Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
A Einleitung 3
B 5
1. Allgemeine Informationen 5
1.1 Der geschichtliche Hintergrund 5
1.2 Die gesellschaftliche Strukturierung 6
1.3 Der literarische Hintergrund 7
1.4 Die zeitgenössischen Rahmenbedingungen als Vorraussetzung für den
costumbrismo 8
2. Der costumbrismo 9
2.1 Annäherung an den Begriff des costumbrismo 9
2.2 Costumbristische Erscheinungsformen: der artículo de costumbre 10
3. Ramón de Mesonero Romanos und der costumbrismo 11
4. Mariano José de Larra und der costumbrismo 13
4.1 Mariano José de Larra und Vuelva Usted mañana 13
4.2 Aussageabsicht Mariano José de Larras 16
5. Larras Wirkung auf andere Generationen 18
C Ausblick 21
Literaturverzeichnis 22
2
A Einleitung
¿Quién es mejor español? ¿El hipócrita que grita: „Todo lo sois; no deis un paso para ganar el premio de la
carrera, porque vais adelante“; o el que sinceramente dice a sus compatriotas: „Aún nos queda que andar; la meta está lejos; caminad más aprisa, si queréis ser los primeros.“? 1
Die Verdienste Spaniens für Europa und auch für sich selbst beschäftigen von jeher sowohl ausländische Intellektuelle und Schriftsteller als auch spanische Literaten und Gelehrte. Ausgangspunkt dieser Grundproblematik liegt in der Alterität Spaniens, welche von europäischen Staaten attestiert und auch von Spanien selbst aufrechterhalten wird. Montesquieus Lettres Persannes als Paradebeispiel der Darstellung Spaniens aus der Fremdperspektive fällen ein Pauschalurteil über spanische Charakteristika wie Stolz und Ehre aber auch Faulheit und Rückständigkeit und geben für lange Zeit Ansatz zu heftigen Diskussionen. Die Leyenda negra konstituiert durch die spanische Inquisition, Felipe II und die Kolonisierung Lateinamerikas ein Selbstbild Spaniens, das auf Eigendarstellungen wie der von Bartolomé de las Casas basiert, aber „nur teilweise den tatsächlichen Geschehnissen und
Tatsachen“ 2 entspricht. Das Spanienproblem kann also als Synthese von Fremdbild und
Selbstbild festgelegt werden. Dieses Gedankengut findet in unzähligen Epochen eine Bearbeitung durch nationale und internationale literarische Produktionen.
In der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts geht es dem spanischen Intellektuellen Mariano José de Larra nicht nur um die bloße Darstellung der spanischen Eigenheiten, mit dem Ziel der Wiederherstellung des nationalen Selbstverständnisses, sondern vielmehr um eine Neuordnung der gesellschaftlichen Umstände. Er ist sich der fatalen Lage Spaniens bewusst, „una de la ideas fundamentales de Larra era la de que en España no había nada, no
se hacía nada, ni pasaba nada“ 3 und will die Bevölkerung aus ihrer Lethargie reißen. Dafür
sieht er das Anknüpfen an den allgemeinen Fortschritt als unumgängliche Maßnahme. Die Andersartigkeit Spaniens kann nur aufgehoben werden, indem man sich auf seine Traditionen besinnt und sie mit modernen Entwicklungen kombiniert. Vor allem durch seine artículos de costumbre reagiert er auf das gängige Spanienbild, übt Kritik daran und liefert gleichzeitig auch einen Lösungsvorschlag – Auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Absicht dieser Arbeit ist es, den costumbrismo als Selbstvergewisserung in Antwort auf Fremdprojektionen am Beispiel Mariano José de Larras darzustellen. Dafür wird anfangs
1 Mariano José, de Larra, Artículos, Madrid: Editorial castalia didáctica, 1990.
2 Eva, Braun, La leyenda negra, Regensburg: Paperausgabe, 2005.
3 Luis, Lorenzo-Rivero, Larra y Sarmiento: Paralelismos historicos y literarios, Madrid: Ediciones Guadarrama, 1968.
3
der allgemeine historische Rahmen dargestellt, um auf die Entstehungssituation des costumbrismo als notwendige Folge der Zeichen der Zeit einzugehen. Danach wird der costumbrismo und eine Art seiner Einzelveröffentlichungen, die artículos de costumbre, näher beschrieben. Anschließen wird mit Ramón de Mesonero Romanos ein traditioneller Vertreter dieser literarischen Strömung vorgestellt. Der Autor Mariano José de Larra transformiert dieses Genre und nutzt es zur Gesellschaftskritik, wie durch die Analyse des artículos „Vuelva Usted mañana“ gezeigt wird. Abschließend wird seine Wirkung auf die andere Generationen untersucht.
4
B
1. Allgemeine Informationen
1.1 Der geschichtliche Hintergrund
1808 Unabhängigkeitskriege gegen die französische Besatzung unter König Joseph Bonaparte 1810 Cortes de Cádiz ( = > 1812 liberale Verfassung) 1814 - 20 König Ferdinand VII (1te absolutistische Phase) 1820 Aufstand von Riego - Trienio Liberal (Wiederaufnahme der liberalen Verfassung) 1823 - 33 König Ferdinand VII (2te absolutistische Phase) 1833 - 41 Königin María Cristina/ Regierung unter Menizábal
Der geschichtliche Hintergrund der Lebens- und Schaffenszeit von Mariano José de Larra wird durch zwei unterschiedliche Phasen bestimmt, die sich gegenseitig abwechseln und seine menschliche und schriftstellerische Entwicklung beeinflussen. Absolutismus unter Ferdinand VII und konstitutionelle Monarchie durch die Verfassung der Cortes von Cádiz von 1812 lösen einander ab und generieren dabei „a surprisingly dynamic picture of Spain immersed in the violent social, political, and psychological revolution which marked the
beginning of its transformation into a modern nation.“ 4 Jedoch kann keine dieser Phasen der
Bevölkerung Frieden und Wohlstand garantieren, da der Absolutismus nur noch auf politischer, aber keiner ideelle Macht und der Liberalismus nur auf einem ideellen System, aber nicht auf der politischen Entwicklung des Volkes basiert. So befindet man sich in der Endphase einer absoluten Monarchie und dem Beginn des Liberalismus, ohne politisch
praktikable Alternative. 5
Zu Beginn des 19ten Jahrhunderts ist Spanien Teil des französischen Machtbereichs, erkämpft sich aber durch Aufstände, in denen das spanischen Volk „zum ersten Mal als
politische Kraft auftritt“ 6 seine Unabhängigkeit, die in der liberalen Verfassung von Cádiz
von 1812 seinen Ausdruck findet. Da diese liberale Phase aber bald scheitert, kehrt man unter der Regierung von Ferdinand VII zu traditionellen Werten zurück, die „liberale Tendenzen
4 Joseph, Servodidio, The articles of Mariano José de Larra: A chronicle of social change, Michigan: Columbia
University Press, 1969.
5 Eva, Konitzer, Larra und der costumbrismo, Meisenheim am Glan: Verlag Anton Hain, 1970.
6 Ulrich, Laumeyer, Costumbrismo und Stadtentwicklung: Mesonero Romanos und Madrid, Frankfurt am Main:
Verlag Peter Lang, 1986.
5
bereits im Keim“(Costumbrismo und Stadtentwicklung: Mesonero Romanos und Madrid, S.17) ersticken und wendet sich von einer Entwicklungen parallel zur europäischen Modernisierung ab. Dieser Periode folgen „Jahre der Öffnung zu neuen Idealen“ (Costumbrismo und Stadtentwicklung: Mesonero Romanos und Madrid, S. 21) unter der Regentschaft María Cristinas mit Ansätzen zur liberal Reformpolitik durch Veränderungen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich, wie der Konsolidierung einer neuen Bevölkerungsschichtung. Zudem deuten erste Unabhängigkeitsbestrebungen der Überseekolonien schon auf eine weitaus bedeutendere Identitätskrise hin, die sich am Ende des Jahrhunderts vollziehen wird.
Das Schaffen von Mariano José de Larra und die Phase des costumbrismo fallen genau in die Endzeit der absoluten Monarchie, die liberalem Gedankengut gegenübersteht. „Zum ersten Mal vollzieht sich das Phänomen der Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Absolutisten und dokumentiert die Spaltung der spanischen Gesellschaft, ihre Trennung in zwei nicht zu vereinbarende Ideologien, die den Begriff der zwei Spanien – las dos Españas – geprägt haben.“ (Costumbrismo und Stadtentwicklung: Mesonero Romanos und Madrid, S.18)
1.2 Die gesellschaftliche Strukturierung
In dieser Zeit des Umbruchs ist es „an undeniable fact, then, that a drastic transformation of Spanish society was needed.“(The articles of Mariano José de Larra: A chronical of social change, S.36) Die Neuorientierung der Bevölkerungsstruktur erzeugt eine Krise des nationalen Selbstverständnisses, da Spannungen bei der nationalen Leitidee auftauchen. Deshalb hat die soziale Strukturierung Auswirkungen auf das menschliche Selbstverständnis, das nicht mehr völlig zu ergründen ist und zu einer Individuumsspaltung führt. Durch „den Verlust eines kollektiven Lebensideals“ (Larra und der costumbrismo, S.19) ergibt sich eine in sich gespaltene Gesellschaftsschichtung, die durch die soziale und wirtschaftliche Lage bestimmt wird.
So gliedert sich die Gesellschaft in das einfache Volk, das in großer Armut lebt, von Seuchen und Hungersnöten bedroht wird, dessen Weltbild von Unwissenheit und Aberglaube geprägt ist und das kaum Bildungs- oder Erziehungsreformen erfährt. Der Mittelstand stellt eine leistungsorientierte Führungsschicht, die nach politischer Macht strebt, ein starkes wirtschaftliches Sicherungsbedürfnis mit negativem Arbeitsethos verbindet und seinen Lebensstil dem casticismo anpasst, den „stark emotional gefärbte Abwehrmechanismen gegen jeglichen, besonders französischen Einfluss; man beharrt stark auf spanischen Sitten, auf der
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Stephanie Wenzl, 2005, Der "costumbrismo" als Selbstvergewisserung in Antwort auf Fremdprojektionen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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