„Ein Wort, das ein Kind nicht kennt, ist ein Gedanke,
den es nicht denken kann. (Kyra Grewe)
Sprache ist ein Ausdruck des Gedachten. (Silvia Haag)
Denken findet ohne Sprache statt. (Marianne Brüning)
Man sollte denken, bevor man spricht. (Yvonne Giese)
Erst denken, dann sprechen. (Norma Strigas)“
Ich habe mich dazu entschlossen, mich mit den Zusammenhängen von Sprache und Denken zu beschäftigen, weil mich dieses Thema schon seit längerem interessiert. Häufig wird davon ausgegangen, dass unsere Sprache ein beiläufiger Vorgang ist, der ausschließlich dazu dient, schon formulierte Gedanken weiterzugeben. In mir warf sich die Frage auf, ob vielleicht gerade die Sprache etwas mit der Entstehung von Gedanken zu tun haben könnte.
Weiterhin möchte ich mich damit beschäftigen, ob es das Denken ist, welches den sprachlichen Ausdruck steuert, oder ob das Denken durch die Systematik und Logik unserer Sprache beeinflusst wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Sprache
3. Die Zusammenhänge von Sprache und Denken – Vorstellung verschiedener Positionen
Benjamin Lee Whorf
Edward Sapir
Die Sapir-Whorf-Hypothese
Helmut Gipper
Peter Gordon
4. Sprachentwicklung beim Kind
Denk– und Sprachentwicklung
Gisela Szagun
5. Didaktische Konsequenzen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen Sprache und Denken, um zu klären, ob das Denken den sprachlichen Ausdruck steuert oder ob unsere Sprache und Logik unser Denken maßgeblich beeinflussen und formen.
- Definition und Funktion von Sprache
- Sprachtheoretische Positionen (Whorf, Sapir, Gipper, Gordon)
- Kognitive Entwicklung und Spracherwerb im Kindesalter
- Soziale und umweltbedingte Faktoren des Spracherwerbs
- Didaktische Implikationen für die pädagogische Praxis
Auszug aus dem Buch
Die Sapir-Whorf-Hypothese
Diese Hypothese befasst sich mit der Abhängigkeit von Sprache und Denken und wurde von Franz Boas, Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf entwickelt. Boas war der Meinung, dass das Denken die Sprache beeinflusst, da eine Kultur nicht durch die Form ihrer Sprache eingegrenzt werden kann. Dennoch sind alle Sprachen umfangreich und komplex genug, um der Vielfalt menschlichen Denkens gerecht zu werden. Er geht davon aus, dass primitive wie moderne Gesellschaften über dasselbe kognitive Potential verfügen.
Edward Sapir dagegen ist der Meinung, dass die Denkprozesse des Menschen durch die Eigenheiten der Sprache strukturiert und bis zu einem gewissen Grad sogar gesteuert werden. Denkweisen und Einstellungen bestimmter Gruppen sind die Resultate der spezifischen Sprechweisen, die sie benutzen. Whorf macht diese Annahmen, wie bereits erwähnt, mehrfach am Vergleich der Sprache durchschnittlicher Europäer und der von Hopi-Indianern deutlich.
Die Konsequenzen dieser Überlegungen sind,
1. Sprache beeinflusst das Denken, nicht umgekehrt.
2. Denken und Wahrnehmung sind dadurch, dass sie von Sprache beeinflusst sind, relativ. Dies nennt sich das linguistische Relativitätsprinzip
3. die Bedeutung einer Aussage ist fast ausschließlich von ihrer Struktur abhängig. Dies nennt sich strukturalistische Sprachanalyse.
Die Sapir-Whorf-Hypothese ist noch heute umstritten und bietet Ansätze für zahlreiche kritische Untersuchungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Interesse am Thema Sprache und Denken und skizziert die Fragestellung bezüglich ihrer gegenseitigen Beeinflussung.
2. Was ist Sprache: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Definition von Sprache als menschliches Kommunikationsinstrument und grenzt sie von tierischen Signalen ab.
3. Die Zusammenhänge von Sprache und Denken – Vorstellung verschiedener Positionen: Hier werden zentrale theoretische Konzepte bekannter Sprachforscher wie Whorf, Sapir, Gipper und Gordon gegenübergestellt.
4. Sprachentwicklung beim Kind: Dieses Kapitel beleuchtet den kindlichen Spracherwerb, die Rolle der kognitiven Entwicklung sowie den Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache.
5. Didaktische Konsequenzen: Hier werden praktische Schlussfolgerungen für die Erziehung und schulische Förderung der kindlichen Sprachentwicklung abgeleitet.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Denken und Sprechen ein komplexes, sich gegenseitig beeinflussendes System bilden.
Schlüsselwörter
Sprache, Denken, Spracherwerb, Sapir-Whorf-Hypothese, Linguistik, Kindliche Entwicklung, Kommunikation, Kognition, Grammatik, Sprachphilosophie, Soziolinguistik, Denkkonzepte, Sprachursprung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Sprache und Denken und analysiert, inwieweit unsere kognitiven Prozesse durch sprachliche Strukturen geprägt werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören sprachtheoretische Positionen zur linguistischen Relativität, die kindliche Sprachentwicklung sowie die daraus folgenden didaktischen Anforderungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob das Denken den sprachlichen Ausdruck steuert oder ob die Systematik und Logik der Sprache das menschliche Denken beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der verschiedene sprachtheoretische Ansätze und Forschungsergebnisse kritisch gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung sprachtheoretischer Positionen, die Analyse der kindlichen Denk- und Sprachentwicklung sowie die Reflexion didaktischer Konsequenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachphilosophie, linguistische Relativität, kindliche Entwicklung, Spracherwerb und kognitive Interaktion definiert.
Welche Erkenntnisse lieferte Peter Gordon in Bezug auf die Pirahã?
Gordon stellte fest, dass die Sprache der Pirahã über keine exakten Zahlwörter verfügt, was dazu führt, dass die Stammesmitglieder Schwierigkeiten bei der Erfassung präziser numerischer Mengen haben.
Welche Bedeutung misst die Autorin der Rolle der Eltern bei?
Die Autorin betont, dass Eltern eine entscheidende Vorbildfunktion haben, da Kinder durch das soziale Umfeld und den dort praktizierten Sprachgebrauch massiv in ihrer eigenen Sprachentwicklung geprägt werden.
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- Saskia Koj (Author), 2005, Sprache und Denken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76741