1 Einleitung 3
2 Symbole und die Struktur des Bewusstseins 5
2 Evolutionäre Grundlagen und Gesten 5
2 Soziale Interaktion 6
2 Me und Self 8
3 Die Entwicklungsstufen des Selbst 11
3 Die Phase des Play 11
3 Die Phase des Game 12
3 Die Identität im symbolischen Interaktionismus 14
3 Die universale Kooperation als Zielvorstellung 14
4 Moderne Anwendungen und Weiterentwicklungen 15
4 Die Theorie des kommunikativen Handelns 15
4 Die Dialektik von persönlicher und sozialer Identität 17
4 Die Rollentheorie von Jürgen Habermas 18
5 Schlussbetrachtung 19
1. Einleitung
Wer ist eigentlich George Herbert Mead und nachdem diese Frage geklärt ist, warum sollte man sich mit einem Soziologen auseinandersetzen, dessen Thesen auf einer Gesellschaft auf- bauen die schon lange Vergangenheit ist? Haben diese Thesen noch einen Wert für die heuti- ge Gesellschaftsanalyse und vielleicht auch darüber hinaus? Diese Fragen kommen dem mit dem Wortungetüm des symbolischen Interaktionismus konfrontierten Leser in den Sinn, der nach einem kurzen Blick in das Lexikon zur Soziologie keine klare Vorstellung vom Werk George Herbert Meads bekommen hat. 1 Meads Arbeiten insgesamt stellen eine umfassende Theorie zur Funktion von Interaktion und Kommunikation dar. Die Probleme, seine Theorie zu erfassen entstehen aus der Art der Veröffentlichung; sein Werk stellt kein in sich geschlossenes methodisches Konstrukt dar, sondern besteht aus mehreren Einzelarbeiten zu verschieden Aspekten. Diese Einzelarbeiten wurden nicht von ihm selbst herausgegeben, sondern von einem seiner Schüler posthum ver- öffentlicht. Die leitenden Fragestellungen dieser Arbeit orientieren sich im wesentlichen an den Fragestellungen die Mead selbst bearbeitet hat. Wie entsteht Identität im Individuum? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein um eine solche Identität überhaupt zu entwi- ckeln? In welchen Phasen läuft diese Entwicklung ab? Und wie kann man diese auf das Indi- viduum zentrierte Analyse in eine Analyse der Gesamtgesellschaft transformieren? Außerdem soll der Einfluss des symbolischen Interaktionismus auf die weitere Entwicklung der Soziolo- gie betrachtet werden.
Aus diesen Fragestellungen leitet sich dann auch die grobe Struktur ab: Im ersten Teil wird die psychologische Struktur des Bewusstseins dargestellt und es werden die begrifflichen Grundlagen für die weitere Beschäftigung mit dem Thema gelegt. Der zweite Teil beschäftigt sich vor allem mit der phasenweisen Entwicklung der Identität im Rahmen sozialer Interakti- on während sich der letzte Teil mit der Weiterentwicklung des symbolischen Interaktionismus in der Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas beschäftigt und eine Ein- ordnung in moderne Sozialisationtheorien vornimmt. Diese Arbeit kann nicht den Anspruch erheben eine Neuinterpretation der Theorie des symbolischen Interaktionismus zu leisten, sondern nur versuchen eine Schneise in den mittlerweile unübersehbar gewordenen Wald aus
1 Bisler, Wolfgang: Symbolischer Interaktionismus. In: Fuchs-Heinritz, Werner u.a. (Hrsg.):Lexikon zu Soziologie. 3. Auflage, Opladen 1994, S. 309.
soziologischen Theorien zur Subjektwerdung zu schlagen und sich dabei auf einen begrenzten Ansatz zur Erklärung der Phylogenese der menschlichen Gesellschaft zu stützen. Es werden die psychologischen Grundlagen der Subjektwerdung dargestellt und in den größeren Zusam- menhang der Entwicklung zur universalen Gesellschaft eingeordnet.
Die Grundlage für diese Arbeit stellt dementsprechend vor allem das Werk George Herbert Meads 2 dar, zusammen mit Einführungen in die Grundlagen der soziologischen Theorien. Diese sind vor allem zur anfänglichen Beschäftigung mit der Theorie des symbolischen Inter- aktionismus hilfreich, da sie die Inkonsistenzen innerhalb des Werkes hervorheben und versu- chen einen roten Faden in die Ausführungen Meads zu bringen. 3 Vor allem zur Erklärung der Entstehungsgeschichte des Werkes hat Hans Joas mit seiner Dissertation aus dem Jahre 1979 einen wichtigen Beitrag geleistet. 4 Er hat sich auch durch die Herausgabe seiner gesammelten Aufsätze in deutscher Übersetzung verdient gemacht. 5 Für die weitere Beschäftigung mit der Person Meads empfiehlt es sich auch eine Beschreibung seines sozialen Umfeldes zu Rate zu ziehen, der Einfluss auf seine Arbeit wird dort unverkennbar deutlich. 6 Für den letzten Teil der Arbeit wurden sowohl Texte von Jürgen Habermas zu Rate gezogen, als auch wiederum Einführungen in die Theorie der Gesellschaft und die Theorie des kommunikativen Han- delns. 7 Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den vorgestellten Quellen eine genaue Kenntnis der Grundlagen der jeweiligen Autoren erfordert. Auch müssen die Querverbindungen zwischen den einzelnen Theorien deutlich werden.
2 Mead, George Herbert: Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus. 10. Aufl, Frankfurt am Main 1995.
3 Morel, Julius(u.a.): Soziologische Theorie. Abriss der Ansätze ihrer Hauptvertreter, München 1999. Schneider, Wolfgang Ludwig: Grundlagen der soziologischen Theorie, Band 1, Wiesbaden 2002. 4 Joas, Hans: Praktische Intersubjektivität: die Entwicklung des Werkes von G.H. Mead. Frankfurt am Main
5 Mead George Herbert: Gesammelte Aufsätze. Band 1 und 2, hrsg. von Hans Joas, Frankfurt am Main 6 Wenzel, Harald: George Herbert Mead zur Einführung. Hamburg 1990.
7 Habermas, Jürgen: Moralbewusstsein und kommunikatives Handeln. Frankfurt am Main 1999. Reese-Schäfer, Walter: Jürgen Habermas. Frankfurt am Main 2001.
Jäger, Wieland; Baltes-Schmidt, Marion: Jürgen Habermas, Einführung in die Theorie der Gesellschaft. (Hagener Studientexte zu Soziologie), Wiesbaden 2003.
2. Gesten, Symbole und die Struktur des Bewusstseins
Bevor wir uns nun mit der Struktur des menschlichen Bewusstseins beschäftigen können, ist es notwendig, den Begriff des Bewusstseins in Sinne Meads zu erklären. Für Mead ist das Bewusstsein das „Wissen um die Bedeutung von Objekten“ 8 . Um dieses Wissen zu erlangen, muss das Subjekt mit den Objekten interagieren. Durch die Reaktion dieser Objekte wird ein gewisser Erfahrungsschatz angelegt, dieser ist dann bei der erneuten Interaktion mit dem glei- chen Objekt verfügbar. Wenn ich das gleiche Objekt noch einmal wahrnehme, kann ich vor- her schon die möglichen Handlungsoptionen mit diesem Objekt abschätzen. 9 Dies gilt auch für soziale Objekte, damit sind andere Individuen gemeint. Durch die Verinnerlichung der Re- aktion der anderen Objekte auf mein Handeln wird die Auswahl der möglichen Handlungen beeinflusst. An diesem Punkt kommt nun die symbolisch vermittelte Interaktion zum Tragen, dass bedeutet: Die Handlungen lösen die Reaktion nicht nur innerhalb des anderen Individu- ums aus sondern auch im handelnden Individuum selbst. Damit wird das Individuum zum Ob- jekt seiner eigenen Handlungen und kann durch die Antizipation der Reaktion seine Hand- lungsmuster anpassen.
2.1. Evolutionäre Grundlagen und Gesten
Mead zufolge ist die symbolische Interaktion eng mit der Fähigkeit zum sprachlichen Aus- druck und der Fähigkeit zur Verarbeitung dieses Ausdrucks verbunden. Die interaktiven Sym- bole werden als Lautgebärden bezeichnet. Der Mensch unterscheidet sich durch diese Fähig- keit vom Tier. Diese Fähigkeit konnte sich aber nur herausbilden, weil der Mensch nicht von Instinkten geleitet wird. Mead bezeichnet die Antriebe zur Bedürfniserfüllung als Impulse, diese sind jedoch nicht unabhängig von der jeweiligen Umwelt. Diese Impulse stellen keine fixen Handlungsentwürfe dar die unabhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen ausge- führt werden. Das ist Mead zufolge ein entscheidender Vorteil, da der Mensch somit nicht auf eine bestimmte Umwelt festgelegt ist, sondern sich den verschiedensten Umweltbedingungen anpassen kann. 10 Gleichzeitig ermöglicht dieses Prinzip der sozialen Differenzierung dem
8 Morel, Julius: Soziologische Theorie. Abriss der Ansätze ihrer Hauptvertreter. München 1999, S. 58. 9 Mead, George Herbert: Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus. 10. Aufl, Frankfurt am Main 1995, S. 188f.
10 Morel, Julius: Soziologische Theorie. Abriss der Ansätze ihrer Hauptvertreter. München 1999, S. 54.
Menschen eine stärkere Anpassung an die Umweltbedingungen. Mit dem Prinzip der sozialen Differenzierung ist die Arbeitsteilung innerhalb der menschlichen Gesellschaft gemeint. Der Mensch ist nicht für eine bestimmte Rolle innerhalb der Gesellschaft physiologisch prädesti- niert, sondern kann verschiedenste Rollen, abhängig von der jeweiligen Gegebenheiten, über- nehmen ohne an diese spezielle Rolle gebunden zu sein. Im Tierreich ist mit der Arbeitstei- lung auch eine physiologische Differenzierung verbunden die dem einzelnen Tier zwar die Erfüllung einer speziellen Aufgabe ermöglicht, es ihm jedoch unmöglich macht eine andere Aufgabe zu übernehmen. Diese physiologische Differenzierung existiert beim Menschen nur in einem deutlich geringeren Maße. 11 Diese evolutionstheoretische Sonderstellung nimmt in Meads Modell sozialer Interaktion einen zentralen Ansatz ein. 12
2.2. Soziale Interaktion
Diese angesprochene Sonderstellung des Menschen erfordert aber auch die Herausbildung von sozialem Handeln. Durch die soziale Differenzierung wird soziales Verhalten notwendig um Problemen zu begegnen, welche sich nur noch durch gemeinsames koordiniertes Handeln lösen lassen. Eine Intensivierung der Arbeitsteilung erfordert vor allem eine Steigerung der Kommunikation und der Koordination. 13 Die Grundfrage Meads lautet nun: Wie kommt eine derartige Kommunikation zustande oder besser wie erlangt das einzelne Individuum die Fä- higkeit an dieser Kommunikation teilzunehmen? Dabei betrachtet er jedoch nicht nur die sprachliche Verständigung sondern Interaktionen im Allgemeinen. Die sprachliche Verständi- gung nimmt innerhalb seiner Betrachtungen jedoch eine herausgehobene Stellung ein. Eine Interaktion kann nur funktionieren wenn beide Interaktionspartner den gleichen Sinn mit einer bestimmten Handlung oder mit einem bestimmten Symbol verbinden. Damit kommen wir zu einem grundlegenden Problem: Wie wird dieser Zusammenhang hergestellt? 14 Mead versucht die Genese dieser Fähigkeiten nun mit der Beteiligung an Prozessen sozialer Interaktion zu er-
11 Vergleiche dazu: Mead, George Herbert: Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus. 10. Aufl, Frankfurt am Main 1995,S. 273-299.
12 Morel, Julius: Soziologische Theorie. Abriss der Ansätze ihrer Hauptvertreter. München 1999, S. 55. 13 Dies lässt sich zum Beispiel am stetig steigenden Verwaltungsaufwand in modernen Gesellschaften
14 Die Bedeutung muss nicht zwangsläufig vollkommen gleich sein. Die Bezeichnung „leere Benzinfässer“ bedeutet für einige: „Nichtvorhandensein von Gefahr“, andere sehen gerade darin eine besondere Gefahr. Diese verschiedene Einschätzung des gleichen Symbols führt demnach zu unterschiedlichem Verhalten im Bezug auf das Objekt. Vergleiche dazu: Whorf, Benjamin Lee: Wie der Name einer Sache unser Verhalten beeinflusst. In: Steinert, Heinz: Symbolische Interaktion. Stuttgart 1973, S. 152-155.
Arbeit zitieren:
Stefan Lorenz, 2007, Symbolischer Interaktionismus - Eine Sozialisationstheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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