„Toda obra de ciencia o de arte es un signo cultural de la época que la produjo; nos habla de las preocupaciones de sus creadores, de los supuestos en que se apoyaban, de sus apetencias intelectuales y hasta de los conflictos y contradicciones en que toda cultura verdadera se
Inhalt
Inhalt........................................................................................................................................... 3
I. Abgrenzung des Themas. 4
II. Sprachnormen und deren Standardisierung. 5
III. Die Entstehung der Real Academia im historisch-linguistischen Kontext 10
IV. Sprachnormierung im Diccionario de Autoridades 18
V. Literaturverzeichnis. 25
Korpus : 25
Sekund ärliteratur: 25
W örterbücher: 28
Anhang 29
I. Diatopische Markierungen. 29
II. Diastratisch-diatopische Markierungen. 38
III. Diastratische Markierungen 39
IV. Diaphasische Markierungen. 56
V. Diachronische Markierungen 65
VI. Kultismen 76
I. Abgrenzung des Themas
Die zu Anfang angeführten Zeilen über kulturelle und soziale Problematik und Geisteshaltung, die sich nicht nur in der Kunst, sondern auch in wissenschaftlichen Werken äußern, bilden die Grundlage dieser Arbeit, die sich mit normativen Konzepten im Diccionario de Autoridades (DA) der Real Academia Española beschäftigt. Dabei sollen alle diasystematisch markierten Lemmata untersucht werden, um auf diese Weise die Standardisierung und Bewertung des Wortschatzes im DA zu beleuchten. Der Analyse der im Korpus enthaltenen Lemmata des DA werden zunächst eine Abgrenzung des linguistischen Normbegriffes im Allgemeinen sowie eine panorama-artige Einordnung der Gründung der Real Academia in den historischen Kontext vorangestellt. Auf diese Weise sollen die zentralsten Motive für die institutionalisierte Sprachpflege, wie sie von der spanischen Akademie seit 1714 betrieben wird, herausgearbeitet werden. In diesem Zusammenhang wird auch der Frage nachgegangen, welche normativen Konzepte bei der Kodifizierung der sprachlichen Norm durch die RAE mitgewirkt haben. Im Einzelnen gilt es daraufhin zu klären, welche verschiedenen diasystematischen Markierungen im Diccionario de Autoridades anzutreffen sind. Die Strukturierung der Analyse erfolgt durch die Einteilung dieser Bewertungen in Bezug auf diastratische, diaphasische, diatopische und schließlich diachronische Varietäten. Neben den vier zentralen diasystematischen Dimensionen ist im Rahmen der Standardisierung gehobener Sprache auch die Betrachtung des Umgangs mit Kultismen unumgänglich. Aus diesem Grund werden auch Latinismen und Gräzismen als Teil des Bildungswortschatzes Gegenstand der Untersuchung sein. Xenismen, wie etwa Gallizismen, hingegen können bei der vorliegenden Analyse nicht berücksichtigt werden, da keine etymologische Untersuchung, sondern eine Studie des dianormativen Bewertungssystems im DA angestrebt wird. Daher wird der Lehnwortschatz ausschließlich im Falle einer solchen zusätzlichen Markierung behandelt werden.
Bei der Analyse der Varietäten wie auch der Kultismen soll nicht nur die Häufigkeit der verzeichneten Markierungen, sondern vor allem auch deren Relation zueinander in den Blick genommen werden. Dieser Aspekt der mehrdimensionalen Markierung spielt unter anderem in Bezug auf diastratische Etikettierung der Lemmata eine Rolle, da neben der Tatsache, ob bzw. welche sozialen Dialekte in den DA aufgenommen wurden, auch die Frage zu klären ist, ob diesen vertikalen Dialekte eine zusätzliche stilistische oder regionale Einschränkung hinzugefügt wurde.
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So ist es Ziel eines jeden Kapitels, solche Relationen zunächst in tabellarischer Form und später anhand einzelner ausgewählter Lemmata zu analysieren, um so Rückschlüsse auf die soziale, stilistische, geographische und diachronische Dimension der Bewertung ziehen zu können. Einer solchen Vorgehensweise liegt die Annahme zugrunde, dass soziale, politische und (sprach-)geschichtliche Faktoren den institutionellen Normierungsprozess beeinflussen und dass man, im Umkehrschluss auch die Kodifizierung einer Norm hinzuziehen kann, um Erkenntnisse bezüglich sozialer, politischer und historischer Verhältnisse gewinnen kann. Neben Gili Gaya verweist auch Pérez auf diese Interrelation, wenn er sagt:
El diccionario no sólo es un instrumento puro de decodificación lexica o un mero auxiliar de referencia sino que
la forma en que describe la realidad es significativa para mostrar una imagen del mundo al que describe,
construir un imaginario sobre la base del léxico reunido y explicado que, en definitiva, funciona como
interpretación de ese mundo (1997:344).
Extralinguistische Faktoren sind also auch bei dem Normierungsprozess der spanischen Standardsprache zu berücksichtigen; vor allem vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es das im Prolog des DA explizit geäußerte Ziel der Real Academia war, die höfische kastilische Norm basierend auf der Sprache der klassischen Literatur als panspanischen Standard durchzusetzen. Es stellt sich daher die Frage, wie mit dem uso außerhalb dieser Norm umgegangen wird.
II. Sprachnormen und deren Standardisierung
Der Begriff der Norm, den es zunächst abzugrenzen gilt, durchlief nach Schmitt die folgende etymologische Entwicklung: „Norm (lt. Norma 'Winkelmaß, Richtschnur, Vorschrift, Regel') wurde bereits im Griechischen metaphorisch gebraucht, wo &. zunächst 'Kennzeichen', dann 'Beweis' und schließlich '(richtige) Erkenntnis, Einsicht' bedeutete […]“ (2001:435). Die heutige Bedeutung von 'Norm' und 'normal' entwickelte sich in den meisten europäischen Sprachen während des 18. Jahrhunderts (cf. Lara 1976:12). Der allgemeine Normbegriff nach dem heutigen Verständnis lässt sich grundsätzlich aufspalten, so dass er einerseits ein Modell, andererseits auch einen Usus bezeichnet (Lara 1976:11). Von dieser Unterscheidung ausgehend definiert Gloy das Modell als „Norm im deskriptiven Sinne als summarische Aussage über präskriptive Regeln“ und den Usus als „Norm im präskriptiven Sinne als soziales Faktum“ (1975:30). Demzufolge sind also Normen immer auch soziale Normen. Sie werden durch Autoritäten auf der einen Seite und durch Normsubjekte auf der anderen Seite gestützt. Ferner ist es ein Konstituens jedweder Norm - vor allem der präskriptiven Normen -
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, bei Nichtbefolgung entsprechende Sanktionen zur Folge zu haben. Bartsch beschreibt dieses Charakteristikum wie folgt:
Allgemein gesprochen, besteht die soziale Realität einer Norm in Beziehung zwischen Normautoritäten,
Subautoritäten, Normverstärkern und Normdurchsetzern, Normkodifizierern und Normsubjekten, die im Falle
sprachlicher Normen auch all die anderen Rollen gelegentlich oder in permanenter Funktion übernehmen. Dieses
Netz von Beziehungen, die durch bestimmte Handlungen und Aktivitäten zustande gebracht werden, bauen die
normative Kraft einer Norm auf durch das Feststellen von Modellen, Ausübung von Kritik und Korrektur, und
schließlich durch positive und negative Sanktionen. (Bartsch 1987:62f.)
Der Begriff der Norm lässt sich weiterhin unterteilen in Zielnormen und Gebrauchsnormen. Bei ersteren handelte es sich, so Gloy, um diejenigen Normen, denen eine klare Sollensforderung anhaftet. Dies ist bei den so genannten Gebrauchsnormen nicht der Fall. Sie sind daher als weniger obligatorisch zu betrachten (1975:21). Die Grundlage aller sprachlichen Normen bildet die Sicherung des kommunikativen Verständnisses (Winkelmann 1991:334ff.). Diese Basisnorm lässt sich nach der von Schlotthaus vorgenommenen systemlinguistischen Unterteilung in fünf Dimensionen ausdifferenzieren:
1. semantische; 2. syntaktische, 3. sprechsprachliche; 4. schriftsprachliche und 5. stilistische Normen (Gloy 1975:63).
Ein weiteres grundlegendes Kriterium von Sprachnormen besteht darin, dass der Normsetzende, der den von ihm geäußerten Normsatz in Geltung zu setzen beabsichtigt, zu einem solchen Vorhaben legitimiert sein muss. Bartsch weitet diese von Gloy (1975:17) angeführte Bedingung aus, in dem sie sieben weitere Voraussetzungen hinzufügt. Ihr zufolge ist die Äußerung eines Normsatzes genau dann ein korrekter Normsetzungsakt, wenn 1. die Äußerung des Normsatzes verstehbar ist, 2. der den Normsatz Äußernde als Normautorität in dem entsprechenden Bereich gilt, 3. Normsubjekte bestehen, an die die Äußerung gerichtet ist, 4. der Norminhalt realisierbar, d.h. die Norm befolgbar ist, 5. der Norminhalt nicht schon durch geltende Normen impliziert ist, 6. dem Norminhalt nicht durch in Bezug auf die Normsubjekte bereits geltenden Normen widersprochen wird, 7. die Normautorität will, dass die Norm befolgt wird (Aufrichtigkeitsbedingung) und 8. die Normautorität intendiert, dass ihre Äußerung des Normsatzes gültig ist als Forderung an die Normsubjekte, um gemäß dem Norminhalt zu handeln und diese Forderung zu akzeptieren (essentielle Bedingung) (Bartsch 1987:141).
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Welcher Personenkreis jedoch äußert solche sprachlichen Normsätze? Meist sind dies die Institutionen, die sprachpflegerische Absichten verfolgen. Eine solche Intention definiert Fries als „Pflege und Reinerhaltung der Muttersprache und die Gesamtheit der sprachlichen Maßnahmen, die der Festlegung, Durchsetzung und Beachtung sprachlicher Normen dienen“ (1984:1). Solche Maßnahmen werden in der Regel dann ergriffen, wenn der bisherige Normbestand als gefährdet gilt. Da es sich bei Normen um eine soziale Größe handelt, erfolgt deren Veränderung und Anpassung als Konsequenz gesellschaftlichen Wandels. Aus diesem Grund ist Sprachstandardisierung meist im Zusammenhang mit Modernisierung zu festzustellen (cf. Bartsch 1987:253). Oberstes Ziel ist dabei, die Funktion von (nationaler) Sprache als Identitätssymbol auch in Krisenzeiten zu wahren, da Standardsprache neben dem normativen Orientierungspunkt , laut Hernández, auch eine einigende Funktion auf nationaler Ebene sowie eine abgrenzende Funktion auf internationaler Ebene erfüllt (cf. 1992:356). Die Standardsprache als Referenzpunkt ist jedoch, ebenso wie Normen im Allgemeinen, Ergebnis einer arbiträren Bestimmung und daher nicht apriotisch gegeben. Aus diesem Grund wird im Folgenden das Zustandekommen einer Standardvarietät als Ergebnis normativer Selektion erläutert.
Die terminologische Abgrenzung des Begriffes der Sprachnorm ist innerhalb des normativen Diskurses nicht unumstritten. Nach der saussureschen Definition besteht Sprache aus langue, parole und langage. Dabei basiert langage auf dem Konzept einer einheitlichen Norm beziehungsweise einem einheitlichen System. Dies setzt jedoch, so auch Bartsch, eine homogene Sprachgemeinschaft voraus und stellt damit eine unzulässige Idealisierung dar (cf. 1987:67). Coserius Definition der Sprachnormen lautet wie folgt: „Es norma todo aquello fijado social o tradicionalmente en la técnica del habla“ (1967:94). Sprachnormen werden weiterhin als Auswahl aus verschiedenen Realisierungen, die nicht mit dem System in Konflikt treten, definiert (1967:94ff.). Bartsch geht in ihrer terminologischen Abgrenzung noch einen Schritt weiter, indem sie nicht nur, wie Coseriu, von einer Vielzahl möglicher Normen, sondern auch von mehreren Systemen spricht, wenn sie sagt:
Von dem System und der Norm zu sprechen, setzt ein einziges homogenes System und eine einzige homogene
Norm einer Sprache voraus. Beides erscheint mir völlig irrealistisch. Ich gebrauche daher auch nicht den Begriff
>die Norm einer Sprache<, sondern spreche von >vielen Normen einer Sprache<; und das, was häufig als
Abweichung von einer Norm verstanden wird, werde ich in vielen Fällen als einen Konflikt zwischen
verschiedenen Normen analysieren (1987:72f.).
Mit dieser Aussage schließt sie sich der Position der Linguisten der Prager Schule (Havránek, Dokulil, DaneÆ, etc.), nach der alle Varietäten ihre Norm haben (1987:73), an. Schmitt spricht
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in diesem Zusammenhang von Sprache als Diasystem: „Den verschiedenen Subsystemen des Diasystems Sprache sind jeweils unterschiedliche Normen eigen, eine grundsätzliche Norm gibt es nicht bzw. nur in Bezug auf Teile der Grammatik und des Wortschatzes“ (2001:441). Aus all diesen verschiedenen genormten Varietäten einer Sprache bildet sich stets eine Standardvarietät, die meist schriftlich in Form von Orthographien, normativen Grammatiken sowie Wörterbüchern kodifiziert wird. Die folgenden Kriterien spielen bei der Herausbildung einer solchen Standardvarietät eine zentrale Rolle:
1. Strukturgemäßheit der Sprachvarietäten im Sprachsystem, mit der Ausgliederung: Ablehnung außersprachlicher Normkriterien
2. Traditionalistisch-historische Qualität der Sprachvarietäten
3. Moralische Qualität der Sprachvarietäten
a) personen-/gruppenbezogene Argumente
b) nationalistisch-/politische Argumente
4. Zweckmäßigkeit im Hinblick auf verständliches Sprechen
5. Belegbarkeit im faktischen Sprachgebrauch
a) Auftretenshäufigkeit
b) Verwendung bei kompetenten Sprechern (cf. Gloy 1975:66). Bartsch nimmt in ihrer Beschreibung des Zustandekommens eines Standards aus einer Varietät die personen - bzw. gruppenbezogenen Argumente mit auf, indem sie festhält, dass die Standardvarietät von einer Prestigegruppe gesprochen wird. Sie bezieht sich weiterhin auf die Belegbarkeit durch Verwendung bei kompetenten Sprechern und stellt heraus, dass eine Varietät in vielen Fällen als Standard kodifiziert wird, wenn sie eine große literarische Geschichte (v.a. durch „große Autoren“) vorzuweisen hat. Sie fügt jedoch ihrer Aufzählung einen weiteren wesentlichen Faktor hinzu. Demzufolge sei es unter anderem entscheidend, ob die entsprechende Varietät in einem Gebiet gesprochen werde, in dem verschiedene Varietäten der Sprache oder Sprachgruppen miteinander in Kontakt treten. Dazu seien beispielsweise geographisch, ökonomisch und politisch zentral gelegene Gebiete zu zählen (cf. Bartsch 1987:238).
Aufgrund des bindenden Kriteriums der literarischen Tradition gelten normative Regeln, derer es, wie bereits herausgestellt, innerhalb einer Sprache ebenso viele gibt, wie auch Varietäten existieren, in besonderem Maße für die Schriftsprache. Dieser komme, so Bartsch, eine extra Norm hinzu: Zunächst beinhalte sie einen höheren Grad der funktionalen Differenzierung. Zweitens sei ein stärkeres Bewusstsein der Norm verbreitet und drittens sei die Schriftsprache durch einen strengeren Begriff der Obligatheit gekennzeichnet. Der hohe
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verpflichtende Grad der Norm sei begründet durch die starke Forderung nach Stabilität (Stabilitätstendenz) bezüglich der Norm der geschriebenen Sprache (cf. id.:73). Neben den funktionalen normativen Regularien der Schriftsprache werden die Standardnormen
zusätzlich mit ästhetischen Attributen versehen: 'gut', 'rein', 'melodieus', 'schön', etc; obgleich wohl keine
objektive Grundlage für die Zuweisung dieser Attribute an die Standardsprache besteht, werden sie doch von
dem Prestige der großen Autoren ('Literatur'-Sprache) als Exponenten der kulturellen Identität der Bildungselite
und von dem sogenannten 'feineren' Benehmen der höheren Schichten auf deren Sprache ('Hoch'-Sprache)
übertragen (id.:251f.).
Vor dem Hintergrund dieser essentiellen Rolle, die die obere gesellschaftliche Strata bei der Standardisierung und Bewertung der Standardvarietät spielt, werde die Schriftsprache, so Bartsch weiter, durch institutionelle Maßnahmen in besonderem Maße beschränkt, um deren Normen gegen regionale und soziale Besonderheiten zu schützen (cf. id.:73). Nicht zuletzt aus diesem Grund sind Sprachnormen, wie auch Normen im Allgemeinen, grundsätzlich konservativ und dienen der Stabilisierung eines Status quo. Einen weitaus gebrauchstheoretischeren Ansatz verfolgt Rupp, indem er - sich auf das grundlegende kommunikativ ausgerichtete Merkmal aller Sprachnormen beziehend - das Topos über schriftsprachliche Normen darin begründet sieht, dass die geschriebene Sprache per se normgebunden sein müsse, da ihr „der Situationskontext abgeht, weil sie alles sprachlich fassen muss, damit ein richtiges Verstehen gewährleistet wird“ (Gloy 1976:101).
Zusammenfassend lassen sich die folgenden Aspekte, welche bei der Analyse des Diccionario de Autoridades (1726-1739) der Real Academia Española zu berücksichtigen sind, festhalten: Das zu untersuchende Wörterbuch wurde in einer Zeit des rapiden wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts verfasst und ist daher, wie alle sprachlichen Normsätze, als notwendige regulative Anpassung an die Modernisierung zu betrachten. Es waren jedoch nicht nur pragmatische Ziele, die die Verfasser des zweiten einsprachigen spanischen Wörterbuches vor Augen hatten, sondern sie wurden ebenso - und dies ist Gegenstand der Untersuchung im folgenden Kapitel - von ideologischen Beweggründen angetrieben. Dabei war es ein zentrales Motiv der académicos, der spanischen Sprache auf internationaler Ebene zu neuem Glanz und Prestige zu verhelfen. In äußerst prägnanter Weise äußert sich diese Absicht in dem Leitspruch der Real Academia (RAE): dort heißt es „limpia, fija y da
esplendor“ (DAP 1 :XIII).
1 Im weiteren Verlauf der Arbeit werden Angaben zu Zitaten aus dem Prolog des Diccionario de Autoridades
(1726-1739) der Real Academia Española durch das Siegel DAP ersetzt.
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Um ein solches Ziel zu erreichen, ging die Akademie nach einem historisierenden Prinzip vor und griff dabei vor allem auf Autoren der Blütezeit der spanischen Literatur zurück. Die kastilische Varietät wurde somit auch aus historisch-traditionalistischen Gründen sowie unter Berücksichtung der Belegbarkeit bei kompetenten Sprechern zur spanischen Hochsprache erhoben und mit ästhetischen Attributen („expresiva“, „elegante“, „pura“; DAP:I) versehen. Des Weiteren flossen auch personen - bzw. gruppenbezogene Argumente mit ein, da die kastilische Norm am Ideal des Madrider Hofes ausgerichtet wurde. Der Einfluss der weiteren von Gloy angeführten Kriterien bei der Herausbildung der Standardvarietät wird Gegenstand des nächsten Kapitels sein.
III. Die Entstehung der Real Academia im historischlinguistischen Kontext
Die Gründung der Real Academia - vor dem Hintergrund des linguistischen sowie politischen und kulturellen Diskurses des 18. Jahrhunderts - losgelöst von deren erstem publizierten Werk, dem Diccionario de Autoridades, zu skizzieren, erweist sich als beinahe unmögliches Unterfangen. Denn die zentralen Gründungsmotive der spanischen Akademie sind untrennbar mit der sprachpflegerischen Absicht, jenes Wörterbuch zu verfassen, verknüpft. Dennoch halte ich es für unabdingbar, den Ausführungen über den DA eine Übersicht über die sozialen, politischen, kulturellen und linguistischen Zusammenhänge der Entstehungszeit der RAE voranzustellen, um einen Bezugspunkt für spätere Untersuchungsergebnisse aus Kapitel V herzustellen. Pérez verweist auf diese Relation von Lexik - und somit auch Lexikographie - und extralinguistischen Faktoren, indem er festhält: “El léxico es el subsistema más dinámico porque está en íntimo contacto con el mundo extralingüístico cuyos cambios políticos, económicos, sociales y culturales refleja más o menos directamente“ (1992:143). Dem hohen Selbstwertgefühl, das man in Spanien seit dem 16. Jahrhundert bezogen auf die eigene Nationalsprache hegte, ging ein Wandel in der Bewertung des Spanischen im vorherigen Jahrhundert voraus. Als Ursachen dafür sind einerseits die koloniale Expansion in Südamerika und andererseits die humanistischen Bemühungen, den Vulgärsprachen zu höherem Ansehen zu verhelfen, zu nennen (cf. Brumme 1992:380). Die Humanisten forcierten jedoch nicht den wahllosen Gebrauch sämtlicher regionaler Dialekte, sondern sie bezogen sich auf das Toledanische Kastilisch, welches im 13. Jahrhundert nach der Entstehung des Bewusstseins, dass es sich bei Latein und Volkssprache um verschiedene selbständige Sprachen handele (cf. Brumme 1992:380), unter Alfonso X zur panspanischen Norm erhoben wurde. Es dauerte daraufhin rund weitere 200 Jahre bis das normative Modell
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des Kastilischen neben der vertikalen regionalen Differenzierung eine zusätzliche horizontale Stratifizierung erfuhr:
En el Renacimiento se oponen los conceptos y valoraciones de 'cortesano' frente a 'rústico'. El Castellano, o
español, es decir la lengua culta y urbana, sometida a una normalización intense y a una relatinización más o
menos madurada, va `cubriendo´ las variedades regionales en una influencia de superstrato constituído por el
habla de los cultos (Marcos Marín 1992:586).
Aus den eben genannten Gründen der kulturellen Idealisierung des gebildeten Sprachgebrauchs konnte sich, so Schmitt, das Spanische, das im 16. und 17. Jahrhundert von dem Antagonismus Altkastilisch/Neukastilisch geprägt war, „aufbauend auf der Sprache des Hofes und des Toledaner Kulturzentrums […] - in der Folge der uso-orientierten Standardisierung als recht einheitliches Idiom herausbilden“ (Schmitt 2001:448). Aufgrund dieser kulturell-linguistischen Ausrichtung sowie durch die Sprachpolitik, die durch den königlichen Erlass von 1715 das Kastilische zur offiziellen Amts- und Bildungssprache erhob, wurde die vollständige Vereinheitlichung der Literatursprache möglich (cf. Lapesa 1999:297). Da die Standardisierung einer einheitlichen Nationalsprache immer eine einigende Funktion für diese Nation erfüllt (cf. Kapitel II), ist das im Spanien des 16. und 17. Jahrhundert entstehende Bewusstsein für die nationale literarische Tradition als Konsequenz dieser sprachpolitischen Maßnahmen zu betrachten. Gili Gaya beschreibt diese nicht nur auf den spanischen, sondern auf den gesamteuropäischen Raum bezogene Entwicklung wie folgt: A lo largo de los siglos XVII y XVIII […] las mentes más despiertas de Europa se sienten herederas en cada
nación de un pasado literario espléndido, comparable, y a veces superior, al de Grecia y Roma. […] Era
necesario conservar el tesoro heredado, bien fuesse para que siguiera dando frutos del mismo valor, bien porque
se hubiese producido o se temiese alguna grieta (1963:12f.).
Im gleichen Maße wie das Interesse an der spanischen Sprache selbst wächst und sie damit Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung wird - wie etwa bei Aldrete oder Covarrubias -, wächst im Zeitalter der Aufklärung auch das Interesse an Wissen und Wissenschaft. Dies hat den Beginn der Schaffung von einsprachigen und fachsprachlichen Wörterbüchern zur Folge (cf. Mühlschlegel 2000:49). Der Lexikographie liegt dabei nicht nur eine Anpassung an die wissenschaftliche Weiterentwicklung, an die sich die Sprache, vor allem durch Fachtermini, anpassen muss, zugrunde, sondern auch eine etymologische Betrachtung der Sprache sowie gleichzeitig die von Gili Gaya angesprochene Konservierung.
Dieses Ziel vor Augen gründeten D. Juan Manuel Fernándo Pacheco, D. Juan Ferreras, D. Gabriel Alvárez de Toledo, D. Andrés Gonzáles Barcia, P. Fray Juan Interián de Ayala, P. Bartolomé Alcázar, P. José Casani, D. Antonio Dongo Barnuevo, D. Francisco Pizarro
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Picolomini, D. José Solís y Gante und D. Vincencio Squarzafigo (cf. Azorín Fernández 2000: 163f.) im Juni 1713 die Real Academia Española. In den beiden vorherigen Jahrhunderten waren in Spanien zwar viele literarische Akademien nach italienischem Muster entstanden, aber keine Institution, die „auch oder schwerpunktmäßig Kodifizierungs- und Normierungsinitiativen entwickelt hätte“ (Fries 1984:57). Trotz dieser klaren Zielsetzung der Gründungsmitglieder ist die Entstehung der Akademie nicht als elaboriertes Ergebnis langen Nachdenkens über den Zustand des Spanischen und über „die Notwendigkeit, Nützlichkeit, Möglichkeit und Methoden von Sprachpflege“ (id.:46) zu bewerten, sondern sie entstand vielmehr „im Kraftfeld einer Reihe von Traditionen, deren Wirkung so stark war, dass die Gründungsmitglieder gar keine Veranlassung sahen, eigene radikale und systematische Überlegungen zum Thema Sprachpflege anzustellen“ (id:47). Die wichtigsten dieser Traditionen sind, so Fries weiter:
1. Die Vorstellung, Sprachen entwickelten sich organismenähnlich, 2. der eng damit verbundene Gedanke, die Muttersprache (nach dem Vorbild der klassischen Sprachen) auf dem vermeintlichen Höhepunkt ihrer Entwicklung durch eine Kodifizierung stabilisieren und über einen Niedergang hinweg verewigen zu können, 3. die Tradition des internationalen Sprachenwettstreits sowie
4. die Tradition der institutionalisierten Sprachpflege (wie sie zum ersten Mal unter Alfonso X stattfand) (cf. 1984:47).
Gemäß der in der Renaissance entwickelten Sprachwandelkonzeption, die dem Bereich des Organischen entlehnt ist, durchläuft jede Sprache vier Stadien: 1. Entstehung, 2. Wachstum und Kräftigung, 3. Läuterung und Vervollkommnung und 4. Verfall (id.:48). Diese vier Phasen grenzte Luis José Velázquez in seiner Studie der kastilischen Poesie wie folgt ab: 1. niñez (bis Juan II), 2. juventud (bis Carlos V), 3. virilidad (bis Felipe IV) und 4. vejez (bis zu der Zeit, in der er schrieb (1754)) (cf. Lázaro Carreter 1949:225). Der Glaube der Mitbegründer der RAE, die spanische Sprache selbst habe diesen Höhepunkt bereits überschritten, äußert sich auch im folgenden Passus des Prologs im DA:
Deciase tambien ser justo fijar la lengua que […] se havía pulido y adornado en el transcurso de los tiempos,
hasta llegar à su última perfección en el siglo passado; y no era decente à nosotros, que logrando la fortuna de
encontrarla en nuestros dias tan perfecta no eternizassemos en las prensas su memória […] (DAP:XI).
Diese Überzeugung, dass der literarische Zenit überschritten sei, ebenso wie das Beispiel der klassischen Sprachen, das bewiesen hatte, dass es möglich war, „Sprachen durch Kodifizierung in gewisser Weise unsterblich zu machen“ (Fries 1984:48), führten u.a. zur sprachpflegerischen Konservierung des Spanischen und damit zur retrospektiven
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Grundhaltung - zunächst im DA, später auch in der Akademiegrammatik von 1771 (cf. id.:46-51). Die oben beschriebene Vorstellung bewog bereits Nebrija (cf. id.:49) um 1495, sein Diccionario latino-español und damit das erste bilinguale Wörterbuch Spaniens zu veröffentlichen.
Die dritte Tradition, aus der die Real Academia hervorging, ist der internationale Sprachenwettstreit (vor allem innerhalb der Romania). Dabei handelt es sich neben dem Streben nach internationalem Prestige um die alte Streitfrage, welche romanische Sprache würdig sei, die Nachfolge des Lateinischen anzutreten (cf. id:53). Die Überlegenheit des Latein resultierte aus der Renaissance. Die Humanisten, die der Sprache die Rolle als Kulturträgerin beimaßen, verteidigten diese Überzeugung (cf. Jiménez Ríos 2001:597). Die Bewertung einzelner Nationalsprachen erfolgte aus diesem Grund nach dem Prinzip: „Un idioma será tanto más noble cuanto más próximo se halle al latín, y la nación que lo hable podrá ostentarlo con orgullo“ (Lázaro Carreter 1949:128).
So blickten die Gründungsmitglieder der RAE auf die Florentiner Academia della Crusca (seit 1582) und die Pariser Académie française (seit 1635) und bemerkten den Mangel an internationaler Konkurrenzfähigkeit, der durch das Fehlen einer eigenen entsprechenden Institution entstand. Die Real Academia wurde daher mit dem Ziel gegründet, ein „[…] diccionario al ejemplo de los celebradísimas Academias de París y Florencia“ (Lázaro Carreter 1980:85) zu verfassen.
Die Entstehung der RAE wird weiterhin oftmals mit einer Epoche der literarischen und sprachlichen Dekadenz gegenüber dem siglo de oro begründet. So verweist bereits Menéndez y Pelayo zwar auf das „siglo de decadencia literaria“ und die „invasión del galicismo“ (cf. Fries 1984:12), aber dennoch wird diese Argumentation in der Auseinandersetzung mit der Real Academia nicht zu Unrecht häufig angefochten; denn die antigallizistische Haltung Spaniens trat erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, also nach dem Entstehen der RAE, verstärkt auf, nachdem die Zahl der Gallizismen, die bereits seit Carlos II Bestandteil der spanischen Sprache waren, während des 18. Jahrhunderts Überhand nahmen (cf. Lapesa 1999:454). Der Kritik am Barock und damit vor allem am Gongorismus, der mit den rhetorischen Stilidealen des 18. Jahrhunderts, welche an anderer Stelle näher ausgeführt werden sollen, nicht vereinbar war, ist hingegen als eines der zentralen sprachpflegerischen Motive der Akademie zuzustimmen. So räumt auch Lázaro Carreter ein: „Para Armesto como para la Academia, los galicismos no constituyen problema lingüístico, y sí los cultismos de la corrupción literaria“ (1949:207). Doch auch dieses Kriterium ist für Lapesa nicht als das ausschlaggebende. Er erkennt zwar durchaus den barroquismo und galicismo an, bringt aber
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diese Tendenzen nicht in einen ursächlichen Zusammenhang mit der Akademiegründung, sondern verweist auf zweierlei Anlässe: Das Gewicht der literarischen Tradition einerseits sowie die rationalistische Haltung, welche das Streben nach Stabilität im Allgemeinen und nach klaren sprachlichen Regel verstärkt, andererseits (Lapesa 1999:418ff.). Auch Fries erachtet die Anti-Dekadenz- und Anti-Gallizismentheorie als fragwürdig und legt ihr Hauptaugenmerk auf den internationalen Konkurrenzkampf, indem sie das wesentliche Ziel der Akademie in der Wiederherstellung von Ruhm und Ehre der Nation begründet sieht. So führt sie die folgenden Aspekte der akademischen Zielsetzung an: Ruhm und Ehre sollten durch den Ausbau des internationalen Ansehens gemehrt werden. Dies sollte, nach Fries, erreicht werden durch:
1. die Schaffung einer angesehenen Sprachakademie,
2. Reinigung und anschließend Stabilisierung der spanischen Sprache im Zustand größtmöglicher Vollkommenheit,
3. Demonstration der Qualitäten des Spanischen nach außen hin und durch 4. die Wiederherstellung des Prestiges der spanischen Lexikographie (cf. 1984:42). Der institutionalisierten Sprachpflege kamen dabei zwei Aufgabenbereiche zu: Zunächst sollte in Form von Reinigung und Stabilisierung auf die Sprache selbst eingewirkt werden und gleichzeitig das Ansehen mit Blick auf das Ausland gepflegt werden. Beide Funktionen manifestieren sich in dem Leitspruch der Real Academia: (1.) limpia, fija (2.) y da esplendor. Ruhm und Ehre sollten jedoch nicht nur auf sprachlicher Ebene wiederhergestellt werden, denn der Eroberung Amerikas im 15. Jahrhundert und der literarischen Blütezeit Spaniensdem siglo de oro - im 16. und 17. Jahrhundert sowie dem daraus resultierenden hohen Selbstwertgefühl der Spanier folgte der Niedergang des spanischen Imperiums und der Aufstieg Frankreichs zur politischen und kulturellen Vormacht im 17. Jahrhundert. Die Tatsache, dass Madrid 1560 Toledo als spanische Hauptstadt ablöste, ist ein weiterer extralinguistischer Faktor, der die Kodifizierung des Spanischen notwendig machte, da das höfische Ideal, an dem das Modell der kastilischen Standardvarietät ausgerichtet war, nun neu stabilisiert werden musste. Der Wechsel dieses sprachlichen Zentrums brachte für das in dialektaler Hinsicht ohnehin plurizentrische Spanien einen normativen Bruch mit sich. Hier bestätigt sich die von Spittler vertretene These, nach der die Stabilität eines Normensystems in neuen Situationen und bei veränderten Machtverhältnissen immer wieder in Frage gestellt wird (cf. Schmitt 2001:446).
Aus diesem Zusammenhang von politischem und kulturellem Geschehen ergibt sich ein weiterer Einfluss im 18. Jahrhundert, welches Lapesa als „una quiebra de la tradicción
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hispánica y un auge de la influencia extranjera“ (Jiménez Ríos 1998: 142) charakterisiert. Der hier angesprochene Einfluss ist vor allem auf die poltitische und kulturelle Hegemonie Frankreichs zurückzuführen, denn, so Kailuweit,
mit den Erfolgen in Wissenschaft und Wirtschaft verbreiten sich nicht nur französische Sachen und Wörter,
sondern auch ein Sprachdenken, demzufolge in der französischen Sprache die Unterordnung der Wörter unter
die Sachen realisiert ist. Das Französische fungiert, wie Bouhours 1671 ausführt, aufgrund seiner `natürlichen
Klarheit´, die es seinen Konkurrenten Spanisch und Italienisch voraushabe, als Sprache der internationalen
Verträge und der Diplomatie, es verdrängt aus dem gleichen Grund als Sprache der Wissenschaft und
Philosophie das Latein und gilt selbst im gesellschaftlichen Umgang als exemplarisch, da es die natürlichen
Gemütsregungen ohne Über- oder Untertreibungen auszudrücken verstände (1997:51).
Vor dem Hintergrund dieser Sprachkonzeption gestaltete sich der Sprachbegriff der Aufklärer realistisch: Das Spanische sollte sich als zu kodifizierende Nationalsprache „an der Wirklichkeit ausrichten, um in Wort und Schrift die Partizipation der Staatsbürger an der nationalen Kommunikation zu ermöglichen“ (Kailuweit 1997:65). Die Kodifizierung hatte sich daher eher am uso als an den Anforderungen universeller Vernunft zu orientieren. Eine solche Standardisierung erwies sich jedoch vor allem aufgrund zweier von Lázaro Carreter angeführten Gründe als problematisch:
Die spanische Sprache sollte, wie bereits erörtert, vom barroquismo befreit werden, da der barocke “Schwulst“ und der seit dem 17. Jahrhundert wegen seiner Unzugänglichkeit und Schwierigkeit kritisierte gongorismo (cf. 1949:201) nicht mit den Stilidealen von claridad und razón vereinbar waren. Das bedeutete, dass das Sprachkonstrukt, wie man es zur Gründungszeit der Real Academia vorfand, zunächst dekonstruiert und daraufhin wieder neu geschaffen werden musste. Die sich daraus ergebende Problematik fasst Lázaro Carreter in der Frage „¿Cómo empezar a construir?“ (id.:196) zusammen.
Des Weiteren sollte das Spanische die lateinische Sprache als Wissenschaftssprache ersetzen. Die Situation stellte sich bei der Entfernung barocker Kultismen aus der Literatursprache als erheblich unproblematischer heraus, da man einen Bezug zu der noch nicht korrumpierten Sprache des siglo de oro herstellen konnte. Bei der Erneuerung der Wissenschaftssprache verhielt es sich jedoch ungleich komplizierter, da es hier keine Tradition gab, auf die man zurückgreifen konnte. Die Wissenschaft und die neuere Philosophie wurden erst kurze Zeit vorher entscheidend weiterentwickelt. Die dafür verwendete Sprache ist, so Lázaro Carreter, „producto de necesidades que en España no ha sentido“ (id.:198). Daher bestand die Aufgabe der Akademie vor allem auch darin, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer eigenen spanischen Wissenschaftssprache zu entwickeln (cf. id.: 196-198). Dieses Vorhaben, welches zunächst im Diccionario de Autoridades und später auch in der Akademiegrammatik realisiert
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wurde, gestaltete sich folgendermaßen: „Lo que pretendieron fue elevar el castellano a la categoría de lengua capaz de sustituir al latín como lengua de cultura, sirviéndose para ello […] de los resortes más puros, más activos y más españoles“ (Jiménez Ríos 2001:600). Angesichts derlei Schwierigkeiten beschreibt Lapesa diese Epoche mit den Worten: „Nunca, en verdad, estuvo más justificada que en el siglo XVIII la preocupación por el idioma“ (1999: 424). Bei der Herangehensweise an die genannte Problematik in Bezug auf Sprache, Gesellschaft und Kultur kristallisierten sich zweierlei Strömungen heraus: Zum einen ist der tradicionalismo bzw. der casticismo zu nennen. Grundlage dieser Geisteshaltung war das Interesse an den spanischen Wurzeln mit dem erklärten Ziel, den Ruhm und die Größe vergangener Zeiten wiederzuerlangen. Von diesem Denken war auch die Real Academia geprägt. Dem gegenüber steht der Geist der Innovation, des Fortschritts und der Veränderung in allen gesellschaftlichen Bereichen, d.h. der Wissenschaft, der Technik und der Kultur. (cf. Jiménez Ríos 1998a:141,146)
Dem casticismo liegt eine neoklassizistische Rückbesinnung auf die patrimonialen Wurzeln und auf ein klares nationales Gedankengut -vor allem in Bezug auf die literarische Vergangenheit - zugrunde. Das Hauptziel, nämlich die Klarheit der Sprache, hat der casticismo mit dem daraus entstehenden purismo, der die zweite Hälfte des 18. sowie Teile des 19. Jahrhunderts prägte, gemeinsam. Die Vertreter dieser Strömung gingen von einer unwiderruflichen vorangegangenen Korruption der Sprache aus und begegneten jedweder Art des Wandels mit einer ihnen eigenen Polemik, während der casticismo zwar ebenso von der gleichen glorreichen Vergangenheit ausging, dabei jedoch nötige kulturelle Veränderungen befürwortete. (cf. Gili Gaya 1963:18; Lázaro Carreter 1949:250) Bei aller Rückwärtsgewandtheit verfielen die Mitglieder der Real Academia nicht in einen radikalen Purismus, denn, so schreibt Ruhstaller, „Los académicos lograron con éxito evitar caer en un purismo insensible ante la realidad lingüística de su tiempo“ (2002:2328). Obgleich man also das Programm der Real Academia nicht dem purismo zuordnen kann, kommt der Überwindung des Barocks eine erhebliche Bedeutung zu. So finden sich, laut Schmitt, puristische Spitzenbegriffe wie „lógico, razonado, claro, con claridad, brevedad, elegancia und eufonia, etc.“ (2001: 452). Es sind damit vier Hauptkriterien, die, so Schmitt weiter, das korrekte Spanisch in der Akademie - vor allem in deren Grammatik von 1771bestimmen: genio de la lengua, lógica y razón, claridad und elegancia. Dabei handele es sich um traditionelle Werte aus der antiken Grammatikdiskussion, die somit historische Stilideale darstellen (cf. 1990:33). Dem Ideal der lógica lässt sich entnehmen, dass die académicos von der Annahme ausgingen, „ein logisches Sprachgefüge sei apriotisch gegeben und rechtfertige
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den Erlass von reglas oder gar leyes“ (Schmitt 1990:34). Dieses Verständnis der RAE, die sich als die Autorität in sprachlichen Dingen schlechthin legitimiert sieht, kommt explizit durch Verwendung legislativer Termini im Prolog des Diccionario de Autoridades zum Ausdruck:
[…] deseando limpiar, purificar, y fijar la léngua, es obligación precisa que la Académia califique la voz, y
manifieste los méritos de su juicio: pues con este méthodo muestra la moderación con que procéde, y desvanece
las inventadas objecciones de querer constituírse maestra de la léngua: porque calificada a la voz por límpia,
púra, castíza y Española, por medio de su etymología, y autoridades de los Escritores; y al contrário, castigada
por antiquada, ò por jocósa, inventada, ò usada solo en estílo libre, y no serio: viene à salir al público, con
notoriedád de hecho, que la Academia no es maestra, ni maestros los Académicos, sino unos Jueces, que con su
estúdio han juzgado las voces (DAP:XVIII-XIX).
Der mit den traditionellen stilistischen Idealen ausgestatteten normativen Konzeption der Real Academia lag also eine klare Zielsetzung zugrunde, die es, angesichts sprachlicher Dekadenz, durchzusetzen galt. In dem folgenden Auszug aus dem Prolog des DA äußern sich die académicos nicht nur bezüglich ihrer Gründungsmotivation und der von ihnen beabsichtigten regulativen Maßnahmen, sondern auch in Bezug auf die sprachliche Wirklichkeit ihrer Zeit im Einzelnen:
Siendo el fin principál de la fundación de esta Académia cultivar, y fijar la puréza y elegáncia de la léngua
Castellana, desterrando todos los errors que en sus vocablos, en sus modos de hablar, ò en su construcción ha
introducido la ignoráncia, la vana afectación, el descuido, y la demasiada libertad de innovar […] En cuya
conseqüéncia tiene por conveniente dár princípio desde luego por la formación de un Diccionario de la léngua, el
más copioso que pudiere hacerse: en el qual se annotarán aquellas voces y phrases que están recibidas
debidamente por el uso cortesáno, y las que están antiquadas, como tambien las que fueren baxas, ò bárbaras,
obsrevando en todo las reglas y preceptos que están puestos en la planta acordada por la Académia, impresso en
el año mil setecientos y trece (DAP:XXIII).
Die RAE nahm also, nachdem sie sich selbst zur normativen Autorität ernannte, eine Haltung ein, die darauf ausgerichtet war, die spanische Sprache zu verfestigen und von sie im Zeitalter der Dekadenz vor dem drohenden Untergang zu bewahren. Ihre Wahrnehmung der eigenen Nationalsprache hatte dabei noch nicht die polemischen Züge, wie sie für den Neoklassizismus am Ende des 18. Jahrhunderts charakteristisch waren, da zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen wurde, dass das Spanische als Nationalsprache nicht mehr zu retten sei und dass alle zeitgenössischen sprachlichen Veränderungen einer absoluten Korruption gleichkämen.
Vor dem Hintergrund dieser Sprachkonzeption der Akademie soll im weiteren Verlauf deren konkrete Umsetzung in dem Projekt des Diccionario de Autoridades, der trotz des Vorhabens,
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Arbeit zitieren:
Judith Breuer, 2007, Normen und normative Konzepte der Real Academia Espanola, München, GRIN Verlag GmbH
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