Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Diglossie nach Ferguson 3
1.1 Eigenschaften von Diglossie 3
1.2 Die Entstehung von Diglossie 5
2. Die Diglossie in der deutschsprachigen Schweiz 6
2.1 Generelle Sprachsituation in der Schweiz 6
2.2 Die Entstehung der Diglossie in der Schweiz 6
2.3 Anwendbarkeit der Kriterien/Eigenschaften 7
2.3.1 Spezialisierung 7
2.3.2 Prestige 8
2.3.3 Aneignung 8
2.3.4 Standardisierung 9
2.3.5 Literatur 9
2.3.6 Stabilität 9
2.3.7 Lexikon 9
2.3.8 Phonologie 10
2.3.9 Grammatik 10
Schluss 10
Literaturverzeichnis 11
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Einleitung
Bei näherer Beschäftigung mit dem Thema der Diglossie stößt man recht schnell auf den 1959 erschienenen wegweisenden Aufsatz von Charles Ferguson (Ferguson 1996), in dem er den Begriff der Diglossie definiert. Als eines der Beispiele wird dort von ihm die deutschsprachige Schweiz angeführt.
Da jedoch dieses Beispiel nur kurz angerissen wird, legt dies eine nähere Betrachtung der Thematik nahe. Weitere Relevanz erhält gerade das Beispiel der deutschsprachigen Schweiz durch die räumliche Nähe und auch den sprachlichen Bezug durch die Tatsache, dass es sich bei einer der verwendeten Sprachformen um das Standarddeutsche handelt.
Auch wenn bereits einzelne Teilgebiete wie zum Beispiel die stark unterschiedliche Phonologie der Sprachformen oder auch der zum Teil unterschiedliche Wortschatz von Interesse sind, konzentriert sich diese Arbeit darauf, einen allgemeinen Überblick zu geben, ob und in wie weit die Definition Fergusons auf die deutschsprachige Schweiz anwendbar ist.
Nach einer formalen Definition der Diglossie und ihrer Eigenschaften nach Ferguson, wird im Folgenden kurz die generelle Sprachsituation in der gesamten Schweiz betrachtet. Anschließend erfolgt eine Konzentration auf den deutschsprachigen Teil des Landes mit einer Klärung der Anwendbarkeit der Definition Fergusons.
1. Diglossie nach Ferguson
Ferguson gibt in seinem Aufsatz zur Diglossie eine sehr genaue Definition des Begriffes:
DIGLOSSIA is a relatively stable language situation in which, in addition to the primary dialects of the language (which may include a standard or regional standards), there is a divergent, highly codified (often grammatically more complex) supposed variety, the vehicle of a large and respected body of written literature, either of an earlier period or in another speech community, which is learned largly by formal education and is used for most written and formale spoken purposes but is not used by any sector of the community for ordinary conversation. (Ferguson 1996)
Doch was genau besagt diese Definition? Laut Ferguson liegt Diglossie dann vor, wenn zwei oder mehr Formen einer einzelnen Sprache in verschiedenen Situationen gebraucht werden. In den meisten Fällen sind diese zwei Formen zum einen eine Standardsprache, zum anderen ein oder mehrere regionale Dialekte. Analog zur Terminologie Fergusons werden die beiden Formen der Sprachen hier ebenfalls als "High Variety" (Standardsprache) und "Low Variety" (regionale Dialekte) benannt.
1.1 Eigenschaften von Diglossie
Das wohl wichtigste Merkmal der Diglossie ist die Spezialisierung der Funktionen der High Variety und der Low Variety. In bestimmten Situationen (meist offizieller Natur oder in der Schriftsprache) ist die High Variety angemessen, in anderen (z.B. Familie, Freunde) ist es die Low Variety. Zwischen diesen beiden Situationen besteht nur eine minimale Überlappung, so dass es zum Beispiel vorkommen kann, dass etwas in der High Variety gelesen und anschließend in der Low Variety diskutiert wird.
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Das Prestige der beiden Varieties unterscheidet sich ebenfalls voneinander. Oft wird die High Variety als der Low Variety überlegen angesehen. Sie gilt als einzige richtige Sprache, ist schöner und logischer und die Sprecher sind eher in der Lage, mit ihrer Hilfe wichtige Gedanken auszudrücken. Diese empfundene Überlegenheit gipfelt darin, dass oft politische Reden u.ä. lieber in der High Variety gehört werden, auch wenn es möglich wäre, sie in der Low Variety zu halten - nur die High Variety wird dieser Situation als angemessen erachtet. Auch im Bezug auf Religion erhält die High Variety eine höhergestellte Position gegenüber der Low Variety.
Die Aneignung der beiden Varieties läuft zumeist auf verschiedenen Wegen ab. Dadurch, dass sich Erwachsene mit Kindern und Kinder untereinander in der Low Variety verständigen, wird diese als Muttersprache erworben bzw. so wie es bei einer Muttersprache geschieht - ohne explizite Grammatikregeln. Die High Variety dagegen wird jedoch während der Schulbildung erworben 1 . Diese Tatsache verleiht ihr damit eher den Charakter einer Fremdsprache (die ebenfalls mit expliziten Grammatikregeln erlernt wird). Durch die enge Verwandtschaft zur Low Variety jedoch (es handelt sich um zwei verschiedene Formen ein und derselben Sprache) findet hier nicht wirklich der Erwerb einer fremden Sprache statt. Diese verschiedenen Methoden des Aneignens haben einen wichtigen Einfluss auf die späteren Möglichkeiten des Ausdrucks in der jeweiligen Sprachform. Meist fühlen sich die Sprecher in der Low Variety auf solch eine Art und Weise zu Hause, wie sie es in der High Variety beinahe nie tun.
Im Gegensatz zur Low Variety existieren für die High Variety viele grammatische Studien und die Sprachform an sich ist sehr stark reglementiert. Die Low Variety dagegen enthält viele Variationen in der Aussprache, eine niedergeschriebene Orthographie existiert nicht und auch Grammatik und Wortschatz unterscheiden sich in einigen Aspekten von der High Variety. Auf die fehlende festgelegte Rechtschreibung lässt sich wohl auch die Tatsache zurückführen, dass das literarische Erbe der High Variety ungleich größer ist als das der Low Variety, wie es Ferguson in seinem Artikel ebenfalls als eine Eigenschaft der Diglossie aufführt.
Diglossie an sich erweist sich meist als ein sehr stabiler Zustand. Er kann durchaus über einige Jahrhunderte hinweg bestehen.
Der Großteil des Wortschatzes der beiden Varieties ist gleich, auch wenn er Variationen in Form, Gebrauch und Bedeutung aufweist. Doch es gibt sowohl in der Low Variety als auch in der High Variety Ausdrücke, die im jeweiligen Gegenstück keine Entsprechung finden. So enthält die High Variety oft technische und erlernte Begrifflichkeiten, die selten in der Low Variety diskutiert werden. Auf der anderen Seite bietet die Low Variety Bezeichnungen für Dinge aus dem nahen häuslichen Umfeld, die aufgrund der seltenen Benennung in der High Variety keine direkten Gegenstücke besitzen.
Und auch im Bereich der Phonologie finden sich Unterschiede zwischen den beiden Varieties. Je nach Sprache sind diese unterschiedlich stark. Ferguson nennt hier zwei grundsätzliche Tendenzen: Im ersten Fall existiert eine einzige phonetische Struktur, bei der die Phonologie der Low Variety die Basis ist und die abweichenden Elemente der High Variety entweder ein Subsystem oder ein Parasystem bilden. Die andere Möglichkeit wäre, dass Elemente aus der reinen High Variety, die in der reinen Low Variety nicht existieren, dort durch andere oder ähnliche Elemente ersetzt werden.
1 Bei vielen Kindern ist durch Mobilisierung und Fernsehen etc. jedoch bereits ein Grundwissen in der High Variety vorhanden, noch bevor sie sie in der Schule erlernen.
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Claudia Sieber, 2005, Diglossie in der Schweiz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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