1
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik. 2
1.1 Einleitung in das Thema Theodizee 2
1.2 Grundsätzliche Überlegungen zur free will defense. 3
2 Diskussion der Prämissen nach Kreiner 5
2.1 Prämisse 1 : Die Existenz der Willensfreiheit 5
2.2 Prämisse 2 : Die Werthaftigkeit der Freiheit 6
2.3 Prämisse 3 und 4 : Die Möglichkeit leidverursachender Freiheit
und die Unausweichlichkeit des Freiheitsmissbrauchs 7
2.4 Prämisse 5 : Der Preis der Freiheit 10
3 Auswertung und Schlussfolgerung. 14
Literaturverzeichnis 17
2
1 Einführung in die Thematik
1.1 Einleitung in das Thema Theodizee
Der Begriff Theodizee wurde von Leibniz geprägt und stellt das Widerspruchsproblem zwischen der christlichen Annahme von der Existenz eines allmächtigen und gütigen Gottes und dem offenkundigen Vorhandensein von Leid und Übel in der von ihm geschaffenen Welt dar. Das Theodizee-Problem bezeichnet den Versuch einer Rechtfertigung Gottes bzw. des Glaubens an Gott angesichts des physischen Übels, des moralischen Bösen und des Leidens der von Gott geschaffenen Lebewesen in der Welt. Das Theodizee-Problem lässt sich bis ins Alte Testament zurückverfolgen, wo es insbesondere im Buch Hiob behandelt wird. Dass Gott allmächtig und gütig ist, stellt eine Grundvoraussetzung des christlichen Glaubens dar und dass unsere Welt zu jeder Zeit voller Leid war und ist, steht außer Frage, das wohl erschreckenste Beispiel für unfassbares Übel und Leid stellt der Massenmord an den Juden im Dritten Reich dar. Durch diesen Gegensatz drängen sich Fragen auf wie zum Beispiel warum Gott eine solch leidvolle Welt erschaffen hat und ob es ihm möglich gewesen wäre, eine Welt, die weniger Leid beinhaltet, zu erschaffen. Wenn es ihm möglich war, aus welchem Grund hat er es nicht getan und ist es zu rechtfertigen ihn weiterhin als gütig zu bezeichnen? Wenn es ihm nicht möglich war, kann er dann noch als allmächtig bezeichnet werden? Es bestehen verschiedenste Theorien und Ansätze zur Lösung des Theodizee-Problems. So halten viele beispielsweise die Ästhetisierung des Leidens für eine mögliche Lösung des Theodizee-Problems, indem sie behaupten, dass Gott Schönheit nur schaffen konnte, indem er auch die Übel schuf. Leibniz veranschaulicht diese Sicht mit dem Beispiel, dass Missklang die Harmonie hervortreten lässt und stellt die rhetorische Frage, ob ein Mensch, der noch nie krank war, seine Gesundheit genügend schätzt und Gott genug dafür dankt. 1 Eine solche Ansicht ist jedoch menschenverachtend und es wäre unmoralisch, Elend in Kauf zu nehmen, um eine ästhetisch schöne Welt zu schaffen. Wenn man nur an Geschehnisse wie die Völkermorde in Ruanda oder die Schoa denkt, so darf weder eine Gläubiger noch ein Ungläubiger jemals zu der Antwort kommen, dass das Leiden und Sterben unschuldiger Kinder irgendeinen Sinn hat.
1 Vgl. G.W. Leibniz, Essais de Théodicée, 30.
3
Wie aber ist es möglich, die Existenz von Leid und Übel in der Welt zu erklären und gleichzeitig an einen sittlich guten und allmächtigen Gott zu glauben?
1.2 Grundsätzliche Überlegungen zur free will defense
Eine der wichtigsten Theorien im Rahmen des Theodizee-Problems stellt die free will defense dar, mit der sich diese Arbeit auseinandersetzt. Die zentrale These der free will defense besagt, dass der allmächtige und gütige Gott etwas Wertvolles, nämlich Lebewesen mit einem freien Willen, erschuf, er dadurch aber gezwungen war, das Risiko des Missbrauchs dieser Freiheit durch seine Geschöpfe und dem daraus folgenden moralischen Übel in Kauf zu nehmen. 2 Mithilfe dieses Ansatzes ist es möglich, die Güte und Allmacht Gottes mit der Existenz von Übel und Leid in seiner Welt zu vereinbaren. Somit stellt die free will defense einen entscheidenden Punkt im Gesamtthema Theodizee dar. Um auf einen Rechtfertigungsversuch des Übels in der Welt näher eingehen zu können, sollte zunächst das Übel als solches definiert werden. Kreiner übernimmt hier die von Leibniz eingeführte Unterscheidung in das malum morale und das malum physicum. 3
Das malum morale bezeichnet moralische Übel, wie zum Beispiel Hass, Missgunst, Misshandlungen oder Mord, also Leiden, die der Mensch durch sein eigenes Fehlverhalten verursacht hat. 4 Das malum physicum bezeichnet hingegen natürliche Übel, wie zum Beispiel Flutkatastrophen, Vulkanausbrüche oder Erdbeben, also Leiden, die der Mensch nicht verursacht hat. Allerdings ist diese Unterscheidung nicht immer eindeutig, da teilweise natürliche Übel durch das Eingreifen des Menschen in die Natur zustande kommen. Solche Übel wären nicht mehr eindeutig als malum physicum klassifizierbar, allerdings sind sie auch nicht eindeutig als malum morale definierbar, wenn der Mensch nicht voraussah, welche Folgen sein Eingreifen haben könnte. Im Rahmen der free will defense und ihrer Darlegung durch Kreiner wird in dieser Arbeit nur auf das malum morale eingegangen.
2 Vgl. A. Kreiner, Gott im Leid, 213.
3 Leibniz definierte das malum morale als Sünde, das malum physicum als Leiden und zusätzlich das malum metaphysicum als bloße Unvollkommenheit. Vgl. G.W. Leibniz, Essais de Théodicée, 33.
4 Vgl. zu diesem Absatz A. Kreiner, Gott im Leid, 28-32.
4
Kreiner formuliert das Argument der Willensfreiheit in fünf Prämissen: 5 Prämisse [1]: Es gibt Wesen bzw. Personen mit freiem Willen (= Existenzurteil). Prämisse [2]: Die Existenz von Personen, die in Freiheit das moralisch Richtige wählen
Prämisse [3]: Die Freiheit, das moralisch Richtige wählen zu können, setzt die Fähig-
Prämisse [4]: Die Möglichkeit, das moralisch Falsche wählen zu können, impliziert die
Prämisse [5]: Der positive Wert des freien Willens kann unter bestimmten Bedingungen
Die Prämissen 1 und 2 werden in dieser Arbeit nur kurz betrachtet, da sie als Vorrausetzung des christlichen Glaubens angesehen werden können und dem Empfinden der meisten Menschen entsprechen, während die Prämissen 3-5 ausführlich erörtert werden, da ihre Stichhaltigkeit eingehend geprüft werden muss.
5 Vgl. zu diesem Absatz A. Kreiner, Gott im Leid, 213f.
Arbeit zitieren:
Stephanie Schmitz, 2004, Das Theodizeeproblem: Das Argument der Willensfreiheit und moralische Übel, München, GRIN Verlag GmbH
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