Inhaltsverzeichnis
I. Vorüberlegungen. 3
II. Die Darstellung der Doppelkrise. 6
II.1 Die Anzahl der Artikel 7
II.2 Das Verhältnis der Berichterstattung 8
II.3 Die Platzierung der Artikel 9
II.4 Was sagt uns das? 10
III. Die Wahrnehmung der Doppelkrise. 11
III.1 Die Artikel genauer betrachtet 11
III.1.1 Die Artikel zu Suez und Ungarn 12
III.1.2 Die Artikel zu Suez 15
III.1.3 Der Artikel zu Ungarn. 17
III.1.4 Leserbriefe. 18
III.2 Gewonnene Erkenntnisse 18
IV. Bündelung der Erkenntnisse. 19
V. Bibliographie. 21
V.1 Quellen 21
V.2 Literatur. 21
V.3 web-Seiten. 23
2
I. Vorüberlegungen
Die New York Times ist nach wie vor die in Amerika am meisten gelesene und einflussreichste Zeitung. 2 Die Auflage der New York Times steigt seit ihrer Gründung beständig 3 und hat im Jahr 1990 in der Werktagsauflage eine durchschnittliche Auflagenhöhe von etwa einer Million Exemplaren 4 mit einer durchschnittlichen Leserschaft von circa 2 690 000 Personen 5 erreicht. Dieser Leserkreis setzte sich im Gegensatz zu dem vieler anderer Zeitungen in Amerika seit Erscheinen hauptsächlich aus „the very very very top top top“ 6 zusammen - Personen mit höherer Schulbildung und hohem Einkommen. In ihrer Untersuchung über das Leseverhalten der Führungsgruppen in den USA fand die Soziologin Carol WEISS heraus, dass die New York Times von allen Printmedien das höchste Ansehen und das meiste Vertrauen genießt. 7 Sie kommt zu dem Schluss, dass ein Großteil der Eliten und der Entscheidungsträger der Vereinigten Staaten von Amerika die New York Times liest. 8 Damit nimmt die Times eine Schlüsselposition „im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft, veröffentlichter Meinung und öffentlicher Meinungsbildung ein“. 9 Nach dem Selbstverständnis der Times besteht die Aufgabe einer Zeitung darin, umfassende Informationen zur Verfügung zu stellen, einen Meinungsaustausch zwischen der Regierung und dem Volk zu ermöglichen sowie Einfluss auf den politischen Diskurs in der Art und Weise auszuüben, dass die Interessen der Eliten gewahrt und vor allem die Rechte des Volkes nicht verletzt werden. 10 Michael J. O`Neil, der Präsident der Society of American Newspaper Editors formulierte
1 Zitiert in Salisbury, Harrison, A Journey of Our Times - The New York Times and its Times, New York 1980,
Seite 593.
2 Ebenda.
3 Elfenbein, Stefan W., The New York Times - Macht und Mythos eines Mediums, Frankfurt am Main 1996, Seite
225.
4 Ebenda.
5 Ebenda.
6 So der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der New York Times Company gegenüber einer Reporterin der
Washington Post, zitiert in Randolph, Eleanor, The Rich and Troubled “Times“, (erschienen in drei Teilen), in:
The Washington Post, 7. Januar 1986.
7 Weiss, Carol, What America’s Leaders Read, in: Public Opinion Quarterly, Spring 1974, Seite 5.
8 Ebenda.
9 Elfenbein, The Times, Seite 10.
10 Ders., Seite 225.
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diesen Auftrag folgendermaßen: „We should make peace with government. We should not be ist enemy. We are supposed to be observers, not the participants - the neutral party, not the permanent opposition. We should cure ourselves of the adversarial mindset. The adversarial culture is a disease attacking the nation‘s vital organs.“ 11 Der darin zum Ausdruck kommende Anspruch an Neutralität und Seriosität genießt unter anderen Journalisten eine derart hohe Glaubwürdigkeit, dass „immer dann, wenn Redakteuren und Produzenten bei ihrer Nachrichtenauswahl Zweifel kommen, [...] diese [prüfen], ob die betreffende Geschichte überhaupt in der New York Times erschienen ist, und wenn ja, wie sie dort behandelt und dargestellt wurde.“ 12 Damit wird deutlich, dass der immense Einfluss der New York Times auf zwei Ebenen basiert: der Leserschaft zum Einen und der Funktion als Orientierungsgrundlage für andere Journalisten zum Anderen, womit allerdings aus Sicht des Historikers auch eine Schattenseite verbunden ist, die immer dann zu Tage tritt, wenn sich die Redaktion der Times aus welchen Gründen auch immer gegen die Veröffentlichung von Informationen entscheidet. 13 „Die New York Times ist also nicht nur in der Lage, das „wording“, die Formulierung, Akzentuierung und die Interpretation von Ereignissen in der Berichterstattung der Medien zu bestimmen, sondern sie entscheidet auch, welche Informationen überhaupt in die Nachrichten eingehen und in den USA Verbreitung finden.“ 14 Diese power to select, also die Macht, über die Art und Weise der Berichterstattung zu entscheiden oder Informationen zu ignorieren, symbolisiert den politischen Einfluss der Times in Washington, der „besonders in der internationalen Berichterstattung“ deutlich wird. 15 Die vorliegende Hausarbeit hat das Ziel, die Darstellung der Doppelkrise 1956 und die daraus resultierende Wahrnehmung durch den Leser näher zu untersuchen. Ausgehend von der Frage, in wie weit die politische Mehrheitsmeinung einer Nation sich auch an der Art und Weise der Berichterstattung über bestimmte Ereignisse in der Presse spiegelt, wird der Fokus auf der Darstellung der Doppelkrise 1956 in der Presse der Vereinigten Staaten von Amerika liegen. Da die USA an den Ereignissen
11 Zitiert in Aronson, James, The Press and the Cold War, New York 1971, Seite 312.
12 Vgl. Gans, Herbert, Deciding What’s News, New York 1979, Seite 180.
13 Beispiele dafür in Elfenbein, The Times, insb. Kapitel 3 und 4.
14 Ders., Seite 228. Für diese Feststellung spricht auch die Tatsache, dass sich der New York Times News
Service seit dem Zweiten Weltkrieg zur drittgrößten Nachrichtenagentur der USA entwickelt hat.
15 Elfenbein, The Times, Seite 234.
4
in Ungarn und in Ägypten nicht direkt beteiligt waren, 16 wird anhand von Artikeln, die im Zeitraum vom 29. Oktober bis zum 06. November 1956 erschienen sind, untersucht, wie über die beiden Ereignisse einzeln berichtet wurde und ob die beiden Krisen als gleichzeitig oder gar als zusammenhängend geschildert und empfunden wurden.
Dazu ist die Arbeit ist in zwei große Abschnitte gegliedert. Im ersten werden anhand von aus den vorliegenden Daten gewonnenen Schaubildern die Art und Weise der Berichterstattung genauer untersucht. Wie viele Artikel sind mit den Schlagwörtern „Suez“ und „Hungary“ im genannten Zeitraum erschienen? Wie viele Artikel beinhalten beide Schlagwörter? Wo sind die betreffenden Artikel in der Zeitung platziert? Durch die Auswertung der veranschaulichten Daten soll letztlich die Frage beantwortet werden können, ob das Interesse an den Konflikten im Verlauf der Doppelkrise eher zu- oder eher abnimmt. Im zweiten Abschnitt wird die Wahrnehmung der beiden Krisen für sich allein und gleichzeitig als Doppelkrise betrachtet. Dazu werden im Besonderen die Begrifflichkeiten in der Berichterstattung näher betrachtet. Die Quellenlage hat sich bei der Erstellung der Arbeit als äußerst ergiebig erwiesen. Alle Artikel der New York Times des untersuchten Zeitraums sind online über die Datenbank Historical Newspapers 17 abrufbar. Zusätzlich sind mehrere Darstellungen in Quellen veröffentlicht worden. 18
Direkte Behandlungen des Themas der Hausarbeit finden sich hingegen so gut wie gar nicht. Eine Ausnahme ist der Aufsatz von István DEAK mit dem Titel „1956 in Hungarian Memory and Public Consciousness“. 19 Außerdem ist die Abhandlung „Die Ungarische Revolution 1956 - Reform - Aufstand - Vergeltung“ 20 zum Themenkomplex der Reaktionen auf die Ereignisse in Ungarn in besonderem Maße nennenswert. Der einzige Aufsatz, der sich mit der Wahrnehmung der Ereignisse in Ungarn und Suez als Doppelkrise beschäftigt, ist „The Sovjet Union, The United
16 Eine ausführliche Beleuchtung der Hintergründe findet sich bei Schmidt, Gustav, Zäsur 1955/56. Strukturen
nach dem ersten großen Wandel - Die Suez- und Ungarn-Krise. In: Konfrontationsmuster des Kalten Krieges -
1946 bis 1956, herausgegeben von Mastny, Vojtech und Gustav Schmidt, München 2003, Seiten 371-373.
17 Zugänglich über die Homepage der Universitätsbibliothek Heidelberg.
18 Diese beziehen sich meist auf Originaldokumente und beleuchten die Krisen aus Sicht der unmittelbar
betroffenen, so zum Beispiel Békés, Csaba; Byrne, Malcolm und János M. Rainer (Hrsg.), The 1956 Hungarian
Revolution: A History in Documents. (A National Security Archive Cold War Reader), Budapest und New York
2002.
19 Deák, István, 1956 in Hungarian Memory and Public Consciousness. In: Die Ungarnkrise 1956 und
Österreich. Herausgegeben von Erwin A. Schmidl, Wien, Köln, Weimar 2003, Seiten 89-100.
20 Litván, György und János M. Bak (Hg.), Die Ungarische Revolution 1956 - Reform - Aufstand - Vergeltung.
Wien 1994.
5
States, and the Twin Crisis of Hungary and Suez“ von John C. CAMPBELL. 21 Sehr interessant für einen allgemeinen Überblick und die Krisen im Einzelnen waren folgende Veröffentlichungen: Wenn auch der Titel missverständlich ist, ist die von Erwin A. SCHMIDL herausgegebene Aufsatzsammlung in mehrfacher Hinsicht informativ. 22 Darin fand sich nicht nur DEAKs Aufsatz, sondern außerdem die ausgesprochen hilfreichen Aufsätze von László VARGA 23 und Günter BISCHOF. 24 Gezielt hervorzuheben sind des Weiteren die Veröffentlichungen von Géza ALFÖLDY 25 und Johanna C. GRANVILLE. 26 Wenn auch nicht auf dem neuesten Forschungsstand, hat sich „Aufstand in Ungarn - Die Tragödie eines Volkes“ von John IRVING doch als übersichtliche und ausführliche Darstellung erwiesen 27 .
II. Die Darstellung der Doppelkrise
In diesem Kapitel soll die Art und Weise der Berichterstattung zu den Ereignissen sowohl in Ägypten, als auch in Ungarn unabhängig voneinander, aber gerade auch im gemeinsamen Kontext näher untersucht werden. Zur Verdeutlichung dienen Schaubilder, die einen Versuch darstellen, die gefundenen Artikel als Quellen unter einem möglichst objektiven Gesichtspunkt unabhängig von sprachlichen oder darstellerischen Eigenarten auszuwerten. Daher werden zunächst alle Aspekte ausgeblendet, die die Wahrnehmung des einzelnen Lesers betreffen, also subjektiv sein können. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom 29.10.1956, dem Folgetag auf die blutige Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn und zugleich dem Tag, an dem israelische Truppen als Reaktion auf die Verstaatlichung des Suezkanals auf der Sinai-Halbinsel ägyptische Truppen angreifen, bis zum 06.11.1956, als auf Druck
21 Campbell, John C., The Sovjet Union, The United States, and the Twin Crisis of Hungary and Suez. In: Suez
1956, The Crisis and ist Consequences. Herausgegeben von Louis, WM. Roger und Roger Owen, Oxford 1989,
Seiten 233-253.
22 Schmidl, Erwin A. (Hg.), Die Ungarnkrise 1956 und Österreich - Mit einem Vorwort von Paul Lendvai. Wien,
Köln, Weimar 2003.
23 Varga, László, Die Ereignisse in Ungarn 1956. In: Die Ungarnkrise 1956 und Österreich. Herausgegeben von
Erwin A. Schmidl, Wien, Köln, Weimar 2003, Seiten 53-72.
24 Bischof, Günter, Eindämmung und Koexistenz oder "Rollback" und Befreiung? Die Vereinigten Staaten, das
Sowjetimperium und die Ungarnkrise im Kalten Krieg, 1948-1956. In: Die Ungarnkrise 1956 und Österreich.
Herausgegeben von Erwin A. Schmidl, Wien, Köln, Weimar 2003, Seiten 101-128.
25 Alföldy, Géza, Ungarn 1956 - Aufstand, Revolution, Freiheitskampf. Heidelberg 1997.
26 Granville, Johanna C., The first Domina. International Decision Making during the Hungarian Crisis of 1956,
2004.
27 Irving, David, Aufstand in Ungarn. Die Tragödie eines Volkes, Hamburg 1981.
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Stefanie Klering, 2006, Die Doppelkrise 1956 - Die Art der Darstellung und die Wahrnehmung in der "New York Times", München, GRIN Verlag GmbH
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