Westfälische Wilhelms-Universität
22.8.2005
Historisches Seminar
Hauptseminar: Bismarcks Europapolitik 1863-1890
SS 2005
Bismarcks Russlandpolitik
von
Florian Hegger
1. EINLEITUNG 3
2. VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE AUßENPOLITIK BISMARCKS NACH DER REICHSGRÜNDUNG 4
3. DAS DREIKAISERABKOMMEN VON 1873 ... 5
4. DER BERLINER KONGRESS VON 1878 ... 7
5. DAS DREIKAISERBÜNDNIS VON 1881 ... 9
6. ZWISCHEN DREIKAISERBÜNDNIS UND RÜCKVERSICHERUNGSVERTRAG (1881-1887) ... 10
7. DER RÜCKVERSICHERUNGSVERTRAG VON 1887 ... 13
8. FAZIT 14
9. LITERATURVERZEICHNIS 16
9.1 QUELLEN 16
9.2 SEKUNDÄRLITERATUR 16
1. Einleitung
Nach der Reichsgründung von 1871 bestand für das neu geschaffene Deutsche Kaiserreich die größte Gefahr durch eine eventuelle russisch-französische Verbindung und ein damit womöglich verbundener Zweifrontenkrieg.1 Dies zu verhindern, war ein sehr wichtiger Bestandteil von Bismarcks Außenpolitik. Ein weiteres Ziel von Bismarck war es, Preußen wieder als starke Macht innerhalb Europas zu etablieren und es nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Russland, wie nach dem Wiener Kongress von 1815, geraten zu lassen.2 In diesem Zusammenhang bot sich mit dem zweiten Polenaufstand eine gute Gelegenheit. Indem Preußen Russland durch sein Handeln seine Solidarität demonstrierte und konnte auf diese Weise das Vertrauensverhältnis zwischen Preußen und Russland gestärkt werden.3 Die Haltung Preußens während der polnischen Krise von 1863 zahlte sich für Preußen im Krieg gegen Österreich wiederum mit der Neutralität Russlands aus.4 Im Jahre 1866 unterstützte Preußen den russischen Wunsch, die Pontusklausel des Pariser Vertrages von 1856 aufzuheben, wohingegen Russland seinen Widerstand gegen den Norddeutschen Bund unter preußischer Führung aufgab.5 Auch im Krieg gegen Frankreich bewirkte die preußische Zusicherung in der Pontusfrage die Neutralität Russlands. Die Haltung Rußlands gegenüber Preußen spielte während der 1860er Jahre für die Entstehung des Deutschen Kaiserreiches eine erhebliche Rolle. Allerdings konnte die russische Zurückhaltung in den 1860er Jahren für die zukünftige Bündnispolitik des Deutschen Kaiserreiches ein nicht zu verachtender Faktor dahingehend werden, dass Russland seinerseits Unterstützung eigener außenpolitischer Ziele einfordern konnte.6 Wie Bismarck mit Hilfe seiner Russlandpolitik die Isolation Frankreichs gestaltete und Preußen somit eine relativ stabile Position im europäischen Mächtesystem in der Zeit von 1871 bis 1890 sicherte, soll in der vorliegenden Arbeit dargestellt werden.
Mit welchen Voraussetzungen Bismarck nach der Reichsgründung konfrontiert war, wird zunächst beschrieben. Das mit Rußland und Österreich-Ungarn abgeschlossene Dreikaiserabkommen von 1873 stellte für das neu geschaffene Deutsche Kaiserreich die Grundausrichtung dar, die die bündnispolitische Grundlage für die nächsten 17 Jahre bildete.
Nach dem russisch-türkischen Krieg und dem darauf folgenden Frieden von San Stefano sollten die Verhältnisse auf dem Balkan im Sinne aller Großmächte auf dem Berliner Kongress geregelt werden. Die Position, die Bismarck in diesem Zusammenhang einnahm, war dahingehend, dass er die russischen Interessen nicht uneingeschränkt vertrat. Der Ausgang des Berliner Kongresses bereitete daher einen Nährboden für Konflikte zwischen Russland und dem Deutschen Kaiserreich. Das Dreikaiserbündnis von 1881 knüpfte an das Dreikaiserabkommen von 1873 an, doch in welcher Form sich das Dreikaiserbündnis vom Dreikaiserabkommen unterschied, soll in diesem Punkt geklärt werden. In der Phase zwischen dem Dreikaiserbündnis und dem Rückversicherungsvertrags wurden die wirtschaftspolitischen bzw. zollpolitischen Interessenunterschiede der beiden Kaiserreiche immer offensichtlicher. Weil sich diese Differenzen auch auf die bündnispolitischen Beziehungen übertragen haben und sich die Stimmung zwischen den Bündnispartnern auf Grund dessen immer weiter verschlechterte, bildet dieser Abschnitt ein eigenständiges Kapitel in dieser Arbeit. Der Rückversicherungsvertrag von 1887 bildet den Abschluss des Hauptteils dieser Arbeit. Am Schluss wird in einer kritischen Analyse der Frage nachgegangen, wie sich die bündnispolitischen Beziehungen im betrachteten Zeitraum vom Dreikaiserabkommen bis zur Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrages zwischen Russland und dem deutschen Kaiserreich entwickelten.
Der Bestand an Sekundärliteratur ist als umfangreich zu bezeichnen. Die für diese Arbeit besonders wichtige Sekundärliteratur, vor allem die, die auch die Interessen Russlands genauer darstellt, sind die Werke von Konrad Canis und Sigrid Kumpf-Korfes. Für die Darstellung der historischen Zusammenhänge dient das Werk von Klaus Hildebrand und Otto Pflanze als hauptsächliche Grundlage.
2. Voraussetzungen für die Außenpolitik Bismarcks nach der Reichsgründung
Bismarck musste schnell erkennen, dass die Toleranzgrenze der europäischen Staaten im Hinblick auf den preußischen Machtzuwachs nach 1871 erreicht war.7 Als Folge musste eine außenpolitische Strategie verfolgt werden, die das Deutsche Kaiserreich in seinen neuen Grenzen absicherte und kein Misstrauen der etablierten Großmächte erzeugte, um die Möglichkeit eines Zweifrontenkrieges weitestgehend auszuschalten.8
[....]
1 Vgl. Canis, K.: Bismarcks Außenpolitik 1870 – 1890. Aufstieg und Gefährdung. Paderborn 2004, S.70.
2 Vgl. Lahme, R.: Deutsche Außenpolitik 1890-1894. In: Schriftenreihe der historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 39, Hg. Dietmar Willoweit, Göttingen 1990, S.47.
3 Rhode, G.: Der Berliner Kongress und Südosteuropa. In: Bismarcks Außenpolitik und der Berliner Kongress, Hg. Karl Otmar Freiherr von Aretin, Wiesbaden 1978, S.107-130, S.115.
4 Vgl. Lahme, S.47.
5 Vgl. Lahme, S.47 und Canis, S.52.
6 Vgl. Hildebrand, K.: Deutsche Außenpolitik 1871-1918. München 1994, S.4.
7 Vgl. Windelband, S.21f.
8 Vgl. Lahme, S.47.
Arbeit zitieren:
Florian Hegger, 2005, Bismarcks Russlandpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Brecht: Struktur und Leistung der Parabel am Beispiel des guten Mensch...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 34 Seiten
Diskursanalyse als Methode Politikwissenschaftliche Anwendungspotentia...
Hausarbeit, 23 Seiten
Die Beziehungen der BRD zur Volksrepublik China im Spannungsverhältnis...
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Magisterarbeit, 98 Seiten
Die Reichsgründung und die europäischen Großmächte
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Seminararbeit, 23 Seiten
Deutsche Chinapolitik: Gesellschaftliche Interessen und deren Wirkung ...
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Diplomarbeit, 88 Seiten
Gedichtinterpretation: "Die schlesischen Weber" von Heinrich...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 19 Seiten
Ernst Jünger und sein Kriegstagebuch "In Stahlgewittern" - e...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit, 18 Seiten
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Hauptseminararbeit, 28 Seiten
Das Licht am Morgen - Eine Untersuchung zum kritischen Potential des K...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Bachelorarbeit, 32 Seiten
Das Kommunistische Manifest - Werk und historischer Materialismus
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 14 Seiten
Konzepte rechter Ökologie - am Beispiel der Debatte über die Überbevöl...
Magisterarbeit, 126 Seiten
A Clockwork Orange - The presentation and the impact of violence in th...
Hausarbeit, 19 Seiten
Deutsch-Deutsche Entfremdung und Probleme der Inneren Vereinigung
Seminararbeit, 20 Seiten
Der Vaterkonflikt und das Judentum in Franz Kafkas „Brief an den Vater...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 10 Seiten
Das Verhältnis von alten und neuen Bundesländern in Deutschland - Die ...
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hausarbeit, 17 Seiten
Kassandra. Die Rezeption des antiken Mythos bei Christa Wolf
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 20 Seiten
Contemporary Christian Music: Eine kontrollierte Jugendrebellion
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit, 20 Seiten
Das innere und äußere Imperium der Sowjetunion: Aufstieg und Niedergan...
Das System der Satellitenstaat...
Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion
Hauptseminararbeit, 13 Seiten
Florian Hegger's Text Bismarcks Russlandpolitik ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Florian Hegger hat den Text Bismarcks Russlandpolitik veröffentlicht
Florian Hegger hat einen neuen Text hochgeladen
The Bismarck Myth: Weimar Germany and the Legacy of the Iron Chancello...
Weimar Germany and the Legacy ...
Robert Gerwarth
D Williamson
0 Kommentare