In dieser Arbeit zum Werke Chrétien de Troyes wird unter besonderer und exemplarischer Berücksichtigung der Episode des "Cimetière futur" (Vers 1834-1914) im Roman "Le Cevalier de la Charrette", das Problem der Darstellung von Raum und Zeit in der mittelalterlichen Literatur aufgezeigt.
Dazu erscheint es notwendig, zunächst allgemein in das Phänomen des Raum- und Zeitverständnisses im Mittelalter einzuführen.
Die Einflüsse dieses für das Mittelalter typischen Umgangs mit den beiden Komponenten auf den höfischen Roman sollen einmal anhand eines kurzen Überblicks über die Raum- und Zeitverhältnisse im Lancelot-Roman (im Besonderen Vers 1500-3141) sowie der ausführlichen Beschäftigung der bereits genannten Friedhofsepisode (Vers 1834-1914) deutlich werden.
Auf die christologischen Aspekte, die insbesondere im Lancelot-Roman wichtig sind , wird im Zusammenhang mit dem gewählten Abschnitt hingewiesen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Raum- und Zeitverständnis im Mittelalter
1.1. Das Verhältnis von Weite und Enge
1.2. Die Zeitkomponente
2. Raum und Zeit im Lancelot-Roman
2.1. Motive zur Strukturgestaltung der avanture
2.2. Die Zeitmodellierung
2.3. Die Ausgestaltung des Raumes
3. Der "Cimetière futur"
3.1. Übersetzung (Vers 1836 - 1914)
3.2. Die besondere Stellung des "Cimetière futur"
3.3. Die Bedeutung des Friedhofs
3.4. Der Raum des Friedhofs
3.5. Christologische Aspekte
4. Schlußwort
5. Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Raum und Zeit im Roman "Le Chevalier de la Charrette" von Chrétien de Troyes, wobei der Fokus exemplarisch auf der Episode des "Cimetière futur" (Vers 1834–1914) liegt. Ziel ist es, die mittelalterlichen Raum- und Zeitkonzepte zu analysieren und deren symbolische Bedeutung für die messianische Berufung des Protagonisten Lancelot herauszuarbeiten.
- Mittelalterliches Verständnis von Raum ("Enge" vs. "Weite") und Zeit
- Strukturgestaltung durch leitmotivische Erzählelemente
- Die symbolische Funktion der Friedhofsepisode ("Cimetière futur")
- Christologische Aspekte und Deutungsmuster im Lancelot-Roman
Auszug aus dem Buch
3.1. Übersetzung (Vers 1836-1914)
1834 ...Der Sohn und der Vater folgen ihnen
von weitem über ein gemähtes Feld,
sie sind bis zur Stunde der None geritten
und entdecken an einem sehr schönen Ort
eine Klosterkirche und neben dem Gitter
einen Friedhof, von Mauern umgeben.
Er handelte nicht wie ein gemeiner Mann,
nicht wie ein Narr, der Chevalier, der in die Kirche
zu Fuß eintrat, um zu Gott zu beten.
Und das Fräulein hielt ihm das Pferd
solange bis er wiederkam.
1845 Als er sein Gebet getan hatte
und er dorthin (zu ihr) zurückkam,
da kam ein sehr alter Mönch ihm
vor seinen Augen entgegen.
Als er ihn trifft, bittet er ihn sehr sanft,
daß er ihm sagen möge, was dies ist,
was er nicht weiß.
Und dieser antwortet, daß dies hier
ein Friedhof ist, und er sagt ihm:
"Führt mich dorthin, und Gott helfe Euch."
1855 "Gerne, Herr." Dann nimmt er ihn mit.
Er tritt in den Friedhof, geführt hinter dem
Mönch ein und sieht die schönsten Gräber,
ie man bis zum Fürstentum Donbes hin
und von dort aus bis nach Pamplona finden kann.
Und es gab Buchstaben auf jedem einzelnen (Grab)
die die Namen derjenigen darlegten, die
in den Gräbern ruhen sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsziel, die Rolle von Raum und Zeit im mittelalterlichen Roman zu beleuchten, mit Fokus auf die Episode des "Cimetière futur".
1. Das Raum- und Zeitverständnis im Mittelalter: Dieses Kapitel erläutert das zeitgenössische Bewusstsein, das durch die Gegensätze von räumlicher Enge und Weite sowie eine ereignisbezogene Zeitstruktur geprägt ist.
2. Raum und Zeit im Lancelot-Roman: Hier werden die Strukturmotive wie Schande und Auserwähltheit sowie die ungleichmäßige Zeitmodellierung innerhalb des Romanverlaufs analysiert.
3. Der "Cimetière futur": Der Kernteil enthält die Übersetzung der zentralen Episode und untersucht deren Bedeutung als Ort der Offenbarung von Lancelots messianischer Bestimmung.
4. Schlußwort: Das Fazit fasst die Komplexität der Thematik zusammen und verweist auf die Notwendigkeit weiterer Forschung im Kontext von Intertextualität.
5. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Chrétien de Troyes, Lancelot, Le Chevalier de la Charrette, Cimetière futur, Mittelalter, Raumvorstellung, Zeitverständnis, Höfischer Roman, Messianik, Erlösung, Friedhofsepisode, Literaturwissenschaft, Motivanalyse, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Raum und Zeit im mittelalterlichen Epos "Le Chevalier de la Charrette" von Chrétien de Troyes, speziell unter Bezugnahme auf die Friedhofsepisode.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen das mittelalterliche Verständnis von Enge und Weite, die Zeitwahrnehmung, literarische Strukturmotive und christologische Deutungsmuster.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den "Cimetière futur" als Schlüsselstelle für die messianische Auserwähltheit Lancelots innerhalb der Raum-Zeit-Struktur des Romans zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Textinterpretation der Friedhofsepisode und dem Abgleich mit zeitgenössischen wissenschaftlichen Theorien (u.a. P. Zumthor) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Einführung in mittelalterliche Konzepte, eine motivgeschichtliche Analyse des Romans und eine detaillierte Exegese der "Cimetière futur"-Episode.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Raum-Zeit-Struktur, Erlösungsmythos, höfischer Roman, Auserwähltheit und christologische Symbolik geprägt.
Warum nimmt der Friedhof eine Sonderstellung ein?
Er fungiert als Ort, an dem zukünftige Ereignisse (der Tod von Helden) in der Gegenwart präsent werden, was ihn aus dem linearen Zeitverlauf des Romans heraushebt.
Welche Rolle spielt die Zahl Sieben in dieser Episode?
Die Notwendigkeit von sieben Männern, um die Grabplatte zu heben, wird als Anspielung auf die biblischen sieben Siegel interpretiert, was Lancelots Rolle als Messias untermauert.
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- Gerdi Ziegler (Author), 1995, Raum und Zeit in Chrétien de Troyes 'Lancelot' (Vers 1836 - 1914), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7800