Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Gahmuret 4
2.1 Vorraussetzung für die Aventiure. 4
2.2 Tugenden 6
2.3 Das Turnier am Beispiel des Vorabendturniers von Kanvoleis 8
3. Vergleich mit dem Ritterbild um 1200. 11
3.1 Herkunft des Ritters. 11
3.2 Das ritterliche Tugendsystem 11
3.3 Das Turnierwesen. 13
4. Zusammenfassung und Fazit 15
5. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Gahmuret-Handlung aus Wolfram von Eschenbachs Parzival. Anlass dazu gab mir die Problematik mit dem Umgang mittelalterlicher Literatur. Zum einen kann sie als fiktionale Erzählung angesehen werden, zum anderen als Geschichtsquelle gelesen werden. 1 Somit stellte sich mir die Frage, wie der Ritter in der höfischen Epik dargestellt wird. Durch die Überlegung, dass literarische Texte oftmals idealisierte Figuren hervorbringen, ergab sich mir die Arbeitshypothese: „Gahmuret als idealisierter Rittter?“.
Die Figur des Gahmuret bietet sich in vielerlei Hinsicht für die Betrachtung an. Erstens: Die Gahmuret-Handlung ist mit circa 3300 Versen relativ kurz und ist deshalb für den Umfang dieser Arbeit geeignet. Zweitens: Bei Gahmuret hat die christliche/göttliche Komponente nicht annähernd einen so hohen Stellenwert, wie sie ihn beispielsweise bei Parzival hat. Beispielsweise taucht das Motiv der Demut vor Gott bei Gahmuret gar nicht auf, während es für Parzival zentral ist. Die Untersuchung dieses Themenfeldes hätte ebenfalls den Umfang dieser Arbeit gesprengt. Somit fällt unter 2.2 die Betrachtung der saelde weg, die ansonsten einen großen Stellenwert im ritterlichen Tugendsystem einnimmt. Drittens: Gahmuret ist keine Figur in Chrétien de Troyes nicht vollständigem Werk „Le roman de Perceval ou le conte du Graal”, das Wolfram von Eschenbach als Vorlage diente. 2 Somit muss nicht beachtet werden, welche Eigenschaften als Anlage bereits bei Chrétien vorhanden waren. Zur Bearbeitung des Problementwurfs analysiere ich zunächst die Figur Gahmuret in den Themenfeldern Herkunft, Tugend und Turnier. Danach folgt die Betrachtung des Ritters um 1200 unter den selben Punkten und der Vergleich mit Gahmuret. Das anschließende Fazit beschäftigt sich mit der Beantwortung der Fragestellung. Da der Begriff „Ritter“ nicht eindeutig festgelegt werden kann, wird sich der Vergleich, vor allem unter 3.1 und 3.2, auf vier Teildefinitionen verteilen: Amt, Würde, Stand und Idee. 3
1 Zur Problematik: Bumke, Joachim, Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter Band 1, München 1992, S. 17-26.
2 Bumke, Joachim, Wolram von Eschenbach, Stuttgart 2004, S. 40.
3 Vgl. hierzu das Modell von Werner Parvicini. Paravicini, Werner, Die ritterlich-höfische
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2. Gahmuret
2.1 Vorraussetzung für die Aventiure
Gahmuret wurde als zweiter Sohn in eine adelige Familie geboren. Sein Vater war Gandin von Anjou, seine Mutter Schoette und sein älterer Bruder Galoes von Anjou. Diese Adelsfamilie hatte eine lange Tradition und stammte laut Wolfram von Eschenbach von den Elfen ab:
„des vater leit die selben nôt: der was geheizen Addanz: sîn schilt beleip vil selten ganz. der was von arde ein Bertûn: er und Utepandragûn wâren zweier bruoder kint, die bêde alhie geschriben sint. daz was einer, Lazaliez: Brickus der ander hiez der zweier vater hiez Mazadân. den vuorte ein feie in Feimurgân: diu hiez Terdelaschoye: er was ir herzen boye.“ 4 („Dessen [Gandins] Vater namens Addanz traf das gleiche Schicksal; denn er brachte seinen Schild niemal heil nach Hause zurück. Von Geschlecht war er ein Bretone. Er und Utepandragun waren Söhne zweier Brüder, über die folgendes gesagt sei: Der eine hieß Lazaliez, der andere Brickus. Ihren Vater Mazadan entführte die Fee Terdelaschoye, deren Herz er gefesselt hatte, ins Land Feimurgan.“) 5 .
Als sein Vater im ritterlichen Kampf starb, änderte sich Gahmurets Leben schlagartig. Da im Königreich Anjou das französische Erbrecht galt, das den Erstgeborenen als alleinigen Erben vorsah, entschloss sich Gahmuret auszuziehen und Ruhm zu erlangen. Zwar bot ihm sein Bruder, auf Vorschlag der Mutter, an, das Erbe zu teilen, doch ließ sich dieser nicht von seinem Beschluss abbringen, auf Aventiure zu gehen. Er zog aber nicht mittellos in die Welt, sondern wurde von Mutter und Bruder reichlich beschenkt. So machte er sich mit zwanzig Knappen, fünf Pferden, acht Saumschreinen, von denen die eine Hälfte mit Gold und Edelsteinen, die andere mit kostbaren Stoffen gefüllt war, auf den Weg. Außerdem bekam er noch Gegenstände im Wert von 1000 Mark von einer Freundin 6 geschenkt.
Nachdem Gahmuret dem Kalifen von Bagdad, dem Baruc, gedient hatte und nach Zazamanc kam, hielt er seinen Einzug in der Hauptstadt des Landes, Patelamunt. Dieser wurde von Musikern, die er mit sich führte, begleitet.
Kultur des Mittelalters (=Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 32), München 1994, S. 3f.
4 Parzival 56, 8-20.
5 Wolfram von Eschenbach, Parzival mhd. / nhd., übers. von Wolfgang Spiewok, Stuttgart 1981, S. 99.
6 Die Freundin ist an dieser Stelle nicht näher beschrieben. Es handelt sich vermutlich um die später erwähnte Königin von Frankreich, Ampflise. Vgl. Parz. 95,1-2.
4
„nâch den selben reit pusûner, der man ouch bedarf. ein tambûrer sluog unde warf vil hôhe sîne tambûr den hêrren nam vil untûr dane riten floitierre bî, und gouter videlaere drî.“7 (Im Anschluß daran ritten die unentbehrlichen Posaunenbläser. Ein Tamburinschläger schlug sein Instrument und warf es zuweilen hoch in die Luft. Dies aber genügte unserem Helden noch nicht; denn nun folgten Flötenspieler und drei kunstreiche Fiedler“8).
Später verließ Gahmuret das Heidenland und kehrte nach Europa zurück. Nach dem Vorabendturnier von Kanvoleis schildert Wolfram von Eschenbach die Beziehung zur französischen Königin Ampflise, wodurch der Leser auch etwas über Gahmurets Erziehung erfährt:
„ich brâhte in Anschouwe ir rât und mîner zühte site: mir wont noch hiute ir helfe mite, dâ von daz mich mîn vrouwe zôch, die wîbes missewende ie vlôch. wir wâren kinder beidiu dô, unt doch ze sehen ein ander vrô.“ 9 („Nach Anjou brachte ich eine ritterliche Erziehung, die ich ihrem klugen Rat verdanke. Noch heute erfreue ich mich der Wohltat, dass mich meine edle Gebieterin heranbildete, die frei ist von allem Makel. Wir waren damals noch Kinder und freuten uns doch, einander zu sehen.“ 10) 11.
7 Parzival 19,6-13.
8 Eschenbach, Spiewok, S. 37. 9 Parz. 94,22-28. 10 Eschenbach, Spiewok, S. 165. 11 Zur zuht vgl. auch Parz. 12, 23-25.
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Arbeit zitieren:
Daniel Hitzing, 2007, Gahmuret als idealisierter Ritter? - Analyse der Herkunft, der Tugenden und des Turnierwesens , München, GRIN Verlag GmbH
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