Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. III
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Aufbau der Arbeit. 2
2. Grundlagen der Nachhaltigkeitsberichterstattung. 3
2.1 Der Begriff der Nachhaltigkeit. 3
2.1.1 Die drei Dimensionen: Ökonomie, Ökologie und Soziales 3
2.1.2 Unternehmen und Nachhaltigkeit 4
2.2 Von der Umwelt- zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. 5
2.3 Darstellungsformen von Nachhaltigkeitsberichten 7
3. Motive und Nutzen der Nachhaltigkeitsberichterstattung 8
3.1 Zielgruppen der Nachhaltigkeitsberichterstattung 8
3.1.1 Shareholder und andere Finanzmarktakteure. 8
3.1.2 Arbeitnehmer 10
3.1.3 Kunden 10
3.1.4 Nicht-Regierungsorganisationen (non-governmental organizations) 11
3.2 Motive für die Berichterstattung über Nachhaltigkeit. 11
3.2.1 Abbau von Informationsasymmetrie. 11
3.2.2 Legitimitätstheorie 13
3.2.3 Media-Agenda-Setting-Theorie 14
3.2.4 Institutioneller Kontext 14
3.2.5 Staatliche Regulierungen 15
3.3 Nutzen aus der Berichterstattung über Nachhaltigkeit. 15
3.3.1 Der Nachhaltigkeitsbericht als Kommunikationsinstrument 16
3.3.2 Der Nachhaltigkeitsbericht als Führungsinstrument. 17
3.3.3 Der Nachhaltigkeitsbericht als Mittel zur Schaffung von
Wettbewerbsvorteilen 18
3.3.4 Der Nachhaltigkeitsbericht als Mittel zur Stärkung der Reputation. 19
3.3.5 Der Nachhaltigkeitsbericht als Grundlage für die Bewertung durch den
Finanzmarkt 20
3.4 Gründe für Nutzenunterschiede 20
3.4.1 Unternehmensgröße 20
3.4.2 Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern 21
3.4.3 Branchenunterschiede 22
I
4. Kosten und Probleme der Nachhaltigkeitsberichterstattung 24
4.1 Diskrepanz zwischen Stakeholdererwartung und Berichterstattung. 24
4.1.1 Mangelnde Übereinstimmung. 24
4.1.2 Problem der begrifflichen Unbestimmtheit 25
4.1.3 Problem der Bereitstellung privater Informationen 26
4.1.4 Personeller, zeitlicher und finanzieller Aufwand. 27
4.2 Fehlende Glaubwürdigkeit 27
4.2.1 Problem der Nichtverifizierbarkeit der bereitgestellten Informationen und
fehlenden Haftung. 28
4.2.2 Problem der selektiven und verzerrenden Berichterstattung 29
4.2.3 Fehlende Standardisierung. 31
5. Global Reporting Initiative (GRI) 32
5.1 Entwicklung der GRI 32
5.2 GRI Reporting Framework. 33
5.2.1 Erster Teil: Bestimmung des Berichtsinhaltes, der Qualität und der
Berichtsgrenzen. 34
5.2.1.1 Der Berichtsinhalt. 34
5.2.1.2 Bestimmung der Berichtsgrenzen (boundary setting) 37
5.2.2 Zweiter Teil: Standardangaben (standard disclosures) 37
5.2.2.1 Ökonomische Indikatoren. 38
5.2.2.2 Ökologische Indikatoren. 39
5.2.2.3 Soziale/gesellschaftliche Indikatoren 39
5.3 Beurteilung der Leistungsindikatoren 40
5.4 Nutzen und Probleme der Berichterstattung nach den GRI-Leitlinien 42
5.5 Lösungsmöglichkeiten 44
5.5.1 Externe Verifizierung. 44
5.5.2 Verpflichtende Berichterstattung 46
5.5.3 Einführung der Haftung 47
6. Fazit und Ausblick 49
Literaturverzeichnis. IV
II
Abkürzungsverzeichnis
BB.................. Betriebs Berater (Zeitschrift)
BfuP............... Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis (Zeitschrift)
CERES .......... Coalition for Environmentally Responsible Economics
c.p. ................. ceteris paribus (unter sonst gleichen Bedingungen)
CSR ............... Corporate Social Responsibility
e. V. ............... eingetragener Verein
EMAS............ Eco-Management and Audit Scheme
FAZ ............... Frankfurter Allgemeine Zeitung
G 3 ................. Dritte Generation der Leitlinien
GRI ................ Global Reporting Initiative
HGB .............. Handelsgesetzbuch
IAS ............... International Accounting Standard
IASB.............. International Accounting Standards Board
IASE .............. International Standard for Assurance Engagements
IÖW............... Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
IWÖ............... Institut für Wirtschaft und Ökologie
imug............... Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft
KGaA ............ Kommanditgesellschaft auf Aktien
KMU.............. kleine und mittlere Unternehmen
NGO .............. non-governmental organization (Nicht-Regierungsorganisation)
o. V. ............... ohne Verfasser
UNECD ......... UN-Conference on Ecology and Development
UNEP ............ United Nations Environment Programme
URL............... Uniform Resource Locator
v..................... vom
Vgl................. Vergleiche
WBCSD......... World Business Council for Sustainable Development
WCED ........... World Commission on Environment and Development
z. B. ............... zum Beispiel
III
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
Umweltgefährdung, Kinderarbeit und Ausbeutung von Arbeitskräften - kein Kunde, Investor oder Mitarbeiter eines Unternehmens möchte daran beteiligt sein und kein Unternehmen damit in Verbindung gebracht werden. In einer Welt, in der die Ressourcen zunehmend knapper werden, kann es sich kein Unternehmen auf Dauer leisten, seinen Unternehmenserfolg nur an finanziellen Größen auszurichten. Medien decken Missstände in kürzester Zeit auf und viele Unternehmen mussten schmerzlich erfahren, wie teuer öffentlicher Druck werden kann. 1995 wollte der Mineralölkonzern Shell die Ölplattform Brent Spar in der Nordsee versenken; erst nach dem Widerstand von Greenpeace und öffentlicher Kritik entschied man sich für die umweltfreundlichere Demontage an Land, die rund 41 Millionen Pfund kostete. Der Umsatz von Shell brach zwischenzeitlich um bis zu 50 % ein. 1 Heute berichtet Shell ausführlich über sein soziales, ökologisches und ethisches Engagement. 2
Durch die Unternehmensskandale um Enron und Worldcom stellt die Öffentlichkeit einerseits immer höhere Erwartungen an die Unternehmen, zugleich ist das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Unternehmen gesunken. Darüber hinaus werden Unternehmen vermehrt als Verursacher von Klimaproblemen gesehen. Eine mangelnde Kommunikation birgt daher ein immer größer werdendes finanzielles Risiko.
„Legal developments, consumer requirements, technological innovation, and NGO activism are
increasingly geared towards sustainability guidelines and the triple-bottom line of economic, social
and ecological assessment, measurement, and reporting criteria, rather than traditional, more
unidimensional financial reporting standards.“ 3
Um den gewachsenen Informationsbedürfnissen der Anspruchsgruppen eines Unternehmens noch besser zu entsprechen, erweiterte der deutsche Gesetzgeber die Lageberichterstattung am Ende des Jahres 2004 durch das Bilanzrechtsreformgesetz. Seit 2005 müssen nun große Kapitalgesellschaften auch nicht finanzielle Leistungsindikatoren im Lagebericht darstellen (§§ 298, 315 HGB). Ob diese Forderung jedoch ausreicht, die langfristige Stabilität und das Potential des Unternehmens darzustellen, ist jedoch fraglich. Denn nur ein langfristig stabiles Unternehmen kann auch den Ansprüchen seiner Stakeholder genügen. Eine internationale Entwicklung, die diesen Ansprüchen gerecht zu werden versucht, stellt die Nachhaltigkeitsbe------------------------- 1 Vgl. Krägenow, T., Greenpeace, 1998, S. 40.
2 Shell landete bei der Stakeholderbefragung von Pleon Kothes Klewes (2005) zur Nachhaltigkeitsberichter-
stattung auf Platz 1.
3 Waddock, S., Accountability, 2004, S. 314.
1
richterstattung dar. Sie ist ein freiwilliges 4 Instrument der Unternehmenskommunikation und soll - als Ergänzung der traditionellen Berichterstattung - möglichst objektiv die ökonomischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen des unternehmerischen Handelns vermitteln. Fast alle großen multinationalen Unternehmen dokumentieren mittlerweile, wie verantwortungsbewusst sie mit ihrer Umwelt, Mitarbeitern und Geschäftspartnern umgehen. Dabei muss sich jedoch jedes Unternehmen fragen, wie das Verhältnis zwischen Kosten und entstehendem Nutzen der Nachhaltigkeitsberichterstattung ausfällt. Grundsätzlich werden Unternehmen nur dann über Nachhaltigkeit berichten, wenn sie sich einen positiven Nettonutzen davon versprechen. Ein Nachhaltigkeitsbericht kann nur sinnvoll sein, wenn er der Wahrheit entspricht und die Anspruchsgruppen ihn als glaubwürdig und nützlich für ihre Entscheidungssituation erachten.
Diese Arbeit diskutiert die Bedeutung eines Nachhaltigkeitsberichts für Unternehmen und seine Anspruchsgruppen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Darstellung des Nutzenpotentials, der Schwächen (Kosten) und den Verbesserungsmöglichkeiten der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
1.2 Aufbau der Arbeit
Ziel der Arbeit ist es, den Nutzen der Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen und ihre Stakeholder darzustellen und zu klären, inwieweit die Berichterstattung über Nachhaltigkeit ein sinnvolles, nutzensteigerndes Instrument ist. Nach einer Definition der zentralen Begriffe in Kapitel 2 beschäftigt sich Kapitel 3 mit den Zielen der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dies umfasst die Beschreibung der Zielgruppen und die Motive sowie des Nutzenpotentials eines Nachhaltigkeitsberichts. In Kapitel 4 wird auf die Probleme der Nachhaltigkeitsberichterstattung eingegangen, die hauptsächlich auf mangelnde Übereinstimmung mit den Erwartungen der Stakeholder und fehlende Glaubwürdigkeit der Berichte zurückzuführen sind. Diese Probleme verursachen Kosten, die das Unternehmen durch einen standardisierten Bericht zu minimieren versucht. In Kapitel 5 wird zunächst dargestellt wie ein solcher standardisierter Bericht anhand der Leitlinien der Global Reporting Initiative aufgebaut sein kann, und anschließend diskutiert wie diese Leitlinien zu einer Verbesserung der Berichterstattung und Behebung der Probleme beitragen. Ebenso werden weitere zukünftige Möglichkeiten der Verbesserung der Nachhaltigkeitsberichterstattung aufgegriffen und erläutert. Die Arbeit endet mit einem Fazit. ------------------------ 4 Bis zum jetzigen Zeitpunkt existiert noch keine Verpflichtung zur Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts,
wenngleich die Gesetzgeber verschiedener Länder zunehmend verpflichtende Berichterstattungselemente
einführen.
2
2. Grundlagen der Nachhaltigkeitsberichterstattung
2.1 Der Begriff der Nachhaltigkeit
Der Begriff der Nachhaltigkeit (sustainability) hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Erstmals wurde er von Hans Carl von Carlowitz (1713) verwendet. Carlowitz erkannte, dass in Anbetracht eines zunehmend knapper werdenden Waldbestandes immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie nachwachsen kann, um langfristig keine Engpässe und Nutzeneinbußen zu erleiden. 5
Die heute am häufigsten verwendete Definition von „nachhaltiger Entwicklung“ (sustainable development) stammt von Lester Brown, dem Gründer des Worldwatch Institute 6 . Sie wurde in dem Bericht „Our Common Future“ von der World Commission on Environment and Development (WCED), auch bekannt als die Brundtland-Kommission, aufgegriffen und ist der Idee von Carlowitz sehr ähnlich. „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“ 7
Auch die Agenda 21 8 , ein im Jahr 1992 von 179 Staaten auf der UNECD-Konferenz in Rio de Janeiro beschlossenes Aktionsprogramm, strebt eine nachhaltige Entwicklung im Rahmen von Wirtschafts-, Umwelt- und Entwicklungspolitik an. Dabei sollen entsprechend der Nachhaltigkeitsdefinition heutige Bedürfnisse befriedigt werden, ohne zukünftige Generationen dadurch zu beeinträchtigen. Der Leitfaden der Agenda 21 ist in erster Linie an internationale Organisationen und Regierungen gerichtet.
Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung werden in unserem modernen Verständnis oft synonym gebraucht. Nachhaltigkeit umfasst dabei nicht nur den ökologischen Aspekt, sondern hat auch eine soziale und ökonomische Dimension. 9
2.1.1 Die drei Dimensionen: Ökonomie, Ökologie und Soziales
In der Vergangenheit war das primäre Ziel der meisten Unternehmen, mehr Geldkapital zu erwirtschaften. Die Orientierung am Shareholder Value stand im Vordergrund. Diese Vorgehensweise übersieht jedoch, dass es auch andere Formen von Kapital gibt, die zur Profiterzielung beitragen, aber gewöhnlich nicht als buchhalterische Größe auftauchen. „Sozialkapital“
------------------------ 5 Vgl. Carlowitz, H. C. v., Sylvicultura oeconomica, 1713, S. 105-106.
6 Das Worldwatch Institute ist eine unabhängige Forschungseinrichtung, die sich mit Fragen zur Nachhaltig-
keit auseinandersetzt. Für nähere Informationen: Worldwatch Institute, independent research.
7 Vgl. World Commission on Environment and Development (WCED), Brundtland, 1987, S. 43.
8 Für nähere Informationen: Agenda 21, Agenda, 1992.
9 Vgl. Clausen, J. et al., Nachhaltigkeitsbericht, 2001, S.7.
3
und „Umweltkapital“ generieren in gleicher Weise einen Unternehmenswert wie das Geldkapital. Die Forderung nach Nachhaltigkeit bedeutet für Unternehmen, dass sie in allen drei Dimensionen (Ökonomie, Ökologie und Soziales) erfolgreich sein müssen. Im angelsächsischen Raum bezeichnet man diese drei Dimensionen auch als „triple bottom line“. 10 Die erste Säule der Nachhaltigkeit, der ökonomische Bereich, umfasst Profitabilität, Löhne, Gewinne und Ausgaben im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Es handelt sich also nicht ausschließlich um finanzielle Informationen, sondern um den Zusammenhang zu ökologischen und sozialen Aspekten. Die zweite Säule, die Dimension der Ökologie, umfasst alle Umwelteinflüsse des Unternehmens wie Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Landnutzung und Biodiversität. Die dritte Säule, das Soziale, beschäftigt sich mit dem Arbeitsumfeld der Mitarbeiter, deren Sicherheit, Arbeitspraktiken und Menschenrechten. 11
Jede Organisation, die sich dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben hat, sollte diese drei Dimensionen nicht einseitig betrachten, sondern sie in einer angemessenen Balance fördern und Wechselwirkungen zwischen ihnen erkennen. Denn auch der Umweltschutz hat eine soziale Komponente, da sich viele Umweltprobleme auf den sozialen Bereich auswirken (Klimaschutz, Müllproblem). Dabei wird sich oft eine Trade-off-Situation ergeben, die es nicht zulässt, alle drei Ziele in gleicher Weise zu berücksichtigen. Denn selbst wenn Wirtschaften heute mehr als reine Profitmaximierung ist, so darf man nicht vergessen, dass soziale und ökologische Faktoren nur dann von Organisationen berücksichtigt werden, wenn sie einen wirtschaftlichen Nutzen generieren. 12 In den meisten Fällen wird sich ein Unternehmen im Konfliktfall zwischen den einzelnen Dimensionen für die ökonomische entscheiden. Denn ohne Gewinne kann sich kein Unternehmen lange Zeit am Markt behaupten.
2.1.2 Unternehmen und Nachhaltigkeit
Nach der Veröffentlichung des Brundtland-Berichts in 1987, der die Unternehmen für die nachhaltige Entwicklung klar mit in die Verantwortung zieht, haben viele Unternehmen erkannt, dass sie ihren wirtschaftlichen Erfolg langfristig nicht mehr ausschließlich auf finanzielle Faktoren stützen können. 13 Seitdem überdenken Unternehmen zunehmend den Umgang mit Ressourcen und nehmen Rücksicht auf ihr soziales Umfeld. Darüber hinaus erkennen sie, dass die Investition in die Nachhaltigkeit - beispielsweise durch Entwicklung neuer Techno------------------------ 10 Quick, R./Knocinski, M., Empirie, 2006, S. 616.
11 Vgl. Heemskerk, B./Pistorio, P./Scicluna, M., Balance, 2002, S. 7.
12 Vgl. Moneva, J. M./Archel, P./Correa, C., Unsustainability, 2006, S. 132.
13 Vgl. ebenda, S. 121f.
4
logien und Produktionsverfahren - eine Chance ist, die ihnen im Wettbewerb mit Konkurrenten von Nutzen sein kann. 14
Die Beweggründe der Unternehmen für ein verstärktes Engagement in die Nachhaltigkeit sind vielfältig. Nach einer KPMG-Studie von 2005, in der mehr als 1.600 Unternehmen weltweit untersucht wurden, erklärten 74 % der befragten Unternehmen, dass ihre Bemühung um Nachhaltigkeit ökonomische Gründe habe. Dabei gehe es in erster Linie um die Erhöhung des Shareholder Value oder die Vergrößerung des Marktanteils. An zweiter Stelle der Befragung tauchten ethische Gründe mit 53 % auf. 50 % der Unternehmen gaben aber auch an, dass sie sich durch die Integrierung des Nachhaltigkeitsgedankens eine Förderung der Innovationen und eine Risikominimierung erhoffen. Mitarbeitermotivation, Reputation und verbesserte Kontakte zu Zulieferern wurden als weitere relevante Aspekte benannt. 15 Die Art der Investitionen in die Nachhaltigkeit variiert zwischen den Unternehmen. Die jeweilige Branche, Unternehmensgeschichte und -strategie, aber auch der Unternehmensstand-ort und die Einbettung des Unternehmens in das soziale und kulturelle Umfeld spielen dabei eine Rolle. Bei der Ausarbeitung der jeweiligen Schwerpunkte und Potentiale tun sich viele Unternehmen noch schwer. Das liegt insbesondere daran, dass der Nutzen durch eine nachhaltige Wirtschaftsweise schwer messbar ist. Die Verschiedenheit der einzelnen Herangehensweisen zeigt, dass hier noch Entwicklungspotential besteht. 16 So positiv jedwedes Nachhaltigkeitsengagement der Unternehmen auch zu bewerten ist, so sollte jedoch nicht vergessen werden, dass Gewinnmaximierung für jedes Unternehmen ein übergeordnetes Ziel darstellt. Kein Unternehmen wird sich für Nachhaltigkeit interessieren, wenn es sich nicht einen Nutzen daraus verspricht oder die Kosten dafür so immens sind, dass es den Bestand des Unternehmens gefährdet.
2.2 Von der Umwelt- zur Nachhaltigkeitsberichterstattung
Die nichtfinanzielle Berichterstattung wurde in den 90er Jahren von der reinen Umweltberichterstattung dominiert. 17 Insbesondere in Europa leistete die von der Europäischen Union entwickelte EG-Öko-Audit-Verordnung 18 , auch bekannt als Eco-Management and Audit Scheme (EMAS), dazu einen großen Beitrag.
------------------------ 14 Vgl. Moneva, J. M./Archel, P./Correa, C., Unsustainability, 2006, S. 123.
15 Vgl. KPMG, Survey, 2005, S. 18.
16 Vgl. Haller, A./Ernstberger, J., Leitlinien, 2006, S. 2517
17 Vgl. KPMG, Survey, 2005, S. 7.
18 Für weitere Informationen: EG-Öko-Audit-Verordnung, EMAS.
5
Im Zuge der fortschreitenden Internationalisierung und der Ausweitung weltweiter Kapitalmärkte und Informationstechnologien agieren immer mehr Unternehmen innerhalb der verschiedensten Länder und müssen mit den Regierungen und den jeweiligen Gesellschaften kooperieren und auf sie eingehen. Immer neue Möglichkeiten der Erzeugung von Wohlstand und Lebensqualität durch Handel, Wissensteilung und den Zugang zu neuen Technologien eröffnen sich. Doch viele dieser neuen Möglichkeiten sind nicht auf ewig für eine stetig wachsende Bevölkerung vorhanden und werden durch unsichere Umweltbedingungen beeinträchtigt. Daraus folgt eine immer stärker werdende Forderung nach mehr Verantwortung der Unternehmen gegenüber ihrer Umwelt. „Besonders große, multinationale Unternehmen gehen immer häufiger dazu über, anstelle von getrennten Sozial- und Umweltberichten einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.“ 19 So spielen auch die Arbeitnehmerrechte an ausländischen Standorten oder auch die Zuliefererketten für die Reputation eines Unternehmens eine Rolle. Multinationale Unternehmen wie beispielsweise DaimlerChrysler, Adidas Salomon oder Nestlé 20 agieren weltweit und haben gelernt, auch die Bedürfnisse fremder Kulturen zu berücksichtigen. Gerade in weniger entwickelten Ländern liegen die Prioritäten der Anspruchsgruppen in erster Linie auf sozialen Themen. 21
Auch die durch Outsourcing in den 80er und 90er Jahren neu entstandenen Geschäftsverflechtungen in Form von längeren Zulieferketten, die oft bis in die Entwicklungsländer reichen, werden von ethisch und umweltorientierten Gruppen kritisch betrachtet und haben das Problem der Berichterstattung erweitert. Die Einbeziehung der Zulieferer in den Bericht ist seitdem unerlässlich geworden. 22
Die Berichterstattung über die drei Dimensionen stellt die Unternehmen einerseits vor eine größere Herausforderung, birgt jedoch andererseits die Chance für neue Möglichkeiten der Weiterentwicklung.
In der Literatur gibt es für die Nachhaltigkeitsberichterstattung unterschiedliche Begriffe, wie z. B Non-financial Reporting, Sustainability Reporting, Corporate Social Responsibility Reporting oder Triple Bottom Line Reporting. „Sustainability Reporting is a broad term considered synonymous with others used to describe reporting on economic, environmental, and social impacts.“ 23
------------------------ 19 Vgl. Raupach, M./Clausen, J., Nachhaltigkeitsberichterstattung, 2001, S. 26f.
20 Gerade Nestlé erlitt aufgrund zu hoher Preise für Milchpulverprodukte in Entwicklungsländern einen hohen
Imageschaden. Nestlé wurde von Nicht-Regierungsorganisationen für den Tod von Säuglingen, aufgrund
von Unterernährung, verantwortlich gemacht.
21 Vgl. Pleon Kothes Klewes, Stakeholderbefragung, 2005, S. 53.
22 Vgl. Rivoli, P., Labour, 2003, S. 224f.
23 Global Reporting Initiative, Guidelines, 2006, S. 3.
6
Die folgenden Ausführungen befassen sich mit der Berichterstattung über die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales ganz unabhängig davon, mit welchen Begriffen sie umschrieben werden.
2.3 Darstellungsformen von Nachhaltigkeitsberichten
Die Art der Bereitstellung von Informationen über Nachhaltigkeit variiert zwischen den Unternehmen. Manche Unternehmen integrieren den Nachhaltigkeitsbericht in den Geschäftsbericht, andere veröffentlichen einen separaten Bericht. Auch wenn die Integrierung in den Geschäftsbericht gewisse Vorteile in Bezug auf die Erreichung der Stakeholder bietet, geht der allgemeine von multinationalen Unternehmen vorgegebene Trend in Richtung eines separaten Nachhaltigkeitsberichts.
In einer Stakeholderbefragung von Pleon Kothes Klewes 24 sprach sich die Mehrheit der Befragten für einen gedruckten Bericht aus, wobei eine Onlineversion zum ausdrucken, bevorzugt wird. Eine gezielte Kombination aus Printbericht und weiteren Informationen im Internet erscheint dabei ideal, da so weiterführende Informationen bereitgestellt werden können, ohne dass der Bericht an sich zu umfangreich wird. 25 Das Unternehmen Henkel ist im Bereich der Präsentation der Nachhaltigkeitsinformationen bereits weit fortgeschritten und präsentiert eine gesonderte eigene Internetseite, die ergänzende Informationen zum Nachhaltigkeitsbericht bereitstellt. 26 So können sich die Leser bei Interesse genauer über einzelne Aspekte informieren.
In Bezug auf die Häufigkeit der Berichterstattung experimentieren die Unternehmen noch. Die meisten Unternehmen erstellen jedoch jährlich oder alle zwei Jahre einen Nachhaltigkeitsbericht. 27
------------------------ 24 Vgl. Pleon Kothes Klewes, Stakeholderbefragung, 2005, S. 64.
25 Vgl. Loew, T./Clausen, J./Westermann, U., Ranking, 2005, S. 29.
26 Für nähere Informationen: Henkel, Nachhaltigkeit.
27 Viele Unternehmen stellen ihr Nachhaltigkeitsengagement auf eigenen Internetseiten dar und bieten die
Nachhaltigkeitsberichte zum Download an.
7
3. Motive und Nutzen der Nachhaltigkeitsberichterstattung
3.1 Zielgruppen der Nachhaltigkeitsberichterstattung
Die Beziehungen zu Kunden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Interessengruppen sind ein Teil des immateriellen Vermögens und haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Wert des Unternehmens. 28
Durch einen Nachhaltigkeitsbericht kann ein Unternehmen kommunizieren, inwieweit es der von der Gesellschaft zugeschriebenen Verantwortung gerecht wird. Dabei ist es von großer Bedeutung, dass das Unternehmen seine Adressaten kennt und die publizierten Informationen für die einzelnen Anspruchsgruppen (Stakeholder) auch relevant sind. Stakeholder eines Unternehmens sind diejenigen Gruppen, die direkt oder indirekt von den Aktivitäten des Unternehmens betroffen sind. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter, Zulieferer, Nicht-Regierungsorganisationen (non-governmental organizations), Geschäftspartner, Investoren und viele von Unternehmen zu Unternehmen verschiedene Personengruppen. 29 Vor der Erstellung eines Berichts sollte sich jedes Unternehmen zunächst fragen, welche Interessen es bedienen möchte, denn nur so kann der Bericht auf die jeweiligen Informationsbedürfnisse abgestimmt werden. 30 Mit Hilfe eines offenen Dialoges und durch die Einbeziehung der Meinung der Anspruchsgruppen in den Bericht wird es dem Unternehmen erleichtert, die relevanten Personengruppen zu finden. Anspruchsgruppen sind relevant für ein Unternehmen, „if they supply essential resources which cannot be replaced or replaced only at high cost.“ 31
3.1.1 Shareholder und andere Finanzmarktakteure
Unternehmen suchen zunehmend neue Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung. Parallel werden Informationen über unternehmerisches Nachhaltigkeitsengagement an den Finanzmärkten immer mehr nachgefragt. Durch die Nachhaltigkeitsberichterstattung erhoffen sich Unternehmen eine Erhöhung des Unternehmenswertes und eine erhöhte Attraktivität für Investoren und Anleger. 32
Gerade langfristig orientierten Anlegern kommt ein Nachhaltigkeitsbericht zugute, da er auf das zukünftige Potential des Unternehmens abzielt. Für Anleger bedeutet die Investition in ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen eine „doppelte Dividende“ 33 : Sie erzielen Gewinne
------------------------ 28 Vgl. Zollinger, P., Führungsinstrument, 2000, S. 67.
29 Vgl. KPMG, Survey, 2005, S. 21.
30 Vgl. Clausen, J. et al., Nachhaltigkeitsbericht, 2001, S. 13.
31 Schaltegger, S. Information, 1997, S. 88.
32 Vgl. Heemskerk, B./Pistorio, P./Scicluna, M., Balance, 2002, S. 19f.
33 Schmitt, T. Dividende, 2006, S. 59.
8
Arbeit zitieren:
Rosita Kraus, 2007, Ist Berichterstattung über Nachhaltigkeit sinnvoll? - Eine Nutzen- und Kostenanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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