„Das Pferd frisst keinen Gurkensalat”
Dies ist angeblich der erste Satz, der jemals über das Telefon gesprochen wurde. Die Entwicklung des Telefons an Sich ist für die Entwicklung des Mobiltelefons natürlich von entscheidender Bedeutung, wird im Folgenden jedoch vorausgesetzt.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts existieren Telefonapparate mit jeweils zwei Leitungsadern und einer Wählscheibe, mit denen weltweite und direkte Kommunikation per Sprache möglich wurde. Als im Jahr 1970 der sog. „Fernsprechtischapparat” auf den Markt kam, war die analoge Telefonie für fast Jedermann von diesem Zeitpunkt an möglich.
Die Entwicklung ging weiter zur digitalen ISDN-Telefonie mit der weitere Leistungsmerkmale wie z.B. Rufnummernübertragung und Telefonkonferenzen möglich wurden. Hinzu kamen Erfindungen wie Anrufbeantworter, Faxgerät und Datenübertragungen per Modem, die die normale Telefonleitung um einige Kommunikationsmöglichkeiten erweiterten (vgl. Artikel Telefon). Doch schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in den Wagen der 1. Klasse der Reichsbahnen in Deutschland Versuche gestartet eine Art Funktelefonie anzubieten. Erste Autotelefone die deutschlandweit einsatzfähig waren gab es ab 1958. Die Funktechnik basierte auf sog. Vakuumröhren, weshalb die Geräte insgesamt sehr groß waren. Zudem wurden die Gespräche von Menschen in Vermittlungszentralen handvermittelt und hatten einen Preis, der ungefähr bei der Hälfte des Anschaffungspreises des Wagens lag (vgl. Artikel Mobiltelefon). Ab 1974 nutzen in Österreich die ersten 1000 Menschen das sog. B-Netz, bei dem man zwar automatisch vermittelt wurde, jedoch im Voraus den Aufenthaltsort des anderen Teilnehmers wissen musste. Erst ab dem Jahr 1985 wurden die sog. „Portables” entwickelt, die sich in Deutschland und Österreich in das damalige „C-Netz” einbuchten. Diese Geräte mit Tragegurt und Antenne konnten durch die Nutzung des kleinzelligen Netzes enorm verkleinert werden, wogen dennoch bis zu fünf Kilogramm. Wenige Jahre später brachte Motorola das erste kommerzielle Handy auf den Markt, welches 1992 als erstes GSM-fähiges Handy flächendeckend in das sog. D-Netz eingebucht werden konnte.
Die Entwicklung von 1992 bis Heute ist rasant vorwärts geschritten. Das Handy kann mehr als nur seine Kernfunktion, das Telefonieren. Waren die Mobiltelefone früher noch groß und schwer, sind sie heute zusammenklappbar und des Öfteren nicht höher als eine Zigarettenschachtel. Mit der Einführung des Motorola 3200 wurde die digitale Mobiltelefonie im D1 und D2 Netz im Jahr 1992 eingeläutet. Es war knapp 34 Zentimeter lang und wog knapp fünf Kilogramm. Die Vorgängermodelle waren alle nur für den ausschließlichen Betrieb in Automobilen konzipiert, die neuen Geräte sollten jedoch Geschäftsleuten und Politikern das mobile Telefonieren ermöglichen. Auch auf abgelegenen Hütten oder Baustellen kamen Mobiltelefone zum Einsatz. Zu dieser Zeit hatte noch kein Jugendlicher mit Mobiltelefonen Kontakt. Dies hing mit dem hohen Anschaffungs- und Betriebspreis zusammen, aber auch mit der 1G typischen einzigen Funktion, dem Telefonieren. Es gab kein Telefonbuch, keine SMS-Möglichkeit usw. In Deutschland begann der „Handyboom” in den Jahren 2000 und 2001. Ende 2000 gab es doppelt so viele Handynutzer wie zu Jahresbeginn. Erst im zweiten Halbjahr 2001 kamen deutlich weniger neue Kunden hinzu.
(5) (Die Geschichte des Mobiltelefons aus technischer Sicht) ++
Wurden die tragbaren Mobiltelefone zu den Anfängen „nur” als Telefon benutzt, entwickelten sie sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu universalen Geräten die mit vielen Zusatzfunktionen ausgestattet sind. Zusätzlich zum reinen Telefonieren kamen Möglichkeiten der mobilen Datenübertragung von Bildern und Videos, sowie die Möglichkeit alle Daten zu übertragen die sich mit dem Internet übertragen lassen. Heute kann man mittels Videotelefonie kommunizieren und aktuelle Nachrichten direkt aus dem Internet in Form von Text, Bild und Videostream abrufen, Musik hören, Fotos schießen und sogar 3D-Spiele spielen.
Die drei Handygenerationen
Bis zum heutigen Zeitpunkt unterteilt man die Mobiltelefone in drei Generationsstufen. 1G
Mobiltelefone der ersten Generation wurden im A,B,C-Netz betrieben und die Sprachübertragung verlief analog zwischen Mobiltelefon und Basisstation über eine Funkschnittstelle. 2G
In der zweiten Generation der Mobiltelefone wurde der GSM-Standard weltweit etabliert. Er verwendet ein digitales Übertragungsverfahren für die Sprachübertragung. Somit wurde die Möglichkeit geschaffen eine bessere Sprachqualität zu erzielen und die Kapazitäten der Funkschnittstellen enorm zu erhöhen. 3G
Die dritte Generation der Mobiltelefone steht uns zum jetzigen Zeitpunkt unmittelbar bevor. Ziel dieser Entwicklung ist die mobile Datenübertragung mit hohen Geschwindigkeiten für Videotelefonie und weitere Datendienste wie z.B. mobile breitbandige Internet-Zugänge. Die Standards werden HSCSD und GPRS bzw. UMTS genannt und sollen GSM ablösen.
Zukünftige Funktionen
In seinem Aufsatz „Die Zukunft der Mobiltelefonie im Zeitalter der dritten Handygeneration (UMTS)” schreibt der Autor Paul Golding bewusst nicht über die zukünftigen technischen Entwicklungen, wie z.B. die Prozessorleistung der kommenden Mobiltelefone, sondern vielmehr über „allgemeine Mobilisierungsthemen” die das kommende Jahrzehnt bestimmen werden (vgl. Golding, 2006a).
Bestand die zweite Generation (2G) eher aus wenigen technischen Entwicklungen wie z.B. der Funkfrequenz, der Telefonie und Echtzeit-Datenübertragung, so wird die dritte Generation (3G) zwar auch (und noch weitere) Technologien zusammenbringen, jedoch wird die dritte Generation über Themen wie „Vertrauensschutz, Sicherheit, Zahlungen, Reputation, Lokalisierung und vieles andere mehr” definiert werden (vgl. Golding, 2006b).
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Laut Golding ist Technologie nicht „additiv”, sondern „transformativ”, was er mit einem guten Bild zu vergleichen versucht: „Wenn man einen Tropfen roter Farbe ins Wasser gibt, erhält man als Ergebnis nicht einen Tropfen Farbe und etwas Wasser, sondern etwas Anderes, Neuartiges.”(vgl. Golding, 2006b). Und genau das ist es, was die dritte Generation ausmachen wird. Es geht in der Bezeichnung „3G” nicht wie bisher um die Beschreibung einer Technologie, sondern um die Beschreibung eines Zeitalters, welches viele transformative Technologien miteinander verbindet und sich daraus undenkbar viele und vor allem neue Möglichkeiten ergeben können. Soweit, dass die Menschen nicht mehr nur im physischen Raum leben, sondern sich auch im Raum der Informationen zurecht finden müssen und das Mobiltelefon fast schon wie ein Kleidungsstück am Körper getragen wird.
(7) (Die Geschichte des Mobiltelefons aus technischer Sicht) ++
Die Verbreitung von Handys
Erstmals seit der Einführung von Mobiltelefonen 1992 gibt es in Deutschland mehr Handys als Einwohner. Zum 1. August 2006 stieg die Zahl der Anschlüsse laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in Berlin auf 82,8 Millionen. Die günstige Preisentwicklung und der Trend zum Zweithandy hätten laut dieser Erhebung die Entwicklung in den vergangenen Monaten beschleunigt. Das Mobiltelefon löst langsam aber sicher die Festnetzanschlüsse weltweit ab. In Japan haben mehr als zwei Drittel aller Bürger ein Mobiltelefon.
In Nordkorea wurde die Nutzung von Mobiltelefonen am 25. Mai 2004 verboten. Die Mobiltelefone wurden den Bürgern wieder abgenommen, wie die Nachrichtenagentur Yonhap meldete. Rund 20.000 Nordkoreaner hatten den Mobilfunkdienst seit dessen Einführung im November 2002 genutzt.
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Arbeit zitieren:
Tobias Battenberg, 2007, Das Mobiltelefon aus soziologischer Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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