Inhalt
1. Das Da-Sein als Verstehen 3
2. Verstehen und Auslegung 4
3. Das Gerede 6
4. Die Neugier 7
5. Die Zweideutigkeit 7
6. Das Verfallen und die Geworfenheit 7
Literaturverzeichnis 9
2
1. Das Da-Sein als Verstehen
Das Dasein hat auf 2 Weisen In-der-Welt-Sein erschlossen: Befindlichkeit und Verstehen. Durch Befindlichkeit merkt es, dass es sich in einer bestimmten Möglichkeit zu sein befindet. „Verstehen ist das existenziale Sein des eigenen Seinkönnens des Daseins selbst, so zwar,
dass dieses Sein an ihm selbst das Woran des mit ihm selbst Seins erschließt.“ (144) 1 Verstehen selber ist nichts Vorhandenes, kein Werkzeug, sondern es gehört zum Dasein, ist Existenzial: ohne Verstehen kein Dasein.
„Seinkönnens“: Dasein ist Sein-Können in bezug aufs Besorgen der Welt und das Dasein selber. Ist in diese Möglichkeit „geworfen“: „Dasein ist ihm selbst überantwortetes Möglichsein, durch und durch geworfene Möglichkeit.“ (144) Darin unterscheidet es sich von Vorhandenheit des bloßen Zeugs. Verstehen ist das, das dem Dasein seine Möglichkeitsstruktur sichtbar macht, indem es sich in Möglichkeiten hineinversetzt. Verstehen hat also nicht Bedeutung von „Erkenntnis“. D.h. gegen Trad. Der Hermeneutik, z. B. Dilthey („eigene Erkenntnismethode der Geisteswissenschaften“). Bei H V viel universeller. Verstehen ist ein Können, aber kein spezielles, sondern Sein-können selbst, dem Dasein gewachsen sein. Ist möglich, weil Verstehen den Blick auf das Sein-Können, und das heißt: aufs Dasein überhaupt, öffnet.
„Woran“ heißt: worum es Dasein geht, was es als Möglichkeit ist und was es sein könnte. (144)
Verstehen spielt bei elementarsten Handlungen eine Rolle. Wenn ich in die S-Bahn steige, habe ich verstanden,
worum-willen ich einsteige: um nach x zu kommen. Das bedeutet schon Verstehen. Oder: Jemand kann Abitur machen oder nicht, wenn ja: kann studieren oder nicht usw. Dasein erfährt, welche Möglichkeiten ihm
offen stehen, d. h. was es sein kann. Versteht um-willen-Struktur: Abitur, um zu studieren.
Jedenfalls Verstehen braucht weder sprachlich gefasst noch bewusst zu sein; meistens bleibt es unausdrücklich. Das alltägliche Verstehen bleibt unausdrücklich. (142f.) Verstehen richtet sich aber nie nur auf einen Ausschnitt, sondern versteht immer ganze Grundverfassung des In-der-Welt-seins. V macht am innerweltlich Zuhandenen Verwendbarkeiten als Möglichkeiten sichtbar Bewandtnis, und zwar Ganzes einer Möglichkeit des Zusammenhangs von Zuhandenem: Wie etwas in Bezug auf alles mögliche andere gebraucht werden kann. Und Gebrauch richtet sich immer nach Um-Willen je meines Daseins Bedeutsamkeit, d.h. das, was in meiner besorgenden Umsicht vorkommt, weil ich es um x willen gebrauchen kann. Deshalb macht V je meine Welt sichtbar. (144)
1 Alle Zitate beziehen sich auf die im Literaturverzeichnis angegebene Standardausgabe von Sein und Zeit.
3
Hammer zum Festnageln, Nagel zum Dachstuhlbauen, Dachstuhlbauen zum Hausbauen, Hausbauen letztlich um
des Daseins selbst willen; d. h. Welt (Bedeutsamkeit) und Um-Willen des Daseins werden verstanden. (Aber
auch: Nagel zum Bild an der Wand befestigen, zum x, y, z.) V geschieht immer als Entwurf. Das geworfene Dasein macht immer unausdrückliche Entwürfe (Möglichkeiten seiner selbst). Entwurf ist das Können, die und die Weise des Verstehens statt anderer zu verwirklichen. Dieses Können geht stillschweigend und unbemerkt vonstatten. H betont, dass es nicht zuerst „äußere“ Dinge/Möglichkeiten gibt, die dann vom Entwurf geordnet in Blick genommen werden, sondern dass der ursprüngliche Bezug zur Welt der Entwurf ist. Der theoretische Blick (erkenntnistheoretisch) aufs Vorhandene ist sekundär (145)
Ich habe Hunger. Entwurf: Ich stille in Mensa meinen Hunger. Also: Hingehen, Karte aufladen, anstehen.
Ich bin Student, mache Scheine, irgendwann werde ich Abschluss machen und fertig sein. V nimmt immer Ganzes in Blick, kann aber akzentuiert werden, es gibt „Modifikationen“ des Verstehens: a) kann „eigentlich“ sein: vor allem aufs Dasein und Um-Willen gerichtet, entspringt aus Selbst selber Ich brate Wurst, damit ich satt werde b) „uneigentlich“: vor allem auf Welt beziehen Hammer zum Festnageln, Nagel zum Bild an der Wand befestigen Jede der 2 Weisen kann wieder echt oder unecht sein (vgl. Verstellung des Man).
In jedem Fall führt Verstehen zu einer „Sicht“ des Daseins. Durch Verstehen wird Dasein durchsichtig, Umsicht des Besorgens, Rücksicht der Fürsorge, Sicht auf das Um-willen des Daseins selbst Erschlossenheit. „In der Entworfenheit seines Seins auf das Worumwillen in eins mit der auf die Bedeutsamkeit (Welt) liegt Erschlossenheit von Sein überhaupt.“ (147) „Sicht“ bedeutet hier „Unverdecktheit“. Traditionell mit Erkenntnistheorie assoziiert, gründet hier im Verstehen, nicht in Erkenntnis (146f.)
2. Verstehen und Auslegung
Verstehen kann die entworfenen Möglichkeiten, die ja unausdrücklich vorliegen, ausdrücklich in den Blick nehmen. Das heißt dann Auslegung. H wendet sich damit gg. hermeneut. Tradition, bei der Auslegung vor Verstehen kommt. Auslegung ist bei H eine ausdrückliche Ausarbeitung des Verstehens.
H zeigt das am Bsp. des Welterkennens im Modus der Echtheit: Verstehen kann sich Bedeutsamkeit klar machen, d.h. was ein einzelnes Zuhandenes für eine Bewandtnis hat. Umsichtig Zuhandenes wird in seinem um-zu „auseinandergelegt“, d.h. ein ganzer Bewandtniszusammenhang wird in seine Einzelteile aufgelöst. Dabei wird das
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Arbeit zitieren:
2004, Über Martin Heidegger: "Sein und Zeit", München, GRIN Verlag GmbH
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