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Inhaltsverzeichnis ^
Inhaltsverzeichnis 2
I. Einleitung 3
1. Fragestellung 3
2. Forschungsstand 4
II. Hauptteil. 6
1. Die Degradierungsmetamorphose des Gregor Samsa 6
2. Das Motiv der Körperlichkeit in Die Verwandlung 8
3. Die Inversion in der Familie Samsa 9
4. Das Motiv der Sexualität in Die Verwandlung. 10
4.1 Der Bild-Fetisch des Gregor Samsa 11
4.2 Das Motiv des Masochismus in Die Verwandlung 12
5. Die religiösen Motive in Die Verwandlung. 16
6. Die drei Zimmerherren 17
7. Geburt und Tod in Die Verwandlung 19
III. Schluss 22
IV. Literaturangaben. 24
Prim ärliteratur. 24
Sekund ärliteratur 24
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I. Einleitung
1. Fragestellung
Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung 1 beginnt mit der nüchternen Feststellung eines Sachverhaltes: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“ (V 7) Allein dieser erste Satz führte und führt bis heute zu breit gefächerten Diskussionen in der deutschen Literaturwissenschaft. Die Bedeutung der „unruhigen Träume[]“ wird ebenso kritisch hinterfragt, wie das mehrdeutige Wort „fand“ 2 und die Ursache der Metamorphose Gregor Samsas in ein „Ungeziefer“. Deutlicher Konsens herrscht in der Forschung jedoch darüber, dass dieser erste Satz den Leser unvermittelt und unvorbereitet in eine groteske Szenerie einführt, in das Leben eines zunächst unbekannten Mannes, der sich physisch oder psychisch aus ungeklärter Ursache in ein Ungeziefer verwandelt hat.
Der weitere Verlauf der Erzählung beschreibt die neue Existenz Gregors und die Haltung seiner Familie, bestehend aus seinen Eltern und seiner siebzehnjährigen Schwester Grete. Als weitere Figuren treten eine Haushälterin, Gregors Chef der Prokurist und drei Untermieter, die so genannten Zimmerherren, auf. Die Erzählung folgt der Handlung von Gregors plötzlicher Verwandlung bis hin zu seinem einsamen Tod.
In der vorliegenden Hausarbeit sollen die grotesken Elemente der Erzählung anhand eines erarbeiteten Kataloges 3 ausführlich eruiert werden. Primär untersucht werden dabei die Degradierungsmetamorphose des Gregor Samsa und die Inversion innerhalb
1 Kafka, Franz: Die Verwandlung. Leipzig 1916. Hrsg. von Joseph Kiermeier-Debre. München: Deutscher Taschenbuchverlag 2006. Im laufenden Text werden Passagen aus der angegebenen Ausgabe mit der Sigle V zitiert.
2 Das Wort „fand“ kann sowohl als Synonym für „entdeckte“ gelesen werden, als auch in der Bedeutung „hielt sich für“. Vgl. Möbus, Frank: Sünden-Fälle. Die Geschlechtlichkeit in Erzählungen Franz Kafkas. Göttingen: Wallstein 1994. S. 58.
3 Der zugrunde liegende Katalog wurde im Seminar „Das Groteske in der Literatur“ (Prof. Dr. Detlef Kremer) auf Grundlage der Monographien von Michail M. Bachtin und Wolfgang Kayser erarbeitet.
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der Familie des Verwandelten. Des Weiteren soll das prägnante Motiv der Sexualität analysiert werden. Hierbei erfahren vor allem das von Gregor hervorgehobene Bild der Dame im Pelz, die potentiell masochistische Veranlagung des Verwandelten und der ödipale Konflikt zwischen Gregor und seinen Eltern eine explizite Erläuterung. Als weitere Aspekte werden die Körperlichkeit und die religiöse Symbolik dargelegt. Auch die grotesken Figuren der drei Zimmerherren sollen ausführlich dargestellt werden. Für diese Analysen wird ein hermeneutischer Ansatz gewählt.
2. Forschungsstand
Seit Erscheinen der Erzählung im Jahr 1915 wird in der deutschen Literaturwissenschaft über die Ursache der Metamorphose des Gregor Samsa diskutiert. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage nach Sein oder Schein der Verwandlung. Die Literaturwissenschaft versucht zu eruieren, ob die titelgebende Verwandlung nur eine Wahnvorstellung des äußerlich unveränderten Gregor Samsa ist, oder ob sie vielmehr in der Tradition von Märchen und Mythen steht und somit als reale Metamorphose eines Menschen in ein Tier verstanden werden muss. Karlheinz Fingerhut trennt diese beiden divergierenden Forschungspositionen in die symbolische und die allegorische Leseweise 4 ; ein Konsens lässt sich bislang nicht erkennen. So setzt Frank Möbus die Auslegung der Verwandlung als einen realen Vorgang explizit mit einer „Fehlinterpretation“ 5 gleich und beschreibt Gregor Samsa als eine neurotische Persönlichkeit mit schwerer Zwangsvorstellung. Dagegen betont Holger Rudloff die Phantastik und Rätselhaftigkeit der Metamorphose Gregors, deren Entschlüsselung er der Imagination des Lesers überantwortet. 6
4 Vgl. Fingerhut, Karlheinz: Interpretationen zu Die Verwandlung. In: Interpretationen Franz Kafka. Romane und Erzählungen. Hrsg. von Michael Müller. Stuttgart: Reclam 1994. S. 42 - 75, hier S. 70.
5 Möbus 1994: S. 70.
6 Vgl. Rudloff, Holger: Zu Kafkas Erzählung Die Verwandlung. In: Wirkendes Wort. Hrsg. von Lothar Bluhm und Heinz Rölleke. Ausgabe 38, 1988. S. 321 - 337, hier S. 323.
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Auch die erotischen Aspekte der Erzählung werden in der Forschung kontrovers diskutiert. Zu nennen sind hier neben dem bereits erwähnten Frank Möbus auch die Literaturwissenschaftler Isolde Tröndle 7 und Detlef Kremer 8 . Die religiösen Motive und die Funktion der drei Zimmerherren werden zurückhaltender interpretiert und zumeist außer Acht gelassen. An eindeutigen Schlussfolgerungen im Hinblick auf diese Elemente mangelt es in der literaturwissenschaftlichen Forschung. Weitgehend übereinstimmend wird in der Forschungsliteratur auf die grotesken Momente, die aberwitzige Komik und die Ironie in Kafkas Erzählung hingewiesen.
7 Tröndle, Isolde: Differenz des Begehrens. Franz Kafka - Marguerite Duras. Würzburg: Königshausen und Neumann 1989.
8 Kremer, Detlef: Kafka. Die Erotik des Schreibens. Bodenheim b. Mainz: Philo Verlagsgesellschaft 1998.
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II. Hauptteil
1. Die Degradierungsmetamorphose des Gregor Samsa
Nach seiner ebenso plötzlichen wie unerklärlichen Verwandlung kommt Gregor alsbald zu dem Schluss, dass er sich in seinem realen Umfeld befindet und folglich nicht nur träumt, doch zugleich wartet er gespannt, wie sich seine „heutigen Vorstellungen allmählich auflösen würden“. Er hält seinen verwandelten Zustand zunächst für „reine Einbildung“ und sieht in seiner tierhaften Stimme das erste Anzeichen einer „tüchtigen Verkühlung“ (V 12). Statt sich über seine Verwandlung zu wundern oder Angst zu verspüren, grübelt er, wie er seinen Zug noch bekommen kann und plant schließlich, in Ruhe aufzustehen und zu frühstücken. Die Vorstellung von einem ungeheuren Ungeziefer, das sich an den Frühstückstisch setzen und mit dem Zug zur Arbeit fahren will, offenbart eine groteske Komik. Auch Gregors Vermutung, dass er nur an einer „tüchtigen Verkühlung“ leidet, lässt sich als eine „aberwitzig-harmlose Diagnose“ 9 bezeichnen.
Gregor Samsa begegnet seiner Verwandlung zunächst mit Naivität. Er beschließt, sich seiner Familie zu zeigen, denn „würden sie erschrecken, dann hätte Gregor keine Verantwortung mehr und konnte ruhig sein. Würden sie aber alles ruhig hinnehmen, dann hatte auch er keinen Grund sich aufzuregen […]“ (V 22). Karlheinz Fingerhut sieht in dieser unbedarften Sicht der Lage auch eine Form von List, mit der sich Gregor von jeder Verantwortung befreit. 10 Gregor versucht nicht, die Ursache seiner Verwandlung zu ergründen, sondern ergibt sich der Reaktion seiner Familie. Das Motiv der Metamorphose spielt vor allem seit der Romantik eine prägende Rolle in der grotesken Literatur. Wenngleich Gregor zunächst daran glaubt, dass sich seine Verwandlung wie eine Halluzination auflöst, verändert sich sein Zustand nicht und er wird zu einem Parasiten degradiert. Seine Familie hält ihn von der Außenwelt isoliert in
9 Möbus 1994: S. 58.
10 Vgl. Fingerhut 1994: S. 49.
Arbeit zitieren:
Maret Hosemann, 2007, Das Groteske in der Literatur - Franz Kafkas "Die Verwandlung", München, GRIN Verlag GmbH
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