Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Bedeutung der Anfangslektüre Seite 3
2. Auswahlkriterien der Lektüre Seite 4
3. Anfangslektüre mit Tradition: Xenophons Anabasis Seite 5
4. Vorstellung alternativer Autoren und Texte Seite 7
4.1 Lukian Charon Seite 7
4.2 Neues Testament Seite 8
4.3 Xenophon Seite 10
4.3.1 Memorabilien Seite 10
4.3.2 Hellenika Seite 10
4.3.3 Hieron Seite 11
4.3.4 Agesilaos Seite 11
4.3.5 Kyrupädie Seite 12
4.4 Homer Odyssee Seite 12
4.5 Xenophon von Ephesos Ephesiaka Seite 13
5. Fazit Seite 14
6. Literaturliste Seite 16
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1. Einleitung: Bedeutung der Anfangslektüre Die Anfangslektüre stellt nach dem Beenden der Lehrbuchphase einen relativ wichtigen Teil der Ausbildung dar. Für die Nutzer der meisten Lehrbücher nämlich wird dies der erste Kontakt zu größeren und ziemlich geschlossenen Partien originaler griechischer Literatur sein, nachdem in den Lehrbüchern oft nur adaptierte Texte und bestenfalls Bruchstücke aus Originalliteratur übersetzt wurden. Die Schüler haben am Ende der Lehrbuchphase die wichtigen morphologischen und syntaktischen Erscheinungen der griechischen Sprache erlernt und einen groben Überblick über Geschichte, Kultur und Gesellschaft des antiken griechischsprachigen Raums erhalten, wie der Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe I dies vorsieht.
In der daran anschließenden Lektürephase vertiefen die Schüler den selbstständigen Umgang mit griechischen Texten auf sprachlicher und inhaltlicher Ebene, d.h. sie lernen, Texte syntaktisch zu strukturieren und das Geschriebene zu interpretieren. Sie sollen in der gesamten Lektürephase die Kompetenz zu einem eigenständigen Zugang zu den schriftlichen Quellen der griechischen Kultur erhalten. Diesen Prämissen muss gerade die Anfangslektüre Genüge leisten. Dabei steht aber dieser Abschnitt des Griechischunterrichts in einer besonderen Verantwortung für das Fach: denn er kann maßgeblich bei der Entscheidung zur weiteren Teilnahme am Fach bzw. zur so genannten „Abwahl“ des Faches beitragen. Er ist exemplarisch und trägt zur Entscheidungsfindung über die weitere Zukunft eines Schülers im Griechischunterricht bei. Gerade die Vielfältigkeit der antiken griechischen Literatur bietet hier viele Möglichkeiten für Lehrer das Fach attraktiv und anregend darzustellen, jedoch auch die Gefahr, dass die Schüler den Überblick verlieren und der Unterricht überfrachtet wirkt. So stehen hier die Werke des paganen vorchristlichen Zeitalters neben Dokumenten über das frühe Christentum und über das Judentum und den Kirchenvätern, Gattungen und Themen wie Lyrik und Drama neben Philosophie und Historiographie. Der Rahmenlehrplan bietet für diese Problematik eine skizzenhafte Orientierung, lässt aber den Lehrkräften eine relativ große Freiheit.
Die vorliegende Arbeit wird daher zuerst Auswahlkriterien für die Anfangslektüre im Griechischunterricht feststellen, wobei die Lernziele und Kompetenzfelder des Berliner Rahmenlehrplans Berücksichtigung finden werden. Daran anschließend wird dann der traditionelle Anfangsautor Xenophon mit seiner Anabasis vorgestellt. Als Kontrast dazu werde ich Alternativen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten diskutiert wurden, benennen, sowie Anregungen zur Interpretation dieser Stücke gegeben werden. Zu diesen Autoren bzw. Werken gehören Lukian, das Neue Testament, Xenophon aus Athen (außer
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Anabasis), Homer und Xenophon aus Ephesos. Den Abschluss der Arbeit bildet die zusammenfassende Beurteilung der vorgeschlagenen Autoren, Texte und Themen.
2. Auswahlkriterien der Lektüre
Bevor man überhaupt an die Auswahl geeigneter Texte geht, scheint es sinnvoll, einen Blick auf die Auswahlkriterien für Lektürearbeit im altsprachlichen Unterricht zu werfen. Immerhin ist die Fachdidaktik „geradezu als die Wissenschaft von der rechten Auswahl der Lerninhalte [definierbar.]“ 1 Hierfür bieten Fachliteratur und die Vorgaben der Rahmenpläne zahlreiche Ansätze. Saul B. Robinsohn sieht als Auswahlkriterien für den Lehrstoff die „Bedeutung des Gegenstandes im Gefüge der Wissenschaft“, „die Leistung eines Gegenstandes für das Weltverstehen“ und „die Funktion eines Gegenstandes in spezifischen Verwendungssituationen des privaten und öffentlichen Lebens.“ 2 Gerade der letzte Punkt, der in den Auswahlkriterien von Christine Möller 3 mit der Frage „Ist der Lernstoff nützlich?“ noch deutlicher bezeichnet wird, ist für die Klassische Philologie ein viel diskutierter Punkt. Diese Problematik stellt gleichermaßen das gesamte Fach in Frage. Klafki stellt zusätzlich noch im Rahmen seiner didaktischen Analyse 4 den Anspruch eines „exemplarischen Prinzips“ bei der Auswahl von Unterrichtsstoffen. Auch in der Klassischen Philologie ist angesichts der vielen Epochen, Abschnitte und Umbrüche das exemplarische Prinzip sinnvoll. Ein weiterer Vorteil des exemplarischen Prinzips ist, dass „der gleiche Inhalt in manchen Fällen exemplarisch, repräsentativ usf. für verschiedene allgemeine Sachverhalte sein [kann.]“ 5 So bietet beispielsweise Herodot bei der Hauptlektüre die Möglichkeit Logographie/Historiographie als Literaturgattungen zu thematisieren, den ionische Dialekt kennen zu lernen und einen Einblick in die klassische Epoche zu erhalten ohne den enzyklopädischen Anspruch zu erheben die drei Bereich komplett behandelt zu haben. Nach diesem Prinzip scheinen auch die Verfasser der Berliner Rahmenlehrpläne verfahren zu wollen. So gibt der Rahmenlehrplan Themenvorschläge mit einigen Autorennamen für die Einführungslektüre an. Der Unterricht soll nach dem Abschluss der Lehrbucharbeit im Rahmen von „leichten bis mittelschweren Originaltexten“ 6 erfolgen. Die genannten Themenbereiche befinden sich unter dem zusammenfassenden Titel „Erzählende und 1 NICKEL, Rainer: Die alten Sprachen in der Schule, Frankfurt/ M. 2 1978, S. 191 2 ROBINSOHN, Saul B.: Bildungsreform als Revision des Curriculums, Neuwied/Berlin 4 1972, S. 47 3 MÖLLER, Christiane: Zur Methodik der Lehrplanaufstellung. Eine Auswertung amerikanischer Forschungsergebnisse; in H. RÖHRS (Hgb.): Fachdidaktik, Frankfurt/ M. 1971, S. 241-259 4 KLAFKI, Wolfgang: Didaktische Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung; in ROTH, Heinrich/ BLUMENTHAL, Alfred: Auswahl 1, Hannover 1964, S. 5-34 5 KLAFKI, 1964, S. 15 6 Rahmenlehrplan für die gymnasiale Oberstufe, Griechisch, herausgegeben von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin, 2006. S. VI
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unterhaltende Literatur.“ In diesen Themenbereichen werden bereits interkulturelle Problematiken (z.B. „Die Griechen und der Orient“, „Griechen, Juden und Christen“) angeschnitten, aber auch Literaturgattungen behandelt (z.B. „Roman und Parodie“, „Redekunst“ usw.). Gleichzeitig sollen die behandelten Texte durch den „Erwerb methodischer Kompetenzen“ auf den Unterricht der Kursphase vorbereiten.
Die Anfangslektüre bietet – wie eingangs schon erwähnt – die Chance, sprachliche Defizite auszugleichen. Gerade heute ist dies bei der Verringerung der Stundentafel sinnvoll, da oftmals nicht mehr Defizite einiger einzelner Schüler, sondern ganzer Klassen vorhanden sind, weil die Lehrkräfte bzw. die Lehrbücher die unterschiedlichsten Erscheinungen der griechischen Sprache nicht mehr behandeln (können). Hierfür finden sich bei einigen der im folgenden genannten Vorschläge Möglichkeiten.
Aus zeitlichen Gründen wird auch vorgeschlagen, dass man mit der Anfangslektüre den Schülern keine „Lektüre vor der eigentlichen Lektüre“ geben sollte, sondern diese bereits Ziellektüre sein sollte. 7 Neben diesen fachlichen Voraussetzungen müssen natürlich auch anthropogene und sozial- kulturelle Voraussetzungen berücksichtigt werden. 8 Eine wichtige Grundvoraussetzung ist dabei das Alter der Schüler, dessen Mentalität auch die Texte gerecht werden sollten. Gleichzeitig sollte es sich bei den Texten um Werke handeln, die die Hintergründe unserer Kultur erklären und verständlich machen – gerade in Zeiten, in denen solche Hintergründe immer stärker zurücktreten.
3. Anfangslektüre mit Tradition: Xenophons Anabasis
Xenophons Anabasis hat viel Kritik einstecken müssen, weist aber dennoch viele Vorteile als Anfangslektüre auf. Häufig wird in diesem Zusammenhang die Sprache genannt. Xenophon schreibt – und das gilt gleichermaßen für seine anderen Werke auch – attisch. Die Schüler sind nach der Lehrbuchphase, die in der Regel im attischen Dialekt erfolgt, auf diesen Dialekt gedrillt. Jeder andere Dialekt würde ja einen kleinen Einführungskurs benötigen, wie später angedeutet werden wird. Die Satzstrukturen der Anabasis sind im Großen und Ganzen schlicht gehalten, weisen aber schon die stilistische Schulung des Autors aus. Bereits bei diesem Punkt lässt sich eine Verbindung zu einem anderen Werk ziehen, das den Schülern im Regelfall aus dem Lateinunterricht bekannt ist: Caesars commentarii de bello Gallico. Bereits auf der sprachlichen und stilistischen Ebene bietet sich hier der Vergleich dieser beiden 7 KLOWSKI, Joachim: Zur Didaktik der alten Sprachen: Die Probleme der Anfangslektüre in Latein und Griechisch, in: TWELLMANN, W.: Handbuch Schule und Unterricht 5.1, Düsseldorf 1981, S. 404 8 SCHULZ, Wolfgang: Unterricht, Analyse und Planung, Hannover 6 1965, S. 36f.
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B.A. Karsten Schulze, 2007, Anfangslektüre im Griechischunterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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