Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die demographische Lage in Deutschland. 3
2.1 Definition Demographie 3
2.2 Demographische Entwicklung in Ost- und Westdeutschland von
1949 bis 1990 4
2.2.1 Geburtenentwicklung 4
2.2.2 Mortalität. 7
2.2.3 Außenwanderung 9
2.3. Prognosen des zukünftigen demographischen Wandels
bis 2050 11
2.3.1 Bevölkerungsvorausberechnung 14
2.3.2 Geburtenentwicklung 16
2.3.3 Mortalität. 18
2.3.4 Außenwanderung 21
2.4. Folgerung 24
3. Das Arbeitskräfteangebot auf dem deutschen Arbeitsmarkt 26
3.1 Beteiligung der Erwerbsbevölkerung am deutschen
Arbeitsmarkt 30
3.1.1 Frauen und Männer mittleren Alters 30
3.1.2 Ältere Menschen. 33
3.1.3 Junge Erwerbsbevölkerung zwischen 15 und 25 Jahren. 34
3.1.4 Ausländische Arbeitnehmer dem deutschen Arbeitsmarkt 35
3.1.5 Die Stille Reserve 36
3.1.6 Bildung und Qualifikation als Voraussetzung für den
deutschen Arbeitsmarkt - conditio sine qua non 37
3.2. Prognosen zukünftiger Entwicklung des Arbeitskräftepotenzials
auf dem deutschen Arbeitsmarkt. 39
4. Die Nachfrage nach Arbeitskräften am deutschen Arbeitsmarkt 43
4.1. Einflussfaktoren der Arbeitskräftenachfrage 43
4.1.1 Wirtschaftliche Entwicklung 44
4.1.2 Konsumnachfrage. 47
4.1.3 Demographischer Wandel 47
4.1.4 Arbeitsproduktivität. 48
4.1.5 Kostenentwicklung 51
4.1.6 Arbeitszeit 52
4.2. Die zukünftige Nachfrage nach Arbeitskräften auf dem deutschen
Arbeitsmarkt 53
4.3 Variable der Arbeitskräftenachfrage 53
4.3.1 Anzahl der Erwerbstätigen 53
4.3.2 Entwicklung des Wirtschaftswachstums. 55
4.3.3 Arbeitskräftenachfrage 57
5. Lösungsansatz 59
5.1. Steigerung der Frauenerwerbsquote am deutschen
Arbeitsmarkt 60
5.1.1 Entscheidungsfaktor Kind 61
5.1.2 Einflussfaktor Teilzeitarbeit. 64
5.1.3 Ausblick 67
5.2. Kinderbetreuung. 68
5.2.1 Derzeitige Kinderbetreuungsangebote in Zahlen. 68
5.2.2 Der wirtschaftliche Nutzen erweiterter
Kinderbetreuungsangebote. 70
5.2.3 Wirtschaftliche Entwicklung durch
Kinderbetreuungsangebote. 71
5.2.4 Diskussionswürdige Kritikpunkte zur erweiterten
Frauenerwerbst ätigkeit. 73
6. Fazit und Ausblick 75
Literaturverzeichnis 77
1. Einleitung
Die Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland weist seit einigen Jahrzehnten das Problem degenerierender Geburtenzahlen in einer gleichzeitig stetig alternden Bevölkerung auf. Trotz der eindeutigen Prognosen des allmählich eintretenden demographischen Strukturwandels und seiner Auswirkungen, fehlt das Problembewusstsein sowie ein entgegenwirkendes Handeln, um die gravierenden Folgen in Grenzen zu halten. Wie viele Untersuchungen und Studien verdeutlichen, wird sich der demographische Wandel drastisch auf sämtliche Bereiche in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auswirken. Politische Diskussionen beschäftigen sich, neben den Sozialsystemen, verstärkt mit den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die sich im Arbeitsangebot, der Arbeitsnachfrage, der Arbeitslosigkeit, sowie der Lohnstruktur und -höhe bemerkbar machen. In Zukunft wird dem Arbeitsmarkt eine bessere Lage prognostiziert. Dabei soll unter anderem die Massenarbeitslosigkeit durch zurückgehen 1 . die Engpässe der Arbeitskräfte Ziel dieser
wissenschaftlichen Arbeit ist es, diese These zu erörtern und zu analysieren. Darüber hinaus werden die Einflüsse des demographischen Wandels auf den deutschen Arbeitsmarkt behandelt. Im zweiten Abschnitt wird, nach der Einführung in das Themengebiet „Demographie“ im ersten Teil, die Bevölkerungsentwicklung in den alten und in den neuen Bundesländern im Vergleich dargestellt. Im Mittelpunkt dieser Ausführungen steht die Bevölkerungsentwicklung von 1949 bis 1990, sowie die zukünftigen Veränderungen und Prognosen bis zum Jahr 2050. Diese lehnen sich hauptsächlich an die 2006 erschienene 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen
Bundesamtes an. Mit in Betracht gezogen, wird auch der Stellenwert der ausländischen Bevölkerung in Deutschland.
1 Vgl. BMBF (2002), S. 20.
1
Abschnitt drei widmet sich dem Arbeitsangebot und den bereits erkennbaren künftigen Entwicklungen.
Im darauf folgenden Abschnitt vier werden die demographisch bedingten Auswirkungen auf die Arbeitsnachfrage näher untersucht. Es werden drei verschiedene Studien aufgeführt, deren unterschiedliche Ergebnisse offen gelegt und erläutert werden. Schließlich stellt der letzte Abschnitt fünf einen Lösungsansatz vor, um dem Phänomen des Strukturwandels entgegen zu treten.
2
2. Die demographische Lage in Deutschland
Das Bewusstsein um den demographischen Wandel wird in der heutigen Zeit immer öfter und intensiver in Politik und Medien diskutiert. Auslöser dafür ist der spürbare Wandel der Bevölkerungsstruktur, bedingt durch die sinkende Mortalität bei gleichzeitig niedriger Fertilität. In vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sind die Folgen dieser Veränderung bereits erkennbar. Dem Problem des demographischen Wandels muss schnellstmöglich entgegengewirkt werden. Die demographische Entwicklung eines Landes wird anhand der drei Betrachtungsgebiete Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und
Wanderungssaldo, bestimmt. Für die künftige Bevölkerungsentwicklung bis 2050 werden aufgrund des unsicheren Verlaufs unterschiedliche Annahmen getroffen, die im Folgenden präsentiert werden. Wichtig dabei ist es nicht, die genauen Größen zukünftiger Bevölkerungszahlen zu nennen, sondern Annahmen zum Verlauf der Bevölkerungskurve darzustellen. Ziel dieses Kapitels ist es die Bevölkerungsbewegung, beginnend in der Nachkriegszeit 1949 bis zum Jahr 2005 aufzuzeigen, die zukünftigen Trends und Prognosen bis 2050, sowie die Determinanten und Auswirkungen demographischer Veränderungen zu benennen.
2.1 Definition Demographie
Demographie wird im Allgemeinen mit dem Begriff
„Bevölkerungswissenschaft“ gleichgesetzt. Dennoch werden beide Bezeichnungen unterschiedlich angewandt.
Demographie leitet sich aus den griechischen Worten „demos“ für „Volk“ und „graphein“ für „schreiben, beschreiben“ ab und befasst sich mit der
3
Struktur und Entwicklung der Bevölkerung 2 . Die Demographie gibt Aufschlüsse über die Zusammensetzung der Bevölkerung nach Alter, Geschlecht, Religion, Staatsangehörigkeit, Eheschließungen usw., aber auch über die Komponenten Geburtenhäufigkeit, Mortalität und Außenwanderung.
Bevölkerungswissenschaft hingegen beschreibt im weiteren Sinne die durch Zeit, Wirtschaft, Politik, Kultur, Medizin und Technik hervorgerufenen Veränderungen der Bevölkerungsstruktur 3 .
2.2 Demographische Entwicklung in Ost- und
Westdeutschland von 1949 bis 1990
2.2.1 Geburtenentwicklung
Die Gesamtentwicklung der Geburtenhäufigkeit in Deutschland, während der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, war von drei einschneidenden Geburtentiefständen geprägt, welche durch den ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und den zweiten Weltkrieg ausgelöst wurden. Zu Beginn der sechziger Jahre führte der Timing-Effekt 4 , die positive Stimmung der Bevölkerung während des wirtschaftlichen Aufschwungs und eine hohe Heiratsneigung (Golden Age of Marriage), in Ost- als auch in Westdeutschland kurzzeitig zu einem Baby-Boom. Mit 2,5 Kindern je Frau kam es zur höchsten zusammengefassten Geburtenrate. Ost- und Westdeutschland verzeichneten zu dieser Zeit ein positives Wachstum der Bevölkerung, da die Anzahl der Lebendgeborenen die der Sterbefälle überschritt. Doch bereits Mitte der sechziger Jahre sank die Geburtenentwicklung durch sich verändernde Familienformen,
2 Vgl. FEICHTINGER (1979)
3 Vgl. BIB (2004), S.7.
4 Verschiebung des Alters bei Erstgeburt. Vgl. BIB (2004), S.20.
4
medizinische Errungenschaften zur Vermeidung von Schwangerschaften und eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen. Somit entstand ab 1972 ein negatives Bevölkerungswachstum. Im Jahre 1975 verzeichnete Ostdeutschland eine Geburtenquote von 1,54 und das ehemalige Bundesgebiet von 1,45 Kindern pro Frau. In den alten Bundesländern sank die Geburtenhäufigkeit bis 1985 auf einen Tiefpunkt von 1,3 Kindern je Frau weiter ab. Bis 1990 stieg sie wieder auf eine Quote von 1,45 an. In der DDR hingegen gelang aufgrund familien- und bevölkerungspolitischer Regelungen ein Ansteigen der Geburtenzahlen auf 1,94 Kindern pro Frau bis zum Jahr 1980. In den darauf folgenden Jahren verminderte sich diese Zahl wieder auf 1,52 Kinder pro Frau. Die anschließende Wiedervereinigung und die damit verbundenen Unsicherheiten der Bevölkerung führten in den ostdeutschen Ländern zu einem massiven Einbruch der Geburtenzahlen. Im Zeitraum von 1990 bis 1994 fiel dort die Geburtenquote um beinahe die Hälfte von 1,52 auf einen weltweiten Tiefpunkt von 0,77 Geburten je Frau. Seit 1995 zeigt sich in Deutschland ein leichter Anstieg der Lebendgeborenenzahlen zusammengefasst von 1,2 auf 1,4 Kinder pro Frau im Jahre 2004 5 .
Langfristig betrachtet, hat eine niedrige Fertilität der deutschen Frauen einen Bevölkerungsrückgang der Deutschen zur Folge. Diese Fakten stehen im Zusammenhang mit der niedrigen Netto-Reproduktionsrate (NRR). Unter Beachtung der derzeitigen Geburtenraten und Lebenserwartungen bei Säuglingen, wird die durchschnittliche Zahl lebendgeborener Mädchen je Frauengeburtenjahrgang ermittelt. Die NRR zeigt auf, ob sich die Bevölkerungszahlen, je nach Anzahl potentieller Mütter, positiv oder negativ entwickeln wird. Maßstab für die NRR ist der Wert eins, der ein Aufrechterhalten der Bevölkerungsstruktur angibt. Liegt die Rate unter einem Wert von eins bedeutet dies, dass die Kohorte der lebendgeborenen Töchter kleiner ist als die ihrer Mütter und somit die Bevölkerungszahlen künftig zurückgehen werden. Übersteigt die Rate den Wert eins, ist die Elterngeneration gewachsen, was zugleich ein Anstieg
5 Vgl. StBA (2006a), S. 31.
5
der Bevölkerung bedeutet 6 . Ein Schrumpfen der künftigen Bevölkerung ist bereits an der NRR erkennbar. Im Jahre 2005 lag die NRR bei 0,641, also deutlich unter eins 7 .
Abbildung 1: Geburtenentwicklung in Deutschland seit 1950 bis 2004
2
Geburtenrate pro Frau
1,5
1
0,5
0
Quelle: StBA (2006)
6 Vgl. BIB (2004), S. 89.
7 Vgl. StBA (2006a)
6
2.2.2 Mortalität
Die älteste Variante Lebenserwartungen und Sterbewahrscheinlichkeit innerhalb der Bevölkerung zu bestimmen und aufzuzeichnen ist das seit 1871 existierende Modell der Sterbetafeln 8 . Basierend auf Daten von vorausgegangenen Volkszählungen, kann anhand der Sterbetafeln angegeben werden, wie hoch die durchschnittliche Lebenserwartung von Säuglingen bei der Geburt bis zu einem bestimmten Alter ist. Ebenfalls lässt sich damit feststellen, wie sich die durchschnittliche fernere Lebenserwartung ab diesem Alter künftig entwickelt 9 . Zu Anfang des Deutschen Reiches 1871 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt 35,6 Jahre für männliche und 38,4 Jahre für weibliche Säuglinge. Bis zum Jahre 1949/1950 vollzog sich ein rasches Ansteigen der durchschnittlichen Lebenserwartung von Neugeborenen auf 64,4 Jahre bei Jungen und 68,5 Jahre bei Mädchen. Dieser starken Zunahme der Lebenszeit um ca. 30 Jahre steht eine enorm zurückgehende Kinder- und Säuglingssterblichkeitsrate gegenüber 10 . Seit 1949/1950 ließ sich ein flacherer Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung bei Neugeborenen beobachten. Er betrug in der Betrachtungsperiode 2002/2004 für Jungen 75,9 Jahre und für Mädchen 81,5 Jahre. Die vorherrschenden Todesursachen bei Kindern und Säuglingen um 1900 haben heute größtenteils an Bedeutung verloren, aufgrund besserer hygienischer Bedingungen und des medizinischen Fortschritts. Ebenso registrierte die durchschnittliche fernere Lebenserwartung 11 einen Anstieg. Im Jahre 1871 wiesen 60-jährige Männer eine durchschnittliche fernere Lebenserwartung von 12,1 Jahren und Frauen von 12,7Jahren auf. Bis zur Periode 2002/2004 entwickelten sich die Werte positiv steigend: 20,0 Jahre bei Männern und 24,1 Jahre bei Frauen. Die
8 Vgl. HÖHN, S. 751.
9 Vgl. StBA (2006a), S. 36.
10 Vgl. StBA (2006a), S. 38.
11 Beschreibt wie viel Jahre ein Mensch, nach Erreichen eines bestimmten Alters, in der
Regel zwischen 60 und 65 Jahren, durchschnittlich noch leben wird. Vgl. StBA (2006), S. 65.
7
geschlechtsspezifischen Unterschiede sind auf biologische und verhaltensbedingte Ursachen zurückzuführen 12 . Die aufgeführten Daten zur durchschnittlichen Lebenserwartung zeigen auf, dass die Bevölkerung, bei einer gleichzeitig negativen Geburtenrate, stetig altert und der Anteil der älteren Bevölkerung zahlenmäßig schon heute den der jungen Menschen überwiegt.
Alter
1 8 7 1 - 1 8 8 1
Jahre
1)Die aufgeführten Werte gelten bis 1934 für das Deutsche Reich, bis 1988 für das ehemalige Bundesgebiet und ab 1991-1993 gelten die Werte für das gesamte Bundesgebiet. Quelle: StBA (2006a)
12 Vgl. BIB (2004), S. 44.
8
2.2.3 Außenwanderung
Um die Bevölkerungszahlen in einem Land bestimmen zu können, ist neben den Zahlen zur Geburten- und Sterbehäufigkeit die dritte Komponente der Demographie, der Wanderungssaldo eines Landes von großer Bedeutung. Die Gegenüberstellung von Bevölkerungszu- und -fortzügen über die Staatsgrenzen (die Nettozuwanderung) hinaus ist schwer prognostizierbar und Trends lassen sich kaum vorhersehen. Die Entscheidung ein Land zu verlassen und sich in einem anderen niederzulassen, ist stark von den zu erwartenden Gegebenheiten abhängig. Die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, wie Kriege und Krisen, stehen neben dem demographischen Potential und dem zu erwartenden Wohlstand im Zielland im Vordergrund 13 . In den vergangenen fünfzig Jahren ist eine hohe Anzahl von Zuzügen ausländischer Zuwanderergruppen in Deutschland zu verzeichnen. Sie sind stark geprägt durch historische und politische Ereignisse, wie der Nachkriegszeit, dem Anwerben ausländischer Arbeitskräfte in den sechziger Jahren und den Fall der Berliner Mauer Ende der 1980er Jahre. In den Jahren 1955 bis 1973 14 stieg die Zahl an ausländischen Zuwanderern, die aufgrund des Arbeitskräftemangels als Gastarbeiter in das ehemalige Bundesgebiet kamen, enorm an. Bis zum Anwerbestopp 1973 wanderten Menschen aus Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien ein. Weitere Zuzüge aus den Anwerbeländern nach Deutschland erfolgten seither hauptsächlich zur Familienzusammenführung. Wie die Statistik aufzeigt (vgl. Abbildung 3, S. 11), wurde 1970 ein erster Höhepunkt aus der Bilanz aus Zu- und Fortzügen von den alten Bundesländern mit fast 550 000 Menschen erreicht 15 . Das bisherige Höchstmaß an Nettozuwanderung wurde 1992 mit knapp 782 000 Personen verzeichnet 16 .
13 Vgl. BIB (2004), S. 44.
14 Vgl. BIB (2004), S. 44.
15 Bis 1990 früheres Bundesgebiet
16 Vgl. BIB (2000), S. 20.
9
Dieser hohe Anstieg ist neben dem Fall der Berliner Mauer auch aus Kriegsgebieten im Ausland zurückzuführen. Es kam zu einem Zuwachs an Flüchtlingen und Asylanten, sowie Migration wegen Arbeitssuche (z.B. Gastarbeiter, Saisonarbeiter, im IT-Bereich angeworbene Arbeitnehmer). Heute zeigt sich durchschnittlich ein positiver Verlauf des Wanderungsverhaltens, der zwischen den Jahren 2001 und 2005 starken Schwankungen unterlag und von 190 000 Menschen auf 96 000 zurückging. Hauptsächlich ist dies auf politisch bedingte Entscheidungen zurückzuführen. Hauptherkunftsländer der ausländischen Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland sind, neben Polen, die Türkei, Russland, Serbien und Montenegro, wie auch Italien 17 . Nach dem Fall der Berliner Mauer erreichte das deutsche Bundesgebiet die größte Welle der deutsch-deutschen Zuwanderung aus Ost- nach Westdeutschland. Seither nehmen die aktuellen Zuwanderungszahlen der Spätaussiedler 18 kontinuierlich ab. Die Fortzüge über die deutschen Landesgrenzen haben stark zugenommen. Grund hierfür ist hauptsächlich die Unzufriedenheit der sozialen uns wirtschaftlichen Gegebenheiten in Deutschland. Hauptauswanderungsland ist mit 13% die USA, gefolgt von Polen 19 .
17 Vgl. BIB (2004), S. 49.
18 „Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, deren Ehegatten und Nachkommen sind
Personen, die die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben, ihre Herkunftsgebiete in
den Staaten Osteuropas und in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion aufgegeben und
ihren neuen Wohnsitz im Geltungsbereich des Grundgesetzes begründet haben.“ Vgl. StBA,
S. 65.
19 Vgl. WAHL (2004)
10
Zu- und Fortzüge nach Deutschland
800000
600000
400000
200000
-200000
-400000
Jahre
1) Angaben bis einschließlich 1990 früheres Bundesgebiet
Quelle: StBA (2006)
2.3. Prognosen des zukünftigen demographischen
Wandels bis 2050
Wie wird die Bevölkerungsstruktur in den kommenden 40 bis 50 Jahren aussehen? Wie wird sich das heutige Verhalten der Gesellschaft auf die Bevölkerungsstruktur innerhalb eines bestimmten Zeitraumes entwickeln? Diese und ähnliche Fragen sind Ausgangspunkt zukünftiger Modellrechnungen unter Berücksichtigung der gegenwärtigen
demographischen Veränderungen. Aktuell werden von drei verschiedenen Instituten, dem Statistischen Bundesamt (StBA), dem Deutsche Institut für
11
Wirtschaftsforschung (DIW) und dem Bundesministerium des Inneren (BMI) Bevölkerungsvorausschätzungen bis zum Jahre 2050 geliefert. Obgleich die genannten Institute bei ihren Studien von einem gleichen Zeithorizont bis 2050 und von einer identischen Geburtenrate von 1,4 Kindern je Frau ausgehen, kommen sie jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das liegt vor allem daran, dass zum Teil differierende Annahmen zugrunde gelegt werden und zukünftige Vorausschätzungen mit Unsicherheiten behaftet sind. Trotz verschiedener Ausgangssituationen führen die Vorausberechnungen zu dem Ergebnis, dass die Bevölkerung in Deutschland künftig schrumpfen wird. In welchem Maße genau, ist allerdings ungewiss.
In dem folgenden Kapitel werden die aktuellsten Ergebnisse der im Jahr 2006 erschienenen 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des StBA präsentiert. Diese beruht auf Entwicklungsannahmen zur den Geburtszahlen, den Sterbefällen sowie dem Wanderungssaldo.
12
2.3.1 Bevölkerungsvorausberechnung
Die zukünftige demographische Bevölkerungsentwicklung in Deutschland wird anhand so genannter Bevölkerungsvorausberechnungen dargestellt. Bevölkerungsvorausberechnungen zeigen auf, wie sich die
Bevölkerungszahl, sowie deren Altersstruktur, unter Berücksichtigung von Annahmen insbesondere zu Fertilität, Mortalität und Außenwanderung innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens, verändern könnte 20 . Die heutigen Veränderungen haben Auswirkungen auf die zukünftige Bevölkerungsstruktur. Dennoch sind die Prognosen der
Bevölkerungsvorausberechnung bei größer erfassten Zeiträumen mit Unsicherheiten behaftet, und basieren daher auf Modellrechnungen 21 . Da sich Änderungen in der Bevölkerung nur schleichend entwickeln und die Auswirkungen des demographischen Wandels nicht sofort erkennbar sind, werden bei Bevölkerungsvorausberechnungen immer bewusst langfristige Zeiträume von 30 bis 50 Jahren gewählt. Vorausschauende Prognosen ermöglichen ein entsprechendes Verhalten seitens der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und sind somit Orientierungsgrundlage zukünftiger Handlungen 22 . Um ein möglichst realistisches Ergebnis der
Bevölkerungsvorausberechnung zu gewährleisten, lehnen sich die dafür getroffenen Hypothesen an das so genannte
Bevölkerungsfortschreibungsverfahren an 23 . Dabei werden Annahmen bezüglich der künftigen Geburtenhäufigkeit, der Lebenserwartung und der Wanderungen getroffen, welche auf den gegenwärtigen Verläufen der heutigen Bevölkerung und deren beeinflussenden Komponenten basieren. Die Bevölkerungsvorausberechnungen beziehen sich auf die Ansätze von Makro- bzw. Mikromodellen. Wie aus dem volkswirtschaftlichen
20 Vgl. BRETZ (2000), S. 643.
21 Vgl. BRETZ ( 2000), S. 43.
22 Vgl. StBA (2006a), S.9.
23 Vgl. StBA (2006a), S.9.
14
Sprachgebrauch hervorgeht, betrachtet die Makroebene die gesamte derzeitige Bevölkerungsstruktur an sich. Eine Makrosimulation wird anhand der Kohorten-Überlebensmethode
(„cohort survival method“) verdeutlicht. Basis dieses Berechnungsverfahrens bildet der bei Volkszählung ermittelte
Bevölkerungsstand. Hierbei wird die Größe und Struktur der heutigen Bevölkerungszahl unter Berücksichtigung der zusammengefassten Geburtenzahlen, Sterbehäufigkeit sowie der Zu- und Fortzüge fortgeschrieben wird 24 .
Ausgehend von einem bestimmten Zeitpunkt werden die einzelnen Geburtsjahrgänge, unter Einbezug der Geburtenhäufigkeit und der Lebenschancen von Neugeborenen, jedes Jahr um eine Generation erweitert. Zugleich überträgt man die Wahrscheinlichkeit an Sterbefällen und den Wanderungssaldo, der sich als Summe zwischen Zu- und Fortzügen ergibt, auf die zu Beginn angenommene Bevölkerungszahl. Der Bevölkerungsstand wird entsprechend ermittelt und kontinuierlich fortgeschrieben 25 .
Bei der Mikrosimulation wird nicht wie bei der Makromethode, die gesamte Bevölkerung betrachtet, sondern ausschließlich separate,
stichprobenartige Daten von Individuen als Ausgangsbasis zu Grunde gelegt. Die einzelnen Personen werden nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip den demographischen Veränderungen
angepasst. Wie die Daten einzelner Menschen angeglichen werden, hängt folglich von der Wahrscheinlichkeit ab, ob und wie bestimmte demographische Merkmale eintreten werden, sowie von dem Zufall, ob sich diese Person den jeweiligen Entwicklungen unterwirft 26 . Diese Vorgehensweise gibt hauptsächlich Aufschluss darüber, wie häufig demographische Entwicklungen je nach Geschlecht, Alter und Familienkonstellationen eintreten 27 .
24 Vgl. BRETZ (2000), S. 647.
25 Vgl. BRETZ (2000), S. 647ff.
26 Vgl. BRETZ (2000), S. 658.
27 Vgl. BRETZ (2000), S. 658.
15
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Fatima Kuruköse, 2007, Der demographische Wandel und dessen Einfluss auf den Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag GmbH
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