Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Diskursbegriff. 4
3. Der Begriff politischer Diskurse bei Donati. 6
3.1 Akteure und Orte politischer Diskurse bei Donati 7
3.2 frames’ und Deutungsrahmen bei Donati 8
3.3 Die Metapher bei Donati 10
3.4 Konstruktion politischer Wirklichkeit bei Donati 12
3.5 Zwischenfazit. 13
4. Der Begriff der „Metapher“ in der Politikwissenschaft 15
4.1 Charakteristika der politischen Metapher. 15
4.2 Funktionen der politischen Metapher 17
4.3 Zwischenfazit. 19
5. Diskurs als soziologisches Konzept nach Schwab-Trapp 21
5.1 Akteure und Orte der Diskursproduktion bei Schwab-Trapp. 21
5.1.1 Diskursive Formationen / Diskursformationen 21
5.1.2 Diskursfelder / Arenen. 22
5.1.3 Diskursive Gemeinschaften. 23
5.1.4 Diskursive Eliten 24
5.2 „Diskursive Strategien“ nach Schwab-Trapp 25
6. Fazit 27
7. Literaturverzeichnis 29
2
1. Einleitung
Diese Arbeit befasst sich mit den Ansätzen „Rahmenanlyse politischer Diskurse“ Paolo R. Doantis und „Diskurs als soziologisches Konzept“ Michael Schwab-Trapps. Zu Beginn soll der Begriff des Diskurses eine kurze theoretische Einordnung in die Thematik bieten.
Im dritten Kapitel soll dieser weit gefasste Begriff durch Donatis Begriff des Diskurses konkretisiert werden. In diesem Kapitel wird anschließend auf Akteure und Orte politischer Diskurse bei Donatis eingegangen, um seine Thesen genauer zu beleuchten. Dies wird durch die Darstellung der ‚frames’ und Deutungsrahmen bei Donati und der Metapher bei Donati in den folgenden Unterpunkten vertieft. Schließlich werden diese Annahmen durch die Beschreibung der Konstruktion politischer Wirklichkeit Donatis vervollständigt. Mit einem Zwischenfazit schließt dieses Kapitel ab.
Da die Metapher bei Donatis Rahmenanalyse politischer Diskurse eine zentrale Rolle spielt soll diese im vierten Kapitel näher beleuchtet werden. Es werden sowohl Merkmale, als auch Funktionen dieser Form der Metapher behandelt.
Im fünften Kapitel wird der „Diskurs als soziologisches Konzept“ nach Schwab-Trapp vorgestellt. Dabei werden Orte und Akteure, sowie diskursive Strategien näher beleuchtet.
In einem Fazit soll schließlich die Frage beantwortet werden, inwiefern sich die beiden untersuchten Ansätze widersprechen und unterscheiden oder sogar ergänzen.
3
2. Der Diskursbegriff
Der Begriff des Diskurses kann sich auf zwei unterschiedliche Objekte beziehen. Zum einen kann damit eine konkrete dialogische Gesprächssituation gemeint sein. Zum anderen kann der Diskurs aber auch eine Menge von Texten bezeichnen, die bestimmten Kriterien unterliegt.
Der Diskursbegriff, der im Folgenden auftaucht, ist der zweiten Kategorie zuzuordnen. Er steht in Zusammenhang mit Intertextualität und ist somit über eine konkrete Gesprächssituation hinaus erweitert. Demzufolge wird der Diskurs „als eine Menge von inhaltlich zusammengehörenden Texten oder Äußerungen, die nicht in einer realen Gesprächssituation verknüpft sind, sondern ein intertextuelles „Gespräch“ in einer Gemeinschaft bilden“ 1 verstanden.
Innerhalb der Politikwissenschaft kann zwischen mindestens drei verschiedenen Diskursbegriffen unterschieden werden.
Der erste Diskursbegriff ist an die „Diskusethik“ Habermas’ angelehnt. Der Fokus richtet sich hier auf die verwendeten Argumentationslogiken in politischen Debatten. Dabei wird der Diskurs als eine „öffentliche Debatte [verstanden], in der ethische Regeln gelten sollen.“ 2
Die zweite Verwendung des Diskursbegriffs orientiert sich eher an einer „sozialkonstruktivistischen“ Perspektive. Dabei richtet sich der Fokus hauptsächlich auf „Ideen und Wertorientierungen oder andere Formen der Sinnproduktion im politischen Prozess“. 3 Der Diskurs selbst kann bei dieser Perspektive sowohl eine öffentliche Debatte im Sinne der „Diskursethik“, aber auch eine „(öffentliche) Gesprächssituation“ 4 bezeichnen.
1 Petraskaite-Pabst (2006): 7
2 Kerchner/Schneider (2006): 9
3 Kerchner/Schneider (2006): 9
4 Kerchner/Schneider (2006): 10
4
Der dritte Diskursbegriff innerhalb der Politikwissenschaft wird auf Foucault bezogen verwendet. 5 Dabei liegt der Schwerpunkt der möglichen Fragestellungen auf der historischen Perspektive auf politische Ereignisse und Entwicklungen. Der Diskurs wird hier als „Menge von Aussagen, die einem Formationssystem angehören“ 6 verstanden. Der „Diskurs als soziologisches Konzept“ 7 von Schwab-Trapp kann zunächst dem zweiten Diskursbegriff zugeordnet werden, da Diskurse, die einen eigenen Untersuchungsgegenstand bilden, aus soziologischer Perspektive beleuchtet werden. Dabei stehen konkurrierende Deutungsangebote, als Ergebnis der „öffentlichen und konfliktuellen Produktion von Diskursen“ 8 , im Zentrum des Interesses. Es wird danach gefragt, wie diese Deutungsangebote „soziales und politisches Handeln zugleich anleiten und legitimieren.“ 9
Auch die von Donati beschriebene „Rahmenanalyse politischer Diskurse“ kann dem zweiten Diskursverständnis zugeordnet werden, da sich hierbei der Fokus auf politische Ideen und Ideologien richtet. Die Frage wie politische oder soziale Realität konstruiert wird, bzw. wie dies durch die Rahmenanalyse erfasst werden könnte, steht im Zentrum dieser Analyse.
Dennoch greifen beide Typen der Diskursanalyse auch auf den Diskursbegriff Foucaults zurück. Dabei ist das von Foucault beschriebene Zusammenwirken von Diskurs und Macht, sowie die Konkurrenz verschiedener „Deutungsangebote“ 10 von grundlegender Bedeutung.
Es wird im Rahmen dieser Arbeit darauf verzichtet die theoretischen Grundlagen der Konzepte von Schwab-Trapp und Donati zu beleuchten. Stattdessen stehen die Konzepte selbst im Vordergrund. Daher soll im folgenden Kapitel detailliert auf grundlegende Thesen Donatis eingegangen werden.
5 vgl.: Kerchner/Schneider (2006): 10
6 Foucault zitiert nach: Kerchner/Schneider (2006): 10
7 Schwab-Trapp (2001): 261
8 Schwab-Trapp (2001): 266
9 Schwab-Trapp (2001): 266
10 Schwab-Trapp (2001): 263
5
3. Der Begriff politischer Diskurse bei Donati
Dieses Kapitel hat zentrale Grundannahmen Donatis zur Rahmenanalyse politischer Diskurse zum Inhalt. Es soll klar werden, in welchem Zusammenhang der Faktor Kultur mit dem Begriff der Metapher verwendet wird und welche Bedeutung dieser für die Konstruktion politischer Ideologien hat.
Zunächst betont Donati den Faktor „Kultur“ als grundlegendes Element bei der „Mobilisierung von Interessen und der Genese wechselseitiger Bindungen und Solidaritäten“ 11 . Das heißt, dass jeder Leser oder Rezipient einen bestimmten kulturellen, sozialen und individuellen Horizont hat, vor dem sich eine Bedeutungszuweisung der wahrgenommenen Elemente der Wirklichkeit vollzieht. Der Diskurs selbst wird metaphorisch aufgefasst, indem er über die konkrete dialogische Gesprächssituation hinausgehend „auf alle Formen sozialen Dialogs, wie er innerhalb und zwischen Individuen und sozialen Gruppen, Organisationen und den politischen Institutionen im Besonderen stattfindet“ 12 verweist. Innerhalb eines Diskurses kann es mehrere Sprecher geben, die nicht notwendig direkt sprachlich aufeinander Bezug nehmen müssen und die eine bestimmte Gruppe von Akteuren oder Positionen und Ideen repräsentieren: „Aus dieser Perspektive erscheint der Diskurs als Form von Rede (talk), in
der Sprecher »in ihrer Funktion als Stellvertreter einer Gruppe oder von
Institutionen, die wiederum Teil der Kontroverse sind, auftreten«“. 13
Da der politische Diskurs ideelle Elemente, der durch die Akteure gestalteten Wirklichkeit, beinhaltet, setzt Donati diesen mit politischer Ideologie gleich. Durch diesen Zusammenhang von Akteuren, der Deutung und Gestaltung der Wirklichkeit durch ideelle Elemente und „der Aushandlung und Konstruktion der Realität durch
11 Donati (2001): 146
12 Donati (2001): 147
13 Donati (2001): 147
6
diskursive Mittel“ 14 sind Kultur und Ideologie nicht als statische Konstruktionen zu betrachten, sondern durch die Akteure wandelbar.
In diesem Punkt liegt das Forschungsinteresse der Diskursanalyse. Sie richtet ihren „intentionalen Fokus auf den Gebrauch und die Manipulation diskursiver Mittel […]“ 15 . Um die Thesen Donati’s näher zu beleuchten, sollen im nächsten Unterpunkt wesentliche Merkmale der Rahmenanalyse politischer Diskurse vorgestellt werden.
3.1 Akteure und Orte politischer Diskurse bei Donati
Da es die Deutungsrahmen sind, die die Wahrnehmung politischer Wirklichkeit formen, liegt das Interesse der Rahmenanalyse politischer Diskurse „in der Art und Weise, wie die politische Realität durch Diskurse `definiert’ (framed) wird, in diesem Sinne auch, wie soziale Akteure sie verstehen.“ 16
Nachdem die Wahrnehmung und Definition der Realität durch die kulturelle Prägung der Akteure vorstrukturiert ist, können verschiedene Deutungen, also auch verschiedene ‚frames’, eines „ideellen Konstrukte[s]“ 17 in Frage kommen. Die „Rekonstruktion von Deutungsrahmen“ 18 , der an den Diskursen beteiligten Akteuren, ist somit die Hauptaufgabe der Rahmenanalyse politischer Diskurse.
Es besteht also ein soziales oder politisches Problem, gleichbedeutend mit einem Thema, das als Objekt von Diskursen umgeben ist. Somit wird von den Akteuren „nicht das Problem selbst, sondern in der Regel ein ‚Objekt’, um das herum ein themenbezogener Diskurs entsteht“ definiert. 19
Bei der Auseinandersetzung mit einem Diskurs, stehen also mehrere ‚Objekte’ nebeneinander und zum Teil in Konkurrenz zueinander.
14 Donati (2001): 148
15 Donati (2001): 148
16 Donati (2001): 152
17 Donati (2001): 152
18 Donati (2001): 152
19 Donati (2001): 153
7
Die Akteure, die diese Objekte definieren, können als „Stimmen“ 20 gesehen werden, die ihrerseits Texte produzieren, aus denen sich ein Diskurs zusammensetzt. Diese Stimmen müssen nicht direkt miteinander in Beziehung stehen und können aus unterschiedlichen „sozialen Settings“ 21 kommen. Sie selbst bestimmten aber nicht die Analyseeinheiten der Rahmenanalyse politischer Diskurse. Sondern die von diesen ‚Stimmen’ produzierten Texte stellen die Analyseeinheit dar. 22 Ein ‚Text’ wird als „Sprechhandlung“ 23 aufgefasst und kann in diesem Zusammenhang in geschriebener oder auch gesprochener Form vorliegen. Die Rahmenanalyse zielt darauf ab, eine „Argumentationsstruktur“ 24 eines Textes zu finden, die es erlaubt auf einen Deutungsrahmen, der das Thema definiert, zu schließen.
Daher soll im nächsten Unterpunkt die Bedeutung der ‚frames’ oder Deutungsrahmen bei Donati genauer beleuchtet werden.
3.2 ‚frames’ und Deutungsrahmen bei Donati
Das Konzept, das Donati vorschlägt, um den kulturellen Faktor des Diskurses und der Akteure zu organisieren, sind die ‚frames’. Demnach steht jedes Element eines Textes im Kontext einer „komplexen Gesamtheit“, deren „geeignete Definition“ erst eine „sinnhaft verstehbare Bedeutung“ ermöglicht. 25
Das bedeutet, dass alles Wahrnehmbare bekannten „Typologien“ zugeordnet werden kann, und die Bedeutungszuschreibung mittels eines „Deutungsmusters“ 26 vollzogen wird. Daraus kann geschlossen werden, dass ein bestimmtes Hintergrundwissen des Rezipienten vorhanden sein muss, um Daten wahrnehmen und auch verstehen zu können. Donati beschreibt drei Merkmale von ‚frames’ oder Deutungsmuster.
20 Donati (2001): 153
21 Donati (2001): 153
22 vgl.: Donati (2001): 154
23 Donati (2001): 154
24 Donati (2001): 155
25 vgl.: Donati (2001): 149
26 Donati (2001): 149
8
Arbeit zitieren:
Alice Temberski, 2006, Methoden der Diskursanalyse im Vergleich: Paolo R. Donati, Rahmenanalyse politischer Diskurse und Michael Schwab-Trapp, Diskurs als soziologisches Konzept, München, GRIN Verlag GmbH
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