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1. Der Homo Oeconomicus als Akteurmodell soziologischer Theorie ............................ 2
2. Der soziologisierte Homo Oeconomicus in den Handlungstheorien............................ 6
Literatur .......................................................................................................................... 10
1. Der Homo Oeconomicus als Akteurmodell soziologischer Theorie Der „Konflikt zwischen Teil und Ganzem“ (Georg Simmel) im Kontext des Sozialen wirkt sich nicht nur realeffektiv auf unsere soziale Wirklichkeit aus, sondern ist auch in den unterschiedlichen Erklärungsmethoden der soziologischen Theorien abzulesen. Es stellt sich jeweils die zentrale Frage, in welchem Verhältnis Teil und Ganzes zueinander stehen; übertragen auf den Gegenstandsbereich der Soziologie: individuelles Handeln („agency“) und soziale Effekte („structure“). Das Ziel der Erklärungen der Soziologie liegt im Allgemeinen auf der Makroebene der sozialen Wirklichkeit und bezieht sich auf die kollektivbezogenen Erkenntnisinteressen wie Merkmalsverteilungen innerhalb eines Kollektivs, Zusammenhänge von Merkmalen im Falle mehrdimensionaler Verteilungsanalysen, dimensionaler oder kausaler Natur, und schließlich konkrete soziale Phänomene (vgl. Schulze 2003: 184,f.). Das grundlegende Problem jedoch ist, dass die Sozialforschung, um die kleinstmöglichen Einheiten des Sozialen als Datenträger zu nutzen, auf einzelne Menschen zurückgreifen muss. Wie ist nun die Verbindung zwischen dem Individualhandeln der empirischen Forschung und dem kollektivbezogenen Erklärungsziel der soziologischen Theorie herzustellen? Diese Frage entscheidet sich durch das grundlegende Verständnis des Wissenschaftlers vom Verhältnis zwischen Mensch und Gesellschaft, d.h. durch seine grundlegende Vorstellung vom Menschen in seiner Beziehung zur Gesellschaft und seine grundlegende Vorstellung von der Gesellschaft in ihrer Beziehung zum einzelnen Menschen.
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Geht man bei den Akteuren von freie Handlungswahlen treffenden Individuen aus, die nicht durch Vorgaben des Sozialen in ihrem Entscheiden determiniert seien, was gleichzeitig bedeutet, Gesellschaft fungiere nur als strukturelle Randbedingung des Handelns und stelle keine eigenständige Einheit der Vergesellschaftung dar, sondern lediglich die Aggregation von Handlungen (vgl. Münch 2003: 10), liegt es nahe, das Augenmerk vornehmlich auf die Interaktionsebene der sozialen Wirklichkeit zu richten, um durch Analysen auf der Mikroebene etwaige Gesetzmäßigkeiten des Handelns zu entdecken, und diese empirisch-nomologisch zur ursächlichen Erklärung gesellschaftsanalytischer Fragestellungen heranzuziehen. Geht man bei den Akteuren jedoch von durch die Gesellschaft weitgehend determinierten Wesen aus, deren Handeln gemäß der strukturalistischen Denkrichtung immer als Vollzug einer sozialen Ordnung gesehen werden kann (vgl. Münch 2002: 296), muss man gleichzeitig Gesellschaft als „emergentes, zwar aus Handlungen hervor gehendes, aber dennoch mit neu hinzu kommenden Qualitäten ausgestattetes Phänomen“ (Münch 2003: 10) anerkennen, welches es selbst gedanklich zu durchdringen gilt, und somit Ansatzpunkt eigener theoretischer Überlegungen sein muss. Diese Vorstellung von sozialen Tatbeständen „sui generis“ liegt allen Theorien der Makrosoziologie zugrunde, deren struktur-funktionalistische Denkrichtung nach Funktionen gesellschaftlicher Teilsysteme für das Gesamtsystem sucht, um dessen Bestand in die Abhängigkeit des reibungslosen Funktionierens dieser Teilsysteme zu stellen. Zumal die Makrosoziologie auch funktionale Beziehungen zwischen der Gesellschaftsebene und der Ebene des individuellen Handelns impliziert, schließt sich hier die theoretische Betrachtung der Interaktionsebene nicht aus (vgl. Endruweit 1999: 11). Die den sozialen Wirkungen die Fähigkeit zur Handlungsprägung als eigenständige Einheiten der sozialen Wirklichkeit absprechenden Theorien der Mikrosoziologie jedoch haben den berechtigten Vorwurf zu vertreten, ihre theoretische Analyse zu eng auf die Handlungsebene zu beschränken (vgl. Münch 2003: 11). Sie werden unter dem Begriff der Handlungstheorien zusammengefasst, denen die soziologische Erklärungsrichtung des methodologischen Individualismus gemeinsam ist.
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Um hier jedoch einem Missverständnis dieser wissenschaftstheoretischen Position zuvor zu kommen, betont Günter Büschges, es handele sich hier nicht um eine „individualistisch-reduktionistische“ Anwendung von Modellen „atomisierter und isolierter Individuen“, sondern um Erklärungen sozialer Phänomene unter Verwendung theoretischer Aussagen über individuelles Handeln und gleichzeitiger Berücksichtigung der Auswirkungen des sozialen Kontextes auf die Bedingungen individuellen Verhaltens (vgl. Büschges 2002: 229). Somit ist man sich im methodologischen Individualismus durchaus der sozialen Wechselwirkungen der Interaktionspartner bewusst und sieht in Handlungssituationen jeweils im Rahmen eines bestimmten sozialen Kontexts dem Akteur nahegelegte bestimmte Handlungswahl-Möglichkeiten, nur dass eben die aus den Wechselwirkungen entstehende Emergenz der Handlungen zu von den Individuen unabhängigen Strukturregelmäßigkeiten des Sozialen unberücksichtigt bleibt. Damit ist der theoretische Primat in der Mikrosoziologie eindeutig auf die Handlungsebene festgelegt, wohingegen der analytische Primat mehr oder weniger eindeutig auf der Makroebene zum liegen kommt. Einer der bedeutsamsten Mikrosoziologen des methodologischen Individualismus, Max Weber, hatte dieses Programm sogar in seine Definition der Soziologie eingeschrieben (vgl. Endruweit 1999: 5), indem er sie als eigenständige Wissenschaft dazu aufforderte, soziales Handeln zunächst entsprechend des theoretischen Primats auf der Mikroebene durch Rekonstruktion des subjektiv gemeinten Sinns deutend zu verstehen, um es dann in seiner stabile Strukturregelmäßigkeiten aufweisenden Form in seinem Ablauf und externen Wirkungen ursächlich zu erklären.
In der Untersuchung der Feinheiten sozialer Interaktionen einer überschaubaren Anzahl von Akteuren kann man nun weiter differenzieren zwischen bestimmten Aspekten des Handelns bzw. der Interaktion. Kreuzt man das bereits angesprochene Bild des nicht durch soziale Tatbestände teil-determinierten Handelnden mit seiner Handlungsabsicht der Nutzenmaximierung, seiner Fähigkeit zu rationaler Selektion von Handlungsmöglichkeiten und mit Handlungssituationen des Austausches unter den Interagierenden, so finden wir die dieser grundlegenden Vorstellung des Menschen bzw. des Verhältnisses zwischen Akteur und Gesellschaft gemeinsamen Theoriengebäude in den
Arbeit zitieren:
Florian Schlotterbeck, 2005, Homo Oeconomicus: der Mensch - ein asoziales Wesen?, München, GRIN Verlag GmbH
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