Ghana se’w Akwaaba!
Willkommen in Ghana!
Um das Schulsystem oder aber auch den Schulalltag in Ghana zu verstehen, ist es von großem Vorteil einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung des Landes zu werfen. Jedes Land hat schließlich ein ganz spezielles System, welches sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. In Ghana kommen mehrere sehr stark prägende Faktoren zusammen, welche innerhalb von einer äußerst kurzen Zeitspanne den Rahmen des heutigen Schulsystems bilden. Der Stolz, der Ehrgeiz und die Lust am Leben, um nur einige Merkmale der Ghanaer zu nennen, sind Tatbestand einer langen westafrikanischen Geschichte.
Jahrhunderte lange Unterdrückung durch die Europäer konnte die Bevölkerung nicht entmutigen und so war es dann auch kein Wunder, dass Ghana als erstes afrikanisches Land die Unabhängigkeit (1957) erlangte. Die Besetzung durch die Europäer hatte aber nicht nur Nachteile. So wurden nämlich in dieser Zeit die ersten Schulen nach europäischem Vorbild von Missionaren gegründet. Selbstverständlich kümmerten sich schon immer die kinderfreundlichen Ghanaer/innen aufopfernd darum, dass jedes ihrer Kinder später einmal ein selbständiges Leben führen konnte. Die Art und Weise war nur eine andere, wie die, die die Europäer ihnen aufzwangen. So lässt sich der Zwiespalt, in dem sich das Land heute befindet schon sehr früh ausmachen. Auf der einen Seite will das Land seine Traditionen bewahren und auf der anderen Seite will es auch für die Welt offen sein.
Die prägenden Faktoren, die heutigen Probleme und deren Lösungsvorschläge möchte ich versuchen in dieser Hausarbeit darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtliche Entwicklung
3 Schule und Bildung
3.1 Dipo
3.2 Burgschulen
3.3 Entwicklung des Bildungssektor
3.4 Hochschulen
3.5 heutiges Schulsystem
4 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die aktuelle Struktur des ghanaischen Schulsystems, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen traditionellen Erziehungswerten und westlich geprägten Bildungsmodellen liegt. Ziel ist es, die prägenden Faktoren des Systems sowie dessen Herausforderungen und Lösungsansätze darzustellen.
- Historische Grundlagen und koloniale Einflüsse auf das Bildungswesen
- Traditionelle Bildungsriten wie das Dipo der Ashanti
- Entwicklung von Burgschulen und der modernen Bildungssektor
- Strukturelle Reformen und die heutige Ausgestaltung des Schulsystems
- Herausforderungen wie Kapazitätsengpässe und Bildungsqualität
Auszug aus dem Buch
3.1 Dipo
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Mädchen die Lieblinge der Mütter sind. Somit wird es als Selbstverständlichkeit betrachtet, dass die Mädchen so erzogen werden, damit sie später einmal in die Fußstapfen ihrer Mutter treten können. Die Mutter bringt ihrer Tochter also Benimmregeln bei, sowie sie ihr Fertigkeiten lehrt, welche die Tochter beim führen eines Haushaltes braucht. Weiterhin lehrt sie ihr, wie sie sich gegenüber männlichen Familienmitgliedern zu verhalten hat und dass sie jeden Menschen (früher sogar die Sklaven) zu respektieren hat.
Obwohl die Mutter natürlich auch die Söhne aufzieht, unterliegen diese der Obhut des Vaters. Von seinem Vater erlernt der Junge die Verantwortung für das Wohlbefinden seiner Mutter, seinen Schwestern, seiner zukünftigen Frau sowie seinen zukünftigen Kindern zu übernehmen. Ferner achtet der Vater darauf, dass sein Sohn keine weiblichen Arbeiten übernimmt wie zum Beispiel kochen, putzen oder essen in einer Frauengruppe.
Für die Ashanti haben die Frauen eine schwierigere Lebensaufgabe zu bewältigen als die Männer. Deshalb gibt es auch nur für die Mädchen einen „Erwachsenwerdenkurs“. Um eine Tochter zu haben, welche von der ganzen Gesellschaft anerkannt wird, wird diese für normalerweise sechs Tage in eine Art Schule geschickt. Ohne diese Ausbildung ist es unmöglich verheiratet zu werden. Die Mädchen durchlaufen diese Ausbildung aber nicht nur damit die Familie weiterhin angesehen ist, sondern sie machen es aus erster Linie für sich selbst. Beigebracht wird den pubertären Mädchen wie die Menschen mit den Ahnen harmonisch zusammenleben können, sie erlernen soziale Kompetenzen und sie werden unterwiesen über das Mann- und Frausein. Ferner werden ihnen Ehepflichten und alltägliche Lebensführung gelehrt. Vieles wird anhand praxisnaher Spiele erklärt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Relevanz des ghanaischen Schulsystems ein und skizziert das Spannungsfeld zwischen Tradition und westlicher Moderne.
2 Geschichtliche Entwicklung: Das Kapitel beleuchtet die westafrikanische Geschichte, von frühen Kaiserreichen bis zur kolonialen Einflussnahme durch europäische Mächte.
3 Schule und Bildung: Dieser Abschnitt analysiert den Übergang von traditionellen Ritualen zur modernen schulischen Institution in Ghana.
3.1 Dipo: Der Fokus liegt auf dem Initiationsritus der Ashanti, der junge Frauen auf ihre zukünftige Rolle in der Gesellschaft vorbereitet.
3.2 Burgschulen: Hier wird die Entstehung der ersten christlichen Bildungseinrichtungen in den ehemaligen europäischen Festungen an der Küste beschrieben.
3.3 Entwicklung des Bildungssektor: Dieses Kapitel zeichnet den landesweiten Ausbau des Schulwesens seit dem 19. Jahrhundert und die Einflüsse politischer Umbrüche nach.
3.4 Hochschulen: Es wird die Etablierung universitärer Strukturen und der wachsende Bedarf an akademischer Ausbildung thematisiert.
3.5 heutiges Schulsystem: Hier werden die strukturellen Reformen von 1986 analysiert, die auf eine Optimierung des Bildungssystems in Ghana abzielten.
4 Schlusswort: Das Schlusswort zieht einen reflektierenden Vergleich zwischen dem deutschen und dem ghanaischen Bildungssystem unter Berücksichtigung der unterschiedlichen historischen Voraussetzungen.
Schlüsselwörter
Ghana, Schulsystem, Bildungsgeschichte, Dipo, Ashanti, Kolonialismus, Burgschulen, Bildungsreform, Unterricht, Lehrerausbildung, Universität, Tradition, Moderne, Entwicklungszusammenarbeit, Bildungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das ghanaische Schulsystem im Kontext der historischen Entwicklung des Landes und beleuchtet die Transformation von traditionellen Erziehungsformen hin zum modernen staatlichen Bildungswesen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die koloniale Vergangenheit, die Bedeutung traditioneller Riten, die Expansion des Schulwesens nach der Unabhängigkeit sowie die strukturellen Herausforderungen des aktuellen Bildungssystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die prägenden Faktoren des ghanaischen Bildungssystems zu identifizieren und den schwierigen Spagat zwischen dem Bewahren kultureller Traditionen und dem Streben nach moderner Bildung abzubilden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse, die historische Literatur sowie Berichte zur Bildungsreform in Ghana als Grundlage heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der historischen Epochen, die Analyse traditioneller Lernformen wie dem Dipo, die Entwicklung des Schulwesens unter britischem Einfluss und die modernen Bildungsstrukturen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ghana, Bildung, Dipo, Kolonialgeschichte, Schulreformen und die Balance zwischen traditioneller und westlich geprägter Bildung.
Wie beeinflusste das Dipo-Ritual die Bildung junger Ashanti-Frauen?
Das Dipo vermittelte essenzielle soziale Kompetenzen, Haushaltsführung und gesellschaftliche Normen, die für die Anerkennung und Heirat in der Ashanti-Gesellschaft zwingend erforderlich waren.
Warum wird das Bildungssystem in Ghana oft als "Spagat zwischen Tradition und Moderne" bezeichnet?
Da Ghana einerseits westlich orientierte Schulmodelle adaptiert hat, aber gleichzeitig bestrebt ist, eigene kulturelle Identitäten und Traditionen in der Erziehung der nächsten Generation nicht zu verlieren.
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- Manuel Maag (Author), 2004, Schule in Ghana, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78604