht kontraproduktiv sein. Seitens der Lehrkraft gilt es, den Schülern Kompetenzen für einen sachgemäßen Umgang mit Quellen - gleich welcher Art - zu geben. Ab dem zweiten Kapitel kommt es dann zum eigentlichen Schwerpunkt dieser Arbeit. Es wird zunächst die Vorbereitung des Untersuchungsplans vorgestellt. Danach wird die Durchführung des Interviews beschrieben und der eigentliche Hauptteil dieser Untersuchung lässt sich in Punkt 6 - Die Auswertung nachlesen. In diesem Punkt der Arbeit soll versucht werden, die Aussagen des Schülers angemessen zu interpretieren, um so zu erfahren, über welche geschichtlichen Konzepte er verfügt und inwieweit ein Quellenverständnis bei ihm vorhanden ist. Die Auswertung in diesem Zusammenhang wird zum Teil durch das Abgleichen der Aussagen mit denen einer Mitschülerin des Jungen erfolgen. So soll deutlich werden, inwiefern sich ein eventuelles Quellenverständnis entweder deckt oder differiert. Im letzten Kapitel soll ein Resümee gezogen werden, in welchem beide Schüler noch einmal kurz verglichen werden und der Frage nach der Ursache von Gleichheiten oder Unterschieden im Umgang mit Quellen nachgegangen werden.
2
2 Chancen und Grenzen des Quelleneinsatzes im Geschichtsunterricht
Die Quellenarbeit gewinnt für den Geschichtsunterricht zunehmend an Bedeutung. Für den Historiker war sie immer Grundlage seiner Forschungen, in der Schule jedoch wurden den Schülern bis vor kurzem meist fertige Produkte in Form von Jahreszahlen, theoretischen Modellen oder Systemen vorgelegt, die sie zu lernen - oder, das trifft es meiner Meinung nach besser - sich zu merken hatten.
Wichtig war ein großer Umfang abfragbaren Wissens, dass den Geschichtsunterricht für Kinder schnell zu einer langweiligen Pflichtlektion werden ließ, die sie wöchentlich im Unterricht zu erfüllen hatten. Heutzutage geht man immer mehr zu handlungsorientiertem Lernen über. Schüler sollen selber Wege gehen, sollen Lösungen finden. Dass die intrinsische Motivation der Kinder in der Regel viel größer ist, wenn sie selber etwas „machen“ können, wurde in vielen wissenschaftlichen Studien belegt und ist mittlerweile allgemein bekannt.
Wie also soll man Kinder zu selbsterfahrendem Lernen antreiben, wenn man sie Stunde für Stunde, Einheit um Einheit mit Theorien, mit Jahreszahlen und vor allem mit permanentem Frontalunterricht „traktiert“? An dieser Stelle wird deutlich, welche Vorteile die Quellenarbeit für den Geschichtsunterricht bringt, denn auf keine andere Art ist Geschichte realer, als in der Quellenarbeit. Hier liegt die Chance, Schüler selbstständig erfahren zu lassen. Gerade über die Arbeit mit Bildern fällt es den Schülern einfacher, als es bei Textquellen der Fall ist. Textquelleninterpretation wird außerdem erschwert - wenn sich die Texte nicht schon durch eine alte Schriftart auszeichnen und damit schwerer zugänglich sind - durch eine Grammatik, die den Schülern heute sehr fern liegt. In den Medien ist immer wieder der Rede davon, dass die deutsche Sprache verloren geht, was sich also selbstredend nicht vereinfachend auf die Nutzung alter Schriften auswirkt. Die Interpretation einer Quelle - dabei ist es gleich, ob eine Sach-, Bild- oder Textquelle erschlossen werden soll - setzt also eine Reihe von Kompetenzen voraus, die sich erschwerend auf den Umgang mit eben jenen Quellen
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auswirken können und zur Folge haben, dass viele Geschichtslehrer nur unzureichend mit Quellen arbeiten. Martina Langer-Plän hat in diesem Zusammenhang eine Untersuchung zum Verständnis von Textquellen durchgeführt, welche sie zu dem Schluss kommen ließ, dass SchülerInnen einer 9. Klasse nicht im Stande waren, sachgemäß zwischen einer Textquelle und einem Darstellungstext aus dem Schulbuch zu unterscheiden. 1 Eine andere Untersuchung von Günther-Arndt und Sauer zeigt, dass zwar vermehrt so genannte „Methodenseiten“ Eingang in die Schulbücher finden. Deren Wirksamkeit ist jedoch nur unzureichend erforscht. 2 In diesem Zusammenhang wird wichtig, welche Relevanz die Unterstützung der Lehrkraft gerade im Hinblick auf die benötigten Kompetenzen hat. Es muss zur Aufgabe der Lehrer werden, sich selber intensiver mit Quellen auseinanderzusetzen, wenn es Ziel sein soll, dass ihre Schüler im Umgang mit historischen Quellen sicherer sein sollen. Erst wenn so gesichert ist, dass der Lehrer imstande ist, die geforderten Kompetenzen wirklich zu vermitteln - also die Schwierigkeiten im Umgang mit Quellen deutlich zu machen und Lösungswege an die Herangehensweise zur Interpretation anzubieten - kann Quellenarbeit die Erfolge bringen, die man sich eigentlich von ihr verspricht.
1 vgl. Langer-Plän, Martina: Problem Quellenarbeit. Werkstattbericht aus einem empirischen Projekt. In:
Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 54 (2003), H. 5/6, S. 335
2 vgl. Günther-Arndt, Hilke / Sauer, Michael: Einführung: Empirische Forschung in der
Geschichtsdidaktik. Fragestellungen-Methoden-Erträge. In: Günther-Arndt, Hilke / Sauer, Michael
(Hrsg.): Geschichtsdidaktik empirisch. Untersuchungen zum historischen Denken und Lernen, Berlin
2006, S. 12
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3 Zur eigentlichen Untersuchung
Um empirische Zugänge zu den Konzepten Jugendlicher bezüglich historischen Wissens und Verstehens zu erlangen, gibt es eine Reihe an Techniken. Da es sich im Fall der vorliegenden Arbeit um eine qualitative Untersuchung handelt, in deren Rahmen nur ein Schüler befragt werden soll, bietet sich vor allem das Leitfadeninterview an. Man kann diese Untersuchung als Form der Feldforschung verstehen, da die Untersuchung im Lebensraum Schule stattfindet. „Feldforschung ist eine empirische Forschungsmethode zur Erhebung empirischer Daten mittels Beobachtung und Befragung im „natürlichen“ Kontext.“ 3
Generell unterliegen Interviews der Gefahr, dass der Proband durch ungeschickte Fragestellungen, durch nonverbale Reaktionen des Interviewers, als auch durch Ängste des Interviewten, die volle Meinung zu äußern, beeinflusst wird.
Im Rahmen des Leitfadeninterviews scheint diese Wahrscheinlichkeit in Relation zu anderen Interviewtechniken ziemlich gering, denn charakteristisch für ein Leitfadeninterview ist dessen relative Offenheit. Fragen und Inhalte werden vorformuliert, wodurch dem Leitfaden eine Richtung gegeben wird. Diese gilt es jedoch nicht Punkt für Punkt abzuarbeiten. Vielmehr werden die Inhalte anhand des geführten Gespräches „entwickelt“, sodass man zum einen zwischen den Punkten wechseln kann, wenn es sich ergibt und zum anderen ebenso vorher unerwartete Inhalte näher erfragt werden können, wenn sie dem Interviewer als sinnvoll erscheinen.
3 http://de.wikipedia.org/wiki/Feldforschung
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4 Der Untersuchungsplan
4.1 Die Quellenauswahl
Ausgehend von einer Schülerin bzw. einem Schüler einer 5. Klasse versuchten meine Kommilitonin und ich zunächst, uns auf einen Inhalt zu einigen, von welchem wir wussten, dass er bereits in der Klasse behandelt wurde. In der Jahrgangsstufe 5 der betroffenen Schule wurde im Fach Geschichte einige Zeit vor Planung und Durchführung unseres Interviews die Unterrichtseinheit „Leben in vorgeschichtlicher Zeit“ abgeschlossen. Nach eingehender Prüfung des Schulbuches und den Inhalten des vorangegangenen Unterrichts entschieden wir uns im Hinblick auf diesen Umstand für das Thema „Der Ötzi“, welches im Schulbuch als „Der Mann aus dem Eis“ behandelt wurde. Es erschien uns zum einen für SchülerInnen interessant und zum anderen wies es eine gute Eignung zur Untersuchung unserer eigentlichen Forschungsfrage, nämlich dem Quellenverständnis von Schülern auf. Der unterrichtende Geschichtslehrer der Klasse stimmte uns in diesen Punkten zu.
Leider war es im Zusammenhang dieses Interviewinhalts nicht möglich, dem Probanden eine originale Sachquelle vorzulegen, weshalb wir uns auf zwei Fotografien einigten. Die erste zeigte den gefrorenen Leichnam Ötzis in seiner ursprünglichen Position, die er beim Auffinden in den Gletschern im Jahre 1991 innehatte. Bei der zweiten Fotografie handelte es sich um eine Darstellung des Ötzi, die die Figur in Kleidung und mit Gegenständen zeigt, wie sie am Fundort gefunden wurden. Dabei handelt es sich um die Fotografie eines Ausstellungsstücks aus einem Museum.
Beide Bilder waren in ähnlicher Form bereits im Geschichtsbuch der Klasse abgedruckt. Davon versprachen wir uns, dass das Bild einen gewissen Wiedererkennungswert hatte und der Schüler eine Verknüpfung zwischen den gezeigten Bildern und den Inhalten des Unterrichts herstellen konnte. Außerdem wollten wir durch den Einsatz einer Quelle und einer Darstellung
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Arbeit zitieren:
Jessica de Boer, 2007, Schülervorstellungen zur Geschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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