INHALTSVERZEICHNIS
A Einleitung
- 2 -
B Der Einfluss religiöser Faktoren bei der Entstehung des
Kapitalismus
-3-
1. DER PROTESTANTISMUS ALS IDEELLE VORRAUSSETZUNG - 3 -
1.1. Der Geist des Kapitalismus - 3 -
1.2. Der Traditionalismus als Widersacher den es zu überwinden gilt - 4 -
1.3. Die protestantische Ethik als Nährboden des Kapitalismus - 5 -
1.3.1. Der Berufs-Gedanke - 5 -
1.3.2. Der asketische Protestantismus - 6 -
2. DIE WIRKUNG DER PURITANISCHEN BERUFSIDEE AUF DAS
KAPITALISTISCHE ERWERBSLEBEN - 10 -
3. WEBERS DIAGNOSE DER MODERNE : EINE GOTTFREMDE UND
PROPHETENLOSE ZEIT - 13 -
C Fazit
- 16 -
Literaturverzeichnis
- 17 -
- 1 -
A Einleitung Das Thema Kapitalismus ist heute weit verbreiteter und aktueller denn je. Spätestens mit dem Niedergang des Kommunismus durch den Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1990 trat der Kapitalismus seinen Siegeszug auch auf globaler Ebene an. Unter Kapitalismus wird dabei eine Wirtschaftsordnung verstanden, die sich durch Privateigentum an Produktionsmitteln sowie durch Produktion für einen den Preis bestimmenden Markt auszeichnet. Der Marktmechanismus ist dabei die zentrale ordnende Instanz – oder nach Adam Smith, dem berühmten schottischen Theoretiker des Kapitalismus, die unsichtbare Hand, die für eine gerechte Verteilung des Wohlstands sorgt. So schreibt er in seinem 1759 erschienenem philosophischen Hauptwerk » Theorie der ethischen Gefühle «: » Trotz der natürlichen Selbstsucht und Raubgier der Reichen […] teilen sie doch mit den Armen den Ertrag aller Verbesserungen, die sie in der Landwirtschaft einführen. Von einer unsichtbaren Hand werden sie dahin geführt, beinahe die gleiche Verteilung der zum Leben notwendigen Güter zu verwirklichen, die zustande gekommen wäre, wenn die Erde zu gleichen Teilen unter alle ihre Bewohner verteilt worden wäre, und so fördern sie, ohne es zu beabsichtigen, ja ohne es zu wissen, das Interesse der Gesellschaft und gewähren die Mittel zur Vermehrung der Gattung. Als die Vorsehung die Erde unter eine geringe Zahl von Herren und Besitzern, verteilte, da hat sie diejenigen, die sie scheinbar bei ihrer
1 Worauf Smith im 18.
Teilung übergangen hat, doch nicht vergessen und nicht ganz verlassen. « Jahrhundert noch vertraute –soziale Gerechtigkeit durch den Marktmechanismus - wird durch die moderne Entwicklung jedoch zunehmend in Frage gestellt. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird im Zuge der Globalisierung immer größer. Zudem scheint sich das kapitalistische System immer weiter zu verselbstständigen. So stellt nicht nur der deutsche Philosoph Jürgen Habermas fest, dass die kapitalistischen Imperative immer weiter in die private Existenz des Einzelnen vordringen, sein Leben bestimmen und seine Lebenswelt bedrohen. 2 Im Rahmen dieser Arbeit soll nach den geschichtlichen Wurzeln des kapitalistischen Systems gefragt werden. Der Soziologe Max Weber stellt in seinem Buch » Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus « die These auf, dass der Kapitalismus in Europa aus religiösen Gründen entstanden sei und sich dann gewissermaßen verselbständigt habe. Dieser These soll im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen werden. Ziel dabei ist es, den Argumentationsgang Webers nachzuzeichnen, um die Entwicklung des kapitalistischen Systems besser zu verstehen. Diese Ausführungen münden dann in einer Darstellung Max Webers Diagnose der Moderne, bevor die Arbeit schließlich mit einem Fazit endet.
1
Smith, A., Theorie der ethischen Gefühle, 1759
2
Vgl. Habermas, J., Kommunikatives Handeln, 1981
- 2 -
B DER EINFLUSS RELIGIÖSER FAKTOREN BEI DER
1. DER PROTESTANTISMUS ALS IDEELLE VORRAUSSETZUNG
1.1. Der Geist des Kapitalismus
Dieser Auszug aus einem Zitat von Benjamin Franklin (ein Dokument zur Anleitung junger
Kaufleute) dient Max Weber in seinem Werk » Die protestantische Ethik und der Geist des
Kapitalismus « zur Veranschaulichung des kapitalistischen Geistes westlicher Prägung. Es
zeigt eine » ethisch gefärbte Maxime der Lebensführung « 4 die speziell für diese Form des
Kapitalismus charakteristisch war und die ihn von anderen Formen in China, Indien, Babylon,
in der Antike und im Mittelalter unterschied, da diesen eine solche Eigenschaft fehlte. Der
Mensch arbeitet nicht um zu leben, sondern er lebt um zu arbeiten - Anhäufung von
Vermögen ist dem idealtypischem Kapitalisten Selbstzweck und Leitmotiv. Weber entwirft in
seiner Arbeit einen Idealtypus des kapitalistischen Unternehmers, der sich vor allem durch
eine asketische Lebensführung im Verbund mit einer Selbstverpflichtung zur harten, rastlosen
Arbeit auszeichnet. Das einzige, was er von erlangtem Reichtum für sich selbst hat ist ein
irrationales Empfinden guter Berufserfüllung. Weber führt diese wesentlichen Elemente auf
eine ethisch-religiöse Komponente, eine religiös-motivierte Form der Lebensführung zurück.
3
Weber, M., protestantische Ethik, 2000, S. 12
4
Weber, M., protestantische Ethik, 2000, S. 13/14
- 3 -
Diese religiöse Maxime ist für den heutigen Kapitalismus zwar keine Bedingung der Fortexistenz mehr - für die Entstehung des kapitalistischen Geistes und den Sieg des kapitalistischen Systems über seinen Hauptgegner, den Traditionalismus, war jedoch eine historische Entwicklung dieser Lebensauffassung, die in einer religiösen Überzeugung gründet, unabdingbar. 5 Bevor auf den Protestantismus als Wegbereiter des Kapitalismus eingegangen wird, erfolgt aber erst noch eine kurze Charakterisierung seines größten Widersachers, des Traditionalismus.
1.2. Der Traditionalismus als Widersacher des kapitalistischen
» Dies ist nun dasjenige Verhalten, welches (...) als „Traditionalismus“ bezeichnet werden soll: der Mensch will „von Natur“ nicht Geld und mehr Geld verdienen, sondern einfach leben, so wie er zu
6 leben gewohnt ist und soviel erwerben, wie dazu erforderlich ist.«
Erwerbstrieb und Geldgier gab es auch schon in vor-kapitalistischen Zeiten und laut Weber waren dies nicht die Eigenschaften, welche im Altertum oder im Mittelalter an Gesinnungen wie der Benjamin Franklins von der Bevölkerung als anrüchig und würdelos empfunden worden wären. Die Lebensauffassung jedoch, der Beruf als solches sei reiner Selbstzweck, kann nichts Naturgegebenes sein - und genau Gegenteiliges, nämlich in seinem Beruf mit möglichst wenig Aufwand den gewohnten Standard zu halten, war zentrale Maxime der traditionalistischen Lebensführung. Von seinem Beruf erfüllt zu sein war für die Menschen präkapitalistischer Prägung nicht nachvollziehbar, galt als schmutzig und verächtlich. 7
» Daß jemand zum Zweck seiner Lebensarbeit ausschließlich den Gedanken machen könne, dereinst mit hohem materiellen Gewicht an Geld und Gut belastet ins Grab zu sinken, scheint ihm (dem traditionalistischen Menschen) nur als Produkt perverser Triebe: der „ auri sacra fames“ (=
8 Geldgier) erklärlich «
Diese dem Traditionalismus eigentümliche Haltung stand somit in tiefen Gegensatz zur aufkommenden kapitalistischen Wirtschaftsordnung und der damit verbundenen Gesellschaftsform. Für Max Weber stand es demnach außer Frage, dass die dem kapitalistischen Geist eigentümliche Auffassung von Berufsleben an sich unnatürlich war und nur als Produkt eines lange währenden Erziehungsprozesses erklärt werden kann. Beobachtungen aus seiner Zeit führen Weber zu der Schlussfolgerung, dass bestimmte 5 Käsler, D., Max Weber, 1995, S. 104/105 6 Weber, M., protestantische Ethik, 2000, S.20 7 Weber, M., protestantische Ethik, 2000, S. 15-21 8 Weber, M. protestantische Ethik, 2000, S. 29
- 4 -
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Helmut Wagner, 2002, Der Einfluss religiöser Faktoren bei der Entstehung des Kapitalismus - Max Webers Kapitalismustheorie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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