2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Definition und Ermittlungsmöglichkeiten von Fair Value 4
3. Fair Value im Regelwerk der IFRS 5
3.1 Erfassung wertgeminderter Bewertungseinheiten 5
3.2 Fair Value in den einzelnen Standards 7
4. Fair Value im Hinblick auf Informationsvermittlung und Gläubigerschutz 8
5. Kritische Würdigung der Fair Value-Bilanzierung 10
6. Fazit 11
Quellenverzeichnis 12
3
1. Einleitung
Die letzten elf Jahre sind in der internationalen Rechnungslegung durch eine schnelle und „stürmische“ Entwicklung gekennzeichnet. 1 Durch den Gang an die New Yorker Börse vieler europäischer Unternehmen erfolgte eine Welle freiwilliger Veröffentlichungen von Konzernabschlüssen nach IAS/IFRS und US-GAAP. Diese Tendenz wurde von der EU unterstützt. Durch den EU-Beschluss von 1995 wurden Unternehmen 1998 von der Verpflichtung der Erstellung eines HGB- Konzernabschlusses befreit, falls sie einen Konzernabschluss nach IAS oder US-GAAP aufstellten. Eine weitere Intensivierung einer Internationalisierung der Rechnungs- legung erfolge durch die IAS-Verordnung der EG im Jahr 2002, wonach kapitalmarktorientierte Unternehmen in der EU ab 2005 (mit Ausnahmen ab 2007) zu Konzernabschlüssen nach IAS/IFRS verpflichtet sind.
Die Internationalisierung der Rechnungslegung ist dabei eng mit dem Begriff des Fair Value verbunden. Mit dem Ziel, umfassende Informationen mit dem IFRS-Abshcluss offen legen zu lassen und damit den Bedürfnissen des Kapitalmarktes nach entscheidungsrelevanten und zuverlässigen Informationen über das bilanzierende Unternehmen zu genügen, rückt der IASB historische Kosten in den Hintergrund und stellt auf die Bewertung zu Fair Values ab. Die Fair Value-Bilanzierung soll dabei eine zuverlässige Abbildung eines Vermögenswertes bzw. einer Schuld in der Bilanz gewährleisten und somit einem wirksamen Gläubigerschutz beitragen. 2
In der vorliegenden Arbeit soll zunächst der Begriff des Fair Value in den IFRS festgestellt werden. Die einzelnen Regelungen in Bezug auf die Fair Value-Bilanzierung werden in einem weiteren Schritt dargelegt. Daraufhin wird die Erreichung des Gläubigerschutzes im Sinne einer entscheidungsrelevanten und zuverlässigen Informationsermittlung diskutiert. Abschließend werden einige Kritikpunkte in der gegenwärtigen Diskussion zu Fair Value-Bilanzierung präsentiert.
1 Vgl. Wagenhofer, A. (2003): Internationale Rechnungslegungsstandards – IAS / IFRS. – 4., überarbeitete und erweiterte Auflage der International Accounting Standards. – Frankfurt; Wien: Redline Wirtschaft bei Ueberreuter, S. V.
2 Vgl. Baetge, J.; Lienau, A. (2005): Der Gläubigerschutzgedanke im Mixed Fair Value-Modell des IASB. In: Schneider, D; Rückle, D; Küpper, H.-U.; Wagner, F. W. (Hrsg.): Kritisches zu Rechnungslegung und Unternehmensbesteuerung. – Berlin: Duncker & Humblot, S. 66.
4
2. Definition und Ermittlungsmöglichkeiten des Fair Value
Fair Value, auch beizulegender Zeitwert genannt, wird in IFRS als der Betrag definiert, „zu dem ein Vermögenswert zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern getauscht werden könnte“ und stellt somit einen unter üblichen Marktbedingungen erzielbare Betrag dar. 3
In der Situation eines vollkommenen Marktes würde der Fair Value einem Marktpreis gleich sein. Die IFRS sehen jedoch die Ermittlung des Value auch für nicht finanzielle Vermögenswerte, die nicht regelmäßig auf Märkten gehandelt werden. Die verfügbaren Preisinformationen entsprechen oft den Anforderungen der vollkommenen Märkte nicht und der Begriff des Fair Value bekommt in vielen Fällen Mehrdeutigkeit. Somit wird in solchen Fällen zwischen dem Absatzpreis, dem Beschaffungspreis und dem Nutzungswert unterschieden. 4
Da es bei der Ermittlung des Fair Value eine möglichst marktnahe und damit objektivierbare Bewertung sicherzustellen ist, geht man von der so genannten „Fair- Value-Hierarchie“ für die Bestimmung des beizulegenden Zeitwertes aus, 5 die drei Hierarchiestufen entält.
Die erste Stufe sieht die Ermittlung eines Marktwertes für den zu bewertenden Vermögenswert vor. „Dabei gilt ein öffentlich notierter Marktpreis auf einem aktiven Markt als bestmöglicher Indikator für den Fair Value.“ 6 Es handelt sich hiermit um den Veräußerungs- bzw. Erfüllungswert (Realisable bzw. Settlement Value). 7
Sollte ein Marktwert auf einem aktiven Markt nicht zur Verfügung stehen, so „ist der beizulegende Zeitwert durch Anpassung beobachtbarer Marktpreise für vergleichbare Gegenstände am oder nahe dem Bewertungsstichtag zu bestimmen“. 8 Es wird somit ein Wiederbeschaffungs- bzw. Abwicklungswert (Current Cost) ermittelt. 9
3 Vgl. Wagenhofer, A. (2003), a.a.O., S. 163.
4 Vgl. Dawo, S. (2004): Fair Value-Bewertung nicht finanzieller Positionen – der Weg zur entobjektivierten Bilanz? In: Küting, K.; Pfitzer, N.; Weber, C.-P. (Hrsg.): Herausforderungen und Chancen durch weltweite Rechnungslegungsstandards. – Stuttgart: Schäffer-Poeschel, S. 47 5 Vgl. Wagenhofer, A. (2003), a.a.O., S. 164.
6 Böcking, H.-J. (2004): Fair Value als Wertmaßstab im Rahmen der IAS/IFRS. In: Küting, K.; Pfitzer, N.; Weber, C.-P. (Hrsg.): Herausforderungen und Chancen durch weltweite Rechnungslegungsstandards. – Stuttgart: Schäffer-Poeschel, S. 32.
7 Vgl. Streim, H; Bieker, M; Esser, M. (2005): Fair Value Accounting in der IFRS-Rechnungslegung. In: Schneider, D; Rückle, D; Küpper, H.-U.; Wagner, F. W. (Hrsg.): Kritisches zu Rechnungslegung und Unternehmensbesteuerung. – Berlin: Duncker & Humblot, S. 90.
8 Wagenhofer, A. (2003), a.a.O., S. 164.
9 Vgl. Streim, H; Bieker, M; Esser, M. (2005), a.a.O., S. 91.
Quote paper:
Karina Boldyreva, 2006, Fair Value in der IFRS-Rechnungslegung - Konzeption, Inhalt und Zweckmäßigkeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Fair value in der IFRS-Rechnungslegung
Anwendungsnutzen des Fair valu...
Business economics - Accounting and Taxes
Termpaper, 17 Pages
Bedeutung der Unternehmensbewertung im Rahmen der Rechnungslegung nach...
Business economics - Revision, Auditing
Termpaper, 21 Pages
Neue Kommunikationsmöglichkeiten im Web 2.0
Eine soziokulturelle Untersuch...
Ethnology / Cultural Anthropology
Thesis (M.A.), 128 Pages
Business economics - Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Ansatz und Bewertung von Finanzanlagen nach Maßgabe von IAS 39
Business economics - Accounting and Taxes
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Marketingcontrolling - Instrumente und Organisation im Überblick
Business economics - Controlling
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Das Discounted-Cashflow-Verfahren in der Immobilienbewertung
Termpaper, 69 Pages
Eine Diskussion der Grundprämissen der ökonomischen Theorie der Politi...
Wie realistisch sind Downs Gru...
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 18 Pages
Personalentwicklung - Teil des OE-Prozesses - Bedeutung, Ziele und Kon...
Pedagogy - Job Education, Occupational Training, Further Education
Scholarly Essay, 27 Pages
Plural Society - Kolonialismus und Multikulturalität
Ethnology / Cultural Anthropology
Termpaper, 24 Pages
Das Burnout-Syndrom - Symptome und die Möglichkeit der Selbstanalyse
Termpaper, 14 Pages
Virtuelle vs. reale soziale Netzwerke - Ein Vergleich
Sociology - Individual, Groups, Society
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Methoden der Materialbedarfsplanung unter besonderer Berücksichtigung ...
Business economics - Industrial Management
Scholary Paper (Seminar), 24 Pages
Karina Boldyreva has published the text Fair Value in der IFRS-Rechnungslegung - Konzeption, Inhalt und Zweckmäßigkeit
Karina Boldyreva has uploaded a new text
Fair Value Accounting von Finanzinstrumenten in der internationalen Re...
Bilanztheoretische Zielsetzung...
Ulrich Kalk
Ausmaß von Ermessenspielräumen bei der Fair Value Ermittlung immaterie...
Eine empirische Analyse
Michael Kramer
Fallstudie zur Umstellung auf die IFRS-Rechnungslegung
Harald Kessler, Markus Leinen, Michael Strickmann
0 comments