Justus-Liebig-Universität Gießen, Wintersemester 2005/ 2006
Institut für Schulpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften
Proseminar: LehrerInnentraining
Ausländische Kinder lernen Deutsch
von
Saskia Eichstädt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Interkulturelle Erziehung in der Grundschule 4
3. Die Sprachentwicklung 5
4. Erst- und Zweitspracherwerb 7
4.1. Erstsprache = Muttersprache? 7
4.2. Der gleichzeitige Erwerb von zwei Sprachen 7
4.3. Der nachzeitige Erwerb einer Zweitsprache 8
4.4. Spracherwerbstypen 9
4.5. Spracherwerbsstadien 9
4.6. Was unterscheidet den Zweitspracherwerb vom Fremdspracherwerb? 10
4.7. Der Unterschied zwischen ungesteuertem Erwerb und gesteuertem Lernen einer Zweitsprache 10
4.8. Die Entstehung von Sprachdomänen 11
4.9. Das Erlernen von Sprachlernstrategien 12
4.9.1. Sprachlernstrategien 13
4.9.2. Kommunikationsstrategien 13
4.9.3. Kompensationsstrategien 13
5. Methoden zur Vermittlung von Fremdsprache 15
6. Vorstellung zweier Sprachförderungsprogramme 17
6.1 „Wir verstehen uns gut“ von Elke Schlösser 17
6.1.1. Programmbedingungen 17
6.1.2. Programmziel 17
6.1.3. Programmaufbau und -themen 17
6.2 „10 kleine Zappelmänner“ von Rotraud Cros 18
6.2.1 Programmbedingungen 18
6.2.2 Programmziel 18
6.2.3 Programmaufbau und –themen 19
7. Schlussbemerkung 20
8. Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung
Diese Hausarbeit will versuchen, die Thematik, wie ausländische Kinder Deutsch als zweite Sprache lernen, zu beleuchten. Es soll vor allem ein Überblick über die unterschiedlich vorkommenden Lernstadien gegeben werden und die Probleme und Gefahren, denen Kinder ausgesetzt sind, wenn sie eine fremde Sprache erlernen müssen, werden hinterfragt. Als grundlegende Hinführung zum Thema habe ich zu Beginn einen allgemeinen Überblick über die interkulturelle Erziehung in der Grundschule und die Rolle des Lehrers gewählt.
Des Weiteren werde ich verschiedene Sprachlernstadien darstellen und jeweils die Vor- und Nachteile erläutern. So wird deutlich werden, dass das Erlernen einer Zweit- oder sogar Drittsprache bei einem Kind unter Umständen zu schwerwiegenden Problemen führen kann, wenn diese nicht von Anfang an erkannt werden. Zum Schluss möchte ich zwei Programme zur Zweitsprachenvermittlung vorstellen und von einigen Erfahrungen berichten, die ich in meinen Schulpraktika mit diesen Programmen gemacht habe. Abschließend werde ich in der Schlussbemerkung die gewonnenen Ergebnisse dieser Arbeit näher erörtern und meine eigene Meinung kundtun.
2. Interkulturelle Erziehung in der Grundschule
„Interkulturelle Erziehung ist die Erziehung zur internationalen Verständigung vor der eigenen Haustür.“1 Im täglichen Leben in einem fremden Land entstehen etliche Probleme ökonomischer, kultureller, politischer und religiöser Natur, die mit pädagogischen Mitteln nur bedingt aufgegriffen werden können. Dennoch erkennt die interkulturelle Erziehung an, dass die verschiedenen Kulturen innerhalb eines Landes nicht nebeneinander existieren, sondern miteinander in Verbindung stehen und prinzipiell gleichwertig sind. Diese Grundannahme hilft, die Integration ausländischer Kinder in den deutschen Bildungsprozess zu unterstützen und die Chancengleichheit zu ihren deutschen Mitschülern zu gewährleisten. Eine weitere Aufgabe der interkulturellen Erziehung besteht darin, die soziale und kulturelle Eigenständigkeit aller Kinder, d.h. auch der deutschen Schüler, zu fördern und alle miteinander zu einem respektvollen Umgang miteinander zu erziehen.2 Im Rahmenplan Grundschule ist festgehalten, dass die Grundschule sich als Stätte der interkulturellen Begegnung darstellen und dies möglichst als Selbstverständlichkeit und Bereicherung angesehen werden sollte.3
3. Die Sprachentwicklung
Ebenso wichtig wie die interkulturelle Erziehung sind die kindliche Sprachentwicklung und dessen Förderung in der Grundschule. Wolfgang Wendlandt4 überträgt diese Entwicklung auf das Wachstum eines Baumes. Aus einem unscheinbaren Samen (die genetische Grundlage) entsteht ein Baum. In der Erde ist die Sprachentwicklung durch physiologische und sozio-emotionale Entwicklungs- und Reifeprozesse verwurzelt. Die Wurzeln stehen also für das Sprechen, Hören, Tasten, Sehen, Grob- und Feinmotorik, sozio-emotionale und geistige Entwicklung und Hirnreifung. Wie die Wurzeln den Baum in der Erde halten, so sind sie Voraussetzung der Sprachentwicklung, um die schon im Kind angelegten Sprachfähigkeiten zu entfalten. Dabei stellt die Erde die individuelle Lebenswelt, Kultur und Gesellschaft, in der sich die Kinder befinden, dar. Der Baumstamm wird durch die sensorische Integration (koordinierte Bündelung von Hören, Sehen, Fühlen und aller weiteren sensorischen Faktoren) ausgebildet.5 Er ist die tragende Kraft zur sprachlichen Differenzierung und wird stabil durch das wachsende Sprachverständnis und die Sprechfreude. Die Äste sind verschiedene Sprachebenen, z.B. Artikulation, Wortschatz und Grammatik. Der obere Teil des Baumes, die Baumkrone, stellt das ausgebildete Sprachvermögen dar, welche im Laufe der Zeit weitere neue Äste entwickelt. Ist die Krone nicht richtig entwickelt oder unzureichend durch Nährlösung versorgt worden, können Sprachprobleme entstehen.
[...]
1 BAYAM, HALIME ET AL.: Von »Ampel « bis »Zimmermann«. Fünfjährige Kinder aus der Türkei lernen Deutsch (Weinheim und Basel: Beltz Verlag, 1990), Seite 1.
2 EBD., Seite 1.
3 RAHMENPLAN GRUNDSCHULE, Hrsg.: Hessisches Kultusministerium (Frankfurt am Main: Verlag Moritz Diesterweg, 1995), Seite 16.
4 „Sprachstörungen im Kindesalter“, Thieme Verlag, Stuttgart, 2000.
5 SCHLÖSSER, ELKE: Wir verstehen uns gut. Spielerisch Deutsch lernen (Münster: Ökotopia Verlag, 2001), Seite 135.
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Saskia Eichstädt, 2006, Ausländische Kinder lernen Deutsch, Munich, GRIN Publishing GmbH
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