Inhaltsverzeichnis
1 Zur Ausgangslage des Unterrichts Seite 3
2 Überlegungen und Entscheidungen zum
Unterrichtsgegenstand Seite 3
2.1 Klärung der Sache Seite 3
2.2 Didaktische Überlegungen Seite 5
3 Intentionen des Unterrichts Seite 7
3.1 Psychomotorische Zieldimension Seite 7
3.2 Affektive Zieldimension Seite 7
3.3 Kognitive Zieldimension Seite 7
3.4 Soziale Zieldimension Seite 8
4 Überlegungen zum Lehr-Lernprozess Seite 8
4.1 Verlaufs und Handlungsformen Seite 8
4.2 Sozialformen Seite 10
4.3 Medien Seite 10
4.4 Ergebnissicherung Seite 11
5 Unterrichtsverlauf Seite 12
6 Reflexion Seite 13
7 Anlagen Seite 14
7.1 Bildkarten Seite 14
7.3 Arbeitsblätter Seite 16
8 Verwendete Literatur und Materialquellen Seite 20
Der Einfachheit halber verwende ich Im Folgenden die Bezeichnung Schüler gemeint sind
natürlich sowohl Schüler als auch Schülerinnen
2
1. Zur Ausgangslage des Unterrichts
Die Grundschule X. liegt am Stadtrand von Ludwigsburg. Einzugsgebiet ist der gesamte Stadtteil X..
Der Klassenraum der 3b ist großzügig geschnitten. Er ist mit einer Tafel und einer Leinwand für den Tageslichtprojektor ausgestattet. Der Projektor wird mit anderen Klassen geteilt, steht aber meist zur Verfügung. An den Wänden und an den Fenstern hängen im Unterricht erstellte Arbeiten der Kinder. Auch Unterrichtshilfen wie z.B. erlernte englische Wörter, die Klassenregeln oder Grammatikfachwörter befinden sich dort. Im hinteren Teil des Zimmers steht ein Bücherregal und die Sprudelecke.
Die Klasse selbst besteht aus 22 Kindern, davon 12 Jungen und 10 Mädchen. Klassenlehrerin und damit auch Deutschlehrerin ist Frau Y.. Die Tische sind in einem großen Viereck angeordnet, das zur Tafel hin eine Aussparung hat. Die Schüler können sich so alle anschauen, wodurch ab und zu Unruhe entsteht.
Vor allem einige der Jungen, darunter z.B. L., A. und N., reden oft laut mit ihren Klassenkameraden oder rufen Dinge ins Gespräch ohne sich zu melden. Die Mädchen sind eher stiller.
Leistungsmäßig gibt es sowohl sehr gute als auch schwache Schüler in der Klasse.
2 Überlegungen und Entscheidungen zum Unterrichtsgegenstand
2.1 Klärung der Sache
Thema der Stunde ist eine der vielen Legenden rund um den Nikolaus, die im Lesebuch abgedruckt ist. Sein Leben, seine angeblichen Wundertaten und schließlich seine Veränderung zum Symbol der Adventszeit sind mit der Zeit fester Bestandteil unserer Kultur und Tradition geworden. Dies zeigt sich alljährlich am 6. Dezember, dem Nikolaustag. Über den historischen Nikolaus weiß man so gut wie nichts: Seine Geburt datiert man auf ca. 270 nach Christus. Als Bischof war er etwa in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts in Myra (Kleinasien, heutige Türkei) tätig und starb am 6. Dezember. Im Laufe der Zeit vermischte sich die Figur des Bischof Nikolaus mit der des Abtes von Sion, der ebenfalls Nikolaus hieß, aber über ein Jahrhundert später gelebt hat. Durch diese Verschmelzung entstand die fiktive Figur des heiligen Nikolaus, um die sich zahlreiche Legenden ranken 1 . Legenden dienten damals zur Bildung der Mönche: Am Jahrestag des Heiligen wurde ihnen aus dessen Leben vorgelesen. Sein Wirken sollte ihnen ein Vorbild sein und sie zur
1 vgl. Becker-Huberti,45 und Nowak,6
3
Nachahmung anregen 2 . Eine Legende enthält somit immer einen „wahren, teilweise durch geschichtliche Quellen nachprüfbaren Kern, der sich (…) im Laufe der Überlieferung mit fiktiven, märchenhaften Elementen (…) vermischt“ 3 . Sie handelt in den Nikolauslegenden immer von „Hilfsbereitschaft und Güte des Bischofs“ 4 . Er war als „Nothelfer“ bekannt 5 . In den verschiedenen Legenden rettet er z.B. Kinder, Feldherren und Seefahrer. Ausgehend von diesen Szenen wurde er der Schutzpatron vieler dieser Gruppen 6 . In der Legende der Kornvermehrung, die im Lesebuch abgedruckt ist 7 , hilft Bischof Nikolaus den Bewohnern der Stadt Myra, die Hunger leiden. Er überredet den Kapitän eines ankommenden Schiffes, ihm etwas von dem Getreide der Ladung abzugeben. Als der Kapitän nach Ankunft das Korn abmisst, fehlt auf wundersame Weise nichts davon. „Die Kornvermehrung (Brot-Vermehrung) ist ein Motiv aus der Bibel.“ 8 . Durch die „Entstehen, Ausschmücken und Verbreitung der Legenden“ 9 entstand schon im 5. Jahrhundert die Verehrung des Bischof Nikolaus als Heiligen in Myra und Byzanz. Die Übertragung in den Westen fand dann im 7./8. Jahrhundert statt. Die deutsche Kaiserin Theophanu förderte den Nikolauskult und brachte ihn nach Deutschland, Frankreich und England: Die Ottonen besaßen das älteste Nikolaus-Mosaik, das ursprünglich aus Byzanz stammte. Da Ikonen und Plastiken damals eine Art Heilige Schrift für Analphabeten waren, geschah die Verbreitung des Nikolauskultes vorwiegend über diese Medien 10 . „Kein anderer Heiliger wurde seit 1600 Jahren so oft abgebildet wie der historische Nikolaus von Myra“ 11 , nicht zu vergessen die aktuellen Abbildungen des Weihnachtsmanns. Dargestellt wurde Nikolaus oft als Bischof mit Mitra und Bischofsstab, mit Anker und Schiff (als Patron der Seefahrer) oder 3 goldenen Kugeln/Äpfeln (in Bezug auf eine Legende).
Im 11. Jahrhundert war der heilige Nikolaus so populär, dass Kaufleute seine Gebeine von Myra nach Bari (Italien) überführten. Man glaubte daran, dass die Aura der Heiligen noch in ihren Knochen real präsent sei, und so konnte man die Reliquie unmöglich in der Hand der Muslime belassen. Durch die Kreuzfahrer wurde der stetig wachsende Kult schließlich in den Norden verbreitet 12 .
1222 wurde der Nikolaustag zum Festtag erster Klasse ernannt und eröffnet seitdem das Kirchenjahr. Erst im 16./17. Jahrhundert löst sich die Figur des Nikolaus allmählich aus dem
2 vgl. Hahn,117
3 ebd.,107 4 Dransfeld,41 5 Treitmeier,92 6 vgl. Nowak,7 7 Siehe Anhang 8 Dransfeld,41 9 Becker-Huberti,74 10 ebd. 53 ff.
11 Nowak,13 12 vgl. Nowak,8
4
kirchlichen Brauchtum und wird „profaner“. Grund hierfür ist der Wandel der kirchlichen Auffassungen, vor allem durch den Protestantismus. Heilige sind hier überflüssig, Martin Luther verlegte sogar den Schenktermin vom Nikolaustag auf Weihnachten (dort kommt dann nicht der Nikolaus, sondern das Christkind).
Trotz allem entsteht etwa im 17. Jahrhundert der Einlegebrauch bzw. der Einkehrbrauch in Anlehnung an die Legende mit den drei Jungfrauen, die von Nikolaus mit Gold beschenkt werden. Hier erscheint der Nikolaus dann oft mit seinem schwarzen Knecht und tritt als böser Mann auf, der belohnt und vor allem auch bestraft. Er wird sozusagen als „pädagogisches Druckmittel“ missbraucht. Gut zu sehen ist das auch in Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“, in dem der Nikolaus die bösen Buben in ein Tintenfass steckt 13 . Nach Amerika gelangt der Nikolauskult dann durch die Seefahrer, 1822 erscheint erstmals ein „Santa Claus“ in einer Zeitung. Den heute bekannten Weihnachtsmann prägte eine Werbekampagne von Coca Cola im Jahre 1931 14 . In den Firmenfarben rot und weiß gilt der gemütliche alte Mann seitdem als „Gallionsfigur des Weihnachtskaufrausches“ 15 . Mit dem ursprünglichen Nikolaus von Myra und dessen Legenden hat der heutige Weihnachtsmann/Nikolaus nur noch sehr wenig zu tun.
2.2 Didaktische Überlegungen
Mit dem Nikolaus hat jeder von uns schon zu tun gehabt, ob als verkleideten Mann zur Adventszeit, in Liedern und Gedichten, in Form von Schokolade usw. Eine Nikolauslegende zu lesen eignet sich da natürlich vor allem im Deutschunterricht. Die Legende der Kornvermehrung selbst steht exemplarisch für die zahlreichen anderen Legenden, durch die der Nikolauskult sich ausbreiten konnte.
Bezug der Schüler zum Thema
Zum Nikolaus haben die meisten Schüler einen sehr positiven Bezug, er gehört zur Weihnachtszeit einfach dazu. Das Thema ist sinnvoll in der Woche des Nikolaustages platziert (die Platzierung im Advent entspricht natürlich auch dem liturgischen Jahr 16 ). Es gehört somit zum direkten Lebensalltag der Kinder, dadurch sind sie motiviert und finden leicht Zugang zum Text. Außerdem können sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen und diese erweitern. Im Lesebuch ist das Thema in das Kapitel „Jahreszeiten“ eingeordnet, was zur Orientierung der Schüler dient.
Durch die Textsorte „Legende“ lernen die Kinder unterschiedliche Erzählweisen kennen, was
13 vgl. Becker-Huberti, 59ff.
14 vgl. Nowak,84
15 Becker-Huberti,76
16 vgl. Nowak,13 und Hahn,117
5
für sie sehr spannend ist 17 .
Kulturelle Bedeutung
Die Gestalt des Nikolaus ist fester Bestandteil unseres Kulturkreises, der Nikolaustag mit all seinen unterschiedlichen Bräuchen ist Tradition. Besonders hervorzuheben ist hier der multikulturelle Aspekt: Der Nikolaustag wird in allen christlichen Kirchen sowie der russisch-orthodoxen Kirche gefeiert und nicht zuletzt stammt Bischof Nikolaus aus der heutigen Türkei . Bei der Behandlung des Nikolaus-Themas sollten die Kinder „zurück zu den Wurzeln“ geführt werden 18 . Sie kennen den heutigen, kommerzialisierten Nikolaus aus dem Alltag, ihnen muss aber eine Begegnung mit dem wirklichen Nikolaus ermöglicht werden 19 . Gerade auch die historische Kult- und Brauchtumsentwicklung soll vermittelt werden, damit die Bräuche, die gelebt werden, auch verstanden werden können 20 . Dies geschieht in dieser Stunde unter anderem optisch durch die Bildkarten und in Form der Legende als ein Stück Geschichte.
Bezug zum Bildungsplan
Die Kinder sollen durch Texte andere Welten kennen lernen und ihren Erfahrungshorizont erweitern 21 . Genau dies geschieht durch das Lesen einer Nikolauslegende: die andere Welt bezieht sich hier auf die frühere Zeit und die wunderhaften Elemente einer Legende. Dem Erfahrungshorizont, also dem bereits bekannten Bild vom Nikolaus, wird das historische Bild zugefügt. „Lesen fördert darüber hinaus die Begriffsbildung“ (ebd.), der Wortschatz wird in dieser Stunde um mindestens drei neue Wörter erweitert (Bischof, Legende und Scheuer). Das Thema Nikolaus interessiert, wie bereits gesagt, die Kinder sehr, da es für sie durchaus persönlich bedeutsam ist 22 und in ihrem Alltag vorkommt.
„Der Deutschunterricht nimmt, wo immer möglich, Themen der anderen Fächer und Fächerverbünde auf.“ 23 was sich gerade beim Thema „Nikolaus“ und Advent im Allgemeinen anbietet. Der Ursprung steckt natürlich im Fach Religion, wo in beiden Religionslehren die Feste im Kirchenjahr bekannt sein und vor allem auch verstanden werden sollen. Außerdem werden hier auch wichtige christliche Persönlichkeiten vorgestellt 24 . Der MeNuK-Unterricht sieht als Inhalt „Feste und Kulturgut aus dem Heimatraum und aus den Herkunftsländern der Mitschülerinnen und Mitschüler“ vor, zu denen das Nikolausfest natürlich auch gehört 25 .
17 vgl. Dransfeld, 6 und 8
18 vgl. Hahn,117 19 vgl. Nowak,12 20 vgl. Beckert-Huberti,75 ff.
21 vgl. Bildungsplan, 45 22 ebd. 46f 23 ebd. 47 24 vgl. ebendort 27, 29, 37 und 38 25 ebd. 106
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Lisa Vogt, 2006, Eine Nikolauslegende - Das Thema "Nikolaus" im Unterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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