Inhalt
1 Einleitung. 2
2 Professionalisierung Sozialer Arbeit 4
2.1 Begriffsklärung 4
2.2 Die aktuelle Professionalisierungsdebatte 5
2.3 Die strukturtheoretische Professionalisierungsperspektive 5
2.3.1 Der Ansatz von Ulrich Oevermann 6
2.3.2 Der Ansatz von Bernd Dewe 8
3 Qualitätsmanagement. 11
3.1 Zu den Begriffen „Qualität“ und „Qualitätsmanagement“ 11
3.2 Verfahren und Methoden des Qualitätsmanagements 13
3.2.1 DIN EN ISO 9000 ff. 14
3.2.2 EFQM. 15
3.2.3 Benchmarking 18
3.2.4 Interne Evaluation. 19
4 Chancen und Risiken der Qualitätsmanagement-Modelle für die Professionalisierung
Sozialer Arbeit 22
4.1 Nicht-Standardisierbarkeit professionellen Handelns 22
4.2 Autonomie der Professionellen 25
4.4 Deklaratives und prozeduales Wissen. 27
4.5 Fähigkeit zur Reflexivität 28
5 Zusammenfassung. 30
6 Literatur. 33
1
1 Einleitung
Aufgrund von veränderten ökonomischen Rahmenbedingungen hat das Qualitätsmanagement auch Einzug in die Soziale Arbeit gehalten. In Zeiten knapper öffentlicher Mittel werden Forderungen nach Beurteilung der Fachlichkeit Sozialer Arbeit und der Bescheinigung ihrer Effektivität immer lauter. Institutionen der Sozialen Arbeit sehen sich zunehmend veranlasst, betriebswirtschaftliches Denken und Handeln in ihre Arbeit zu integrieren, um den Legitimationsansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden. Die Qualität der Leistungen muss gegenüber den Leistungs- beziehungsweise Kostenträgern objektiviert und in ihrer Umsetzung inhaltlich konkret definiert werden. Dabei sollen alle Möglichkeiten zur Kostendämpfung ausgeschöpft werden, zugleich sollen aber auch qualitative Mindeststandards eingehalten werden. Eine Beschneidung hinsichtlich der sozialarbeiterischen Handlungsautonomie wird von der Profession befürchtet. Dies zeigt ein Spannungsverhältnis auf, mit dem die Profession konfrontiert ist. Welche Chancen und Risiken sind damit für die Professionalisierung Sozialer Arbeit verbunden? In der Fachdiskussion wird oft, wenn über Risiken und Chancen von Qualitätsmanagement-Systemen auf die Professionalisierung von Sozialer Arbeit gesprochen wird, von „Qualitätsmanagement“ gesprochen. Qualitätsmanagement ist aber nicht gleich Qualitätsmanagement. Hinter diesem Begriff verstecken sich unterschiedliche Konzepte, die unterschiedliche Merkmale aufweisen und sich unterschiedlich auf die Professionalisierung Sozialer Arbeit auswirken. Eine differenzierte Auseinandersetzung der Chancen und Risiken auf die Professionalisierung Sozialer Arbeit bezogen auf die unterschiedlichen Konzepte sind kaum zu finden.
Ziel dieser Arbeit ist es, Chancen und Risiken der wichtigsten Qualitätsmanagement-Systeme bezogen auf die Professionalisierung Sozialer Arbeit zu diskutieren. Dabei wird auf vier Verfahren eingegangen, die man gemäss Merchel (vgl. 2001, S. 52) als konzeptionelle Grundmuster von Qualitätsmanagement-Modellen betrachten kann: Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9000 ff., ein von der European Foundation for Quality Management (EFQM) entwickeltes Konzept, Benchmarking und interne Evaluation.
2
Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit kann aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven betrachtet werden.
Aktuell wird die Professionalisierungsdebatte hauptsächlich von der systemtheoretischen und strukturtheoretischen Strömung bestimmt (vgl.
Nadai/Sommerfeld/Bühlmann/Krattiger 2005, S. 11). Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die strukturtheoretische Strömung, da die Frage nach der Verbesserung der Handlungskompetenz von Sozialarbeitern mit einer systemtheoretischen Klärung nicht fassbar ist (vgl. Dewe/Ferchhoff/Scherr/Stüwe 2001, S. 18). Basierend auf dem struktur-theoretischen Ansatz von Bernd Dewe, der den Ansatz von Ulrich Oevermann weiterentwickelt hat, werden die einzelnen Qualitätsmanagement-Systeme darauf untersucht, welche Risiken und Chancen für die Professionalisierung Sozialer Arbeit verbunden sind. Der Aufbau der Arbeit ist wie folgt gegliedert: Im Folgenden werden im Kapitel 2 die Begriffe „Profession“ und „Professionalisierung“ geklärt, auf die aktuelle Professionalisierungsdebatte kurz eingegangen und die strukturtheoretische Perspektive durch den Ansatz von Ulrich Oevermann und Bernd Dewe erläutert. Im Kapitel 3 werden die Begriffe „Qualität“ und „Qualitätsmanagement“ geklärt und danach die vier wichtigsten Qualitätsmanagement-Systeme DIN EN ISO 9000ff., EFQM, Benchmarking und interne Evaluation vorgestellt. Anschliessend werden im Kapitel 4 Chancen und Risiken der Qualitätsmanagement-Modelle auf die Professionalisierung Sozialer Arbeit diskutiert. Kapitel 5 schliesslich fasst die wichtigsten Überlegungen zusammen.
3
2 Professionalisierung Sozialer Arbeit
In diesem Kapitel werden zuerst die Begriffe „Profession“ und „Professionalisierung“ erläutert. Bevor auf den strukturtheoretischen Professionalisierungs-Ansatz von Bernd Dewe eingegangen wird, wird der Ansatz von Ulrich Oevermann erläutert, da Dewes Betrachtungen auf diesen rekurrieren.
2.1 Begriffsklärung
Bei der Frage, was die Bedeutung des Begriffs „Profession“ ist, stellt sich die Frage, was Professionen im Kontrast zu Arbeit und Beruf sind. Arbeit kann als eine wenig systematisierte und individuell verrichtete Beschäftigung angesehen werden. Beruf ist eine arbeitsteilig organisierte, spezialisierte Tätigkeit. Professionen hingegen sind ausgesprochen spezialisierte, verwissenschaftlichte und sozial orientierte Verrichtungen, zu denen die klassischen Professionen wie die Medizin, die Jurisprudenz und die Theologie gehören (vgl. Endruweit/Trommsdorff 2002, S. 418). Professionen können als Weiterentwicklung von Berufen respektive als besondere Berufe verstanden werden, die auf einer akademischen Ausbildung basieren. Welche Berufe eindeutig als Professionen tituliert werden können, lässt sich nicht eindeutig erkennen und ist unter anderem abhängig von der theoretischen Perspektive, die man einnimmt. Prinzipiell werden Ärzte, Juristen und Theologen angesichts ihrer überlieferten universitären Struktur und ihrer Orientierung am Gemeinwohl mehr oder weniger eindeutig zu den Professionen zugerechnet. Der prozessuale Aspekt der Profession ist die Professionalisierung. Auch hier ist die Begriffsdefinition abhängig von der theoretischen Perspektive, die eingenommen wird. Bei der nachfolgenden Begriffsdefinition handelt es sich um eine recht allgemeine, strukturfunktionalistische Definition vor Professionalisierung. Den Status einer Profession zu erlangen bedeutet die „Spezialisierung und Verwissenschaftlichung von Berufspositionen auf Grund gestiegener Anforderungen an das für die Berufsausübung erforderliche Fachwissen, verbunden mit einer Höherqualifizierung der Berufsausbildung, der Einrichtung formalisierter Studiengänge, einer Kontrolle der Berufsqualifikation und des Berufszugangs
4
durch Fachprüfungen, der Organisation der Berufsangehörigen in besonderen Berufsverbänden, der Kodifizierung berufsethischer Normen, der Zunahme universeller Leistungsorientierung und beruflicher Autonomie, sowie einer Steigerung von Berufsprestige und Einkommen“ (Fuchs 1978, S. 326).
2.2 Die aktuelle Professionalisierungsdebatte
Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit kann aus unterschiedlichen theoretischen Blickwinkeln analysiert werden. Aktuell wird die Professionalisierungsdebatte hauptsächlich von zwei theoretischen Richtungen dominiert: Im Mittelpunkt der strukturtheoretischen Perspektive der Professionalisierung seit Beginn der 1990er-Jahre stehen nicht Probleme der Verberuflichung und die akademische Aufwertung, sondern die Strukturprobleme professionellen Handelns. Strukturtheoretische Ansätze kreisen um das Problem der Notwendigkeit beziehungsweise der Möglichkeit der Realisierung einer idealtypischen Struktur professionellen Handelns als grundlegendes Bestimmungsmoment für eine Profession. In einem systemtheoretischen Rahmen steht die Frage im Zentrum, ob die Soziale Arbeit ein ausdifferenziertes Funktionssystem der modernen Gesellschaft ist. Sowohl in der system- wie auch im strukturtheoretischen Diskurs werden eminente Zweifel am vollgültigen Professionscharakter der Sozialen Arbeit bekundet (vgl.
Nadai/Sommerfeld/Bühlmann/Krattiger 2005, S. 11).
2.3 Die strukturtheoretische Professionalisierungsperspektive
Zu den Vertretern des strukturtheoretischen Ansatzes gehören Ulrich Overmann und Bernd Dewe, wobei Dewe die theoretischen Überlegungen von Oevermann weiterentwickelt hat und diese auf die Soziale Arbeit spezifiziert hat. Im Unterschied zu Oevermann, der die Soziale Arbeit für nicht professionalisierbar hält (vgl. Oevermann zit. in: Nadai/Sommerfeld 2005, S. 184), sieht Dewe die Soziale Arbeit als „Semi-Profession“ an - ein Begriff, der von Etzioni (1969) geprägt wurde. Etzioni nennt besonders zwei Elemente, durch die sich Semi-Professionen, wie die Soziale Arbeit, von den Voll-Professionen unterscheiden. Erstens sind Semi-Professionen in bürokratischen
5
Institutionen angesiedelt und können aus diesem Grund nicht in dem Masse über die Autonomie professionellen Handelns verfügen, wie dies für die Voll-Professionen - wie beispielsweise die Medizin, die Jurisprudenz und die Theologie - gilt. Demzufolge können sie keinen entsprechenden Status aufbauen. Zweitens ist die Mehrheit der Angestellten in den Semi-Professionen weiblich. Diese Tatsache wirkt sich ebenfalls nachteilig auf deren Status aus, weil Frauen ihre Interessen nicht effektiv durchzusetzen vermögen (vgl. Nadai/Sommerfeld/Bühlmann/Krattiger 2005, S. 17f.).
Da Dewes Theorie professionellen Handelns auf der Theorie von Oevermann aufbaut, wird im Folgenden zuerst auf Oevermanns Konzept eingegangen bevor Dewes Konzept erläutert wird.
2.3.1 Der Ansatz von Ulrich Oevermann
Oevermanns theoretischen Betrachtungen rekurrieren auf Marshall (1939) und Parsons (1964; 1965); also auf dem Strukturfunktionalismus. Die Essenz des Modells von Oevermann kann wie folgt beschrieben werden: Professionalisierungsbedürftig ist berufliches Handeln dann, wenn es systematisch auf die Bewältigung von Krisen ausgerichtet ist. Die Funktion professionellen Handelns besteht darin, „stellvertretende Krisenbewältigung“ zu erbringen, respektive durch „stellvertretende Deutung“ helfend in den Prozess der Krisenbewältigung zu intervenieren (vgl. Oevermann 1996, S. 82-89). Aus dieser Funktionsbestimmung und der Begrifflichkeit der Krise ergibt sich gemäss Oevermann die prinzipielle Nicht-Standardisierbarkeit professionellen Handelns.
Professionalisierungsbedürftigkeit liegt dann vor, wenn die Handlungssituation nicht mittels routinisierter Methoden bewerkstelligt werden kann. Daraus folgt, dass allgemeines, theoretisches und empirisches Wissen sowie Verfahrenswissen im „Fallbezug“ so eingesetzt werden müssen, dass die betreffende Krise gemanagt werden kann (vgl. op. cit., 123f.). Dies findet auf der Grundlage einer „Kunstlehre“ statt. Neben dem Wissen sind im Terminus der Kunstlehre die individuelle Handlungskompetenz und die durch Erfahrung sowie Training zu erwerbende Meisterschaft im Umgang mit den Regeln der Kunst enthalten. Weil die Gefahr falscher Entscheidungen ebenfalls auf einem hohen Grad professioneller Handlungskompetenz bestehen bleibt, ist gemäss Oevermann die Begründungsverpflichtung ein wesentliches Merkmal professionellen Handelns (vgl.
6
Arbeit zitieren:
Karolina Weber, 2007, Qualitätsmanagement: Chancen und Risiken für die Professionalisierung Sozialer Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zur Stellung des Professionalisierungskonzepts von Oevermann
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 27 Seiten
Qualitätsmanagement in der Sozialen Arbeit
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 19 Seiten
Praktikumsbericht Sozialpädagogische Familienhilfe
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Praktikumsbericht / -arbeit, 25 Seiten
Schleiermacher - Über das Wesen der Religion
Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Hausarbeit, 15 Seiten
Führung im Wandel - Die Rolle der Führungskraft beim Changemanagement
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 51 Seiten
Kurzvortrag Humboldt - Die Bildung des Menschen
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Referat (Ausarbeitung), 15 Seiten
Der Beitrag internationaler Schulleistungsvergleiche zur Qualitätssich...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 27 Seiten
Wissenschaftstheoretische Untersuchung gegenwärtiger Theorien zur LRS
Magisterarbeit, 149 Seiten
Theorien zur Wirkung von Gewalt in den Medien
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Seminararbeit, 14 Seiten
Diagnostische Erfassung von Streß und Belastungsverarbeitung (Coping):...
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Referat (Handout), 15 Seiten
When can children be said to have a theory of mind?
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Essay, 7 Seiten
Arztpraxen als Wirtschaftsunternehmen - Mehr Erfolg durch Praxismarket...
Seminararbeit, 21 Seiten
Ursprung und Entwicklung der Professionalisierungsbemühungen in der So...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 18 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen der Sozialpädagogischen Familienhilfe
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 32 Seiten
Karolina Weber-Staniszewski's Text Qualitätsmanagement: Chancen und Risiken für die Professionalisierung Sozialer Arbeit ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Karolina Weber-Staniszewski hat den Text Qualitätsmanagement: Chancen und Risiken für die Professionalisierung Sozialer Arbeit veröffentlicht
Karolina Weber-Staniszewski hat einen neuen Text hochgeladen
Professionalisierung Sozialer Arbeit durch Qualitätsmanagement?
Eine Studie zur Effektivität u...
Anke Maywald
Organisationsgestaltung in der Sozialen Arbeit
Grundlagen und Konzepte zur Re...
Joachim Merchel
Ehrenamt - Qualität und Chance für die soziale Arbeit
Reader zur Sommeruniversität E...
Klinische Ethikkomitees Chancen, Risiken und Nebenwirkungen
Andreas Frewer, Uwe Fahr, Wolfgang Rascher
0 Kommentare