Welcher Schüler kennt es nicht: Das Schreiben von Erörterungen im Deutschunterricht? Diese Textsorte ist seit Jahrzehnten in den Lehrplänen fest verankert und wird meist ab der achten, spätestens aber ab der neunten Jahrgangsstufe, zum festen Bestandteil eines jeden Deutschunterrichtes.
Der Sinn des Erörterns und Argumentierens liegt auf der Hand. Durch das intensive Auseinandersetzen mit einem Thema oder Sachverhalt wird die Identität des Schreibers weiter ausgebildet, da er sich über seine Einstellung zu dem gegebenen Thema Gedanken machen muss und seine Meinung zu diesem Thema vor anderen vertreten muss. Die Schüler werden so auf das Berufsleben oder den eventuellen Besuch einer Hochschule vorbereitet. Oder anders ausgedrückt: Die Schüler sollen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern ausgebildet werden.
Des Weiteren dient das schriftliche Auseinandersetzen der Sprachbildung der Schüler. Gleichzeitig wird durch das Argumentieren die soziale Einsicht, und das Niveau sprachlicher Rationalität der Schülerinnen und Schüler gesteigert.
Im Folgenden werden zunächst die traditionellen Formen der Erörterung vorgestellt und deren Verankerung im Lehrplan der bayrischen Realschule erläutert. Im Anschluss daran wird gezeigt, in wie weit die traditionelle Erörterung in der heutigen Aufsatzdidaktik kritisiert wird und welche Änderungen aufgrund dessen gefordert werden. Zum Schluss dieser Arbeit wird darüber hinaus eine kurze Unterrichtsreihe zum Erörtern vorgestellt, die die neuen didaktischen Ansätze berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die klassische Erörterung
2.1 Die Erörterung im Lehrplan der bayrischen Realschule
2.2 Formen der Erörterung
2.2.1 Steigernde Erörterung
2.2.2 Die dialektische Erörterung
3. Neuere didaktische Ansätze und deren Konsequenzen
3.1 Änderungen in der Praxis
3.1 Änderungen im Lehrplan
4. Planung einer Unterrichtsreihe
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der didaktischen Aufarbeitung der Erörterung im Deutschunterricht der Realschule. Das Ziel ist es, die Kritik an klassischen, formalisierten Erörterungsformen zu beleuchten und Wege aufzuzeigen, wie Schüler zu einem authentischen, freien und inhaltlich fundierten argumentativen Schreiben befähigt werden können.
- Traditionelle Formen der Erörterung (steigernd vs. dialektisch)
- Kritik an formalistischen Aufsatzdidaktiken
- Sprachbildung und freies Problemlösen im Deutschunterricht
- Bedeutung der Lebensweltorientierung bei der Themenwahl
- Didaktische Konzepte zur Förderung von Diskursfähigkeit und Argumentation
Auszug aus dem Buch
3.1 Änderungen in der Praxis
Durch die strengen formalen Vorgaben wird die Sprache oft als nebensächlich oder nachrangig betrachtet. Die Sprache sollte allerdings, auch beim Schreiben von Erörterungen, niemals vernachlässigt werden. Es ist von größter Wichtigkeit, den Schülern beizubringen, wie sie, mit den ihnen zur Verfügung stehenden sprachlichen Mitteln, einen Leser überzeugen können. Gleichzeitig sollen sie lernen, sich als Schreiber in den Mittelpunkt zu stellen. Um dies mit den Schülern, zu üben gibt es vielfältige Möglichkeiten. Kleinere Sprachübungen können in fast jede Unterrichtsstunde eingebracht werden. Jeder neue Text, der mit den Schülern gelesen wird, kann für eine kleine Übung genutzt werden, indem die Schüler beispielsweise aufgefordert werden, auf bestimmte sprachliche Aspekte, wie zum Beispiel Floskeln oder Metaphern, zu achten. Andrea Stadter erwähnt in ihrem Aufsatz Viele Wege führen zum Erörtern auch das Verfahren der „writing frames“ und das des „Vokabelheftes“.
Beim Einsatz der „writing frames“ liegen den Schülern Listen mit nützlichen Einleitungen und Überleitungen zum Schreiben eines Textes vor. Zu Beginn des argumentierenden Schreibens können sich besonders die schwächeren Schüler an diesen vorgegebenen Satzteilen orientieren, bevor sie eigene Formulierungen verwenden und einen vollständig freien Text verfassen. Das Einführen eines „Vokabelheftes“ erfordert von den Schülern mehr Eigeninitiative. Jeder Schüler sammelt für sein Vokabelheft seine Arbeitsblätter in einem Ordner und ergänzt diese um Materialien, die auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind. Dazu können beispielsweise Listen mit Kollokationen oder Wortfamilien gehören. Eine weitere Möglichkeit, mit den Schülern eine kurze Sprachübung auszuführen, ist, ihnen einen Begriff zu nennen, zu dem sie spontan etwas schreiben müssen. Dies kann alleine, in Partnerarbeit, in Gruppenarbeit oder auch im Plenum geschehen. Die Schüler müssen dabei nicht zwangsläufig einen Text schreiben. Auch kurze Stichpunkte oder mindmapping Verfahren sind hier geeignete Arbeitsweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Erörterns im Deutschunterricht ein und skizziert die Zielsetzung der Arbeit, traditionelle Ansätze kritisch zu hinterfragen.
2. Die klassische Erörterung: Dieses Kapitel erläutert die historisch gewachsenen, formalen Formen der steigernden und dialektischen Erörterung sowie deren spezifische Verankerung in den Lehrplänen.
3. Neuere didaktische Ansätze und deren Konsequenzen: Hier werden notwendige Veränderungen in der Unterrichtspraxis sowie im Lehrplan diskutiert, um das Argumentieren lebendiger und subjektbezogener zu gestalten.
4. Planung einer Unterrichtsreihe: Dieses Kapitel präsentiert ein konkretes, praxisnahes Beispiel für eine Unterrichtseinheit in der 10. Jahrgangsstufe, die auf eigenständiger Materialrecherche basiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Abkehr von starren Vorgaben hin zu einem prozessorientierten Erörtern notwendig ist, um Schüler nachhaltig zum eigenen Denken und Schreiben zu befähigen.
Schlüsselwörter
Erörterung, Deutschunterricht, Argumentation, Didaktik, Schreibprozess, Realschule, Sprachbildung, Themenentfaltung, Unterrichtsreihe, dialektische Erörterung, steigernde Erörterung, Problemlösen, Writing Frames, Medienkompetenz, Schülerorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Stellenwert der Erörterung im Deutschunterricht und kritisiert die traditionelle, stark formalisierte Herangehensweise an diese Aufsatzform.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die klassischen Erörterungsformen, die didaktische Kritik an diesen, Möglichkeiten zur sprachlichen Förderung und die praktische Planung von Unterrichtsreihen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch modernere didaktische Ansätze der Übergang von formstarren Aufsätzen hin zu authentischem, reflektiertem und freiem Erörtern gelingen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller didaktischer Fachbeiträge und der Auswertung sowie kritischen Würdigung der Lehrpläne für die bayrische Realschule.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung klassischer Erörterungsmodelle, die Analyse didaktischer Kritikpunkte an der Praxis sowie den Entwurf einer praxisorientierten Unterrichtseinheit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Erörterung, Argumentation, Didaktik, Schreibprozess und Schülerorientierung.
Welche Rolle spielt das "Robinson-Spiel" in dieser Didaktik?
Es dient als Beispiel für eine frühe, spielerische Einübung der Argumentationsfähigkeit in der Primarstufe, um mündliche Argumentation als Grundlage für späteres schriftliches Erörtern zu etablieren.
Wie unterscheidet sich die "steigernde" von der "dialektischen" Erörterung laut Text?
Während die steigernde Erörterung nur ein Argumentationsziel verfolgt und Gegenargumente ausklammert, setzt die dialektische Erörterung eine Auseinandersetzung mit Pro- und Contra-Argumenten voraus.
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- Stefanie Gnaß (Author), 2006, Die Erörterung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78136