Was steckt hinter klassisch? Wer auch immer diese Frage stellt und zu beantworten sucht, muss erkennen, dass es darauf offensichtlich viele unterschiedliche Antworten gibt. Dies hat in diesem Jahr die Ausstellung "Die griechische Klassik - Idee oder Wirklichkeit" und die kritische Berichterstattung darüber in den Medien, besonders in Zeitungen, erneut eindrucksvoll gezeigt. Auch diese Berichte beschränken sich selten auf eine simple Darstellung der Exposition, sondern versuchen vielmehr, der gestellten Leitfrage gerecht zu werden.
Die vorgelegte Hausarbeit wird sich ebenfalls damit zu befassen haben und wird ihre Antwort innerhalb des gewählten Themas finden. Hierzu wird nach einer begrifflichen Eingrenzung der Blickwinkel auf die Grundlagen zur Entstehung jener ersten und maßgebenden Klassik konzentriert, wobei der Schwerpunkt vor Allem auf Facetten der religiösen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten des antiken Athens im Zeitraum vor und nach den Perserkriegen gelegt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Klassisch und umstritten
2. Die Begrifflichkeit von Klassik und klassisch
2.1 Klassik als historische Kategorie
2.2 Klassisch als stilbildende Norm
3. Das ’griechische Wunder’
3.1 Die Bedeutung der Religion
3.2 Der Aufbruch zur Demokratie
3.3 Die Wirtschaft
4. Der griechische Freiheitskampf
4.1 Die Kriege gegen die Perser
4.2 Die Deutung der Perserkriege
5. Zwei Aspekte innerhalb der Pentekontaëtie
5.1 Athen als Schule von Hellas
5.2 Klassische Kunst und Formbewusstsein
6. Klassische Aspekte
6.1 Zusammenfassung
6.2 Die Hybris Athens
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Grundlagen und die Genese des Klassikbegriffs im antiken Athen. Dabei wird insbesondere analysiert, wie politische, wirtschaftliche und religiöse Faktoren das Selbstverständnis der attischen Bürger prägten und wie diese Entwicklungen im Kontext der Perserkriege und der darauf folgenden kulturellen Blütezeit zu bewerten sind.
- Historische und begriffliche Herleitung von "Klassik" und "klassisch"
- Die religiösen und demokratischen Grundlagen Athens im 5. Jahrhundert v. Chr.
- Die Rolle Athens in den Perserkriegen und die daraus resultierende Identitätsbildung
- Wirtschaftliche Faktoren als materielle Basis des kulturellen Aufstiegs
- Die Rezeption von Hybris und Ordnung in der zeitgenössischen Literatur
Auszug aus dem Buch
2.1 Klassik als historische Kategorie
Der Klassikbegriff wurde nicht etwa in Athen geschaffen, sondern im Rom des 2. Jahrhunderts nach Christus. Aulus Gellius, ein römischer Autor, überträgt die Bezeichnung für die Angehörigen der höchsten Steuerklassen, der classici, oder als steuerlicher Ausdruck classicus, auf hervorragende Schriftsteller, „scriptores classici“, um damit deren sprachliche Mustergültigkeit zu würdigen.
Im heutigen Spachgebrauch der deutschen Forschung wird damit allgemein das 5. und 4. Jahrhundert vor Christus bezeichnet, im engeren Sinne die Pentekontätie Griechenlands im 5. Jahrhundert vor Christus, also die Zeit zwischen den Perserkriegen und dem Peloponnesischen Kriegen, benannt. Gelegentlich wird der Fokus sogar noch stärker eingeengt auf die Phase der Hochklassik, im Zeitraum zwischen 450 und 420, also Deckungsgleich mit der Zeit, in der der Stratege Perikles Athen dominierte und zur „Kraft der Erziehung für ganz Hellas“ machte.
Daraus ergibt als wichtiges Merkmal die Janusgesichtigkeit des Terminus Klassik: zum Einen historische Epochenbezeichnung, zum Andern Normbegriff, der eine Blütezeit im Ästhetischen charakterisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Klassisch und umstritten: Einleitung in die Problematik des Klassikbegriffs anhand aktueller Ausstellungen und einer begrifflichen Einordnung.
2. Die Begrifflichkeit von Klassik und klassisch: Untersuchung der etymologischen Herkunft des Begriffs von der römischen Steuerklasse bis zur modernen Epochenbezeichnung.
3. Das ’griechische Wunder’: Analyse der soziopolitischen und religiösen Entwicklungen im Athen vor der Hochklassik.
4. Der griechische Freiheitskampf: Betrachtung der Perserkriege als Katalysator für das athenische Selbstbewusstsein und die Herausbildung politischer Polaritäten.
5. Zwei Aspekte innerhalb der Pentekontaëtie: Erörterung der kulturellen Blüte Athens durch den Wiederaufbau der Akropolis und die Rolle des Kanons in der Kunst.
6. Klassische Aspekte: Abschließende Reflexion über die Verzahnung von Ästhetik, Geschichte und dem Scheitern Athens an der Hybris.
Schlüsselwörter
Antike, Athen, Klassik, Pentekontätie, Perikles, Demokratie, Perserkriege, Hybris, Nomos, Isonomie, Kanon, Polyklet, Griechisches Wunder, Seebund, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen der Entstehung der antiken Klassik, insbesondere im Kontext der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Definition des Klassikbegriffs, der Aufbruch zur Demokratie, die Bedeutung von Religion und Wirtschaft sowie der Einfluss der Perserkriege auf das athenische Selbstverständnis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung Athens zur maßgebenden Klassik als einen Prozess aufzuzeigen, der eng mit der Selbstbewusstwerdung und der wirtschaftlichen sowie politischen Stärke der attischen Bürger verknüpft war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historisch-begriffliche Analyse unter Einbeziehung von Fachliteratur, antiken Quellen wie Sophokles und Thukydides sowie archäologischen Befunden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des "Griechischen Wunders", den Freiheitskampf gegen Persien und die kulturelle Blütezeit während der Pentekontätie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben "Klassik" auch "Athen", "Pentekontätie", "Hybris" und das Spannungsfeld zwischen ästhetischem Normbegriff und historischer Epochenbezeichnung.
Welche Rolle spielt der Begriff "Hybris" im Kontext von Athen?
Hybris wird als Verstoß gegen die kosmologische Ordnung interpretiert, der bei Sophokles exemplarisch als drohendes Schicksal Athens im Peloponnesischen Krieg thematisiert wird.
Warum ist laut der Arbeit der Wiederaufbau der Akropolis so bedeutsam?
Der Wiederaufbau unter Perikles diente nicht nur als Konjunkturprogramm, sondern manifestierte Athen als "Schule von Hellas" und machte den staatlichen Wohlstand im kulturellen Ausdruck sichtbar.
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- Felix Hessmann (Author), 2002, Grundlagen zur Entstehung der Klassik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7713