Inhalt
Einleitung 1
1. Erziehung heute 2
1.1. Defintionsversuche des Begriffs „Erziehung“ 2
1.2. Erziehungsziele 3
1.3. Probleme bei der Erreichung von Erziehungszielen in der heutigen Zeit 5
1.3.1. Die moderne Welt- „Bastelbiographien“ in einer
„Risikogesellschaft“ 5
1.3.2. Arbeitslosigkeit, Hartz IV, die Medien und neue Familienformen -
Beispiele für die Vielzahl an Einflussfaktoren 6
1.3.3. Veränderte Intentionen der Familiengründung und der Einfluss auf
die Eltern-Kind-Beziehung 7
1.4. Die Suche nach schnellen Lösungen 8
1.5. Analyse zur Bedarfslage 9
1.6. Relevanz der familiären Erziehung für das Gelingen der kindlichen
Entwicklung 11
1.6.1. Lernen Erfahrungen 11
1.6.2. Lernumfeld Familie 13
2. Ansätze zur Verbesserung der elterlichen Handlungskompetenzen 14
2.1. Definitionsansätze zu dem Begriff „Kompetenz“ 15
2.2. „Kompetenz“ im erzieherischen Kontext 16
2.3. Entwicklungsfördernde Haltungs- und Verhaltensdimensionen 17
2.4. Eltern- und Familienbildung zur Kompetenzerweiterung 19
2.4.1. Auswahlkriterien für die verschieden Bildungsangebote 19
2.4.2. Elternkurse 20
2.4.3. TV- Shows wie die Super Nanny als Alternative? 21
2.4.4. Literatur bekannter Konzepte 22
2.4.5. Aspekt der Freiwilligkeit 24
2.4.6. Aspekt der Nachhaltigkeit 25
Fazit 27
Quellenverzeichnis 30
Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem komplexen Thema der Erziehung und den vielseitigen Anforderungen und Handlungsmöglichkeiten, die diese speziell für Eltern mit sich bringt.
Es taucht zum einen die Frage auf, ob neue erzieherische Kompetenzen erforderlich sind oder ob die Zunahme an Wissen und Informationen dazu führt, dass es lediglich neue Möglichkeiten gibt, schon immer vorhandene Anforderungen zu benennen und Eltern bei der Realisierung zu unterstützen. Dies wird ebenso erörtert wie der tatsächliche Bedarf der Familien an Unterstützung. Der erste Teil der Arbeit behandelt diese Themen, wobei abschließend auch die Relevanz der familiären Erziehung für das Gelingen der kindlichen Entwicklung dargelegt wird, um die Notwendigkeit der Förderung familiärer Erziehung zu verdeutlichen.
Das zweite Kapitel beginnt mit einer Klärung des allgemeinen Kompetenzbegriffs und einer Eingrenzung dieses Begriffs im erzieherischen Kontext. Nachdem
Erziehungskompetenzen zur Förderung kindlicher Entwicklung aufgeführt werden, gilt es, die Handlungsoptionen von Eltern zu betrachten. Hierbei stehen die Alternativen der Familienbildung im Vordergrund. Elternkurse werden ebenso thematisiert wie der fragwürdige Trend zur Nutzung des Fernsehens als Informationsquelle oder auch die immer wachsende Anzahl an Literatur zu Erziehungsfragen. Da mit der Diskussion über einen möglichen Elternführerschein oder staatliche Zuschüssen bei Teilnahme an familienbildenden Maßnahmen auch die Frage auftritt, ob Eltern sich freiwillig weiterbilden oder dazu angehalten werden sollten, wird auch dieser Aspekt im zweiten Teil der Arbeit aufgegriffen. Zudem wird die Nachhaltigkeit der Bildungsversuche kritisch betrachtet. Das abschließende Fazit greift das Thema der modernen Erziehungskompetenzen auf und bewertet die Situation für heutige Eltern als einflussnehmende Personen neben Lehrern, Erziehern, Gleichaltrigen, den Medien und der Gesellschaft.
1
1. Erziehung heute
Erziehung ist seit der Entdeckung der Kindheit als eigenständige Phase im 18. Jahrhundert immer wieder Thema etlicher Diskussionen gewesen. Doch besonders heute nehmen die theoretischen Einflüsse auf den Diskussionsgegenstand zu. Zum einen durch die Verbreitung und Vermehrung von Informationen durch die Medien, die zunehmende Globalität oder zum anderen auch durch die Fortschritte sowie neuen Erkenntnisse in allen wissenschaftlichen Bereichen, wie zum Beispiel der Soziologie, der Psychologie oder auch der Pädagogik. Doch was ist Erziehung eigentlich? Und was beeinflusst die Erziehung in der heutigen Zeit?
1.1. Defintionsversuche des Begriffs „Erziehung“
Je nach fachlichem Schwerpunkt variieren die genannten Merkmale, die unter Erziehung verstanden werden. In Winfried Böhms Wörterbuch der Pädagogik werden mit Erziehung „jene Maßnahmen und Prozesse [bezeichnet], die den Menschen zu Autonomie und Mündigkeit hinleiten und ihm helfen, alle seine Kräfte und Möglichkeiten zu aktuieren und in seine Menschlichkeit hineinzufinden“ 1 .
Auch Uwe Krebs stellt Erziehung als einen Prozess dar, in welchen verschiedene Handlungen eingebunden sind. Jedoch sind diese nicht ausschließlich bewusst und geplant. Daher unterscheidet er zwischen impliziter, funktionaler und intentionaler Erziehung, wobei letztere dem Verständnis von Erziehung der westlichen Welt am nächsten kommt. Es liegt hier eine Erziehungsabsicht vor; erzieherische Handlungen geschehen nicht nur durch alltägliches, in erster Linie nicht-erzieherisches Verhalten, wie dies bei den anderen beiden Begriffen der Fall ist. 2 Diese Unterscheidung ist im Kontext der Erziehung in Traditionalen Kulturen wichtig, da dort oft keine beabsichtigten erzieherischen Handlungen stattfinden und die stattfindende Erziehung nicht mit jener der hoch entwickelten Länder übereinstimmt. Auch Erich Weber weist darauf hin, dass „der Mensch das auf Erziehung, d.h. auf Lernhilfe angewiesene Wesen [ist], das um so mehr der gezielten und auch institutionalisierten Lernförderung bedarf, je komplexer und komplizierter, pluralistischer und dynamischer die modernen Lebensverhältnisse werden“ 3 . Erziehung wird auch heute noch als Lernhilfe und
1 Böhm, W.: Wörterbuch der Pädagogik. Stuttgart 15 2000, S.156
2 Vgl. Krebs, U.: Erziehung in Traditionalen Kulturen. Quellen und Befunde aus Afrika, Amerika, Asien und
Australien 1898-1983. Berlin 2001, S.34-40
3 Weber, E.: Erziehungsstile. Donauwörth 7 1978, S.25/26
2
Lernförderung verstanden. Sigrid Tschöpe-Scheffler sieht die Notwendigkeit der Erziehung in der Lernfähigkeit und daraus resultierenden Lernbedürftigkeit des Menschen begründet 4 . Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnet Erziehung als „gemeinsamen Wachstumsprozess, der für beide entwicklungsfördernd ist“ 5 , also sowohl für Kinder als auch für Eltern. Diesen Ansatz versucht sie durch einen Hinweis auf die dialogische Struktur der Beziehung und der Interaktion zu legitimieren.
Haben Wissenschaftler wie Weber schon in den 70er Jahren gewusst, welche konkreten Herausforderungen auf Erziehungspersonen zukommen? Er betont, wie notwendig gezielte Erziehung auf Grund der veränderten modernen Lebensverhältnisse ist. Doch wie genau sehen Erziehungsziele in einer Umwelt aus, die von ständiger Veränderung geprägt ist?
1.2. Erziehungsziele
„Allgemein sind Ziele angestrebte bzw. erstrebenswerte Ergebnisse einer Handlung. Wenn man Erziehung als Beeinflussungsversuch auffasst […], dann sind Erziehungsziele die durch erzieherische
Handlungen angestrebten Ergebnisse.“ 6
„Empirisch erfasste Erziehungsziele sind in ihrer Art sehr vielfältig. Sie entsprechen wünschens- und erstrebenswerten Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Dispositionen, Einstellungen oder auch
Persönlichkeitseigenschaften, von denen angenommen wird, dass sie für jede Person wertvoll sind.“ 7 Doch auch wenn sich konkrete Erziehungsziele besonders durch ihre Vielfalt ausweisen, wird immer wieder versucht, übergeordnete Ziele zu benennen, die unterschiedliche Verhaltensweisen, Fähigkeiten etc. beinhalten können. „Ziel der Erziehung selbst wird es in jedem Fall sein, daß der Zögling […] in die Lage versetzt wird, die Ziele seines Lebens selbstbegründet zu entwerfen und entsprechend zu realisieren.“ 8 Ein autonomer Lebensentwurf sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Realisierung dieses Entwurfs bedürfen im Allgemeinen zuerst einmal der Vermittlung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sowie konkreter Handlungskompetenzen.
4 Vgl. Tschöpe-Scheffler, S.: Elternkurse auf dem Prüfstand. Wie Erziehung wieder Freude macht. Opladen
2003, S.26
5 Ebd., S.38
6 Tarnai, C.: Erziehungsziele. In: Rost, D.H. (Hrsg.): Handwörterbuch Pädagogische Psychologie.
Weinheim/Basel 3 2006, S.155
7 Ebd., S.159
8 Böhm 2000, S.160
3
Laut Klaus Wahl macht dies jedoch nur einen Teil der Erziehungsziele aus. Er teilt Erziehungsziele in drei Perspektiven ein. Die oben Beschriebene bezieht sich in erster Linie auf individuelle Aspekte. Diesen fügt er soziale sowie moralische Aspekte hinzu, die ebenso notwendig sind, um den individuell angestrebten Lebensentwurf zu realisieren. Es ist laut ihm nicht minder wichtig, die kindliche Entwicklung in den Kontext des gesellschaftlichen und sozialen Miteinanders zu stellen. Dies impliziert die Vermittlung sozialer Kompetenz und Wertmaßstäbe, letztere beziehen sich auf die moralische Perspektive. 9 Dies übersteigt die bloße Versorgung eines Kindes und fordert Erzieher zu reflektierendem Verhalten auf. Um die Realisierung des Lebenskonzepts des Kindes zu ermöglichen, müssen in der Familie bereits Normen und Werte der jeweiligen Gesellschaft vermittelt werden, damit das Kind in seinem späteren Umfeld nicht auf Ablehnung stößt. In der kindlichen Entwicklung muss das Verhalten des Heranwachsenden so modifiziert werden, dass es „mit denjenigen Erwartungen übereinstimmt, die von den Mitgliedern jener Gruppe gehegt werden, zu welcher das Individuum gehört.“ 10 Doch der heutige Wertepluralismus stellt eine neue Herausforderung für die Integration eines Individuums in die Gesellschaft dar. 11
Eine Bevölkerungsumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zu Erziehungseinstellungen und -zielen bestätigt das Bewusstsein der Menschen für den komplexer gewordenen Erziehungsauftrag. Diese hat ergeben, dass die Mehrheit der befragten Teilnehmer Erziehungsziele bejahten, an denen sich „das Ideal eines Menschen ablesen [lässt], für den Persönlichkeitswerte ebenso wichtig sind wie Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens“ 12 .
Doch wieso treten verstärkt Probleme bei den Lebensentwürfen von Heranwachsenden auf und was verhindert die Realisierung förderlicher Lebenskonzepte, die den Individuen ein gesundes Leben ermöglichen? Woran scheitert die Erziehung?
9 Wahl, K.: Welche Nachhilfe brauchen Eltern? Einführung in eine pädagogische Kontroverse. In: Wahl, K. und
Hees, K. (Hrsg.): Helfen „Super Nanny“ und Co.?. Ratlose Eltern - Herausforderung für die Elternbildung.
Weinheim und Basel 2006, S.13
10 Stapf, K. H., Herrmann, T., Stapf, A. und Stäcker, K. H.: Psychologie des elterlichen Erziehungsstils.
Komponenten der Bekräftigung in der Erziehung. Stuttgart 2 1976, S.15
11 Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen. Stärkung familialer Beziehungs- und
Erziehungskompetenzen. Berlin 2005 [Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.)],
S.7
12 Institut für Demoskopie Allensbach: Einstellungen zur Erziehung. Kurzbericht zu einer repräsentativen
Bevölkerungsumfrage im Frühjahr 2006. Allensbach am Bodensee 2006 [Bundesministerium für Familie,
Senioren und Jugend (Hrsg.)], S.6
4
1.3. Probleme bei der Erreichung von Erziehungszielen in der heutigen Zeit
Das Ziel, Kinder vorzubereiten auf die in der Regel gesellschaftlich bedingten Anforderungen des Lebens und auf die Bewältigung dieser Anforderungen, klingt einfacher zu erreichen als es sich in der Realität gestaltet. Um Kindern beim Lernen zu helfen und ihnen Fähigkeiten und Fertigkeiten mitzugeben, die die heutige Welt sowie eine autonome Lebensführung von ihnen erwarten, müssen Eltern und Erzieher wissen, was für die positive Entwicklung notwendig ist und wie diese Bedingungen gewährleistet werden können. Doch hier spiegelt sich in den Problemen der heutigen Erziehung die allgemeine gesellschaftliche Problematik wider, mit der die Menschen konfrontiert werden.
1.3.1. Die moderne Welt - „Baselbiographien“ in einer „Risikogesellschaft“ Bezeichnend für die Herausforderungen, die in der heutigen Zeit auf Individuen zukommen, ist Ulrich Becks Begriff „Bastelbiographie“. „Im Übergang Normal- zur Wahlbiographie bildet sich der konfliktvolle und historisch uneingeübte Typus der Bastelbiographie heraus.“ 13 Dieser beschreibt das Dilemma, einerseits vermehrte Wahlmöglichkeiten zu besitzen, andererseits jedoch unter dem Druck zu stehen, eine Wahl treffen zu müssen. 14 Dass diese Wahl sich im Nachhinein als falsch erweisen kann, erhöht den subjektiv empfundenen Druck. „Ulrich Beck beschreibt den Abschied von der traditionellen Klassengesellschaft und das Heraufziehen einer ´Risikogesellschaft`, die die Menschen in immer stärkere individualisierte Lebenssituationen setzt.“ 15
Das Risiko, Fehler zu machen bei nichtvorhandenen Entscheidungsvorgaben, lässt sich nicht nur auf die eigene Lebensgestaltung beziehen, sondern auch auf erzieherische Handlungen und interfamiliäre Interaktionen. Anforderungen an die Individuen der heutigen Zeit übertragen sich ebenso auf die Familie als System. Der „Wandel familialer Strukturen und Beziehungen [richtet] zusätzliche Anforderungen an die
einzelnen Familienmitglieder und an das System Familie, zu deren Bewältigung besondere Kompetenzen
13 Beck, U.: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M. 1986, S.217
14 Vgl. ebd., S.190
15 Tillmann, K.- J.: Sozialisationstheorien. Eine Einführung in den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution
und Subjektwerdung. In: Rowohlts Enzyklopädie. 12 2003, S.193
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Christina Menge, 2007, Erziehungskompetenzen heute - Anforderungen, Realisierung und Handlungsoptionen, München, GRIN Verlag GmbH
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