In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema „ Begriffsbildung im Unterricht“ und gehe dabei der Fragestellung nach: „Wie kann man diese Grundform des Lehrens im Unterricht umsetzen?“.
Ich schreibe diese Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Psychologie des Lehrens“, indem verschiedene Grundformen des Lehrens vorgestellt wurden. Das Thema meiner Hausarbeit ergibt sich somit zum einen aus den Inhalten des Seminars und zum anderen aus meinem Interesse an der Tatsache, dass man im Unterricht immer auch Begriffsbildung betreibt.
Ich werde zunächst beschreiben, wie Begriffe im Wissen des Menschen gespeichert und aufgebaut sind und welche Arten von Begriffen sowie welche Merkmale es bei Begriffen gibt. Dann werde ich anhand von verschiedenen Modellen darstellen, wie man im Unterricht Begriffsbildung durchführen kann. Dabei werde ich mich im Wesentlichen auf Aebli (1983) beziehen und Modelle von anderen Psychologen nur verkürzt wiedergeben bzw. ganz weglassen, da dies sonst den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde. Im Schlussteil ziehe ich dann ein Resümee über meine Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Begriff
2.1 Der Prozess des Begriffsaufbaus
2.2 Modelle zur Begriffsrepräsentation
2.3 Arten von Begriffen
2.4 Die Merkmale von Begriffen
2.5 Emotionale Faktoren bei der Begriffsbewertung
3 Didaktischer Teil
3.1 Begriffliches Denken bei Grundschulkindern
3.2 Die didaktische Analyse eines Stoffes nach Klafki
3.3 Begriffe als Netze von Sachzusammenhängen nach Aebli
3.4 Phasen des Begriffslernens im Unterricht nach Aebli
3.4.1 Den Begriffsinhalt aufbauen
3.4.2 Den Begriff durcharbeiten
3.4.3 Den Begriff anwenden
3.5 Andere Modelle der Begriffsvermittlung im Unterricht
3.5.1 Achtstufenmodell der Begriffsvermittlung von Dececco (1969)
3.5.2 Begriffsvermittlung nach Clark (1971)
3.5.3 Modell nach Klausmeier
4 Schlussteil
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die zentrale Fragestellung, wie die Grundform der Begriffsbildung effektiv im schulischen Unterricht umgesetzt werden kann, wobei ein besonderer Fokus auf psychologische Lerntheorien und deren didaktische Anwendung gelegt wird.
- Kognitive Grundlagen und Repräsentationsformen von Begriffen.
- Die Rolle der Begriffsbildung im Entwicklungsprozess von Schülern.
- Didaktische Strategien zur Vermittlung und zum Aufbau von Begriffssystemen.
- Vergleichende Analyse verschiedener Unterrichtsmodelle nach Aebli, Dececco, Clark und Klausmeier.
- Bedeutung der Begriffsanwendung für die Bewältigung komplexer Lebenssituationen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Prozess des Begriffsaufbaus
Seit dem 18. Jahrhundert gibt es über die Frage: „Kann es überhaupt eine Begriffsbildung durch Abstraktion geben?“ verschiedene Ansichten, da man ja eigentlich nur bereits bekannte Merkmale weglässt und nichts Neues dazukommt. Betrachtet man aber keine geschlossenen Systeme, wie das in dem Experiment mit den Pilzen der Fall war, sondern offene Systeme, in denen die Anzahl der Merkmalsdimensionen nicht von vornherein festgelegt sind, so sieht die Sache anders aus.
In offenen Systemen, z.B. Erarbeitung des Begriffs „Subjekt“ im Grammatikunterricht (verschiedene Sätze werden vorgelegt, in denen nur das Subjekt verschieden ist, die anderen Satzglieder aber gleich bleiben) müssen die Schüler Merkmale und Merkmalskombinationen finden, die den gegebenen Beispielen gemeinsam sind. Die Schüler müssen also nicht eliminieren, sondern Hypothesen bilden (vgl. Aebli 1985, S. 252; vgl. Edelmann 1979, S. 29). Dies ist eine interessante Aufgabe für die Schüler, da sie bei der Stellung des Problems schon ein reiches Repertoire an möglichen Gesichtspunkten besitzen.
Wir bilden also Begriffe nicht durch Abstraktion, sondern dadurch, dass wir „in den Erscheinungen gewisse uns schon bekannte Merkmale wieder finden, die ihnen gemeinsam sind. Wenn diese dann mit einem äußeren Kriterium gesetzmäßig zusammenhängen, sprechen wir von Induktion, d.h. von einem invarianten (unveränderlichen) Zusammenhang, der erhalten bleibt, auch wenn die Erscheinungsform (die Messwerte) variieren.“ (Aebli 1985, S. 253). Begriffe entstehen also durch Aufbau. Dabei steht am Anfang ein Problem, dass den Rahmen für die folgende Erklärung bildet. Die Erklärung kreist um das Wort „warum?“ und fragt so nach einem Geflecht von Beziehungen, das den zu erklärenden Tatbestand an das bisherige Wissen des Schülers anknüpfen und einordnen soll, z.B. „Warum hat das Weibchen der Stockente ein unscheinbares, braun- gesprenkeltes Gefieder, während das Männchen bunt gefärbt ist?“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas Begriffsbildung im Unterricht und der forschungsleitenden Fragestellung sowie eine kurze Übersicht zum methodischen Vorgehen.
2 Der Begriff: Theoretische Herleitung der Begriffsdefinition, Darstellung von Repräsentationsmodellen und Analyse der Merkmalsstrukturen bei der Begriffsbildung.
3 Didaktischer Teil: Analyse didaktischer Anforderungen an die Begriffsbildung im Fachunterricht unter Einbeziehung kognitiver Entwicklungsstufen und konkreter Unterrichtsmodelle.
4 Schlussteil: Zusammenfassendes Resümee über die Notwendigkeit und den Stellenwert einer systematischen Begriffsarbeit zur Förderung des interessanten und handlungsorientierten Lernens.
Schlüsselwörter
Begriffsbildung, Unterricht, Kognitive Psychologie, Didaktik, Begriffshierarchien, Abstraktion, Aebli, Lernpsychologie, Wissensrepräsentation, Begriffsinhalt, Begriffsumfang, Wissensaufbau, Unterrichtsmodelle, Problemlösendes Denken, Merkmalsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychologischen Fundierung und der didaktischen Gestaltung der Begriffsbildung im schulischen Unterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Definition von Begriffen, deren kognitive Speicherung (Netzwerke, Prototypen), die Unterschiede zwischen Lernenden in der Begriffsbildung sowie diverse Vermittlungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Lehrern aufzuzeigen, wie Begriffsbildung systematisch und in anregender Weise im Unterricht umgesetzt werden kann, um Schülern ein besseres Verständnis ihrer Umwelt zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse psychologischer und schulpädagogischer Fachliteratur, insbesondere der operativen Lerntheorie nach Aebli.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Klärung des Begriffs an sich und einen didaktischen Teil, der konkrete Phasen und Modelle der Vermittlung gegenüberstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Begriffsbildung, Unterricht, Kognitive Psychologie, Didaktik, Wissensrepräsentation und operative Lerntheorie.
Wie unterscheidet sich die Begriffsbildung in offenen gegenüber geschlossenen Systemen?
Während in geschlossenen Systemen bereits alle Merkmale gegeben sind und eine einfache Elimination erfolgen kann, erfordern offene Systeme von den Schülern das aktive Bilden von Hypothesen.
Warum ist die Anwendung von Begriffen nach dem Erwerb so entscheidend?
Begriffe dienen als Werkzeuge des Denkens; ihre Anwendung in echten Lebenssituationen verhindert oberflächliches Wissen und ermöglicht erst die Übertragung auf neue, komplexe Situationen.
Welche Rolle spielen positive und negative Beispiele bei der Begriffsbildung?
Sie dienen der Präzisierung: Während positive Beispiele den Begriff stützen, helfen negative Beispiele, Verwechslungen zu vermeiden und die relevanten von irrelevanten Merkmalen zu trennen.
Was ist die didaktische Analyse nach Klafki im Kontext der Arbeit?
Klafki fordert, dass Lehrer den Inhalt auf seinen begrifflichen Gehalt prüfen, um den Schülern einen exemplarischen Sinnzusammenhang zu vermitteln, der für ihre Zukunft von Bedeutung ist.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Rühling (Autor:in), 2005, Begriffsbildung im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78321