Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Was ist Stil? Problematik des Stilbegriffes 3
3. Abgrenzungsversuche 4
3.1. Stilistik vs. Textlinguistik 5
3.2. Stilistik vs. Rhetorik 5
4. Auszug aus der Entwicklung des Stilbegriffs und der Stilistik 6
4.1. Auszug aus der historischen Entwicklung der Stilauffassung 7
4.1.1. Adelung 7
4.1.2. Moritz 8
4.1.3. Meyer 8
5. Stiltheorien 8
5.1. Pragmatische Stilistik 8
5.2. Funktionalstilistik 9
5.3. Stil und Konnotationen 10
5.4. Stil als Resultat der Wahl synonymer Sprachmittel / Selektionstheorie 10
5.5. Deviationsstilistik 11
6. Ist Stil erlernbar? 12
7. Fazit 14
8. Bibliographie 15
2
1. Einführung
Stil - ein sowohl im Alltag als auch in wissenschaftlichen Kreisen häufig verwendeter Begriff. Doch was ist Stil eigentlich, wie ist er definiert, wie wird er untersucht? Beschäftigt man sich genauer mit diesem Begriff, so stellt man fest, dass noch lange keine einheitliche Auslegung über ihn zu finden ist und dass er durchaus unterschiedlich verstanden werden kann. Um wenigstens ein breiteres Verständnis über seine Vielfältigkeit zu erhalten, versucht dieser Text sich dem Phänomen Stil auf eine wissenschaftlich, historische Weise anzunähern. Nachdem ausführlich auf die Problematik dieses Begriffes hingewiesen wird, werden danach Versuche unternommen, ihn von eng verwandten Disziplinen wie der Textlinguistik und der Rhetorik ein wenig abzugrenzen und seine Aufgabenbereiche näher zu umreißen. Nun ist es wichtig, das Ganze auch aus einer historischen Sicht nachvollziehen zu können, um die Entwicklungen zum heutigen Stilverständnis erst begreifen zu können. Dies lässt sich auszugsweise auch durch eine Gegenüberstellung verschiedener Auffassungen veranschaulichen. Auf dieser Grundlage werden nun auch aktuellere Stiltheorien erklärt und problematisiert, so werden die pragmatische und die funktionale Stilistik, Stil und Konnotationen, Stil als Resultat der Wahl synonymer Sprachmittel sowie auch die deviatorische Stilistik thematisiert. Um dem ziemlich theoretischen Text nun noch einen gewissen praktischen Alltagsbezug hinzuzufügen, wird zum Schluss noch die Frage nach der Erlernbarkeit bestimmter stilistischer Fähigkeiten erörtert, wonach sich dann generell ein größeres Verständnis für die Problematik und die theoretischen Diskussionen um den Stilbegriff einstellen sollte
2. Was ist Stil? Problematik des Stilbegriffes
Ulla Fix sieht Stil als „Die Art und Weise (das WIE), mit der das Mitzuteilende (das WAS) im Hinblick auf einen Mittelungszweck (das WOZU) gestaltet wird“ (Fix 2001: 217). Doch im selben Band finden sich auch weitere Definitionen, die noch andere Komponente mit einbeziehen, so z.B.: „Stil ist die „sprachliche Aktualisierung situativer Gegebenheiten durch ein Individuum mit seinen jeweiligen sprachlichen Fähigkeiten und kommunikativen Erfahrungen.“ (Fix 2001: 26) Und auch diese sowie diverse andere, zum großen Teil ad-hoc-Eingrenzungen, sind nur Ausschnitte aus möglichen Ansätzen zur Erklärung des Stils. Göttert formuliert z.B. eher allgemein: „Stil ist immer auch ein Spiel: mit der Konvention, mit den Erwartungen. [...] Stil ist Entscheidung“ (Göttert 2004: 13). Der Stilbegriff ist offensichtlich sehr vage und es gibt keine einheitliche Definition, weshalb es auch keine Einigung über seine Auslegung gibt. Durch die vielen widersprüchlichen Definitionsansätze stellen sich einige Wissenschaftler die Frage, ob es demnach dieses Stilphänomen überhaupt gibt. Stil wird als das Unfassbare beschrieben. Zudem ist der Begriff sehr komplex und erscheint durchaus auch in anderen Disziplinen jenseits der Sprachwissenschaft: so z.B. als Epochenmerkmal („gotischer Stil“), als Kunststil oder gar um bestimmte Verhalten zu bezeichnen („Lebensstil“, „Kampfstil“). Außerdem lässt sich die Disziplin des Stils, die Stilistik, durch seine historische Wandlungsfähigkeit nicht als einheitliches System begreifen. Göttert stellt fest: Das System gibt es nicht. Die Stilistik war immer in Bewegung, hat immer neue Einteilungen, Gesichtspunkte, Definitionen hervorgebracht. Von einem System zu sprechen, verdeckt also etwas Wesentliches, hat etwas Künstliches, entscheidet sich immer auch gegen Anderes, dem gleiches Recht zusteht. (Göttert 2004: 125)
3
All dies könnte den Eindruck der rationalen Unschärfe und subjektiven Bestimmbarkeit erwecken, was den Stilbegriff als wissenschaftlichen Terminus unbrauchbar machen würde. Hinzu kommt ein Mangel an umfassend informierender stilistischer Literatur. Das Lexikon der Romanistischen Linguisitk (LRL) gelangt daher zu folgendem Entschluss: „Sin duda la diversidad de sentidos que había recibido el término constribuyó a su decadencia.“(LRL 1992: 201). Anderegg 1 kommt schließlich zu der anderen Erkenntnis, dass gerade diese Plurivalenz zum Stilbegriff dazugehört, dass die unterschiedlichen Theorien einander ergänzen. Die weiteren Bedeutungen und somit die Zwitterstellung der Stilistik zwischen verschiedenen Disziplinen entstanden erst aus der sprach- und textbezogenen Semantik dieses Wortes. Auch im romanistischen Bereich wurde viel zur Aufgabe der Stilistik geforscht, so dass man z.B. im LRL folgende Festlegung finden kann: „analiza lo específico y característico de una lengua, de un género, de un autor, de una obra, etc“(LRL 1992: 189). Stil wird oft aber auch einfach als Wertungsbegriff verstanden, was sich bereits an Aussagen wie „jemand / etwas hat Stil“ erkennen lässt.
Sprachlicher Stil wird in der Regel auf Ganzheiten oder größere Einheiten bezogen, in den Einzelheiten kann sich aber auch der Stil der Ganzheit spiegeln. Fix stellt in diesem Zusammenhang historisch vergleichend fest, dass der Stil eines Textes, [...] von dem nun gilt, dass er nicht - wie traditionell üblich - als Sammlung vereinzelter Phänomene (Stilfiguren z.B.) oder als Stilgrammatik (stilistische Markiertheit von Wörtern im Wörterbuch z.B.), sondern als Erscheinung zu betrachten ist, die erst in der Ganzheit des Textes entsteht und somit Eigenschaft des Textes ist. Moderne Stilauffassungen (pragmatische, kommunikative, funktionale) betrachten Stil als die sprachliche Realisierung der - wie auch immer
- außersprachlich vorgegebenen Faktoren der Redesituation. (Fix 2001: 11) Als Arten stilistischer Information nennt Fix „die dem Text zugrunde liegende Situation“, die „Selbstdarstellung des Textproduzenten“, die „Beziehungsgestaltung zum Empfänger“ und das Verhältnis des Textproduzierenden zur Sprache“. (Fix 2001 : 27).
Sanders 2 hat schließlich eine Formell gefunden, um den sprachwissenschaftlichen Stil zu beschreiben: „Stil = Sprache + x“.
3. Abgrenzungsversuche
Das Bild von Stilistik wird völlig diffus. Die Sprachwissenschaft hat auf diese Unklarheiten dadurch reagiert, dass sie den Ausdruck zunehmend vermeidet. Statt die entsprechenden Bemühungen einer diffusen Stilistik - bzw. mehrerer verschiedener Stilistiken - zuzuordnen, handelt sie die genannten Fragen zum Beispiel in der Textlinguistik (Textsorte), in der Soziolinguistik (situationelle Variationen einer Sprache, Register, Sektorialsprachen), in der Pragmatik (Kundgabe- und Appellfunktion der Sprache) ab. (Trabant 1986: 172) 3
1 Anderegg, J. (1977): Literaturwissenschaftliche Stiltheorie. Göttingen. 15
2 Sanders (1988): Stil- und Spracheffizienz. Zugleich Anmerkungen zur heutigen Stilistil. In J.Dyck et al. (Hg.), Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch. Tübingen, 63-77
3 Trabant, Jürgen (1986): Der Totaleindruck. Stil der Texte und Charakter der Sprachen. In: Gumbrecht und Pfeiffer (Hg.), Stil. Geschichte und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen Diskurselements, Frankfurt. 169-188.
4
Ganz so willkürlich, wie hier in dem Zitat von Trabant dargestellt, ist die Verwendung des Stilistik-Begriffs vielleicht doch nicht und es gibt durchaus Ansätze, Kriterien zur Unterscheidung und Abgrenzung von anderen Disziplinen zu finden. Deshalb soll im Folgenden zumindest der Versuch aufgestellt werden, die Stilistik von der Textlinguistik und der Rhetorik zu differenzieren.
3.1. Stilistik vs. Textlinguistik
Die Textlinguistik wird immer wieder als zunehmender Konkurrent der Stilistik angesehen, die letztere zu verdrängen droht. Dieser Eindruck entsteht vor allem aus dem scheinbar gleichen Erkenntnisziel: der Untersuchung der textlichen Beschaffenheit sprachlicher Äußerungen. Sowinski sieht den Unterschied zwischen Textlinguistik und Stilistik im Folgenden:
Während die Textlinguistik, wie andere linguistische Teildisziplinen, Regularitäten, nämlich die von Texten, zu erfassen sucht, die dann als Resultat des Zusammenwirkens von Regeln erscheinen, bemüht sich die Stilistik, gerade die jeweils charakteristischen sprachlichen Variationen struktureller Einheiten zu beschreiben, auch die Abweichungen von erwarteten Normen und Regeln, wie z.B. die deviatorische Stilistik dies formuliert. (Sowinski 1999: 9) Außerdem betont Sowinski die kommunikative Wirkung des Stils, die von der Textlinguistik unberührt gelassen wird, aber auch die Wechselwirkungen zwischen beiden Disziplinen, da die Erkenntnis in einem Bereich auch für den anderen von Interesse sein kann. Göttert erklärt so auch den Zusammenhang zwischen Text (der Grundlage sowohl der Textlinguistik als auch der Stilistik) und Stil: „Was einen Text als solchen zusammenbindet, sind einheitliche sprachliche Mittel, also ein einheitlicher Stil.“ (Göttert 2004: 36). Göttert spricht allerdings im Gegensatz zu Sowinski von einer Stilistik, die sich mit „satzübergreifenden Regularitäten beschäftigt“ (Göttert 2004 : 36) und durch ihre Untersuchungen der rhetorischen Figuren von der Textlinguistik weiter in den literaturwissenschaftlichen Bereich gedrängt wird. Martin Stegu schließlich weist auf die von Trabant vertretene Auffassung des Stils als die „Tendenz, disparate Eigenheiten eines Textes, u. U. eines Autors etc., zu einem Ganzen zusammenzufassen“ (Stegu in Skyum-Nielsen 1994: 180). Es herrscht also Uneinigkeit über die Frage, ob sich die Stilistik im Gegensatz zur Textlinguistik nun eher mit Regularitäten oder Abweichungen beschäftigt (zur deviatorischen Stilistik: siehe unten). Ulla Fix versucht diesem Problem und der Ansicht der Stilistik als reiner Abweichungssuche aus dem Weg zu gehen, indem sie festlegt, dass Textlinguistik sich immer mit universalen Texteigenschaften, sprich allgemeinen Regularitäten, die allen Texten und Textklassen gemein sind, beschäftigt. Die Stilistik dagegen untersuche nur einen Teilaspekt des Textes, nämlich die Überführung dieser Regeln in konkreten Texten (vgl. Fix 2001: 27). Fix stellt fest, dass somit die Textlinguistik den „übergeordneten Blickwinkel“ (Fix 2001: 27) besitzt, während es die Stilistik mit „sprachlich realem Handeln im Spannungsfeld von Vorgegebenen und individueller Umsetzung“ zu tun hat (Fix 2001: 28).
3.2. Stilistik vs. Rhetorik
Ihre Wurzeln hat die Stilistik in der antiken wie mittelalterlichen Rhetorik. In der Antike unterschied man im rhetorischen Programm fünf Bearbeitungsphasen der Rede: die Erfindung der Gedanken (inventio), die Anordnung derselben (dispositio), die
5
Arbeit zitieren:
Stefanie Brunn, 2005, Stilistik - Die Disziplin des Unfassbaren?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Europäische Portfolio der Sprachen
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Seminararbeit, 17 Seiten
Kafka, Franz - Die Verwandlung - Märchenhaftes und Phantastisches
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Kulturspezifische Textsorten der Modezeitschrift GLAMOUR
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Rolle der Drucker für das Frühneuhochdeutsche
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Analyse eines publizistischen Textes
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Seminararbeit, 13 Seiten
Eine sprachgeschichtliche Analyse des Einflusses Martin Luthers und se...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 27 Seiten
Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrun...
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Examensarbeit, 96 Seiten
Sprachliche Bereicherungen oder Sprachdummheiten?
Sprachwissenschaft vs. publizi...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Schuld, Gnade und Strafe: Annette von Droste-Hülshoffs Die Judenbuche
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Die Funktion Keies in der Artusgesellschaft
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Die Darstellung der Artusgesellschaft in Wolfram von Eschenbachs "...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Adjektive der räumlichen Dimension und ihre metaphorischen Verwendunge...
Deutsch - Grammatik, Stil, Arbeitstechnik
Seminararbeit, 17 Seiten
Die Darstellung von Heiden und Christen im Rolandslied
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Morphologie und Syntax des bekommen-Passivs in der Gegenwartssprache d...
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Sprachkritik in den Sprachwissenschaften am Beispiel der Fachsprache
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Medien / Kommunikation - Fachkommunikation, Sprache
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Die Figur der Orgeluse und ihr Einfluss auf die Gawan-Handlung
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde: Stilistik - Die Disziplin des Unfassbaren? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Stefanie Brunn hat den Text Stilistik - Die Disziplin des Unfassbaren? veröffentlicht
Stefanie Brunn hat einen neuen Text hochgeladen
Wenn das Unfassbare geschieht - vom Umgang mit seelischen Traumatisier...
Ein Ratgeber für Betroffene, A...
Sabine Morgan
Disziplin - kein Schnee von gestern, sondern Tugend für morgen
Ein Praxishandbuch für Lehrer
Christina Buchner
Bewährtes und Neues: ein Erzie...
Dieter Krowatschek, Gita Krowatschek, Gordon Wingert
0 Kommentare