Gliederung
Gliederung 2
I Einleitung 3
II Die ökonomische Lücke der soziologischen Theorie 4
II.1 Die Arbeitsteilung zwischen Soziologie und Ökonomie. 4
II.2 Methodologischer Individualismus. 5
II.3 Eine Soziologie des Geldes. 6
III Die Geldform bei Simmel und Marx 7
III.1 Simmels Soziologie der sozialen Formen 7
III.2 Marx’ positive Wissenschaft 8
III.3 Geld und Kapital. 9
IV Die Rückwirkungen des Geldes. 11
IV.1 Simmels synthetische Betrachtungen. 11
IV.2 die Warenform bei Marx 15
V Schlussbemerkung. 17
Literatur 18
2
I Einleitung
Die Wirtschaftswissenschaften beschäftigen sich mit individuellem wirtschaftlichen Verhalten bzw. mit der Interaktion von Individuen bei der Wahl von Koordinationsmechanismen der Wirtschaft und mit deren Funktionsweise und Ergebnissen. Der Begriff Wirtschaft weist dabei auf die planvolle Deckung des menschlichen Bedarfs nach Gütern.
Im allgemeinen Verständnis der meisten Leute wird das in dieses Ressort fallende Handeln des „homo oeconomicus“ strikt vom Gegenstandsbereich der Soziologie unterschieden. Das rationale Wirtschaftshandeln habe doch nichts mit gesellschaftlich bestimmtem Verhalten von Menschen zu tun. Sogar einige Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen scheinen diese Ansicht zu sein. Wie ist es sonst anders zu erklären, dass seit längerem Ökonomie und Soziologie wie Konkurrenten um Gegenstandsbereiche ihrer Wissenschaftsdisziplinen kämpfen, anstatt in einem einheitlichen Ansatz der empirischen Untersuchung des rationalintentionalen ökonomischen Handelns übereinzukommen, welches doch gerade eine der Dimension des Sozialen darstellt.
Die Unfähigkeit zu einem komplementären Konzept dieser gesellschaftlichen Grunddimension scheint in beiden Wissenschaftsbereichen erkenntnistheoretisch „blinde Flecken“ ihrer Methodologien zu hinterlassen. In diesem Text soll dem Aufruf einiger besonnenerer Sozialwissenschaftler wie Christoph Deutschmann oder Robert Kurz zu einer die Grenze zwischen „Ökonomischem“ und „Sozialem“ überwindenden Untersuchung der gesellschaftlichen Grundformen gefolgt werden. In diesem Fall sei die Geldform bzw. die Warenform gemeint, die mit Unterstützung der klassischen soziologischen Theorie von Georg Simmel und Karl Marx in einer Soziologie des Geldes diskutiert werden.
3
II Die ökonomische Lücke der soziologischen Theorie
Max Weber, der wie kaum ein anderer die grundlegenden erkenntnistheoretischen und gegenständlichen Konzeptionen der Soziologie geprägt hat und bis heute prägt, teilt das soziale Handeln, das Untersuchungsgegenstand der soziologischen Disziplin sein soll, in vier Grundtypen ein, von denen ja gerade der rational-intentionale Typ den Hauptcharakter des modernen Handelns beschreibt. Um so erstaunlicher ist es, dass in aktueller soziologischer Fachliteratur der „Erscheinung: dass Orientierung an der nackten eigenen und fremden Interessenlage Wirkungen hervorbringt, welche jenen gleichstehen, die durch Normierung (...) zu erzwingen gesucht werden“ (Weber 1984: 53) nur vereinzelt adäquate Aufmerksamkeit geschenkt wird.
II.1 Die Arbeitsteilung zwischen Soziologie und Ökonomie
Denkt man an rationales Handeln und Interessen, denkt man an ökonomisches Handeln und Geld. Christoph Deutschmann beklagt die Ignoranz der Soziologie geldtheoretischen Fragen gegenüber, wofür sich vor allem der
Strukturfunktionalismus von Talcott Parsons verantwortlich zeige. Denn dieser habe durch eine spezifische Arbeitsteilung zwischen Soziologie und Ökonomie der ersteren die Zuständigkeit für den institutionellen Rahmen des Wirtschaftssystems und der letzteren diejenige für das rationale Anpassungshandeln im ökonomischen Teilsystem zugesprochen (vgl. Deutschmann 1995: 376, f.). Die Soziologie ist damit um einen über die bloße Funktionalität hinausragenden Begriff des Geldes verarmt, und die Ökonomie ist aufgrund ihrer Beschränktheit auf die wirtschaftlichen Vorgänge nur zu einem naturalistischen Grundverständnis des Wirtschaftens in der Lage. Im Paradigma des Realtausches der akademischen Wirtschaftstheorie, der „Vorstellung (...), die moderne Wirtschaft funktioniere im Prinzip so, als ob nur Güter gegen Güter getauscht würden“ (Deutschmann 2002: 54), tritt Geld nur als ein den Realtausch vermittelndes Medium auf, „das den Inhalt der wirtschaftlichen Allokationsprozesse letztlich nicht berührt“ (ebd.).
4
Dies stellt, genau wie sie von Parsons dem ökonomischen Subsystem zugewiesen wurde, eine nur instrumentelle Behandlung des Geldes in einer rein funktionalen Perspektive dar.
II.2 Methodologischer Individualismus
Bei den systemtheoretisch orientierten Beschäftigungen mit Geld, wie z.B. auch bei der Luhmanns, handelt es sich „lediglich um eine Klassifikation der Geldfunktionen in Relation zu anderen gesellschaftlichen Medien und Systemen, nicht um eine Theorie mit empirischem Anspruch“ (Deutschmann 1995: 380). George C. Homans, Vertreter der Verhaltenstheorie, übt ebenfalls Kritik am empirischen Erklärungspotential des Funktionalismus, denn Theorien über das Funktionieren sozialer Systeme würden nur das Bestehen sozialer Erscheinungen in die Abhängigkeit des Systemerhalts stellen und funktionalistischen Hypothesen würden als bloße Aussagen über Beziehungen zwischen Systemmerkmalen eine Mikro-Fundierung fehlen (vgl. Opp/Wippler 2002: 137). Deshalb will sein psychologischer Behaviorismus statt gesamtgesellschaftlicher Strukturen individuelles Verhalten untersuchen. Die Verhaltenstheorie sieht in der Maximierung der subjektiven Nutzenerwartungen die handlungstreibende Kraft rationaler Akteure und will soziale Effekte mit in den Handlungen der Menschen gefundenen allgemeinen Verhaltensgesetzen erklären und Normen aus dem elementaren Verhalten des Individuums ableiten, was jedoch nicht zuletzt wegen fehlender Berücksichtigung Durkheimscher menschlicher Bewusstseinsinhalte und Simmelscher Wechselwirkungen in sozialer Interaktion missglückt ist. Auch die Weiterentwicklung des lerntheoretischen Behaviorismus zum wahrnehmungstheoretisch erweiterten Rational Choice Ansatz überwindet nicht die zu starke ökonomische Verhaftung des methodologischen Individualismus, wonach Institutionen oder kollektive Akteure keine Existenz haben, und die Gesellschaft lediglich die Summe individuellen Handelns darstellt. Sowohl das funktionale wie auch das individualistische Denken bieten also keine überzeugende Alternativkonzeption einer soziologischen Theorie des rational-intentionalen Handelns und damit einer des Geldes.
5
Arbeit zitieren:
Florian Schlotterbeck, 2005, Eine Soziologie des Geldes mit Georg Simmel und Karl Marx, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Grundbegriffe und Relationen der Peirceschen Zeichentheorie
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Geld in der modernen Kultur-Stile des Lebens nach Georg Simmel
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 18 Seiten
Max Weber - Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 19 Seiten
Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Hausarbeit, 22 Seiten
Max Weber: Protestantismus und Kapitalismus
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Essay, 6 Seiten
Semiotik und Wissenschaftstheorie bei Charles Sanders Peirce
Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
Seminararbeit, 19 Seiten
Geschmäcker und Lebensstile in der Welt der Klassenkämpfe
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 20 Seiten
Entwicklung der amerikanischen Unterhaltungsmusikkultur und deren Einf...
Hausarbeit, 18 Seiten
Die Semiotik als Grundlage zur Analyse von Werbeanzeigen
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Seminararbeit, 20 Seiten
Der Begriff 'Kultur' bei Norbert Elias - Die Soziogenese der B...
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Hausarbeit (Hauptseminar), 12 Seiten
Soziale Netzwerke aus der Perspektive konstruktivistischer Gesellschaf...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Privatheit vs. Öffentlichkeit - Intimität des Mannes im Wandel der Zei...
Medien / Kommunikation - Sonstiges
Hausarbeit (Hauptseminar), 38 Seiten
Von Austin zu Searle: Die Entwicklung der Sprechakttheorie
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Respekteinflößende Belesenheit - Richard Sennetts Werke zur Stadtkultu...
Seminararbeit, 21 Seiten
Florian Schlotterbeck's Text Eine Soziologie des Geldes mit Georg Simmel und Karl Marx ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Florian Schlotterbeck hat den Text Eine Soziologie des Geldes mit Georg Simmel und Karl Marx veröffentlicht
Florian Schlotterbeck hat einen neuen Text hochgeladen
Georg Simmel on Individuality and Social Forms Georg Simmel on Individ...
Georg Simmel, Donald N. Levine, Morris Janowitz
Georg Simmels große »Soziologie«
Eine kritische Sichtung nach h...
Hartmann Tyrell, Ingo Meyer, Otthein Rammstedt
Karl Marx on Society and Social Change: With Selections by Friedrich E...
Karl Marx, Neil J. Smelser
German Socialist Philosophy: Ludwig Feuerbach, Karl Marx, Friedrich En...
Wolfgang Schirmacher, Karl Marx, Ludwig Fuerbach
0 Kommentare