Georg-August-Universität Göttingen
Fachbereich der Sozialwissenschaften
Fußballnationaltrainer Jürgen Klinsmann auf dem Weg zur WM 2006
- seine Arbeit im Fokus der deutschen Presse -
Eine Analyse zur Berichterstattung ausgewählter Tageszeitungen
und des Sportmagazins „Kicker“ im Untersuchungszeitraum vom
Juli 2004 bis zum Mai 2006
Hausarbeit zur Erlangung des Magistergrades (M.A.)
vorgelegt von: Maik Eckardt
vorgelegt am: 12. Februar 2007
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
1.1. Forschungsstand ... 6
2. Sport und Massenmedien ... 8
2.1. Historischer Abriss der Sportberichterstattung ... 8
2.1.1. Sport in deutschen Tageszeitungen ... 10
2.1.2. Sport im deutschen Rundfunk ... 11
2.2. Die Bedeutung des Sports für die Massenmedien ... 14
3. Die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs in Deutschland ... 17
3.1. Die Fußball-Weltmeisterschaft ... 20
4. Die Rolle der Journalisten ... 22
5. Der Trainer in der Berichterstattung ... 24
6. Das Untersuchungsmaterial ... 27
6.1. Die Zeitung ... 27
6.1.1. Begriff und Merkmale ... 27
6.1.2. Typisierung der Zeitung ... 29
6.1.3. Aufgabe und Funktion der Zeitung ... 31
6.1.4. Der Zeitungsmarkt in Deutschland ... 32
6.2. Die Zeitschrift ... 33
6.2.1. Begriff und Merkmale ... 33
6.2.2. Typisierung der Zeitschrift ... 34
6.2.3. Aufgabe und Funktion der Zeitschrift ... 36
6.2.4. Der Zeitschriftenmarkt in Deutschland ... 37
6.2.4.1. Sportzeitschriften ... 38
6.3. Untersuchte Printmedien ... 40
6.3.1. „BILD-Zeitung“ ... 40
6.3.2. „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ... 42
6.3.3. „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ ... 44
6.3.4. „Kicker Sportmagazin“ ... 46
7. Methodische Vorgehensweise ... 47
7.1. Das Untersuchungsziel ... 47
7.2. Die Untersuchungsmethode ... 48
7.3. Die Inhaltsanalyse ... 49
7.4. Themen der Berichterstattung ... 53
7.4.1. Auswahl der untersuchten Themen ... 57
7.5. Quantitative Inhaltsanalyse ... 58
7.5.1. Hypothesenbildung ... 58
7.5.2. Definition der Grundgesamtheit ... 59
7.5.3. Definition der Analyseeinheiten ... 61
7.5.4. Kategorienbildung ... 62
7.5.5. Codierung ... 66
8. Darstellung der Analyseergebnisse ... 67
8.1. Quantitative Auswertung ... 67
8.1.1. Auswertung der Gesamtberichterstattung nach Artikeln und Fotos ... 67
8.1.1.1. Verteilung der Analyseeinheiten auf das Untersuchungsmaterial ... 68
8.1.1.2. Verteilung der Analyseeinheiten auf die Themen ... 69
8.1.1.2.1. Artikel ... 69
8.1.1.2.2. Fotos ... 70
8.1.2. Umfang der publizierten Artikel ... 71
8.1.3. Aufmachung der publizierten Artikel ... 76
8.1.4. Platzierung der publizierten Artikel ... 82
8.1.5. Herkunft der publizierten Artikel ... 88
8.1.5.1. Exkurs: Die Nachrichtenagenturen ... 88
8.1.5.1.1. Die Deutsche Presse-Agentur ... 89
8.1.5.1.2. Der Sport-Informations-Dienst ... 90
8.1.6. Journalistische Darstellungsformen der Analyseeinheiten ... 98
8.1.6.1. Exkurs: Die journalistischen Darstellungsformen ... 98
8.1.7. Zusammenfassung der quantitativen Ergebnisse ... 111
8.2. Qualitative Inhaltsanalyse ... 117
8.2.1. Qualitative Auswertung ... 120
8.2.1.1. Thema „Torwartfrage“ ... 120
8.2.1.2. Thema „Trainingsmethoden“ ... 127
8.2.1.3. Thema „Wohnortdebatte“ ... 130
8.2.2. Zusammenfassung der qualitativen Ergebnisse ... 132
9. Fazit ... 137
Literaturverzeichnis ... 142
Abbildungsverzeichnis ... 159
Tabellenverzeichnis ... 161
1. Einleitung
„Die Fans haben die große Hoffnung, dass wir 2006 Weltmeister werden. Das ist auch meine Zielsetzung“ (Riegler 2004a, 21).
Mit dieser Aussage, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gewinnen zu wollen, trat Jürgen Klinsmann am 29. Juli 2004 die Nachfolge von Rudi Völler1 als Teamchef der Nationalmannschaft an. Der eigentlich nur als Notlösung gedachte (vgl. Schulze-Marmeling 2005, 335) und nach langer Trainersuche2 „überraschend zum neuen Bundestrainer“ (Riegler 2004a, 21) ernannte Klinsmann wollte mit dieser, in der Presse als „mutig“ (Franzke et al. 2004, 29) bezeichneten, Zielsetzung eine neue Aufbruchstimmung in Deutschland erzeugen (vgl. Riegler 2004a, 21). Überraschend war die Entscheidung für den einstigen Weltklassestürmer3 deshalb, weil Klinsmann als Trainer noch nahezu unerfahren war. Nachdem er seine Trainerlizenz bei einem Sonderlehrgang im Juni 2000 „im Schnellverfahren“ (Wild 2004a, 2) erwarb, war er lediglich als Co-Trainer bei der Los Angeles Galaxy beschäftigt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Klinsmann). Damit gab es natürlich kritische Stimmen4 gegen die Verpflichtung des in Göppingen geborenen und seit 1999 im kalifornischen Newport Beach lebenden „Wahl-Kalifornier[s]“ (Schulze-Marmeling 2005, 338). Dennoch wurde ihm und seiner Führungscrew5 die volle Unterstützung für das „Projekt 2006“ (Müller 2004, 6) von den Bundesliga-Vereinen zugesagt (vgl. Riegler 2004b, 21). Als mutig wurde Klinsmanns Ziel vor allem deshalb bezeichnet, weil der deutsche Fußball zum Zeitpunkt des Beginns seiner Trainertätigkeit, nach dem Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal, in der Krise steckte (vgl. Kühne-Hellmessen 2005, 567).
Um das hoch gesteckte Ziel jedoch erreichen zu können, mussten Änderungen geschaffen werden. Und Klinsmann mit seiner verinnerlichten amerikanischen Lebensweise, zu der u.a. Risikobereitschaft und besonders Optimismus gehören, packte diese Änderungen6 entschlossen an. Anders als die Bundestrainer vor ihm7, die die Arbeit ihres jeweiligen Vorgängers mehr oder weniger fortsetzten (vgl. Schulze-Marmeling 2005, 342), reformierte der „neunte[…] Chef der Nationalmannschaft“ (Müller 2004, 6) radikal die traditionellen Strukturen im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Mit „allen Kompetenzen und Entscheidungsgewalten“ (Kühne-Hellmessen 2005, 568) ausgestattet, setzte er seine Ideen und Konzepte von Beginn an kompromisslos um. Die Kompromisslosigkeit war darauf zurückzuführen, dass Klinsmann nur zwei Jahre Zeit hatte, seine Reformen zu vollziehen und sein Ziel zu erreichen. Deshalb sollte das gesamte Denken und Handeln auf „dieses eine Ziel, diese eine WM, diesen einen Titel“ (Riegler 2004c, 32) ausgerichtet sein. Dem habe sich alles andere unterzuordnen. Klinsmann sagte in einem „Stern“ - Interview selbst dazu: „Es muss jedem bewusst sein, dass so schnell keine WM mehr nach Deutschland kommt. Das ist unsere einmalige Chance. Und die dürfen wir nicht verpassen“ (vgl. Lang 2005, ID8).
Doch wie der „Kicker“ zu bedenken gab, hatte Klinsmann die „wohl gewaltigste Aufgabe“ (Müller 2004, 6) aller bisherigen Bundestrainer übernommen. Damit lud er sich von Anfang an einen hohen Erfolgsdruck auf, zumal gerade bei der Nationalmannschaft die Erwartungshaltungen stets sehr hoch sind9. Dieser Umstand führt dazu, dass es nach sportlichen Rückschlägen zur Kritik seitens der Medien kommt. Bei Klinsmann war dies zum ersten Mal im Oktober 2005 nach ein paar schlechten Testspielen (u.a. einer 1:2- Niederlage gegen die Türkei am 8.10.2005) der Fall. Die Presse kritisierte u.a. die Torwartrotation zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann sowie Klinsmanns Pendeln zwischen Deutschland und Amerika (vgl. Fritsch 2006a, 175; auch Horeni 2005a, 314). Doch der „Dickschädel“, wie ihn die „Welt am Sonntag“ bezeichnete, zog konsequent seinen eigenen Plan durch (vgl. Stützer 2006; ID) und gab zu verstehen, dass er sich „von den Medien […] seinen Weg nicht diktieren“ (Horeni 2005a, 314) lasse. Klinsmann will somit seine Selbständigkeit bewahren und Unabhängigkeit gegenüber den Medien demonstrieren (vgl. http://www.indirekter-freistoss.de/home/studie-derichs1.html). Damit unterscheidet er sich neben seinem Reformeifer auch im Umgang mit den Medien grundlegend von seinen Amtsvorgängern, die sich beispielsweise (bspw.) von der „BILDZeitung“ („BILD“) beeinflussen ließen (vgl. ebd.). So standen sich, mit Ausnahme von Berti Vogts, seit Jupp Derwall alle Trainer der Nationalelf gut mit „BILD“, um eventueller Kritik des Massenblattes aus dem Weg zu gehen (vgl. Jensen 2006; ID). Aber Klinsmann, der im Umgang mit den Medien nach dem Prinzip „Gleiche unter Gleichen“ (Fritsch 2006a, 175) vorging, behandelte auch „BILD“ nicht besser als andere Medienvertreter. Damit nahm er dem Boulevardblatt ihren bis dahin starken Einfluss auf die Nationalmannschaft10. Daraus ergibt sich die Frage, die u.a. in dieser Arbeit beantwortet werden soll, ob sich der schwindende Einfluss negativ auf die Berichterstattung von „BILD“ über Klinsmann auswirkt?
Doch woraus gründet sich eigentlich das prinzipielle Interesse der Medien an der Arbeit des Fußball-Bundestrainers? Zunächst einmal ist der Sport im Allgemeinen ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, der sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Massenphänomen entwickelt hat (vgl. Nullmeier 2003, 7). Vor allem der Spitzensport, und hier insbesondere der Fußball, stößt dabei auf großes Interesse in der Bevölkerung11. Damit einher geht eine hohe gesellschaftliche Bedeutung12 der beliebten Ballsportart. Da die Medien aus wirtschaftlicher Sicht daran interessiert sind, hohe Auflagen (Printmedien) sowie hohe Einschaltquoten (Hörfunk, Fernsehen) zu erzielen, wird Fußball in der Berichterstattung der Medien umfassend berücksichtigt. Aus diesem Grund steht der Trainer als „zentrale Person im Leistungssport […] [im] Rampenlicht des öffentlichen Interesses“ (Zieschang et al. 1986, 9). In Deutschland konzentriert sich das Interesse besonders auf den Nationaltrainer, weil er in der Verantwortung für die deutsche Nationalmannschaft steht. Die Nationalelf, eine Auswahl der besten Spieler Deutschlands, gilt als „Repräsentant der Nation“ (Väth 1994, 145). Mit ihr identifizieren sich „alle Fußballinteressierten unabhängig von ihrer Vereinssympathie“ (ebd.)13. Das macht den Bundestrainer zu einer gesellschaftlichen Identifikationsfigur. Auf Grund seines Bekanntheitsgrades sowie dem gesellschaftlichen Interesse an seiner Person ist „Öffentlichkeitsarbeit [...] ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit“ (Schulze 2006, ID). Im speziellen Fall Klinsmann kann ein besonders hohes öffentliches Interesse an seiner Person konstatiert werden, da er die Aufgabe hatte, die Nationalmannschaft auf das „größte Sportereignis, das seit Jahrzehnten“ (http://openpr.de/news/66967.html) in Deutschland stattfand, vorzubereiten. Damit stand die Person Klinsmann seit Beginn der Amtszeit als Bundestrainer im Fokus. Hinzu kamen die zahlreichen Neuerungen und Reformen, die die Medien dazu veranlassten, ihrem gesellschaftlichen Auftrag – der durch die grundlegenden Merkmale Information, Kritik und Meinungsbildung gekennzeichnet ist (vgl. Zieschang et al. 1986, 30) – nachzukommen.
[ ... ]
1 Rudi Völler war vom 2. Juli 2000 bis zum 24. Juni 2004 Teamchef der Nationalmannschaft (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fballbundestrainer). Er führte die Nationalelf im Jahr 2002 zur Vize-Weltmeisterschaft (vgl. Kühne-Hellmessen 2005, 567).
2 Zur Trainersuche vgl. Punkt 7.4.
3 Jürgen Klinsmann erzielte in seiner Spielerkarriere unter anderem (u.a.) 47 Tore in 108 Länderspielen sowie 110 Tore in 221 Bundesligaspielen für den VFB Stuttgart (1984-1989) und den FC Bayern München (1995-1997). Sein größter Erfolg war der Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 in Italien (vgl. www.klinsmann.us).
4 So zum Beispiel (z.B.) Udo Lattek („Ich finde es […] riskant, dass […] jemand an die Spitze kommt, der noch nie eine Mannschaft geführt hat“; Wild 2004a, 2) oder Jupp Heynckes, der „Klinsmanns geringe Erfahrung“ (Wild 2004b, 23) monierte.
5 Das Führungstrio der Nationalelf bildeten neben Klinsmann noch Assistenztrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff (vgl. Punkt 7.4.).
6 Die Änderungen bzw. Reformen sowie Neuerungen Klinsmanns werden in Punkt 7.4. ausführlich dargestellt.
7 Zu den vorherigen Cheftrainern gehören der Reihe nach Otto Nerz (1926-1936), Sepp Herberger (1936-1964), Helmut Schön (1964-1978), Jupp Derwall (1978-1984), Franz Beckenbauer (1984-1990), Berti Vogts (1990-1998), Erich Ribbeck (1998-2000) und Rudi Völler (2000-2004) (vgl. Kühne-Hellmessen 2005, 552ff).
8 „ID“ bedeutet Internetdokument. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird bei Internetquellen mit Autorenangabe nur der Autor und das Jahr angegeben. Die vollständige Internetadresse wird im Literaturverzeichnis unter „Internetdokumente“ aufgeführt. Internetquellen ohne Autor werden hingegen vollständig in den Fließtext eingebaut.
9 Vgl. Punkt 3.
10 „BILD“ hatte bis zur Ernennung Klinsmanns zum Bundestrainer in der „Nationalmannschaft immer laut mitgeredet“ (Fritsch 2006a, 175). So z.B. bei der Ernennung Franz Beckenbauers zum Teamchef 1984 oder der Nominierung von Lothar Matthäus (heute „Sport-BILD“ - Kolumnist) bei der Europameisterschaft 2000 (vgl. Fritsch 2006a, 175).
11 Vgl. Punkt 2.2.
12 Vgl. hierzu Punkt 3.
13 Der Bekanntheitsgrad der deutschen Nationalmannschaft liegt nach einer Studie der Vermarktungs- Agentur SPORTFIVE im Jahr 2002 unter den Fußball-Interessierten in Deutschland bei 100 Prozent (vgl. Horky 2003, 7).
Arbeit zitieren:
Maik Eckardt, 2007, Fußballnationaltrainer Jürgen Klinsmann auf dem Weg zur WM 2006 – seine Arbeit im Fokus der deutschen Presse, München, GRIN Verlag GmbH
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