Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft Wintersemester 2006 / 2007
Das politische System Italiens
Hausarbeit zum Thema
Politische Kultur in Italien
Autor: Marco De Martino Studienabschnitt: Grundstudium, 6. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1. Präambel ... 3
2. Politische Kultur – Mensch und Gesellschaft im Fokus der Regierungslehre ... 4
2.1 Hintergründe und Forschungsansätze ... 4
2.2 Die Politische Kultur und ihre verschiedenen Typen nach Almond und Verba ... 4
2.2.1 Parochialkultur ... 5
2.2.2 Untertanenkultur ... 5
2.2.3 Partizipationskultur ... 5
2.3 Die Bedeutung der politischen Kultur für die Stabilität eines politischen Systems ... 6
2.3.1 These und Anwendung im Kontext der Geschichte ... 6
2.3.2 „Civic Culture“ – Königsweg zur Demokratie? ... 7
3. Italiens Kampf gegen die Instabilität – Politische Kultur vs. Demokratie? ... 8
3.1 Rahmenbedingungen ... 8
3.1.1 Historische Schlüsselerlebnisse ... 8
3.1.2 Sozioökonomische Gegebenheiten ... 9
3.1.3 Politisches System ... 9
3.2 Kennzeichen der politischen Kultur Italiens ...11
3.2.1 Sozialkapital vs. Vertrauensdefizit ... 11
3.2.2 Kampf der Ideologien ... 12
4. Ebenenwechsel – Neuere Entwicklungen der Politischen Kultur Italiens ...13
4.1 Die Rolle der Regionen bei der Demokratisierung der PK ... 14
4.2 Stabilitätsfaktor Europa ... 14
5. Schlussbemerkung ... 15
6. Literatur ... 16
1. Präambel
Den Menschen und die Gesellschaft in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen ist innerhalb der Politischen Wissenschaften lange Zeit eher ein Hauptanliegen der Ideengeschichte als der Systemforschung gewesen. Wer herrscht über wen, wie und warum? – diese Grundfrage zur Struktur des menschlichen Zusammenlebens in einer Gesellschaft versucht die Politische Philosophie zu lösen, indem sie sie auf eine normativ-ontologische Beobachtungsebene stellt und reale wie hypothetische Machtkonstellationen in Bezug auf ihre Vereinbarkeit mit dem Wesen des Menschen zu beurteilen versucht. Im Gegensatz dazu legt die Regierungslehre zunächst den Fokus auf die polity- und politics-Strukturen von Staaten und hat sich meist nur sekundär mit dem empirisch schwer fassbaren ‚Faktor Mensch’ befasst. Was das Forschungsziel angeht, so stellt die Beobachtung von Mechanismen eines politischen Systems und die Beurteilung seiner Funktionsfähigkeit jedoch nur bedingt einen Gegensatz zu den Prämissen der Politischen Theorie dar: Beide Forschungsgebiete suchen entsprechend ihrer Zugehörigkeit zu den Sozialwissenschaften nach ‚tauglichen’ Regierungsformen und betrachten in ihrer Analyse stets auch die Gesellschaft mit den in ihr lebenden Menschen.
Der Zusammenbruch vieler junger europäischer Demokratien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der Zweite Weltkrieg als tosender Auftakt für eine Jahrzehnte andauernde Rivalität zwischen den Ideologien verschiedener politischer Systeme hat in den 50er Jahren erstmals auch in der Systemforschung zu einem Umdenken geführt. Wenn bewährte institutionelle Gegebenheiten kein funktionierendes Staatswesen garantierten, so mussten nun die Menschen und ihre Haltung zur Politik als maßgebliche Einflussgrößen für das Gelingen oder Scheitern eines politischen Systems näher in Betracht gezogen werden. „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“ Joseph de Maistre1 Obwohl bis heute heftig umstritten, hat sich dieser als Politische Kultur (PK) bezeichnete Betrachtungs-gegenstand innerhalb der Politikwissenschaft einen festen Platz gesichert. Deshalb soll an dieser Stelle skizziert werden, welche Hintergründe zur Etablierung jenes Forschungsansatzes geführt haben und welche Hauptkonzepte ihn prägen. Ausgehend von der Bedeutung der PK für die Stabilität eines Staatswesens soll außerdem anhand des Fallbeispiels Italien dargestellt werden, welcher Dynamik sie unterliegt um schließlich die Frage zu beantworten, warum das politische System der Italienischen Republik sich in der Vergangenheit zeitweise als instabil erwiesen hat, obwohl die strukturellen Gegebenheiten des Landes eine ähnlich stringente Entwicklung wie in anderen Nachkriegsdemokratien hätten erwarten lassen. In diesem Sinne sollen auch die Wechselwirkungen zwischen polity, politics und PK Erwähnung finden. Prinzipiell orientiert sich diese Arbeit am Modell der Sozialwissenschaftler Gabriel Almond und Sydney Verba, die den Begriff der PK maßgeblich geprägt haben. Mit Blick auf die intensive Kritik, gegen die sich ihre Forschungsarbeiten seit jeher behaupten müssen, wird eine objektive Deutung ihrer Erkenntnisse allerdings nur unter Einbeziehung der wichtigsten Gegenargumente und neuerer Erkenntnisse zur PK Italiens möglich sein, wie sie Robert D. Putnam 1993 in seiner entsprechenden Studie „Making Democracy Work“ herausgearbeitet hat.[...]
1 Joseph de Maistre (1753 – 1821), Philosoph und Staatstheoretiker, diente im 18./19. Jahrhundert dem
Königreich Savoyen als Senatsmitglied und Diplomat. Die Herkunft des angeführten Zitats ist nicht genau zurückzuverfolgen, entstammt aber seinen Lettres et opuscules inédits aus dem Jahr 1811.
(vgl. Online-Archiv der University of Manitoba, Kanada)
Arbeit zitieren:
Marco De Martino, 2007, Politische Kultur in Italien, München, GRIN Verlag GmbH
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