Universität Stuttgart, Proseminar: Semantik
Wintersemester 2003/2004, 4. Semester
Die Wortfeldtheorie
von
Larissa Neuefeind
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Anfänge der Wortfeldtheorie 3
2.1. Ferdinand de Saussure 3
2.2. Die Herkunft des Feldkonzepts 6
3. Der Feldgedanke im 20. Jahrhundert 6
3.1. Das Bedeutungsfeld von Ipsen 6
3.2. Jost Trier 7
3.3. Leo Weisgerber 11
3.4. Stimmen zur Kritik an der Wortfeldtheorie als Gesamtkonzeption 13
4. Einblick in die heutige Strukturelle Wortfeldforschung und deren Probleme 15
5. Zusammenfassung 16
6. Bibliographie 17
1. Einleitung
Namhafte Forscher haben sich bereits der Wortfeldforschung gewidmet, welche sich mit der Aufteilung von Wörtern in Felder beschäftigt, die wiederum hierarchisch gegliedert in einem Gefüge existieren. Jost Trier gilt im Allgemeinen als Begründer der Feldtheorie. Er stellte sich in seinen Studien zwei bedeutende Fragen: 1.) Welche Umstände, Anzeichen und Merkmale geben uns das Recht, ein Feld anzunehmen? und 2.) Was kann die Linguistik mit dem Feld anfangen?1
Diesen Fragen sollen u. a. in dieser Arbeit nachgegangen werden, die das Ziel hat, den Weg zu einem sprachlichen Feld aufzuzeigen. Hierfür werden die Anfänge der Wortfeldtheorie, aber auch Kritik an dieser Theorie dargestellt. Als Hauptvertreter der Wortfeldtheorie wird neben Jost Trier, der aufgrund seiner Erkenntnisse und Verdienste in der Wortfeldforschung am ausführlichsten dargestellt werden soll, auch auf Gunther Ipsen und auf Leo Weisgerber, der die Theorie Triers weiterentwickelte und sie populär machte, eingegangen.
2. Die Anfänge der Wortfeldtheorie
2.1. Ferdinand de Saussure
Wenn man der Geschichte des sprachlichen Feldes nachgeht, wird man in der Geschichte bis auf Platon im Altertum, John Locke (ca. 1690), oder auf Gottfried Wilhelm Leibnitz (18. Jahrhundert) zurückgeführt, die alle Bedeutungskonzepte entwickelten2. Ferdinand de Saussure jedoch entwickelte Anfang des 20. Jahrhunderts ein neues Konzept, welches für die nachfolgende Bedeutungslehre sehr einflussreich war3. Saussure legt in seiner Betrachtungsweise großen Wert auf eine synchronische und zugleich diachronische Betrachtung der Sprache. Er gilt als Wegbereiter der Grundprinzipien struk- turalistischer Sprachbeschreibung. Für ihn besteht das Sprachensystem, welches für ihn ein Zeichensystem darstellt, aus le langage, la langue und la parole. Die menschliche Sprache im Gesamten ist somit die languag:. Es ist die angeborene Fähigkeit aller Menschen zur menschlichen Sprache und besteht aus der langue und der parole. Die langue bezeichnet hierbei ein eher soziales Phänomen, denn sie beschreibt die tatsächliche Sprache einer Sprachgemeinschaft. Die language stellt demnach das Forschungsgebiet für die Linguistik dar. Die parole hingegen versteht sich als konkreter Sprachgebrauch jedes einzelnen Individuums. Das Sprachsystem an sich beschreibt die natürliche Beziehung zwischen „Wörtern“ und „Dingen“. Saussure unterscheidet zwei Seiten innerhalb einer solchen Wort-Ding-Beziehung und betont zudem deren Zufälligkeit: signifié ist das „Bezeichnete“, folglich der Begriff / Inhalt und signifiant ist das „Bezeichnende“, also das akustische Bild / der Ausdruck1. Vor allem aber waren Saussures Gedanken über „syntagmatische und assoziative Beziehungen“ unter den Wörtern einer Sprache für die Bedeutungslehre einflussreich:
Einerseits gehen die Worte infolge ihrer Verkettung beim Ablauf irgendwelcher
Aussagen Beziehungen unter sich ein, die auf dem linearen Charakter der Sprache
beruhen, der es unmöglich macht, zwei Elemente zu gleicher Zeit auszusprechen
[…]. Sie reihen sich eins nach dem andern in der Kette des Sprechens an, und diese
Kombinationen, deren Grundlage die Ausdehnung ist, können Anreihungen oder
Syntagmen genannt werden. Die Anreihung besteht also immer aus zwei oder mehr
aufeinander folgenden Einheiten (z.B. abreißen; für uns; ein langes Leben; Gott ist
gut; wenn das Wetter schön ist, wollen wir ausgehen usw.). In eine Anreihung hineingestellt,
erhält ein Glied seinen Wert nur, weil es dem vorausgehenden oder dem
folgenden oder beiden gegenübersteht.
Andererseits aber assoziieren sich außerhalb des gesprochenen Satzes die Wörter,
die irgend etwas unter sich gemein haben, im Gedächtnis, und so bilden sich Gruppen,
innerhalb deren sehr verschiedene Beziehungen herrschen. So lässt das Wort
Belehrung unbewusst vor dem Geist eine Menge anderer Wörter auftauchen (lehren,
belehren usw., oder auch Bekehrung, Begleitung, Erschaffung usw., oder ferner Unterricht,
Ausbildung, Erziehung usw.). Auf der einen oder anderen Seite haben alle
diese Wörter irgend etwas unter sich gemein.
Man sieht, dass diese Zusammenordnungen von ganz anderer Art sind als die ersteren;
sie sind nicht von der Zeiterstreckung getragen; ihr Sitz ist im Gehirn; sie sind
Teile jenes inneren Schatzes, der bei jedem Individuum die Sprache bildet. Wir wollen
sie assoziative Beziehungen nennen.1
Ein Hinweis hatte jedoch besondere Bedeutung, allerdings erst nach Saussures Tod:
Die synchronische Betrachtung der Sprache eröffnete nun neue Wege für die Forschung
von Wörtergruppen, die begrifflich zusammengehören. Saussure hatte gezeigt,
dass die Sprache ein System von Zeichen ist. Diese Erkenntnis war die Vorrassetzung,
welche die synchronische Erforschung der Sprachinhalte überhaupt erst
ermöglichte2.
[...]
1 Vgl. Trier, Jost: „Das sprachliche Feld: Eine Auseinandersetzung“, In: Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugendbildung 10, 1934, S. 160 f.
2 Vgl. Geckeler, Horst: Strukturelle Semantik und Wortfeldtheorie. München 1971.
3 Vgl. Reed, Kenneth W.: Bestimmung und Beschreibung des Sprachlichen Feldes: Ein Beitrag zur Anwendung des Wortfeldprinzips. Ann Arbor: UMI Company, 1998.
1 Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart 1999.
1 Saussure, Ferdinand de: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin 1967, S. 147 f.
2 Öhmann, Suzanne: „Sprachliche Feldtheorie“. In: Lothar Schmid (Hrsg.). Wortfeldforschung: Zur Geschichte und Theorie des sprachlichen Feldes. Darmstadt 1973, S. 292.
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Larissa Neuefeind, 2004, Die Wortfeldtheorie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Sehr verehrte Dame!Ich bin Hochschullehrerin an der Uni in Orenburg und habe grosses Interesse an der Theorie des Wortfeldes. Meine Dissertation ist dem Thema "Homonymie der grammatischen Strukturen im Text" gewidmet. Seit langem sammle ich Materialien, was die lexikalisch-grammatischen Felder anbetrifft. Aber das Problem besteht darin, dass die Quellen der Entstehung der Feldtheorien für mich noch nicht erforscht sind. Deshalb bin ich Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie solch ein Buch geschrieben haben.
on Monday, May 18, 2009-