*/,('(581*
6HLWH (LQOHLWXQJ
:HOWDQVFKDXOLFKH*UXQGODJHQ
Nationalsozialismus und Volksgemeinschaft
Sozialdarwinismus und Rassismus Antisemitismus Antiparlamentarismus Antimarxismus
*UQGXQJXQG(QWZLFNOXQJGHV/HEHQVERUQH9
Grundgedanken für die Entwicklung
Organisation des Lebensborn Verwaltung
%HWUHXXQJYRQ0XWWHUXQG.LQGGXUFKGHQ/HEHQVERUQ Mütterfürsorge Geheimhaltung Auslese
'HU/HEHQVERUQXQGGLHQDWLRQDOVR]LDOLVWLVFKH
*HEXUWHQSROLWLNLP'ULWWHQ5HLFK
Gebot zur außerehelichen Zeugung Sterilitätsbehandlung, künstliche Befruchtung und
„gelenkte Fortpflanzung“
Der „Lebensborn“: Eine Zuchtanstalt?
'HU/HEHQVERUQLQGHQEHVHW]WHQ*HELHWHQ1RUG XQG:HVWHXURSDV
2
5HVPHH
4XHOOHQDQJDEH $ENU]XQJVYHU]HLFKQLV
BDM Bund Deutscher Mädel KZ Konzentrationslager NS Nationalsozialistische NSD-Nationalsozialistischer Deutscher-NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei NSV Nationalsozialistische Volkswohlfahrt RAD Reichsarbeitsdienst RF-Reichsführer-RFSS Reichsführer- SS RuSHA Rasse- und Siedlungshauptamt SS Schutzstaffel
3
(LQOHLWXQJ
Durch das Praktikum im 3.Semester hatten wir die Möglichkeit, Einblick in den Bereich der Heimerziehung und dem Pflege/Adoptivkinderwesen zu bekommen. In dem Bewußtsein, dass auch in der Vergangenheit die Jugendhilfe bei Mutter und Kind eine bedeutende Rolle spielte, haben wir uns nach Literatur über diese Thema erkundigt und sind dabei auf den Lebensborn gestoßen, der durch seine mysteriöse Aura unser Interesse weckte.
Die etwa 7000 Kinder, die in den Lebensborn-Heimen der SS während des Dritten Reichs geboren wurden, sind bis heute von einer geheimnisvollen Aura umgeben. Ziel der SS war es „arischen“ Nachwuchs zu sichern. Ausgesuchte Mütter sollten ein Kind für den Führer zur Welt bringen. Dafür gründete der Lebensborn e.V. neun Entbindungsheime im Deutschen Reich und elf im besetzten West- und Nordeuropa. Im Folgenden werden wir, die dem Lebensborn zugrunde liegende Weltanschauung mit seinen Elementen der NS-Ideologie darstellen. Danach gehen wir auf die Rahmenbedingungen der Gründung des Lebensborn e.V. näher ein. Mit der Beleuchtung der Betreuung von Mutter und Kind in der nationalsozialistischen Geburtenpolitik möchten wir Ziele, aber auch radikale Vorgehensweisen bei der Umsetzung der NS-Ideologie aufzeigen. Da sich der Lebensborn e.V. auch im Westen und Osten Europas ausbreitete, möchten wir im letzten Teil auf die „germanische Politik“ in den besetzten Gebieten eingehen.
Erschwert wurde unsere Arbeit, weil über den Lebensborn bis in die heutige Zeit wenig veröffentlicht wurde. Gründe dafür könnten sein, dass Material, Dokumente und Akten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vernichtet wurden und Zeitzeugen bereits verstorben sind oder eine lückenhafte Erinnerung an ihr Leben im Dritten Reich haben.
Auf Grund dessen stütz sich diese Arbeit hauptsächlich auf die Untersuchungen des Historikers Georg Lilienthal. Ihm gelang es mit Hilfe von Aktenfunden aus Archiven, die Geschichte und Politik des Lebensborn sehr genau darzustellen.
4
:HOWDQVFKDXOLFKH*UXQGODJHQ
In den Jahren 1925 und 1926 hatte Hitler die beiden Bände des Buches „Mein Kampf“ veröffentlicht, in dem er nicht nur Mitteilung über sein bisheriges Leben macht, sondern auch das, was er seine „Weltanschauung“ nannte, ausführlich und unmißverständlich darstellte. Man darf also in Hitlers Buch die wichtigste Informationsquelle für die Ideologie des Nationalsozialismus sehen. (Schöningh 1986), S.195) Entscheidend in diesem Zusammenhang ist, daß Hitlers Ideologie im Grunde nur auf längst bekannte Ansichten basiert. Seine Weltanschauung baut im wesentlichen auf vier ideengeschichtlichen Traditionen auf, die schon lange vor ihm in den europäischen Ländern, speziell in Deutschland und Österreich fest verankert waren:
- Der Nationalsozialismus in seiner übersteigerten Form (Chauvinismus), der die Bedeutung der eigenen Nation extrem überhöht und die anderen gleichzeitig abwertet;
- ein ausgeprägter Militarismus, der innenpolitisch zu einer Militarisierung der gesamten Gesellschaft und außenpolitisch zu einer aggressiven Politik führte;
- eine Rassenlehre, welche die Völker der Erde kurzerhand in „gute“ und „schlechte“, „wertvolle“ und „minderwertige“ Rassen einteilte. Das Kernstück ist ein ausgeprägter Antisemitismus;
- eine Mentalität, die blinden Gehorsam verlangte und damit zur geistigen Grundlage des Obrigkeitsstaates wurde.
Diese europäischen bzw. deutschen Traditionen verschmolz Hitler zu einem Programm, das zur Grundlage der deutschen Politik nach 1933 wurde und an dem weder Kritik noch Zweifel erlaubt war. (Göbel 1998, S.47)
1DWLRQDOVR]LDOLVPXVXQG9RONVJHPHLQVFKDIW
Der übersteigerte Nationalsozialismus braucht zwei wesentliche Bestandteile: einmal die Überhöhung des „Vaterlandes“ zum alles andere relativierenden Wert, zum anderen eine antiindividualistische Ausrichtung, die den einzelnen nur noch als Teil der Nation sieht. (Schöningh 1986, S.196) „Volksgemeinschaft“, „Lebens- und Schicksalsgemeinschaft“ sind
5
typische Begriffe der NS-Ideologie. Sie sollen durch integrierende, verbindende Wirkung die einzelnen Mitglieder des Volkes zu einer „verschworenen Gemeinschaft“ machen. (Göbel 1998, S.51) Für den Nationalsozialismus war die „Nationalisierung“ des Volkes eine vordringliche Aufgabe. Es galt, aus dem Volk die „Volksgemeinschaft“ zu machen, in der alle sozialen und Standesgegensätze aufgehoben werden, die „gerecht“ ist, weil sie allen dieselben „Verpflichtungen“ auferlegt, und die alle einem Ziel verpflichtet. Diese Ziel aber ist die Erhaltung der Rasse. In der Herstellung einer solchen Volksgemeinschaft sah der Nationalsozialismus seine wichtigste innenpolitische Aufgabe, die nur gelöst werden konnte, wenn auch ein neues Erziehungsideal verwirklicht wurde. Ziel einer solchen Erziehung war ein „neuer Volkskörper“, eine Volksgemeinschaft der Starken, in der für „geistreiche Schwächlinge“ und „Feiglinge“ kein Platz war. (Schöningh 1986, S.196)
6R]LDOGDUZLQLVPXVXQG5DVVLVPXV
Ausgangspunkt dieses Erziehungszieles ist die Lehre des Engländers Charles Darwin. Seinem Erkenntnissen zufolge ist das Leben im Tierreich von einem permanenten Kampf ums Dasein bestimmt, der zur Auslese (Selektion) und zum Überleben der stärksten Individuen führt. Diese Erkenntnisse der Tierwelt werden bei Hitler, ohne Berücksichtigung typisch menschlicher Verhaltensnormen, auf den menschlichen Bereich übertragen. Hitler verfälscht die Konsequenzen aus Darwins Beobachtungen grob und bewußt, weil nach Darwin im menschlichen Bereich nicht dem Stärkeren, sondern den sittlich Höherstehenden größere Bedeutung zukommt. (Göbel 1998, S.51)
Für den Nationalsozialismus galt lediglich, durch Erziehung und Selektion der arischen Rasse das Überleben und die Herrschaft über die anderen Rassen zu sichern. Kernstück der nationalsozialistischen Weltanschauung und des
nationalsozialistischen Gesichtsbildes war der Rassengedanke, die Einteilung der Menschheit in verschiedene, jeweils durch gleiche Erbfaktoren bestimmte Rassen, und die Annahme, dass diesen Rassen ein unterschiedlicher Rang zukomme, dass sie höher- oder minderwertig seien.
6
Dabei erwies sich die arische Rasse als die „Herren- und Kriegerrasse“. Sämtliche anderen Rassen seien zu kulturellen Leistungen nicht imstande, imitierten sie höchstens. Sie erschienen, allen voran die Juden, als „minderwertig“. (Schöningh 1986, S.197) Äußere Rassenmerkmale der arischen Rasse sind Schönheit, hoher Wuchs, blaue Augen, blonde Haare; die inneren Merkmale sind Tapferkeit, heldische und opferbereite Gesinnung. Die Arier wurden damit zum Garanten der Höherentwicklung der Menschheit. Ein Problem bestand darin, dass Hitler, Himmler, Goebbels und andere führende NS-Größen dem von Hitler propagierenden „germanischen Ideal“ keineswegs entsprachen. Deshalb spottete zum Beispiel der Volksmund: “Lieber Gott, mach mich blind, das ich Goebbels arisch find.“. (Göbel 1998, S.49)
In der „Erhaltung und Steigerung der Rasse“ ist auch der eigentliche Zweck des nationalsozialistischen Staates zu sehen. Dazu gehören Maßnahmen zur „Aufnordung“ ebenso wie das „Ausmerzen“ des „Artfremden“. (Schöningh 1986, S.197)
$QWLVHPLWLVPXV
Im Juden sah der Nationalsozialismus den Feind schlechthin, den es unschädlich zu machen galt. In diesem Vorgang wurde ein alles entscheidender „Kampf ums Dasein“ gesehen, in dem sich herkömmliche Moralvorstellungen nur als hinderlich, als Ausdruck der Feigheit erwiesen. (Schöningh 1986, S.197) Das „Judentum“ wird zum Synonym für alles Negative, es wird in die Rolle des Sündenbocks gedrängt. Die Schaffung eines Feindbildes soll alle Deutschen in die „antisemitistische Kampfgemeinschaft“ integrieren. (Göbel 1998, S.52) In einer Sprichwörtersammlung „Der Jude im Sprichwort der Völker“ standen folgende Sprichwörter:
„ Bei Juden und Läusen hilft nur eine Radikalkur.“ „Schlage einen Juden tot, so nimmt es deiner Seele vierzig Sünden ab.“ In dieser Ausschließlichkeit des rassistischen Denkens und in der bedingungslosen Entschlossenheit zur Tat ist auch das Neue und Andere der nationalsozialistischen Judenfeindschaft gegenüber jedem früheren Antisemitismus zu sehen. (Schöningh 1986, S.197)
7
Arbeit zitieren:
Claudia Mehner, 2002, Der Lebensborn e.V. - Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Veränderungen in der römischen Herrschaft über Judäa nach dem ersten J...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Integration und Desintegration in der Stadt
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Das Bild und die Rolle der Frau im Nationalsozialismus
Seminararbeit, 23 Seiten
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Historisch-kritische Auslegung der Bibelstelle 25,19-34 "Esaus un...
Theologie - Biblische Theologie
Seminararbeit, 34 Seiten
Frauen und ihre Handlungen und Haltungen im Nationalsozialismus
Frauenstudien / Gender-Forschung
Seminararbeit, 26 Seiten
Das Konzept der fraktalen Affektlogik und die Theorie der rational-emo...
Hausarbeit, 34 Seiten
Die Europäische Union - Die Entscheidungsregeln der Organe
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Referat (Ausarbeitung), 17 Seiten
Der deutsche Thronstreit 1198 - 1208
Ein Wechselspiel von Zufällen ...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 14 Seiten
Symboldidaktik "Kreuz" und unterrichtspraktische Umsetzungsm...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Die Beziehungen von Deutschland zu den USA unter der rot-grünen Bundes...
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Exegese zu Genesis 12,1-9 die Berufung des Abraham
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit, 15 Seiten
Didaktik der Vermittlung des Islam im Evangelischen Religionsunterrich...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Seminararbeit, 16 Seiten
Kennzeichen rot-grüner Außenpolitik
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Hausarbeit, 21 Seiten
Innozenz‘ III. Spezialregister...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 18 Seiten
Claudia Mehner hat den Text Der Lebensborn e.V. - Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik veröffentlicht
Claudia Mehner hat einen neuen Text hochgeladen
Deutsche Gesellschaftsgeschichte Band 1 - 5
Deutsche Gesellschaftsgeschich...
Hans-Ulrich Wehler
0 Kommentare