Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
1.1 Kurzbiographie von Sigmund Freud: 3
1.1.1 Grundthesen von Sigmund Freud: 4
1.1.1.1 Der psychische Apparat 4
1.1.1.2 Psychische Qualitäten 5
1.1.1.3 Die Sexualfunktion 5
1.2. Kurzbiographie von Franz Anton Mesmer: 6
1.2.1 Mesmers Theorie des tierischen Magnetismus: 7
2. Anwendung des Mesmerismus Magnetismus auf das
Augenmotiv im Sandmann 8
3. Anwendung der Psychoanalyse auf das Augenmotiv im
Sandmann 14
4. Zusammenfassung: 20
5. Literaturverzeichnis: 21
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1. Einleitung
Die Psychoanalyse wird als historische Nachfolgerin des Mesmerismus und der Hypnose betrachtet. Im Gegensatz zu Mesmer hat Freud allerdings kein geschichtliches oder literaturgeschichtliches Interesse an der Erzählung des Sandmanns. Daher gehört die Analyse der Sandmanngeschichte durch den Mesmerismus/ Magnetismus in den geistesge- schichtlichen Bereich. Die Analyse durch Freud gehört dagegen zum psychoanalytischen Ansatz.
Das Ziel meiner Ausarbeitung ist zu zeigen, dass das Motiv der Augen sowohl im psychoanalytischen Ansatz als auch im Ansatz des Mesmerismus/ Magnetismus dafür verantwortlich ist, dass Nathanael wahnsinnig bzw. krank wird. Dabei beziehe ich mich hauptsächlich auf die Personen Nathanael und Coppelius/ Coppola, bzw. auf deren Beziehung zueinander.
Zu Beginn werde ich Sigmund Freud anhand einer kurzen Biographie vorstellen und die für dieses Thema relevanten Grundthesen Freuds kurz erläutern. Auch Mesmer werde ich mittels einer Kurzbiographie vorstellen und die Grundgedanken des Mesmerismus bzw. des Magnetismus erläutern. Mit Hilfe der Kerngedanken beider Theorien werde ich im Hauptteil zeigen, warum das Augenmotiv in enger Verbindung zu Nathanaels Krankheit steht und warum das Motiv der Augen sogar für dessen Selbstmord verantwortlich gemacht werden kann. Zum Schluss führe ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der auf das Augenmotiv angewandten Theorien auf und fasse die wichtigsten Gedanken noch einmal kurz zusammen.
1.1 Kurzbiographie von Sigmund Freud:
Sigmund Freud wird am 6. Mai 1856 in Freiberg, Mähren (Tschechien) geboren, zieht aber vier Jahre später (1860) mit seiner Familie nach Wien. Sein Vater Jakob, ein orthodox erzogener Jude, ist Wollkaufmann. Sigmund ist der Liebling seiner Mutter und stets eifersüchtig auf den Vater. Seine katholische Kinderfrau erzählt ihm von Himmel, Hölle und Strafen. Im Gymnasium ist er stets Klassenbester, so dass er mit 17 den Schulabschluss hat. Er beginnt ein Studium der Medizin mit dem Spezialgebiet Physiologie. Nach seinem Studium in Wien promoviert er 1881 zum Doktor der Medizin. 1885 bekommt er eine Privatdozentur im Fachgebiet Neuropathologie (Krankheitserscheinung des Nervensystems).
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Um 1887 beschäftigt er sich zum ersten Mal mit dem therapeutischen Einsatz von Hypnose. 1889 entwickelt er seine „Verdrängungstheorie“ (durch hypnotische Suggestion werden unerledigte Komplexe in Erinnerung gerufen und dadurch geheilt) und 1890 die „Neurosentheorie“ (Für Neurosen sind aktuelle oder frühere Sexualstörungen verantwortlich). 1895 entsteht „Entwurf einer Psychologie“, wobei ein Übergang von der Physiologie zur Psychologie stattfindet. 1899/ 1900 wird die „Traumdeutung“ veröffentlicht, 1923 „Das Ich und das Es“. Sigmund Freud stirbt am 23. September in London.
1.1.1 Grundthesen von Sigmund Freud:
1.1.1.1 Der psychische Apparat
Die menschliche Psyche oder der psychische Apparat besteht nach Freud aus drei Bestandteilen: dem Ich, dem Über- Ich und dem Es.
Die Instanz des Es beinhaltet alles, was ererbt ist, vor allem die Triebe (Destruktionstrieb und Eros). Man kann sagen, dass Es repräsentiert bezüglich des Ererbten die Vergangenheit. Beherrscht wird das Es vom Lustprinzip, wobei es sich auf alle sexuellen und aggressiven Neigungen (Triebe) bezieht. Das Es wird als primitiver unbewusster Teil der Persönlichkeit betrachtet. Als Sitz der primären Triebe wird vom Es nicht in Betracht gezogen, ob das, was begehrt wird, auch im Bereich des Möglichen liegt, ob es sozial erwünscht ist oder moralisch akzeptabel ist. Die Instanz des Ich vermittelt zwischen Es und Außenwelt. Das Ich muss die Befriedigung gewährleisten, bzw. die Befriedigung der Es- Impulse durch Verteidigung zurückstellen. Das Ich bedient sich dabei der Abwehrmechanismen. Man kann das Ich als Zentrum der Funktionen wie Wahrnehmung, Denken und motorische Kontrolle betrachten. Geleitet durch Reizspannungen empfindet das Ich Lust bzw. Unlust, wobei die Lust angestrebt wird, und der Unlust durch z.B. Angstsignale ausgewichen wird. Das Ich steht im Konflikt zwischen den Impulsen des Es und den Anforderungen des Über- Ichs. Beherrscht wird das Ich vom Realitätsprinzip, das vernünftige Entscheidungen über lustbetonte Wünsche stellt.
Die Instanz des Über- Ichs muss das Ich in Übereinstimmung mit den Normen kontrollieren. Wie das Es repräsentiert auch das Über- Ich die Einflüsse der Vergangenheit, nämlich das, was von anderen übernommen wurde. Das Über- Ich ist überall da anzunehmen, wo eine kindliche Abhängigkeit bestanden hat. Man kann sagen, dass das Über- Ich der Sitz der Werte und der in der Gesellschaft geltenden moralischen Regeln und Normen ist. Das Über- ich entspricht also in gewisser Weise dem Gewissen. Häufige Konflikte mit dem Es sind die
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Folge. „Eine Handlung des Ichs ist dann korrekt, wenn sie gleichzeitig den Anforderungen des Es, des Über- Ich’s und der Realität genügt, also deren Ansprüche miteinander zu versöhnen weiß.“ 1
1.1.1.2 Psychische Qualitäten
Des Weiteren unterscheidet Freud zwischen drei unterschiedlichen Qualitäten des Psychischen: dem Bewussten, dem Vorbewussten und dem Unterbewussten. Das Bewusste befindet sich wie das Vorbewusste im Bewusstsein. Dabei befindet sich das Bewusste im Gegensatz zum Vorbewussten aktuell im Bewusstsein, das Vorbewusste kann aber jederzeit abgerufen werden. Das Bewusstsein ist gekoppelt an die Wahrnehmungen der Sinnesorgane. Das Ich hat „die Qualität des Vorbewussten“ 2 .
Das Unterbewusste dagegen befindet sich im Unterbewusstsein. Man kann es als „herrschende Qualität im Es“ 3 bezeichnen. Zusammenfassend kann man sagen, „Es und Unbewusstes gehören ebenso innig zusammen wie Ich und Vorbewusstes.“ 4
1.1.1.3 Die Sexualfunktion
Als dritten wichtigen Punkt in Bezug auf Freud führe ich kurz die Entwicklung der Sexualfunktion an. Nach Freud beginnt die Sexualität nicht erst mit dem Einsetzen der Pubertät, sondern schon mit der Geburt.
Die Phase, die in etwa bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres besteht, nennt Freud die „orale Phase“. Das primäre Bezugsorgan als erogene Zone ist der Mund. Im Mittelpunkt der oralen Phase steht, „dieser Zone Befriedigung zu schaffen.“ 5 Das Nuckeln und Lutschen am Daumen z.B. nennt Freud sexuell, denn nach ihm dienen diese Tätigkeiten dem Lustgewinn (psychologische Ebene). Auf der physiologischen Ebene handelt es sich dagegen um einen Saugreflex. Kinder im Alter bis ca. 3 Jahren befinden sich nach Freud in der „sadistisch- analen Phase“, wobei die „Befriedigung in der Aggression und in der Funktion der Exkretion gesucht wird.“ 6 1 Freud, Sigmund: Abriss der Psychoanalyse – Einführende Darstellung. Frankfurt am Main 1994. (Im folgenden abgekürzt als: Abriss) , S.43 2 Abriss, S.58 3 Abriss, S.58 4 Abriss, S.58 5 Abriss, S.49 6 Abriss, S.50
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Die dritte Phase nennt Freud die „phallische Phase“ (3-5 Jahre). Sowohl Mädchen als auch Jungen gehen davon aus, dass allein der Penis als Geschlechtsorgan (Phallus) vorkommt. Die darauf folgende Phase nennt Freud die „ödipale Phase“ (5-6 Jahre). In dieser Phase erfährt der Junge nach Freud das größte Trauma seines Lebens: er beginnt die Tätigkeit am Penis mit Gedanken an die Mutter. Das „Zusammenwirken einer Kastrationsdrohung und dem Anblick der weiblichen Penislosigkeit“ 7 (Ödipuskomplex) löst die Latenzzeit ein. Das Mädchen erkennt in dieser Phase ihren „Penismangel oder besser ihre Klitorisminderwertigkeit mit dauernden Folgen für die Charakterentwicklung“, was ebenfalls die „Latenzphase“ einleitet, die etwa bis zum 6 Lebensjahr andauert und mit dem Ausbleiben jeglicher sexuellen Aktivität einhergeht. Während sich die Libido in der ödipalen Phase auf das gegengeschlechtliche Elternteil und gegen das gleichgeschlechtliche richtet, orientieren sich die Kinder in der Latenzphase nach Freud am gleichgeschlechtlichen Elternpaar als nachzuahmendes Vorbild. Ab ungefähr 11 Jahren tritt das Kind in die „genitale Phase“ ein. Die Libido wird auf außerfamiliäre Partner gelenkt.
1.2. Kurzbiographie von Franz Anton Mesmer:
Franz Anton Mesmer wird am 23. Mai 1734 in Iznang am Bodensee geboren. Als Sohn eines Försters des Fürstbischofs von Konstanz besucht er zunächst eine Klosterschule und später das Jesuitenkolleg. Von 1750 – 54 besucht er die Jesuitenuniversität in Dillingen, wo er sein Studium der Theologie und der Philosophie für das Priesteramt vollzieht. Er kommt dabei in Kontakt mit der katholischen Scholastik und hat ebenfalls Kontakt zu mystischen und magischen Elementen des Barocks. Von 1954 bis ca. 1759 wechselt er an die Reformuniversität Ingolstadt. 1766 promoviert er zum Arzt, wo er in Kontakt kommt mit dem Bannkreis des „Iatromechanismus Boerhaaverscher Prägung“. Er beschäftigt sich dabei mit der Umsetzung cartesianischer und newtonscher Theorien in Physiologie und Medizin. 1784 wird die „Societe de l`Harmonie“ gegründet, eine Unterstützungsgesellschaft durch einflussreiche Anhänger. Dort wird die Lehre des „Magnetisme animal“ eingeweiht, und ebenfalls werden dort Magnetiseure ausgebildet. Nach starker Kritik von vielen Seiten wird er 1809 durch den Arzt Joseph Anton Zugenbühler wieder entdeckt und als Meister bezeichnet. 1814 erscheint die Publikation „Mesmerismus. Oder System der Wechselwirkungen.“ Franz Anton Mesmer stirbt am 5. März 1815 in Meersburg.
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Tina Heesel, 2002, Magnetismus und Psychoanalyse - Anwendung auf das Augenmotiv in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Das Motiv der Augen in E.T.A. Hoffmanns 'Der Sandmann'
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