Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
1.1 Vorwort 3
1.2 Geschichte 4
1.3 Voraussetzungen und Technisches Prinzip 5
1.4 Die Systemtheorie 6
1.5 Chancen und Anwendungsbeispiele 7
2. Room- Sampling 9
2.1 Raumakustische Basis und Halldefinition 9
2.2 Die Schallquelle und Impuls Signale 11
2.2.1 Das Sinus Sweep Verfahren 13
2.2.2 Dirac weißes Rauschen und Pistolenschuss 14
2.3 Die Mikrofonierung 15
2.3.1 ORTF 17
2.3.2 Binauraler Kunstkopf 18
2.3.3 Ambisonic 20
2.4 Weiterverarbeitung und Anwendung der Impulsantworten 21
3. Auralisation 23
3.1 Die Bedeutung der Auralisation 23
3.2 Das Prinzip der Faltung 23
3.2.1 Spektrum Multiplikation 24
3.3 Extraktion akustischer Parameter und Deconvolving der Impulsantworten 25
3.4 Der Player 26
3.5 Optimierungsverfahren zur Verminderung der Berechnungsintensität 28
4. Abschließende Betrachtungen 29
4.1 Vergleiche zwischen Faltungshall und Algorithmus- Hall 29
4.2 Eigene Meinung 31
5. Quellenangabe 33
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1. Einführung
1.1 Vorwort
In meiner Diplomarbeit möchte ich die Funktionsweise des Faltungshalls mit allen seinen Zwischenstationen beschreiben und mich kritisch mit dieser Technologie auseinander setzen. Wie wir alle wissen, erfährt der Faltungshall momentan einen enormen „Boom“, da die benötigte Rechenkraft mit neuen Prozessor – Technologien nun gegeben ist und der Falltungshall quasi Einzug in die „Wohnzimmer“ erhält. Jedoch benutzen viele Hersteller von Faltungshall – Effekten manipulierte und unterschiedliche mathematische Verfahren zur Hallerzeugung und zur Optimierung der Rechenleistung, wodurch der Kunde geblendet wird. Da sich die oft sehr komplexen Verfahren kaum nachvollziehen lassen, weiß der Kunde also nicht, was letztendlich in seinem so genannten Faltungshall eigentlich „drin steckt“ und ist durch Firmen- und Betriebsgeheimnisse kaum in der Lage Nachforschungen anzustellen. Die Produkttests dieser Geräte basieren außerdem auf subjektiven Höreindrücken, wodurch sich hierbei auch keinerlei Aussagen über die Authentizität der Effekte treffen lassen. Einige der bekannten Verfahren werde ich in dieser Arbeit nennen, werde diese jedoch nicht auf spezifische PlugIns anwenden.
Als Basis zur Erklärung des eigentlichen Schwerpunktes dieser Arbeit, dem Faltungsprozess, werde ich die Vorgehensweisen zur Erfassung von Impulsantworten von Räumen beschreiben. Dabei spielen basistechnische, raumakustische Fragen sowie die Methoden zur Anregung der Räume und Mikrofonierungs – Verfahren zur Aufzeichnung der Impulsantworten eine Rolle. Ebenso werde ich Kriterien für die Wahl solcher Methoden anführen.
Im Hauptteil werde ich das Prinzip der mathematischen Faltung sowie der Fourier – Transformation, welche als Grundlagen für die Erzeugung des Faltungshalls dienen, erklären. Zum Abschluss werde ich den Faltungshall mit herkömmlicher Hallerzeugung auf der Basis von Algorithmen vergleichen und Vor- und Nachteile der beiden Verfahren herausstellen. Hierbei werde ich meine eigene Meinung einfließen lassen und ein Resümee ziehen. Als Anlage soll eine CD mit Klangbeispielen der beiden Hallverfahren dienen, wobei ich mit dem traditionellen Algorithmus – Hall eine Impulsantwort nachahme.
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1.2 Geschichte
Die Entwicklung des Faltungshalls geht bis zum Anfang der 90er Jahre zurück.
Eine der zündenden Ideen entstand aus dem Wunsch heraus, die damals noch sehr teuren algorithmischen Hallgeräte kostengünstiger zu gestalten und einer größeren Personengruppe nahe zu bringen. Die sich damals auf dem Höhepunkt befindende Sampling – Technologie ermöglichte die ersten Versuche das legendäre Lexicon – Hallgerät zu „samplen“ und diese Samples per MIDI – Befehlen an vorhandene Audiosignale „ran zu hängen“, um diese dadurch letztendlich zu verhallen. Eines der ersten Probleme war dabei die Tatsache, dass die aufgenommenen Samples der Hallräume des Lexicons, so genannte Impulsantworten, mit einem Impuls erzeugt wurden und niemals identisch mit den Signalen waren, die man verhallen wollte. Man stelle sich hier eine Hihat mit dem Hallanteil eines breitbandigen Impulses vor, der sich über die gesamten Frequenzen des menschlichen Hörbereiches erstreckt, was einen äußert unnatürlichen Klangeindruck zur Folge hätte. Die entstandene Bibliothek an erstklassigen Hallräumen aus dem Lexicon war daher in der Praxis nahezu untauglich.
Der Hersteller Sony® wurde als erstes auf dieses Problem aufmerksam und arbeitete bereits an einem Lösungskonzept. Mit seinem Hardware – Effektgerät, dem „DRE-S777“, welches von Sony® Ende der 90er Jahre für über 10.000 USD auf den Markt gebracht wurde, war das Fundament für die weitere Entwicklung des Faltungshalls geboren. Die Idee, einen hochwertigen Halleffekt einer breiten Personengruppe nahe zu bringen, wurde jedoch auf Grund des hohen Preises nicht erfüllt. Das Grundprinzip des mit hochwertiger Digitaltechnik und Hochleistungs – DSP’s (Digitale Signal Prozessoren) ausgestatteten und immer noch sehr teuren Hallgerätes basierte auf der gleichen ursprünglichen Idee: Des Aufzeichnens von Hallräumen aus anderen technischen Geräten. Jedoch wurden die beiden Signale – Ursprungssignal und Impulsantwort – nicht wie vorhergehend via MIDI getriggert, sondern per DSP zusammengerechnet. Diesen sehr rechenintensiven Vorgang bezeichnete Sony® als Faltung. Damit war der Begriff „Faltungshall“ geboren.
Aktuell gibt es hunderte Halleffekte in Form von Hard- und Softwarelösungen auf dem Markt, deren Funktionsweise auf der Faltungstheorie basiert.
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1.3 VoraussetzungenundTechnischesPrinzip
Die Grundvoraussetzung für die Funktion des Faltungshalls ist das Vorhandensein einer Impulsantwort und eines leistungsfähigen Players, welcher für den Faltungsprozess verantwortlich ist. Der erste Schritt dient also zur Herstellung und Aufzeichnung einer Impulsantwort, der „Konservierung“ eines Raumes. Hierbei wird der Raum zunächst durch einen Impuls angeregt. Dieser kann aus einem Sinus – Sweep, einem Pistolenschuss oder aus weißem Rauschen bestehen (näheres unter 2.2 „Die Schallquelle und Impuls – Signale“) und wird optimaler Weise durch einen dodekaedronischen Lautsprecher wiedergegeben, da dieser eine gleichmäßige Anregung des Raumes nach allen Seiten gewährleistet.
Nun wird dieser Impuls zusammen mit der Antwort des Raumes, bestehend aus den Erstreflektionen und dem diffusen Nachhall mit mehreren Mikrofon aufgezeichnet (siehe 2.3 „Die Mikrofonierung“). Durch das so genannte Deconvolving werden die Eingangssignale mit den Ausgangssignalen mathematisch in Beziehung gebracht. Die Systemantwort wird also mit dem Erregerimpuls invertiert gefaltet, wodurch sich die reine Impulsantwort ergibt. Der Erregerimpuls wird dabei also aus der aufgezeichneten Systemantwort entfernt.
Die Impulsantwort findet nun ihre Verwendung in der so genannten Auralisation. Auralisation bedeutet ein beliebiges Musik- oder Tonsignal virtuell in einer vorher durch Impulsantworten konservierten Akustik wiederzugeben, dies wird durch einen weiteren Faltungsprozess erreicht. Die Impulsantwort, welche Aufschluss über den gesamten zeitlichen, frequentiellen und energetischen Verlauf des Halls vom aufgezeichneten Raum bringt, wird also wiederum auf das zu verhallende Signal (Musik oder Sprache) gefaltet. Dabei lässt sich der Faltungsprozess im Groben durch eine „sample – by – sample“ – Operation an zwei verschiedenen Signalen beschreiben, welche durch diesen Prozess miteinander verschmelzen oder besser gesagt „aufeinander gefaltet“ werden.
Alternativ dazu kann ein leistungseffizienteres Verfahren eingesetzt werden, welches sich Spektrum – Multiplikation nennt (näheres unter 3.2.1 „Spektrum – Multiplikation“). Den Vorgang der Faltung oder Spektrum – Multiplikation übernimmt der Player, welcher entweder durch eine Hardware – Implementierung (Effektgerät) oder durch eine Software (PlugIn) verwirklicht wird. In einigen Fällen ist der Player durch intelligente Voranalyse
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bzw. Manipulation der Impulsantworten sogar in der Lage, dem sonst so statischen Faltungshall weitere Parameter zur Verfügung zu stellen.
Für den gesamten mathematischen Faltungsprozess ist die Linearität der Systeme die wichtigste Voraussetzung. Dies bedeutet, dass ein Raum als ein lineares System bei einer Anregung durch ein zweites lineares System (des Erregerimpulses) gleichmäßig antworten muss. Wenn also in einem dieser Systeme Verzerrungen entstehen, greift das Prinzip der Faltung nicht mehr, was durch die Systemtheorie beschrieben werden kann.
1.4 DieSystemtheorie
Die Basis für das Gewinnen von Impulsantworten und dem Prozess der Faltung bildet die so genannte Systemtheorie. Der Begriff Systemtheorie stammt von Ludwig von Bertalanffy, der 1949 die "General – Systems – Theory" verfasste.
Beim systemtheoretischen Denkansatz geht es um Ganzheiten. Durch die Beziehungen verschiedener Elemente untereinander und die daraus entstehenden Wechselwirkungen ergibt sich etwas Neues, das nicht ausschließlich auf die Eigenschaften der Elemente zurückführbar ist sondern von einem System 'S' geprägt ist.
Dabei ist das System vorerst mit einer Blackbox vergleichbar. Ein Signal tritt in diese Box hinein und tritt verändert wieder heraus, ohne dass man den eigentlichen Prozess der Box und dessen Auswirkungen auf das Eingangssignal beschreiben könnte. Sobald man jedoch die Ein- und Ausgangsgrößen miteinander in Beziehung setzt, lässt sich das System vollständig beschreiben. Dies bedeutet, dass ein System 'S' durch die Anregung mit einem Eingangssignal 'x' nach dem Ursache – Wirkungsprinzip reagiert und mit einem eindeutigen Ausgangssignal 'y' antwortet. Dies wird auch als Systemreaktion auf das Eingangssignal beschrieben. Sie ist eine Kenngröße, durch die ein System vollständig beschrieben wird. Wenden wir diese Theorie auf die Aufnahme von Impulsantworten und den Faltungshall an, müssen bestimmte Gesetzmäßigkeiten erfüllt sein, da wir zeitliche, energetische und frequentielle Kriterien messen möchten:
Unser System muss zeitinvariant sein, was bedeutet, dass eine Verschiebung des Eingangssignals 'x' um eine Zeit 't', auch eine Verschiebung des Ausgangssignal 'y' um die Zeit 't' bewirken muss. Dies ist wichtig für den Fall einer verspäteten Anregung und für
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dessen zeitlichen Verlauf. Ebenso ist die Linearität und Stabilität ein wichtiges Kriterium. Ein stabiles System reagiert auf ein Eingangssignal mit endlicher Amplitude, mit einem Ausgangssignal, dessen Amplitude ebenfalls begrenzt ist. Da ein durch ein Schallereignis angeregter Raum nicht mit einem Hall eines unendlich hohen Pegels reagiert, ist dies ebenfalls gegeben. Linearität bedeutet, dass sich im Falle der Veränderung des Eingangssignals um einen Faktor ‘k’, auch die Systemantwort um den Faktor 'k' verändern muss. Dies basiert auf der Tatsache, dass sich bei einem mit Hall versehenden Signal – im Falle der Veränderung des Eingangssignals – auch der Hall verändern muss. Dies stellt ebenso das wichtigste Kriterium für den Prozess der Faltung dar, denn diese funktioniert ausschließlich mit linearen Systemen. Wäre das System non – linear und würde für gleiche Eingangssignale unterschiedliche Ausgangssignale fördern, so ließen sich diese nicht Eindeutig in Beziehung miteinander bringen.
Das letzte Kriterium ist die Kausalität des Systems, welche voraussetzt, dass logischerweise eine Wirkung erst nach einer Ursache auftreten darf.
Nun müssen wir die Signale unter Berücksichtigung der Zeit noch in Abhängigkeit voneinander setzen: 'y(t)' = S{x(t)} Die Systemantwort 'y(t)' ist also in irgendeiner Weise vom Eingangssignal 'x(t)' und von den Systemeigenschaften abhängig. Um dies noch einmal zu verdeutlichen:
Die Systemantwort 'y(t)' beinhaltet die Impulsantwort 'h(t)' und den Erregerimpuls oder Eingangssignal 'x(t)'. Systemantwort und Impulsantwort sind also nicht ein und dieselbe Größe! Erst durch das Deconvolving (siehe 3.3 „Extraktion akustischer Parameter und Deconvolving“) lässt sich aus der Systemantwort die eigentliche Impulsantwort gewinnen. Ich gebe zu, dass dies etwas verwirrend klingt denn in der Praxis wird fälschlicher Weise, die Systemantwort mit der Impulsantwort gleichgesetzt.
1.5 ChancenundAnwendungsbeispiele
Wie bereits erwähnt, nimmt die Bedeutung von Faltungshall mit steigender Prozessorleistung deutlich zu, womit sich mehrere neue Anwendungsgebiete eröffnen. Allerdings hat der reine Faltungshall auch mit einigen Einschränkungen zu kämpfen um sich als „Allround – Tool“ behaupten zu können. Durch das Fehlen wichtiger Parameter
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Quote paper:
SAE Diplom Audio Engineer David Dwier, 2005, Die Wahrheit über Faltungshall, Munich, GRIN Publishing GmbH
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