INHALTSVERZEICHNIS I
INHALTSVERZEICHNIS
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
1 EINLEITUNG 1
2 DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN 4
2.1 Supply Chain 4
2.1.1 Begriffsbestimmung 4
2.1.2 Die Supply Chain aus der Prozessperspektive 6
2.2 Problemfelder und Ziele des Supply Chain Managements 8
2.3 Unternehmensübergreifende Kooperation 10
2.4 Information als Schlüsselfaktor 11
2.5 Evolution der automatischen Identifikation 12
3 GRUNDLAGEN DER RFID-TECHNOLOGIE 16
3.1 Systemaufbau und Funktionsweise 16
3.2 Differenzierungsmerkmale von RFID-Systemen 18
3.2.1 Energieversorgung 18
3.2.2 Bauformen 20
3.2.3 Frequenzbereiche 21
3.2.4 Speichertechnologie 23
3.3 Vielfachzugriffsverfahren 24
3.4 Das EPCglobal Netzwerk 25
4 AUSWIRKUNGEN VON RFID IN PROZESSEN ENTLANG DER SUPPLY CHAIN 29
4.1 RFID-Einsatz in Prozessen entlang der Supply Chain 29
4.1.1 Supply Chain Planung 29
4.1.2 Beschaffung 32
4.1.2.1 Wareneingang und -ausgang 32
4.1.2.2 Warenkontrolle 34
4.1.2.3 Lagermanagement 35
4.1.3 Herstellung 37
INHALTSVERZEICHNIS II
4.1.3.1 Produktionsmanagement 37
4.1.3.2 Instandhaltung von Maschinen 39
4.1.3.3 Qualitätskontrolle 40
4.1.3.4 Asset Management 41
4.1.4 Lieferung 43
4.1.4.1 Kommissionierung 43
4.1.4.2 Transport 45
4.1.4.3 Rücklieferung und Entsorgung 48
4.2 RFID in der Supply Chain des Handels 49
4.2.1 Herausforderungen im Einzelhandel 49
4.2.2 Zukunftsvision im Handel 50
4.2.3 Praxisbeispiel METRO Future Store Initiative 52
4.2.3.1 METRO Group Future Store 52
4.2.3.2 METRO Innovation Center 55
4.3 Betriebswirtschaftliche Auswirkungen des RFID-Einsatzes 57
4.3.1 Prozesseffizienz 57
4.3.2 Reorganisation von Prozessen 58
4.3.3 Netzwerkanwendungen durch Diffusion von RFID 60
4.3.4 Digitalisierung des Managementregelkreises 62
5 FÖRDERNDE UND HEMMENDE FAKTOREN FÜR DEN EINSATZ VON RFID 65
5.1 Fördernde Faktoren für den Einsatz von RFID 65
5.1.1 Ökonomische Rahmenbedingungen 65
5.1.2 Gesetzliche Vorschriften 65
5.2 Hemmende Faktoren für den Einsatz von RFID 67
5.2.1 Technische Probleme 67
5.2.2 Hohe Kosten der RFID-Implementierung 68
5.2.3 Unzureichende Kooperation und Datenschutz 69
5.2.4 Mangelnde Standardisierung 70
6 SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK 72
LITERATURVERZEICHNIS 75
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1 : Supply Chain als Netzwerk von Unternehmen 4
Abbildung 2 : SCOR Prozess-Referenzmodell Version 8 0 7
Abbildung 3 : Bullwhip-Effekt 8
Abbildung 4 : Integration von realer und virtueller Welt 14
Abbildung 5 : Grundlegender Aufbau eines RFID-Systems 16
Abbildung 6 : Aufgaben der RFID-Middleware 18
Abbildung 7 : Systeme mit passiven RFID-Transpondern 19
Abbildung 8 : Systeme mit aktiven RFID-Transpondern 20
Abbildung 9 : Weltweite Zuteilung von Funkfrequenzen für RFID 23
Abbildung 10 : Struktur des Electronic Product Code 26
Abbildung 11 : Systemkomponenten des EPCglobal Netzwerks 27
Abbildung 12 : Zukunftsvision im Handel 52
Abbildung 13 : Datenkreislauf vom Produzenten zum Handel und zurück 56
Abbildung 14 : Diffusion von RFID-Systemen 61
Abbildung 15 : Digitaler Managementkreislauf 63
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Auto-ID Automatische Identifikation
BSI Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BVL Bundesvereinigung Logistik
CAPS Containers and Pallet Service CRM Customer Relationship Management
EEPROM Electrically Erasable Programmable Read-only Memory EPC Electronic Product Code EPC IS EPC Information Service EPROM Electrically Programmable Read-only Memory ERP Enterprise Resource Planning
FRAM Ferroelectric Random Access Memory
HF Hochfrequenz http hypertext transfer protocol
ID-Nummer Identifikationsnummer IfH Institut für Handelsforschung IP Internet Protocol ISM Industrial - Scientific - Medical
MIT Massachusetts Institute of Technology NF Niedrige Frequenz
OCR Optical Character Recognition ONS Object Name Service
POA Point of Action POC Point of Creation
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS V PPS Produktionsplanung und -steuerung RAM Random Access Memory RFID Radio Frequency Identification SCM Supply Chain Management SCOR Supply Chain Operations Reference TREAD Transportation Recall Enhancement, Accountability and Documentation UbiComp Ubiquitous Computing UHF Ultrahochfrequenz WORM Write Once Read Many WWS Warenwirtschaftssystem XML Extensible Markup Language
EINLEITUNG 1
1 EINLEITUNG
Globalisierung, zunehmende Wettbewerbsintensität und steigende Erwartungen der Kunden stellen neue Herausforderungen an die Gestaltung von
Wertschöpfungsnetzwerken. 1 Neben Effizienz und Zuverlässigkeit gewinnt Flexibilität als Erfolgsfaktor zunehmend an Relevanz. 2 Um sich nachhaltig von konkurrierenden Supply Chains zu differenzieren und somit Wettbewerbsvorteile zu generieren, muss eine Supply Chain schnell auf veränderte Marktbedingungen reagieren können. Probleme in einem Wertschöpfungsprozess ziehen Konsequenzen für nachgelagerte Prozesse nach sich, weshalb die Steuerung und Überwachung der Supply Chain zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird. 3 Grundvoraussetzung hierfür ist ein kontinuierlicher Informations- und Datenaustausch zwischen den Unternehmen des gesamten Wertschöpfungsnetzwerks. 4 Doch obwohl die Prozesse einer Supply Chain in wachsendem Maße durch Informationstechnologien unterstützt werden, fehlen häufig entscheidungsrelevante Informationen. 5 Der Grund dafür ist die bestehende Lücke zwischen der physischen Realität und deren
informationstechnischen Abbild. 6
Eine bessere Integration von realer und virtueller Welt verspricht die RFID-Technologie. 7 Dadurch soll eine gezielte Überwachung und Steuerung der Aktivitäten entlang der Supply Chain sowie die Automatisierung von Prozessen möglich sein. 8 RFID steht für den englischsprachigen Begriff Radio Frequency IDentification. Sinngemäß übersetzt bedeutet dies „Identifizierung per Funk“, „kontaktlose Identifikation“ oder schlicht „Radio Frequenz Identifikation“. 9 Der Name ist auf die verwendeten Energie- und Datenübertragungsverfahren auf Basis von Funkwellen zurückzuführen. 10
RFID lässt sich mit einer Reihe weiterer Technologien dem Markt für automatische Identifikationssysteme subsumieren, und wird auch in Deutschland als zukünftige
1 Vgl. Strassner (2005), S. 1; Corsten/Gabriel (2004), S. 20.
2 Vgl. Strassner (2005), S. 1; Corsten/Gabriel (2004), S. 24.
3 Vgl. BSI (2005), S. 78.
4 Vgl. Müller (2005), S. 24 f.; Corsten/Gabriel (2004), S. 28.
5 Vgl. Strassner (2005), S. 3.
6 Vgl. Fleisch (2001a), S. 188.
7 Vgl. Fleisch (2006), S. 73.
8 Vgl. Strassner/Fleisch (2005), S. 46 f.
9 Vgl. Glasmacher (2005), S. 23; Strassner/Fleisch (2005), S. 45, BSI (2005), S. 19.
10 Vgl. Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 12.
EINLEITUNG 2
Schlüsseltechnologie prophezeit. 11 Gemeinsam mit der RFID-Technologie bilden Barcode, Biometrik, Datenfunk, Magnetstreifen, Schrift- und Spracherkennung die sieben Kerntechnologien der Branche für automatische Identifikationssysteme. Eine gewaltige Verbesserung der wirtschaftlichen und logistischen Vorgänge wird dennoch in zunehmendem Maße der RFID-Technologie zugeschrieben, 12 weil mit Hilfe dieses technischen Verfahrens Daten von Objekten berührungslos und ohne Sichtkontakt sowohl gelesen als auch gespeichert werden können. Daneben ermöglicht diese neuartige Technologie die gleichzeitige Erkennung und Identifizierung mehrerer Objekte; dies wird als Pulkerfassung bezeichnet. 13 Die Auszeichnung von Objekten mit RFID-Transpondern öffnet erstmals die Perspektive, Warenströme entlang der Wertschöpfungskette lückenlos zu dokumentieren und zu verfolgen. 14 In diesem Zusammenhang wird der RFID-Technologie großes Potenzial hinsichtlich der Reorganisation von Supply Chain Prozessen zugesprochen. „RFID (Radio Frequency ID) is a varied collection of technical approaches for any applications across a wide range of industries. (…) this technology used primarily for automatic data capture has the potential to significantly alter how processes occur and how companies operate.” 15
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Auswirkungen des RFID-Einsatzes in den einzelnen Prozessen entlang der Supply Chain zu analysieren. Es wird untersucht, inwiefern RFID die Aktivitäten in einem Wertschöpfungsnetzwerk unterstützen und automatisieren kann und welche betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der RFID-Einsatz bewirkt.
Einleitend bedarf es in Kapitel 2 einer Erörterung der informatisierten Supply Chain. Den Ausgangspunkt bilden die Begriffsbestimmung und die prozessorientierte Betrachtung der Supply Chain. Anschließend werden aus den Problemfeldern, verursacht durch den Bullwhip-Effekt, die Zielsetzungen des SCM abgeleitet. Daraus resultiert die Notwendigkeit, sich mit der Kooperation im Wertschöpfungsnetzwerk zu befassen. Da der Informationsaustausch zwischen den Akteuren für die
11 Vgl. Glasmacher (2005), S. 23.
12 Vgl. Glasmacher (2005), S. 23; Angeles (2005), S. 52; Smith (2005), S. 26.
13 Vgl. Lampe/Flörkemeier/Haller (2005), S. 70; Strassner/Fleisch (2005), S. 47; Smith (2005), S. 20; Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 15.
14 Vgl. Strüker/Gille (2006), S. 30.
15 d’Hont (2004), S. 1.
EINLEITUNG 3
Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle einnimmt, widmen sich die anschließenden Ausführungen der betrieblichen Ressource Information. Der letzte Abschnitt des Kapitels schildert die Evolution der automatischen Identifikation im Hinblick auf die mangelnde Integration zwischen der realen und der virtuellen Welt.
Das dritte Kapitel vermittelt den grundlegenden Aufbau, die Funktionsweise sowie die Differenzierungsmerkmale von RFID-Systemen. Es stellt außerdem zwei Verfahren dar, die das Erfassen von Objekten im Pulk ermöglichen. Das Kapitel schließt mit der Erläuterung des EPCglobal™-Netzwerks, einer möglichen Standardarchitektur für RFID-Anwendungen.
Den Schwerpunkt des vierten Kapitels bildet die Analyse der Auswirkungen des RFID-Einsatzes in den Supply Chain Prozessen Planung, Beschaffung, Herstellung und Lieferung. Darauf aufbauend folgt die Veranschaulichung der Realisierung der Zukunftsvision in der Supply Chain des Handels am Praxisbeispiel der METRO Future Store Initiative. Der letzte Abschnitt des Kapitels beinhaltet die allgemeinen betriebswirtschaftlichen Auswirkungen des RFID-Einsatzes. Es wird aufgezeigt, dass die RFID-Technologie eine revolutionäre Innovation darstellt, die das Potenzial besitzt, betriebswirtschaftliche Prozesse sowohl effizienter zu gestalten als auch grundlegend zu verändern. Neben diesem originären Nutzen stiftet die RFID-Technologie bei einer durchgängigen Anwendung in Wertschöpfungsnetzwerken einen derivativen Nutzen. Des Weiteren wird dargestellt, dass RFID zur Digitalisierung des Managementregelkreises führen wird.
Das fünfte Kapitel gibt einen Überblick über fördernde sowie hemmende Faktoren für den Einsatz von RFID in Prozessen der Supply Chain.
Ein fundierter Überblick der zentralen Ergebnisse sowie ein Ausblick über die zukünftige Bedeutung der Radio Frequenz Identifikations- Technologie für das Supply Chain Management runden die Arbeit ab.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
2 DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
2.1 Supply Chain
2.1.1 Begriffsbestimmung
Der Begriff Supply Chain steht im engeren Sinne für eine
unternehmensübergreifende Wertschöpfungs- und Versorgungskette. 16 Vor dem Hintergrund der zunehmenden Vernetzung mehrerer rechtlich und wirtschaftlich unabhängigen Unternehmen entspricht die Supply Chain in der Realität eher einem Netzwerk, das alle beteiligten Akteure von der „source of supply“ zum „point of consumption“ einschließt. 17 Die Supply Chain beschränkt sich folglich nicht nur auf die Interaktion mit Lieferanten, sondern inkludiert auch die Koordination mit Kunden. 18
Abb. 1: Supply Chain als Netzwerk von Unternehmen 19
16 Vgl. Busch/Dangelmaier (2004), S. 4.
17 Vgl. Busch/Dangelmaier (2004), S. 4; Sprenger/Wecker (2006), S. 63.
18 Vgl. Busch/Dangelmaier/Pape et al. (2003), S. 5.
19 Eigene Darstellung in Anlehnung an Busch/Dangelmaier/Pape et al. (2003), S. 6.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
Unter Theoretikern und Praktikern besteht bislang keine einheitliche Auffassung des Begriffs „Supply Chain Management“ und seine Abgrenzung zum Logistikbegriff. 20 Einige Autoren nehmen zur Begriffsbestimmung direkten Bezug zur betriebswirtschaftlichen Logistik auf. Dies äußert sich in der synonymen Verwendung des Ausdrucks „Supply Chain“ und der Begriffsreihe „Lieferkette“,
„Versorgungskette“, „Logistikkette“ und „logistics networks“. 21 Hingegen interpretiert die zweite Autorengruppe Supply Chain Management als Kooperationsmanagement bzw. als unternehmensübergreifendes Management von Geschäftsprozessen. 22 Den entscheidenden Unterschied zur klassischen Logistikkette erkennen sie darin, dass die einzelnen Unternehmen Entscheidungen nicht mehr aus ihrer einzelwirtschaftlichen und isolierten Sicht fällen. Vielmehr zielen die einzelnen Mitglieder einer Supply Chain auf eine Abstimmung der Güter- und Informationsflüsse aller Beteiligten ab. 23
Letztere Sichtweise wird auch in der vorliegenden Arbeit vertreten. Daher orientiert sich die Begriffsauslegung an der Definition von KUHN/HELLINGRATH. Demnach bezeichnet das Supply Chain Management „die integrierte prozessorientierte Planung und Steuerung der Waren-, Informations- und Geldflüsse entlang der Wertschöpfungskette vom Kunden bis zum Rohstofflieferanten“ 24 . Der Fokus von SCM richtet sich also auf das Management des physischen Güterflusses und dessen begleitende Informationen, wobei insbesondere die unternehmensübergreifende Kooperation entlang der Supply Chain hervorgehoben wird. 25 Im Wesentlichen bedeutet dies eine systematische Verknüpfung aller Prozesse der Wertschöpfungskette über die beteiligten Unternehmen hinweg.
20 Vgl. Strassner (2005), S. 40; Busch/Dangelmaier (2004), S. 5.
21 Vgl. Göpfert (2004), S. 28; Corsten/Gössinger (2001), S. 81; Pfohl (2000), S. 4 f.
22 Vgl. Göpfert (2004), S. 29; Schmidt (2006), S. 18.
23 Vgl. Corsten/Gössinger (2001), S. 83.
24 Kuhn/Hellingrath (2002), S. 10.
25 Vgl. Müller (2005), S. 14.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
2.1.2 Die Supply Chain aus der Prozessperspektive
Die prozessorientierte Betrachtung einer Supply Chain analysiert nicht einzelne Funktionen oder Unternehmen sondern ganze Wertschöpfungsnetzwerke. Ein Unternehmen konzentriert sich nicht mehr auf einzelne Aufgaben, sondern richtet sein Augenmerk auf ein Bündel von Aktivitäten in ihrer Reihenfolge. Dabei wird von der funktionalen Gliederung der einzelnen Unternehmen nicht Abstand genommen. Vielmehr bauen durch Prozesse beschriebene Wertkettenmodelle auf den funktionalen Strukturierungen auf. 26
Da die Gestaltung der Supply Chain über die Unternehmensgrenzen hinweg erfolgt, bedürfen die beteiligten Unternehmen einer gemeinsamen Basis für das Prozessverständnis. 27 Einen möglichen Standard für die unternehmensübergreifende Gestaltung der Supply Chain liefert das Supply Chain Operations Reference (SCOR)-Modell. Es ist branchenneutral anwendbar und bietet das Fundament zur Analyse, Verbesserung und Umsetzung von Supply Chain Prozessen. 28 Das standardisierte Prozess-Referenzmodell SCOR wird vom weltweit operierenden Supply Chain Council kontinuierlich weiterentwickelt und ist für alle Unternehmen zugänglich. Zur Dokumentation der komplexen Informations-, Material- und Werteflüsse innerhalb einer Supply Chain beschreibt SCOR alle Prozesse mit ihrern jeweiligen Quellen und Empfängern. 29 Das Modell besteht aus vier Hierarchieebenen. Auf den Ebenen 1 und 2 erfolgt eine Gesamtbetrachtung der Supply Chain, die strategischen Aufgaben und ganzheitlichen Analysen dient. Im Fokus der Ebenen 3 und 4 stehen einzelne Teilprozesse. Diese Ebenen eignen sich daher für die Optimierung einzelner Teilaspekte. 30 Als Grundgedanken ordnet das SCOR-Modell auf der ersten Ebene alle Aufgabenstellungen und Aktivitäten den fünf elementaren Supply Chain Prozessen Planung (plan), Beschaffung (source), Herstellung (make), Lieferung (deliver) und Rücklieferung (return) zu. 31
26 Vgl. Strassner (2005), S. 41.
27 Vgl. Becker (2004), S. 69; Nyhuis/Hagen/Felder et al. (2006), S. 12.
28 Vgl. Kuhn/Hellingrath (2002), S. 29; Becker (2004), S. 69.
29 Vgl. Becker (2004), S. 69 f.
30 Vgl. Becker (2004), S. 74; Supply-Chain Council (2006).
31 Vgl. Supply-Chain Council (2006), S. 7.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
Abb. 2: SCOR Prozess-Referenzmodell Version 8.0 32
Der Schwerpunkt der Ebene 2 liegt in der Detaillierung der Gesamtkonfiguration. Dazu werden diese Kernprozesse in Prozesskategorien aufgeteilt, die sich bei den Ausführungsprozessen Beschaffung, Herstellung, Lieferung und Rücklieferung nach der Auftragsart unterscheiden. Sie ergeben sich aus dem Kundenauftragsbezug, d. h. ob auf Lager oder auftragsbezogen produziert wird, und aus dem Grad der kundenspezifischen Anpassung eines Produktes. 33
Ebene 3 dient der Dokumentation der Prozesselemente einzelner Prozesskategorien sowie der Darstellung der einzelnen Prozessschritte und deren Reihenfolge. 34 Anschließend werden in Ebene 4 alle weiteren Verfeinerungen über Flussdiagramme dargestellt. Für diese Ebene beinhaltet SCOR keine Referenzinhalte, da eine branchenunabhängige Betrachtung nicht möglich ist. 35
Da dieses Modell die Standardisierung der Strukturen und Prozesse bewirkt, kann es aufgrund der Standardisierungsfalle auch zu Wettbewerbsnachteilen führen. Um dauerhafte Wettbewerbsvorteile aufzubauen, müssen Supply Chains das standardisierte SCOR-Modell individualisieren. 36
32 Eigene Darstellung in Anlehnung an Supply-Chain Council (2006), S. 3.
33 Vgl. Supply-Chain Council (2006), S. 8 f.; Becker (2004), S. 75; Frühwald/Wolter (2006), S. 53.
34 Vgl. Supply-Chain Council (2006), S. 10 ff.; Becker (2004), S. 77.
35 Vgl. Becker (2004), S. 77.
36 Vg. Göpfert (2004), S. 39.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
2.2 Problemfelder und Ziele des Supply Chain Managements
Den Ausgangspunkt der Steuerung einer Supply Chain bildet nicht der Lieferant sondern der Nachfrager. Demzufolge wird die Supply Chain in der Literatur zum Teil auch „demand chain“ oder „chain of customers“ genannt. 37 Informationen über den
Verbrauch stellen folglich ein bedeutendes Steuerungselement der
Wertschöpfungskette dar. 38 Da die Akteure einer Supply Chain Bedarfplanungen
häufig isoliert voneinander vornehmen, erzeugen sie den so genannten Bullwhip-Effekt oder auch Peitschenschlageffekt. 39 Kleine Schwankungen bei der
Endnachfrage führen zu erheblichen Schwankungen auf den vorgelagerten Stufen der Supply Chain. 40 Die Varianz der Bedarfsmengen ist umso höher, je weiter ein Unternehmen in der Supply Chain vom Endkunden entfernt ist. 41
Abb. 3: Bullwhip-Effekt 42
Die vielfache Ursache dieser Aufschaukelung der Nachfrage begründet sich vor allem auf einer mangelnden Koordination zwischen den Akteuren, die Informationen verzögert austauschen. 43 Die Folge davon sind Ineffizienzen durch Fehlprognosen,
deren Resultat ein Aufsummieren von Lagerbeständen, lange Durchlaufzeiten, eine stark schwankende Produktion und geringe Flexibilität ist. 44 Ein zu hoher
37 Vgl. Corsten/Gössinger (2001), S. 85.
38 Vgl. Müller (2005), S. 10; Corsten/Gössinger (2001), S. 85.
39 Vgl. Kuhn/Hellingrath (2002), S. 17 ff.; Alicke (2003), S. 97 ff.; Göpfert (2004), S. 33 f.
40 Vgl. Krüger/Steven (2000), S. 502; Müller (2005), S. 10.
41 Vgl. Corsten/Gabriel (2004), S. 10.
42 Eigene Darstellung in Anlehnung an Melski (2006), S. 33.
43 Vgl. Lee/Padmanabhan/Whang (1997), S. 546; Göpfert (2004), S. 33 f.
44 Vgl. Busch/Dangelmaier/Pape et al. (2003), S. 30; Alicke (2003), S. 8; Baumgarten/Darkow (2004), S. 95.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
Lagerbestand verursacht vor allem Kapitalbindungs- und Lagerkosten, während ein zu niedriges Inventar Lieferengpässe oder sogar „Out-of-Stock“ Situationen nach sich zieht. 45
Die Bedarfsschwankungen des Marktes können nur durch einen transparenteren Informationsaustausch zwischen den Supply Chain Partnern abgefangen werden. 46 Damit wird die hohe Bedeutung des nahtlosen Informationsflusses zwischen den Teilnehmern der Supply Chain deutlich. 47 Die Optimierung von Geschäftsprozessen ist folglich nur auf Basis von echtzeitnahen Informationen erreichbar. 48
Zur Kompensation des Bullwhip-Effekts strebt das Supply Chain Management die Realisierung der übergeordneten Ziele Kostenreduktion, Zeitersparnis und Generierung von Qualitätsvorteilen an. 49
Kostenvorteile werden vorwiegend durch den Abbau von Beständen generiert. Durch konsequente Orientierung an der Endkundennachfrage und einer besseren Kundeneinbindung lässt sich der Bullwhip-Effekt mindern und infolgedessen können Sicherheitsbestände vermieden werden. Somit wird einerseits gebundenes Kapital verringert, andererseits werden Transaktionskosten gesenkt. 50 Durch Kooperation mit den Lieferanten und Kunden lassen sich Zeitvorteile bei der Entwicklung von Neuprodukten generieren und Durchlaufzeiten verkürzen. 51 Zudem erhöht die Transparenz über die Verfügbarkeit globaler Bestände und die Flexibilisierung von Ressourcen die Lieferbereitschaft. 52 Eine verbesserte Produktqualität wird im SCM durch eine intensive Zusammenarbeit der Supply Chain Partner ermöglicht. Gemeinschaftliche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und der offene Informationsaustausch sind Voraussetzung für eine effizientere Qualitätsplanung, -lenkung und -prüfung. 53
45 Vgl. Melski (2006), S. 33.
46 Vgl. Dittmann (2006), S. 16; Müller (2005), S. 25.
47 Vgl. Corsten/Gössinger (2001), S. 98.
48 Vgl. Gillert/Hansen (2007), S. 51.
49 Vgl. Göpfert (2004), S. 35; Busch/Dangelmaier/Pape et al. (2003), S. 8 f.; Busch/Dangelmaier (2004), S. 8 f.
50 Vgl. Busch/Dangelmaier/Pape et al. (2003), S. 9; Sprenger/Wecker (2006), S. 65; Göpfert (2004), S. 35.
51 Vgl. Busch/Dangelmaier/Pape et al. (2003), S. 9.
52 Vgl. Göpfert (2004), S. 35.
53 Vgl. Busch/Dangelmaier/Pape et al. (2003), S. 9; Busch/Dangelmaier (2004), S. 9.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
2.3 Unternehmensübergreifende Kooperation
Unternehmen verfolgen das primäre Ziel, Produkte und Dienstleistungen schnell und erlöswirksam auf den Markt zu bringen. 54 Steigende Kundenanforderungen hinsichtlich Qualität, Kosten und Termintreue zwingen Unternehmen zur Konzentration auf Kernkompetenzen und zur Verringerung von Fertigungstiefen. Aufgrund dessen gewinnt die unternehmensübergreifende Kooperation in der Supply Chain zunehmend an Bedeutung. 55
Supply Chain Management ist charakteristisch für die freiwillige Zusammenarbeit rechtlich unabhängiger Unternehmen. Die Kooperation zwischen allen Partnern gilt somit als Patentrezept für eine effiziente Supply Chain. Diese Auffassung wird in jüngster Zeit durch den Begriff „collaborative“ propagiert. 56 Der offene Informationsaustausch zwischen allen Akteuren ist entscheidend für den Erfolg einer Supply Chain. Für die Vermeidung des Bullwhip-Effekts ist insbesondere der Austausch von Daten hinsichtlich Kapazitäten, Beständen und Qualität entlang der Prozesse sowie Endkundennachfrage notwendig. 57 Dabei nimmt die Einbindung der Kunden in die Supply Chain für die Verfügbarkeit von Kundendaten eine entscheidende Rolle ein. Eine breite Informationsverfügbarkeit entlang der Prozesse schafft Entscheidungsspielräume, um frühzeitig auf veränderte Anforderungen reagieren zu können. 58
Die Notwendigkeit zum Austausch vertraulicher Unternehmensdaten stößt jedoch in der Praxis auf eine geringe Bereitschaft der Unternehmen, da mit der Weitergabe von Informationen Risiken sowie erhöhte Abhängigkeiten verbunden sind. 59 Die enge Zusammenarbeit und der offene Informationsaustausch setzen deshalb vor allem den langfristigen Aufbau von Vertrauen und Zuverlässigkeit voraus. 60 Das Ziel eines langfristig stabilen, partnerschaftlichen Verhältnisses in Supply Chains kann nur realisiert werden, wenn alle Beteiligten in eine Win-Win-Situation gelangen. 61
54 Vgl. Kuhn/Hellingrath (2002), S. 23.
55 Vgl. Meier/Hanenkamp (2004), S. 113.
56 Vgl. Schönsleben/Hieber (2004), S. 49 ff.
57 Vgl. Müller (2005), S. 25; Baumgarten/Darkow (2004), S. 95; Tellkamp/Haller (2005), S. 225; Göpfert (2004), S. 37.
58 Vgl. Müller (2005), S. 25.
59 Vgl. Bezikofer (1999), S. 82.
60 Vgl. Arndt (2006), S. 180; Schönsleben/Hieber (2004), S. 50; Busch/Dangelmaier (2004), S. 9.
61 Vgl. Schönsleben/Hieber (2004), S. 55; Kuhn/Hellingrath/Kloth (1998), S. 10; Corsten/Gabriel (2004), S. 18; Arndt (2006), S. 181.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
Infolgedessen muss allen Partner der Gesamtnutzen der Supply Chain über ihren jeweiligen Einzelnutzen stehen. 62
2.4 Information als Schlüsselfaktor
Für eine leistungsfähige Supply Chain ist der unternehmensübergreifende Informationsfluss ein entscheidender Faktor. 63
Das Grundproblem der Koordination wirtschaftlicher Aktivitäten liegt nach HAYEK in der asymmetrischen Informationsverteilung. 64 Die ungleiche Informationsverteilung zwischen den Akteuren einer Supply Chain verursacht hohe Transaktionskosten. Infolgedessen ist die Bedeutung der Ressource Information in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen. 65 Zur Charakterisierung des Informationsbegriffs verwendet die
betriebswissenschaftliche Literatur häufig Wittmanns Definition „Information ist zweckorientiertes Wissen“ 66 . Diese Begriffsbestimmung bringt zum Ausdruck, dass die zentrale Aufgabe der Information in der Unterstützung von
Entscheidungsprozessen zu sehen ist.
ALICKE bezeichnet Information sogar als das wichtigste Gut im Supply Chain Management. Wenn Informationen in Echtzeit durch die gesamte Kette propagiert werden, können Bestände eingespart, Zusatztransporte reduziert, Verschrottungen vermieden und damit das übergeordnete Ziel, eine erhöhte Kundenzufriedenheit, erreicht werden. 67
Auch STRASSNER stellt die Ressource Informationen wertmäßig auf die gleiche Stufe wie alle anderen im Leistungserstellungsprozess eingesetzten Ressourcen. 68 Für die Verfügbarkeit von Informationen verwendet die Logistikliteratur den Begriff Visibilität. Durch einen hohen Grad an Visibilität sinkt die Unsicherheit, wodurch sich die Gesamtperformance eines Liefernetzwerkes steigern lässt. 69 Visibilität ist vom Informationsaustausch zwischen den Unternehmen einer Supply Chain abhängig und kann durch Informationstechnologien gesteigert werden. 70
62 Vgl. Kuhn/Hellingrath/Kloth (1998), S. 10; Arndt (2006), S. 180; Müller (2005), S. 25.
63 Vgl. Obrist (2006), S. 43.
64 Vgl. Picot/Maier (1993), S. 35 f.
65 Vgl. Zerdick/Picot/Schrape et al. (2001), S. 148 f.
66 Wittmann (1959), S. 14.
67 Vgl. Alicke (2003), S. 7.
68 Vgl. Strassner (2005), S. 32.
69 Vgl. Strassner (2005), S. 34.
70 Vgl. Alshawi (2001), S. 237 f.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
Doch nicht jede Information verbessert zugleich den Informationsstand eines Entscheidungsträgers.
„Business executives need to make decisions based as much as possible on facts rather than on assumptions.“ 71 Entscheidungsträger stützen sich heute stark auf Statistiken, die durch Verarbeitung historischer Daten gewonnen werden und somit von niedriger Qualität sind. 72 Es ist somit nicht entscheidend, möglichst viele Informationen zu erhalten. Für Entscheidungen ist vielmehr die Qualität der Information ausschlaggebend. 73 Entscheidungsträger eines Unternehmens müssen sich auf die Richtigkeit von Informationen verlassen können, um Fehlentscheidungen vorzubeugen. Eine potenzielle Fehlerquelle sind Medienbrüche, da sie zu fehlerhaften Informationen führen oder zeitkritische Informationen durch Verzögerungen entwerten. 74 Sie sind Mitursache für Langsamkeit, Intransparenz und Fehleranfälligkeit inner- und überbetrieblicher Prozesse. 75 Als Beispiel für einen Medienbruch wird häufig die mehrfache Erfassung eines Auftrags in unterschiedlichen betrieblichen Informationssystemen innerhalb einer Supply Chain herangezogen. 76 Eine rein manuelle Datenerfassung unterliegt somit erhöhter Fehleranfälligkeit und ist zudem zeit- und kostenintensiv. 77 Zur Steigerung der Effizienz in Netzwerken streben Unternehmen daher die Medienbruchfreiheit an. 78
2.5 Evolution der automatischen Identifikation
„Das Abbild der realen Welt im IT-System ist immer nur so genau wie die Erfassung der Daten.“ 79 Aufgrund der steigenden Produktvielfalt und -komplexität muss die Durchführung der Dateneingaben heute viel häufiger und detaillierter sein, um die Realität in der digitalen Welt annähernd exakt abbilden zu können. 80 Obgleich die betriebswirtschaftliche Informationsverarbeitung in den letzten vier Jahrzehnten zur Steigerung der Geschwindigkeit, Effizienz und Genauigkeit
71 Heinrich (2005), S, 13.
72 Vgl. Fleisch (2006), S. 77 f.
73 Vg. Heinrich (2005), S. 23.
74 Vgl. Strassner (2005), S. 34.
75 Vgl. Fleisch (2001a), S. 187; Fleisch (2001 b), S. 129 f.; Fleisch/Christ/Dierkes (2005), S. 7; Heinrich (2006), S. 160; Fleisch (2006), S. 74 f.
76 Vgl. Fleisch/Mattern/Billinger (2003), S. 12; Strassner (2005), S. 35; Fleisch/Christ/Dierkes (2005), S. 7; Fleisch (2001 b), S. 129; Christ/Fleisch/Mattern (2003), S. 9; Heinrich (2006), S.
160; Fleisch (2006), S. 74; Fleisch/Christ (2003), S. 48.
77 Vgl. Melski (2006), S. 2.
78 Vgl. Fleisch/Mattern/Billinger (2003), S. 12.
79 Heinrich (2006), S. 157.
80 Vgl. Melski (2006), S. 2.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
unternehmensinterner und -übergreifender Prozesse beigetragen hat, 81 konnten einige Probleme nur begrenzt gelöst werden. Einzelhändler verlieren z. B. 3 bis 4% ihres Jahresumsatzes dadurch, dass 5 bis 10% der nachgefragten Produkte nicht verfügbar sind (Out-of-Stock). Der physische Lagerbestand ist nämlich meist nicht identisch mit den Daten in den Informationssystemen. Zudem führen ungeplante Bestandsreduktionen durch Diebstahl und der Handel mit gefälschter Ware zu jährlichen Kosten in Milliardenhöhe. 82
Der gemeinsame Nenner dieser Probleme ist die mangelnde Integration zwischen der realen Welt und ihrer digitalen Abbildung in der Welt der Informationssysteme. 83 Einen Ausweg aus dem Dilemma schafft die Entwicklung von automatischen Identifikationssystemen. Das derzeit am weitesten verbreitete Auto-ID-Verfahren ist die Barcode-Technologie. Der Barcode ist eine Sequenz aus parallel angeordneten Strichen und Trennlücken, der durch Laserabtastung decodiert und in rechnerverständliche Signale übersetzt wird. 84 Durch den Einsatz der Barcode-Scanner konnten Fehlerquellen zwar signifikant vermindert werden, jedoch erfolgt aufgrund des manuellen Scanvorgangs keine Beseitigung der Zeit- und Kostenintensität. Da der Mensch also maßgeblich für die Fehleranfälligkeit, die Langsamkeit und die hohen Kosten der Schnittstelle zwischen realer und virtueller Welt verantwortlich ist, ist eine effiziente Identifikation von Objekten nur in einer reinen Maschine-Maschine-Kommunikation zu sehen. 85
Daher besteht die Vision des Ubiquitous Computing darin, die physische Welt der Dinge nahtlos mit Informationssystemen zu verknüpfen und damit das „Internet der Dinge“ zu schaffen. 86 Während Informationssysteme die Integration von immer mehr Applikationen und Datenbanken verfolgen, intendiert UbiComp die Verschmelzung dieser Applikationen und Datenbanken mit der realen betrieblichen Umgebung. 87 Technologische Fortschritte treiben den Prozess der Datenerfassung immer näher an den Ort der Datenentstehung. 88 IT-Systeme sollen demnach in der Lage sein, die für betriebliche Anwendungszwecke notwendigen Informationen aus der realen Welt
81 Vgl. Fleisch/Christ/Dierkes (2005), S. 3.
82 Vgl. Fleisch/Christ/Dierkes (2005), S. 3 f.
83 Vgl. Fleisch/Christ/Dierkes (2005), S. 4; Fleisch (2006), S. 73.
84 Vgl. Finkenzeller (2006), S. 2; Werner (2002), S. 205.
85 Vgl. Melski (2006), S. 3.
86 Vgl. Flörkemeier (2005), S. 87; Schoch/Strassner (2003), S. 23.
87 Vgl. Fleisch/Christ/Dierkes (2005), S. 8; Christ/Fleisch/Mattern (2003), S. 9.
88 Vgl. Heinrich (2006), S. 157.
DIE INFORMATISIERTE SUPPLY CHAIN
zu erfassen und ggf. zur Steuerung von Prozessen zu verwenden. 89 Physische Güter werden von „dummen Dingen“ in „intelligente, aufmerksame Dinge“ umgewandelt, die mittels eines Mikrochips selbstständig Informationen aus ihrer Umgebung erfassen, verarbeiten und versenden. Intelligente Dinge sind folglich in der Lage, ohne menschliche Intervention und ohne Medienbruch untereinander und mit der ITkommunizieren. 90 Die Verwendung automatischer Welt zu
Datenerfassungstechnologien gestaltet die Interaktion zwischen IT-Systemen und der realen Welt effizienter, weil sich mit wachsendem Integrationsbereich Medienbrüche zunehmend eliminieren lassen. Dieser Aspekt wird in Abbildung 4 projiziert.
Abb. 4: Integration von realer und virtueller Welt 91
RFID als Basistechnologie des UbiComp ermöglicht die selbstständige Identifikation von Objekten, indem RFID-Transponder Daten ohne menschliche Unterstützung per Funk an ein Lesegerät senden, sobald sie in dessen Reichweite gelangen. RFID-Systeme ersetzen somit den Menschen als Intermediär und stellen einen
89 Vgl. Strassner (2005), S. 26.
90 Vgl. Fleisch (2001b), S. 129; Schoch/Strassner (2003), S. 23; Fleisch/Christ (2003), S. 49.
91 Eigene Darstellung in Anlehnung an Fleisch (2001b), S. 130; Fleisch (2006), S. 75; Fleisch/Mattern/Billinger (2003), S. 12; Fleisch/Christ/Dierkes (2005), S. 8.
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Karin Weber, 2007, Auswirkungen des RFID-Einsatzes in Prozessen entlang der Supply Chain, Munich, GRIN Publishing GmbH
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