Gliederung
1 Einleitung 3
2 Theorie 4
2.1 Systemtheorie 4
2.2 Systematik der Subsystembeziehungen 5
3 Fakten zum Klimawandel 8
4 Die Subsysteme und der Klimawandel 10
4.1 Wissenschaft 10
4.2 Umgang mit dem Klimawandel 13
4.3 Massenmedien 16
5 Subsystembeziehungen 19
5.1 Wissenschaft und Politik 19
5.2 Politik und Massenmedien 21
5.3 Wissenschaft und Massenmedien 22
6 Fazit und Kritik 24
7 Literaturverzeichnis 26
2
1 Einleitung
Treibhauseffekt, CO 2 , Kyoto-Protokoll, Erderwärmung, Klimakatastrophe - der anthropogene Klimawandel ist zurzeit (wieder) in aller Munde. Hierbei existiert jedoch nicht nur eine Perspektive. Die Subsysteme der Gesellschaft nehmen das Themaauch sich verändernd im Zeitablauf - ganz unterschiedlich wahr und reagieren gemäß ihrer Codes sehr verschieden. Dabei stehen sie untereinander in Kontakt, beeinflussen und stören sich gegenseitig.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Beziehungen der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien am Beispiel des Umgangs mit dem Thema Klimawandel herauszuarbeiten.
Zunächst soll dazu kurz die Theorie (nach Niklas Luhmann und Uwe Schimank) dargestellt werden. Anschließend werden - nach einer Einführung in die heutigen Erkenntnisse zum Klimawandel - die Charakteristika der Subsysteme und ihr entsprechender Umgang mit diesem Thema beleuchtet. Es folgt eine Aufgliederung in die einzelnen Subsystembeziehungen.
3
2 Theorie
Zunächst gilt es, als Grundlage der weiteren Ausführungen den Systembegriff darzustellen und die Theorie der Subsystembeziehungen zu erläutern.
2.1 Systemtheorie
Die Systemtheorie als Gesellschaftstheorie macht sich die Beschreibung und Erklärung sozialen Geschehens, der sozialen Wirklichkeit, zur Aufgabe. (Eine neutrale Beobachtung der Gesellschaft von außen ist jedoch unmöglich, da der Beobachter als Mensch zwangsläufig immer auch selbst Teil der Gesellschaft, des Systems, ist. 1 )
Soziale Systeme sind nichts Festes, weisen allerdings eine Struktur auf. Sie bestehen nach Luhmann, dem Begründer der modernen Systemtheorie, nicht aus Akteuren und Handlungen, sondern aus Kommunikation, auch wenn diese sich letztendlich als auf Personen zurechenbare Handlungen konkretisiert. 2
Soziale Systeme besitzen eigenes Vokabular (z.B. die wissenschaftliche Sprache), eigene Grammatik bzw. Programme (z.B. die wissenschaftlichen Methoden) und eigene binäre Codes. Letztere sind Kriterien, nach denen im System Entscheidungen gefällt werden (z.B. in der Wissenschaft nach dem Code ‚wahr’ oder ‚nicht wahr’). Der Code stellt die Leitdifferenz des Systems dar, er ermöglicht also die operative Schließung und eine Unterscheidung zwischen Systemzugehörigem und Nichtzugehörigem. 3 Ein System bildet eine Einheit in Differenz zur Umwelt. 4 Nur wer sich an die Vorgaben hält, darf Mitglied des Systems sein. Programme als Erwartungsstrukturen helfen beim Überprüfen des Codes und der Auswahl von
1
vgl. dieser Absatz: Milanova, Mihaela: Gesellschaftstheorien 1: Systemtheorie [Teile]; aus MedienWiki, der freien Wissensdatenbank;
2
vgl. Weber, Christa: Gesellschaftstheorien 1: Systemtheorie [Teile]; aus MedienWiki, der freien Wissensdatenbank;
3 vgl. Weber, ebd.
4 vgl. Milanova, a.a.O.
4
passenden Handlungen. Sie sind die „Selbst- oder auch Fremdsteuerung von Systemen. Die Programmierung kann durch ein System selbst erfolgen, aber auch von einem anderen System ausgehen. Programme sind sehr viel weniger stabil als der Code eines Systems. [...] [Wird allerdings letzterer] verändert, dann bricht das System zusammen und hört auf zu existieren.“ 5
Die Umwelt wirkt auf das System ein und wird sehr wohl wahrgenommen, kann allerdings nur mit dem systemeigenen Zeichensystem abgebildet werden, so dass sich das selbstreferentielle System seine eigene Wirklichkeit konstruiert.
Systeme sind autopoietisch, das heißt, sie können sich nur durch die Reproduktion ihrer Strukturen entwickeln. 6 Kurz gesagt: Systeme „sind operativ geschlossen, kognitiv offen, strukturdeterminiert, umweltangepasst und reproduzieren sich temporär. Sie aktualisieren sich augenblicklich durch den Anschluss von neuer Kommunikation.“ 7
2.2 Systematik der Subsystembeziehungen
Ein System wie die Gesellschaft bildet funktional differenzierte Subsysteme aus, 8 auf die ebenso die oben genannten Charakteristika von Systemen zutreffen. Als wichtigste Subsysteme der heutigen Gesellschaft können Politik, Wissenschaft, Massenmedien und Wirtschaft 9 gelten.
Kurz zusammengefasst werden ihre Unterschiede und Charakteristika in der folgenden Tabelle (siehe Abb. 1), wobei dem Code die größte Wichtigkeit zukommt.
5 Weber, ebd.
6 vgl. Epskamp, Heinrich: Wissenschaftstheorie - Wissenschaftssoziologie; Foliensatz zur Master-Vorlesung „Wissenschaftssoziologie und Wissenssoziologie“ an der Universität Hamburg, DWP; Wintersemester 2006/2007; Folie 17
7 Weber, ebd.
8 vgl. Weber, ebd.
9 Das Subsystem der Wirtschaft wird gemäß der Aufgabenstellung nicht Teil dieser Arbeit sein.
5
Abb.1: Charakteristika der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien
Quelle: vgl. Epskamp, Heinrich: Wissenschaftstheorie - Wissenschaftssoziologie; Foliensatz zur Master-Vorlesung „Wissenschaftssoziologie und Wissenssoziologie“ an der Universität Hamburg, DWP; Wintersemester 2006/2007; Folie 39; sowie eigene Erweiterung
Durch die Ausdifferenzierung in Subsysteme und das Zuschreiben unterschiedlicher
Funktionen wird der immer komplexer werdenden Welt bestmöglich begegnet. 10 Die
Teilsysteme leisten in der Gesellschaft eigene Beiträge, wobei jedes etwas Unent-behrliches, Unersetzbares beisteuert. 11 Sie stellen jedoch keine kooperierenden,
aufeinander abgestimmten Teile dar. Vielmehr existieren sie mit ihren verschiedenen
Weltsichten nebeneinander und bilden eine polykontexturale Gesellschaft. 12
„Tatsächlich gelten die ‚Codes’ der Subsysteme Wissenschaft, Ökonomie, Politik
unabhängig voneinander, aber nur im kommunikationstheoretischen Sinn. Bezogen
auf reales Handeln geht es darum, eine bestimmte Codierung durchzusetzen“. 13
10 vgl. Weber, a.a.O.
11 vgl. Schimank, Uwe: Theorien gesellschaftlicher Differenzierung; 2. Auflage; Leske + Budrich;
Opladen 2000; S. 151
12 vgl. Schimank, Uwe: Gesellschaftliche Teilsysteme und Strukturdynamiken, in: Volkmann, Ute;
Schimank, Uwe (Hrsg.): Soziologische Gegenwartsdiagnosen II; Leske + Budrich; Opladen 2002; S.
15
13 Epskamp, Heinrich: Wissenschaftstheorie - Wissenschaftssoziologie; Skript zur Master-Vorlesung
„Wissenschaftssoziologie und Wissenssoziologie“ an der Universität Hamburg, DWP; Wintersemester
2006/2007; Fußnote 7 auf S. 10
6
Die Subsysteme sind bei Weitem nicht autark, sondern sie stören sich gegenseitig und sind von den Leistungen anderer abhängig. 14 Das Subsystem der Wissenschaft könnte beispielsweise in seiner heutigen Form nicht ohne finanzielle Zuwendungen von Seiten der Politik und der Wirtschaft überleben. Subsysteme können sich gegenseitig ihre Programme, Ressourcen und Codes durch strukturelle Kopplungen einverleiben, aufdrängen oder ausbalancieren. 15 „Strukturelle Kopplung bedeutet, dass Ereignisse in der Umwelt eines Systems, also auch Ereignisse aus anderen Systemen, nach Maßgabe der systemeigenen Möglichkeiten beobachtet und in eigene Operationen umgesetzt werden können. Dadurch können sich zwei oder auch mehrere Systeme aufeinander beziehen ohne ihre Unabhängigkeit aufgeben zu müssen. […] Strukturelle Kopplung vermeidet Überschneidung zwischen den gesellschaftlichen Funktionssystemen.“ 16
Die Freiheit des einzelnen Subsystems wird durch die Abhängigkeiten bei strukturellen Kopplungen allerdings - häufig asymmetrisch - eingeschränkt, auch wenn weiter nach den eigenen Codes entschieden wird. Probleme und Sachverhalte werden vom einen ins andere Subsystem umcodiert, also jeweils nach den systemtypischen Codes bewertet, so dass häufig zwangsläufig zwischen verschiedenen Subsystemen kein Konsens hergestellt werden kann. 17
14 vgl. Schimank (2002), ebd.
15 vgl. Epskamp (Foliensatz), a.a.O., Folie 48
16 Weber, a.a.O.
17 vgl. dieser Absatz: Epskamp (Skript), a.a.O., S. 46
7
Quote paper:
Diplom-Betriebswirtin, M.A. Hilleken Zeineddine, 2007, Beziehungen der Subsysteme Wissenschaft, Politik und Massenmedien am Beispiel des Umgangs mit dem Klimawandel, Munich, GRIN Publishing GmbH
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